Einbahnstraße in Stuttgart

heute bin ich wieder mal an dieser Stelle vorbei gekommen. Früher was das gar kein Problem, da konnte man dort einfach so mit den Rad legal durchfahren.
Inzwischen ist das wohl nicht mehr gewünscht und die Durchfahrt ist nun komplett verboten.Einbahnstraße, verboten
Aber, wie immer hier in Stuttgart, scheint die Rad-Infrastruktur entweder nicht bedacht zu werden (ich hoffe mal, dass das stimmt und an den entsprechenden Stellen einfach „nur“ Leute sitzen, die mit ihrem Job heillos überfordert sind) – oder aktiv sabotiert zu werden.
Von der anderen Seite der Herzogstraße steht am Einbahnstraßen-Schild zumindest noch das Schild, dass Radfahrer auch entgegen dieser Einbahnstraße fahren dürfen. Und der Stuttgart-typische 15m-Radweg-Versuch ist natürlich auch auf die Straße gemalt; vielleicht ist hier auch der Diminutiv „Radwegchen“ oder, schwäbisch: „Radwegle“, passend.
Ob diese Mini-Radweg-Stückchen eigentlich auch zu den viel-genannten „180km Radwegen in Stuttgart“ gehören, von denen die Stadt immer wieder spricht?
Einbahnstraße, erlaubt

zur Messe, zweiter Tag

wir haben ja nicht nur so ein grünes Rapid von der Radkutsche im Lastenrad-Verleih, sondern auch ein Curve-E von Babboe. Das Rapid habe ich gestern mit Anhänger zur Messe gefahren, heute wäre das dreirädrige von Babboe dran. Allerdings will ich nicht schon wieder im Feierabend-Verkehr durch die ganze Stadt im Stau stehen, außerdem machen längere Strecken mit diesem Rad auch nicht soviel Spaß und ich will lieber so schnell wie möglich auf der Messe sein. Daher hole ich es ab und will es in die S-Bahn nehmen. In der Station Stadtmitte habe ich das Problem, dass viele Menschen dort sind und der Aufzug ewig langsam ist. Außerdem steht da schon ein Kinderwagen an und mir sieht der Aufzug auch zu klein (sprich: zu kurz) für das Rad aus. Etwas verzweifelt überlege ich, was ich nun tun könnte. Aber außer der Rolltreppe bleibt ja nichts anderes übrig. Um wenige Zentimeter passt das Fahrrad dort auch drauf und ich halte es gut fest, damit es nicht unkontrolliert runterfällt.
Das war ja einfacher als gedacht! ;~)

Zwei Stationen vor meinem Ziel „Flughafen/Messe“, sehe ich, dass es eine ebenerdige Station ist und überlege mir kurz, ob ich hier nicht aussteigen sollte, entscheide mich aber dagegen. Wird schon klappen. Aus der S-Bahn Station am Flughafen/Messe komme ich auch – mal wieder per Rolltreppe – eine Ebene weiter hoch, dort ist aber noch kein Ausgang. Dazu muss ich noch eine weitere Ebene überwinden. Aber jetzt ist Schluss: die Poller, die verhindern sollen, dass die Leute die Gepäckwagen überall hin mitnehmen, stehen mir als ziemlich unüberwindbares Hindernis im Weg. Ich denke mir noch, dass ich lieber doch vorher mal ausgestiegen und ein paar Kilometer hierher gefahren wäre. Bevor ich den Gedanken zuende denken kann, sehe ich einen Aufzug hinter mir, der auch gerade groß genug ist, dass ich mit diesem Rad rein und zum Ausgang komme. Voilá somit ist das zweite Rad auf dem Messestand….

Endstation irgendwo mittendrin im Flughafen/Messe

Der Weg in die Messe gestaltet sich ähnlich hindernisreich, aber auch machbar.
Man kommt mit diesen Rädern also (fast) überall hin, nur muss man hier und da mal etwas überlegen und einen anderen Weg, als den sonst gewohnten/einfachen/direkten nehmen. Vielleicht fühlen sich junge Familien mit Kinderwagen oder RollstuhlfahrerInnen ähnlich – und auf einmal sieht man seine Stadt mit etwas anderen Augen.

auf zur Messe!

auf den Frühlingsmessen gibt es einen Stand des Landes Baden-Württemberg zum Thema Nachhaltigkeit. Dort sind wir mit der Lastenrad-Initiative auch eingeladen worden. In den Wochen davor haben wir uns mit ein paar anderen „Reclaim the Streets“ Initiativen zusammen getan und ein Konzept für diese Messe erstellt. Heute ist der große Tag – wir bauen auf. Natürlich stellen wir ein Lastenrad mit Anhänger aus und wenn ich dieses Gespann schon dort hin fahre, kann ich auch gleich noch ein paar weitere Sachen im Hänger transportieren. Das komplette Gestell sah dann so aus:
Messe-Anfahrt mit Lastenrad und Anhänger
Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwierig, da mich mein Navi über eine 22%-ige Steigung geführt hat, die ich bisher noch nicht kannte. Damit war das Gespann überfordert und ich musste teilweise schieben und das Gespann sogar die letzten Meter aufteilen. Aber sonst war die ca. 20km lange Anfahrt gut zu machen.

Und da ich der erste von unserem Stand vor Ort war, war „mein Traumstand“ auch schnell aufgebaut. ;~)
Messe-Stand mit Lastenrad und Anhänger

StVO Kenntnis

aus Berlin zurück habe ich mir ein Call-a-Bike an der Stuttgarter Hauptbahnhof-Ruine geschnappt und mich damit auf den 2km langen Heimweg gemacht. Dabei führt mich meine Route über eine dreispurige Bundesstraße, wo ich zum Teil auf der mittleren Spur fahren muss (die rechte ist eine Abbiege-Spur). Ich merke schon, dass ein Auto hinter mir fährt, ich habe aber keine Eile und lasse sowieso gerade noch einen Arm lässig zur Seite hängen. Ca. 200m später taucht auf dieser Bundesstraße auf einmal ein benutzungspflichtiger Radweg am rechten Rand auf, der dazu noch genau in der sog. „Dooring Zone“ liegt; direkt neben parkenden Autos, also dort, wo es am aller-gefährlichsten zum Radfahren ist, weil kein Autofahrer jemals mit einem Schulterblick überprüft, ob nicht ein Radfahrer von hinten kommt. Trotzdem fahre ich sofort auf diesen Weg und dann geht bei dem Auto hinter mir plötzlich das Blaulicht an, es fährt neben mich und das Fenster wird geöffnet.
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neue Bahn-Verbindung

letztes Jahr hat ein Unternehmen angefangen, eine neue Bahn-Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin anzubieten: Locomore. Das Ganze wurde per Crowd-Funding umgesetzt, ich habe mich daran jedoch nicht beteiligt, weil ich zu skeptisch bin, dass diese Idee auch längerfristig funktionieren könnte.
Inzwischen ist das Unternehmen gestartet und ich habe mir gleich mal ein Ticket für eine Berlinfahrt besorgt, die Kosten dafür waren 22€ pro Fahrt – Berlin ist ja immer eine Reise wert. Diese Fahrt wurde recht kurzfristig wieder abgesagt, weil sie festgestellt haben, dass sie noch einige Kinderkrankheiten beheben müssen. Daher fuhre sie einige Zeit nur Donnerstag bis Sonntag. Ich will aber am Montag zurück. Also habe ich mein Ticket auf das erste April-Wochenende umgebucht, weil ab dann wieder durchgängig gefahren wird.

Gespannt war ich ja schon, was mich jetzt erwartet, die Werbeversprechen sind ja ziemlich vollmundig. Woran ich mich nur schwer gewöhnen kann: Die Abfahrt des einzigen Zuges in Stuttgart ist mitten in der Nacht um 06:21. Nur kurz vorher habe ich noch eine eMail bekommen, in der mir mitgeteilt wurde, dass meine Reservierung geändert wurde, weil „mein“ Wagen nicht mehr mitfährt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf („offenbar das gleiche Chaos wie bei der DB!“) lege ich mich ins Bett und hoffe, dass ich kurz drauf wieder pünktlich aufstehen werde. Das hat tatsächlich geklappt und ich laufe auf den orange-farbenen Zug zu.
der Locomore-Zug wartet auf mich
Wenige Meter weiter dann die „Enttäuschung“: mein Wagen ist nur ein sehr alter Wagen der DB, ohne irgendwelches Branding, Renovierungen oder Überarbeitungen von Locomore. Na gut, das kenne ich ja von der Strecke Stuttgart-Ulm schon zu gut, dort braucht die Bahn ja auch die ältesten Züge „auf“ (siehe z.B. hier). Allerdings ist es etwas anderes, eine Stunde mit so einem Gammel-Zug zu fahren, als einmal quer durch Deutschland zu reisen. In den alten Zügen ist eine ziemlicher Lautstärke (zum Glück habe ich noch an Kopfhörer gedacht), an „arbeiten“ war leider auch nicht zu denken. Es gab in diesem Waggon weder Strom für Laptop/Smartphone noch WLAN.
Und die Problematik mit defekten Toiletten und Türen scheint Locomore auch von der DB geerbt zu haben.auch bei Locomore funktioniert nix
Um es positiv zu sehen: ich bin relativ günstig und (langsam) pünktlich nach Berlin gekommen und hoffe nun, dass die Rückfahrt besser laufen wird. Ansonsten wird das mein erster und einziger Versuch mit dieser Verbindung gewesen sein. Dann zahle ich lieber ein paar Euro mehr und fahre mit der „normalen“ Bahn, bin damit deutlich schneller, flexibler, habe es komfortabler und muss mir vor allem keine (platzenden) Werbe-Lügen erzählen lassen.

mit Banner auf der Critical Mass

nachdem ich jetzt eine Möglichkeit habe, mit einem Fahrrad-Anhänger Werbung zu fahren, wollte ich das bei der Critical Mass gleich mal ausprobieren. Bei Flyeralarm kriegt man recht günstig solche Banner in jedem beliebigen Maß und einen tollen Spruch habe ich ja sowieso auf Lager: Niemand muss Auto fahren!
Also setzte ich mich Sonntag Nacht noch hin und habe mal ein bisschen rumgespielt; mit diesem Ergebnis war ich recht zufrieden (erst viel später kam mir, dass ich ja „mein X“ im gleichen Farbdesign dort noch draufmachen hätte können):
Niemand muss Auto fahren Banner
Die Lieferzeit wird mit 4-5 Werktagen angegeben, müsste also noch bis zur Critical Mass funktionieren. Also habe ich die Bestellung abgeschickt und die Daumen gedrückt.
Und tatsächlich konnte ich etwa 1h vor der Critical Mass dies Banner abholen und noch auf den „Streitwagen“ montieren. Das sieht dann so aus, die Zugmaschine ist auf dem Bild jetzt noch nicht drauf, aber dass da an der Deichsel noch ein Rad davor gespannt wird, sollte klar sein. Für andere Demo-Arten kann man diesen Anhänger jedoch auch problemlos als Fussgänger ziehen und auf das ziehende Rad verzichten. Falls jemand dieses Gestell/Gerüst/Geländer mit Hänger mal braucht, oder diese Banner irgendwo öffentlichkeitswirksam aufhängen will, einfach kurz bei mir melden, da finden wir bestimmt eine Lösung! 🙂

Niemand muss Auto fahren Banner auf dem Streitwagen

„Niemand muss Auto fahren“-Banner auf dem Streitwagen

Bei der Critical Mass in Stuttgart sollen dieses Mal fast 1000 Leute dabei gewesen sein. Von diversen Zählern habe ich so Zahlen wie 973 oder 980 gehört. Wow – das ist mal eine Hausnummer! Dass sich in der Gesellschaft gerade etwas tut (wenn auch noch recht langsam und eher im Verborgenen) habe ich mir im Winter schon öfters gedacht, wenn ich auf meiner Pendelstrecke trotz Schnee und knackigen Minustemperaturen immer noch viele Radfahrer gesehen habe.
Und seit ein paar Wochen sehe ich eigentlich jeden Tag Lastenräder durch Stuttgart fahren. Das war „früher“ noch etwas sehr besonderes und sicherlich nichts „tägliches“.

Berta gefahren

nachdem ich mein eigenes Rad über Nacht ordentlich abgeschlossen am Büro-Parkplatz stehen lassen muss, brauche ich eine andere Möglichkeit, nach Hause zu kommen. Also flugs zum Hobbyhimmel und dort das restaurierte Oldtimer-Lastenrad „Berta“ schnappen. Dort ist gerade sowieso kein Platz mehr und in naher Zukunft sollte es vermutlich eher in der Innenstadt stehen und nicht dort „draußen“ in Feuerbach.
Allerdings habe ich nicht gedacht, dass es so ungewohnt ist, mit diesem Rad zu fahren. Dass es keinen Motor hat und somit etwas anstrengend zu fahren sein wird, war mir schon klar. Negativ überrascht war ich jedoch von der (Knick-) Lenkung. Mit dem Rad kann man eigentlich nicht geradeaus fahren, kleinste Bewegungen irgendwo im Körper resultieren sofort in einer kleinen Lenkbewegung, bei schnelleren Geschwindigkeiten zu entsprechend größeren Lenkbewegungen, die sich dazu noch aufschaukeln können. Und wenn man bremst, zieht das Rad dann auch in eine Richtung. Ansonsten ist diese dreirädrige Konstruktion ohne Neigetechnik natürlich sehr gewöhnungsbedürftig. Vom normalen Radfahren kennt man es, dass man sich in Kurven ganz automatisch „reinlegt“, auch wenn man es nicht merkt. Dieses Dreirad neigt sich dagegen keinen Millimeter. Das gibt einem ein sehr seltsames Gefühl, man meint bei jeder kleinen Kurve, dass da irgendwas nicht stimmt….
Nach 10km habe ich mich zwar langsam daran gewöhnt, mein Lieblingsrad wird das aber bestimmt nicht. Dann lieber ein Rad mit Neigetechnik (wie z.B. von Heisenberg oder Butcher&Bicycles). Da muss man sich zwar auch dran gewöhnen, weil es sich genau gegenteilig anfühlt (so als ob man in die Kurve „reinfällt“), das ging bei mir aber viel schneller und ist auch viel alltagstauglicher.

Berta, der Lastenrad-Oldtimer

Berta, der Lastenrad-Oldtimer