Archiv für den Monat: Oktober 2016

Offener Brief

von „offenen Briefen“ habe ich schon öfters mal etwas gelesen. Auf wikipedia gibt es dazu sogar einen ganzen Artikel. Da ich aktuell mein ÖPNV-Abo kündigen will, dachte ich, dass ich dies zum Anlass nehmen könnte, auch mal einen solchen „offenen Brief“ verfassen könnte, schließlich gibt es genügend Gründe, nicht mehr am Stuttgarter Nahverkehr teilzunehmen.
Diesen Brief habe ich über das Formular bei der SSB abgeschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich mein VVS Jahresticket+ zum Ende des nächsten Monats, sprich zum 30.11.2016.

Die Gründe werden sie wohl nicht interessieren, dennoch möchte ich Sie sowohl hier als auch in einem „offenen Brief“ darlegen.

Unzuverlässigkeit. Dass kaum noch eine Bahn (gerade im Berufsverkehr) pünktlich fährt ist kein Geheimnis. Diese Unzuverlässigkeit hat mich schon vor geraumer Zeit dazu animiert, an den allermeisten Tagen zum Fahrrad-Pendler zu werden. Mein VVS-Ticket habe ich dennoch behalten, da ich es bisher auch noch als eine Art „Solidaritätsbeitrag“ gesehen habe.

Umbau. Die Schließung der Haltestelle Staatsgalerie betrifft mich direkt.

Schlechte Anschlüsse. Eine Verbindung, die ich sehr schlecht geplant finde, ist der Anschluss vom 41er Bus zur S-Bahn Feuersee. Der Bus kommt oben an, während unten die Bahn weg fährt. Blöd, wenn man dann meist länger auf die nächste Bahn warten muss, als man damit fährt. Und dass das nächste Freibad aus dem Westen (Killesberg) überhaupt gar nicht an das ÖPNV Netz angeschlossen ist verwundert mich schon seit Jahren jeden Sommer aufs Neue. Diese beiden Beispiele sind definitiv nicht die einzigen Schwachstellen im Netz.

Preiserhöhung. In Verbindung mit der Unzuverlässigkeit und dem umbau-bedingten Wegfall einiger meiner Verbindungen empfinde ich es als eine ziemliche Frechheit, wie selbstverständlich mal wieder eine Preiserhöhung anzukündigen. Nebenbei: Ob Stuttgart über oder unter dem Durchschnitt der 73%-ÖPNV-Preissteigerung in Deutschland liegt, müsste ich mal recherchieren, wenn mir da niemand zuvorkommt.

Fehlende Flexibilität. Ich arbeite seit diesem Jahr nur noch in einer Vier-Tage-Woche. Trotz des neuen eTickets gibt es immer noch keine Möglichkeit eine gewisse Flexibilität zu haben (z.B. günstigerer Preis bei reduzierter Gültigkeit oder erweiterbare Plus-Funktionen am arbeitsfreien Tag).

Sonstige Vergünstigungen. Gerade vor Kurzem ist wieder ein Kundenmagazin ins Haus geflattert, welches ich nach kurzem Durchblättern so ins Altpapier schmeißen musste. Keine Infos und kein Mehrwert für mich als ÖPNV-Nutzer. Ähnlich ist es mit diversen Aktionen (z.B. reduzierte Preise auf dem Cannstatter Wasen), die vermutlich auch mit einem (Werbe-) Budget bezahlt werden. Ich will so etwas nicht. Ich will ein vernünftiges Netz und keine sonstigen, unsinnigen Ausgaben mitbezahlen müssen.

Polygo-Karte. Diese Karte bringt mir keinerlei Vorteil bei einigen Nachteilen. Z.B. kann ich mit dieser Karte keine Call-a-bike Fahrräder mehr ausleihen, was mir dem alten Mobilpass problemlos ging. Mehr habe ich dann auch nicht mehr probiert. Abgesehen davon bin ich mir sicher, dass dieses System bei Kontrollen nicht perfekt funktionieren wird und ich definitiv kein Interesse daran habe, bei einer solchen Massenkontrolle unter unverhältnismäßig großen Polizeischutz (teilweise mit schwerer Bewaffnung!) aufzufallen, weil das Auslesesystem fehlerhaft funktioniert.
So wie Sie sich in den letzten Jahren im öffentlichen Bild zeigten, wird Ihnen das auch völlig egal sein und ich werde in einem solchen Fall Strafzahlungen erwarten müssen und eine nervige und unsinnige Organisation, um ihren Fehler dann wieder zu korrigieren.

Nein, danke. Es reicht mir!
Gestalten Sie endlich einen attraktiven Nahverkehr zu vernünftigen Konditionen, dann nehme ich wieder teil. So nicht.

Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Hoyer

Stuttgarts „Hauptradroute 1“

Stuttgart hat diverse Probleme mit dem MIV (motorisierten Individual-Verkehr):

  • mögliche, bzw. wahrscheinliche, gesundheitliche Folgen durch Feinstaub von Verbrennungsrückständen, Brems- und Reifenabrieb
  • Staus – Stuttgart ist immer wieder „Stauhauptstadt“
  • Platzbedarf – in der ganzen Stadt ist eine unheimlich große Fläche für Autos vorgesehen, seien es nun Parkplätze oder Straßen. Und jede/r hat das Gefühl, dass er/sie keinen Parkplatz hat (mit welchem Recht eigentlich?) und dass es viel  zu wenige Straßen gibt.
  • Lärm: die Anzahl von extra laut fahrenden Autofahrern kommt mir in letzten Zeit immer größer vor, sei es an Ampeln (dieser unsägliche „Kavaliersstart“) oder an den hier oft vorkommenden Steigungen, gerne in Wohngebieten mit Rechts-vor-Links Regelungen

Die Lösung wäre eigentlich recht einfach und wird von Stuttgart auch gerne sehr halbherzig beworben, ich nenne hier nur mal die gefloppte Kampagne #Stuttgartsteigtum
(Achtung, nach dem Klick gibt’s viel zu lesen!)
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Tunesday

das Planetarium in Stuttgart hat die Reihe „Tunesday“ ins Leben gerufen. Dabei spielt ein DJ ein Set von einer guten Stunde, während die Zuhörer, bzw. die Zuschauer, in den Halbliegesitzen des Planetariums zusätzlich noch von einer Video/Laser-Schau unterhalten werden.
Ganz am Anfang werden wir darum gebeten, die Handys doch aus zu lassen, weil die Bilder sowieso „überbelichtet“ werden (wobei doch eher eine Mischung aus „unterbelichtet“ und „verschwommen wegen zu langer Verschlusszeit und zu hohen ISO-Werten“ zutreffen würde) – und dann gehts auch schon los. Heute spielt Tobi Grimm, der mir, als Szene-fremdem, natürlich gar nichts sagt. Der hampelt auf seinem Pult aber trotzdem ziemlich rum – ganz im Gegensatz zum Publikum, das bewegt sich gar nicht, wie ich bei ein paar Kontroll-Rundumblicken festgestellt habe. Ohne genauere Kenntnisse dieser Musikstile würde ich es vielleicht als „Ambient Slow Techno“ bezeichnen, der über die Anlage zwar recht gut rüberkommt, aber im ganzen Saal scheppert bei jeder Frequenz irgendwas anderes mit.
der Tunesday im Stuttgarter Planetarium
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Tag der Deutschen Einheit

klar könnte ich mich darüber ärgern, dass dieser 3. Oktober auf einen Montag fällt, wo ich montags doch sowieso schon immer frei habe. Das ist aber aktuell völlig unwichtig. In Bad Cannstatt will die Hetzer-Partei heute Abend mal wieder ihre Hassparolen verbreiten und in Dresden spielen sich auf den offiziellen Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit offenbar ziemlich schlimme Dinge ab, die einer „Hochkultur“ (wie diese „Urdeutschen“ sich immer völlig verklärend sehen) absolut unwürdig sind.
Müssen wir weltoffenen, normalen Deutschen wirklich unseren guten Ruf von diesem immer wieder pöbelnden, hetzenden, feuerlegenden, schlägernden Mob zerstören lassen? Sollten wir nicht ein Einheits-Exit planen und ein „Nazi-Land“ irgendwo im Osten entstehen lassen, wo diese sich jeden Tag gegenseitig angiften und sich selbst zerstören können?

Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll, ich bin sprachlos. Daher versuche ich es einfach mal mit einem Lied-Zitat von den Toten Hosen, die im letzten Jahr ein Konzert mit ihrer „Entarteten Musik“ spielten. Ursprünglich haben sie es schon 1993, also vor über 20 Jahren auf der „Kauf Mich“ Platte veröffentlicht, leider ist es heute immer noch, bzw. schon wieder, hochaktuell.

Fahrradstadt Stuttgart

ich kriege öfters mal zu hören, dass die Stadt Stuttgart ja gar nicht so schlimm ist, was das Thema „Radfahren“ angeht, angeblich soll hier die Polizei das große Problem sein. Diese zweite Aussage stimmt mit meinen Erfahrungen überein, aber wenn ich mir so eine Verkehrsführung anschaue (die ja von der Stadt Stuttgart gemacht wird, oder?) dann zweifle ich schon auch an der Kompetenz der Stadtverwaltung.

Radfahrer-Paradoxon in Stuttgart

Radfahrer-Paradoxon in Stuttgart

Heute sehe ich zum Beispiel diese Schilder-Batterie am Berliner Platz (auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist auch noch mindestens eines bzgl. dieses „Radweges“), die mir v.l.n.r. sagen, dass „Fahrräder frei“ sind, sogar einen „benutzungspflichtigen Radweg“ anordnen und gleichzeitig die Durchfahrt für Fahrräder komplett verbieten; konsequenterweise steht das Schild dann auch auf diesem extra angelegten Radweg. Vor diesem Paradoxon steht der städtische Radfahrer des öfteren, vermutlich nicht nur in Stuttgart – und dann wird sich gewundert, wieso sich die Radfahrer manchmal eben nicht an die Regeln halten (ja, welche denn überhaupt?) und sich ihre eigenen machen.
Wenn ich so etwas sehen muss, ist es natürlich schwierig, seriös und anständig zu bleiben. Ich frage mich, wie wenig Kompetenzen man haben muss, um bei der Stadt Stuttgart zu arbeiten, wie schnell ist man dort wohl schon überqualifiziert? Selbst wenn der „Schreibtisch-Täter“, der dieses Schild angeordnet haben könnte, diesen Fehler (un-)bewusst gemacht hat, wie zum Teufel kann die Person, die das rechte Schild aufgestellt hat (das ist das neuste), das einfach so machen? Jedes Kleinkind kann erkennen, dass sich das blaue und das rot/weiße Schild widersprechen, dazu braucht es noch nicht mal lesen können!
Wenn ich in meinem Job solche kapitalen Fehler begehen würde, hätte ich große Probleme diese bei meinen Vorgesetzten zu begründen; jegliche Leistungszulagen sowie mögliche Beförderungschancen wären futsch.