Archiv für den Monat: Dezember 2017

Helensville – Western Hights

diesen Morgen, der letzte im Jahr 2017, geht wieder sehr zögerlich voran. Wir werden von Cheryl und Rod noch zum Frühstück eingeladen und lernen dabei, dass sie aus ihrem Haus in zehn Wochen rausgeschmissen werden, danach wollen sie in einem Bus leben. Für ihr Alter – sie sind zumindest schon seit 46 Jahren verheiratet – ist das für mich ziemlich ungewöhnlich. Das ganze Haus ist deshalb so vollgestopft, weil Rod’s Vater erst vor wenigen Tagen gestorben ist und sie alle seine Sachen bei sich untergestellt haben. Und trotz all dem Stress sind sie solche freundliche Menschen, die ziemlich viel für Radfahrer machen – obwohl sie selbst nie Rad gefahren sind. Ich weiß gar nicht recht, wie ich ihnen das alles adäquat danken soll.
Sie bieten auch noch an, dass sie uns nach Muriwai, an diesen Strand mit einer Seevogel-Population, bringen können (die weltweit zweitgrößte). Das sind ca. 25km, aber auch das lehnen wir ab. Die anderen haben es teilweise nicht verstanden, oder kein Interesse. Ich denke mir: da fahre ich halt schnell selbst hin.

Der Strand ist für neuseeländische Verhältnisse wohl „überfüllt“.

Aber ich bin ja nicht zum Baden gekommen, sondern um die Vögel anzuschauen. (naja)
Josef hat das alles nicht interessiert und er ist weiter nach Auckland gefahren. Er lebt von 18$ pro Tag und kann/will sich daher keine Zeltplätze oder Hostels leisten. Glücklicherweise hat er spontan für die heutige Silversternacht noch einen Schlafplatz über warmshowers gefunden. Ich habe noch nix, werde aber schon etwas finden. Diese Gelassenheit habe ich inzwischen schon gelernt – am Ende des Tages werde ich irgendwo schlafen, zumindest hat das im letzten halben Jahr immer funktioniert.
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Wellsford – Helensville

als ich angekommen bin, lernen wir uns erst mal etwas kennen. Claire, die mich eingeladen hat, ist eigentlich Kanadierin, mit ihrem französischen Akzent natürlich aus Quebec und ihr Partner Kevin wohnen in diesem Haus, das – für mich recht ungewöhnlich – erst von ein paar Jahren hierher transportiert wurde. Es wurde ein paar Kilometer weiter unten an der Straße gebaut, aber da sie hier das Land haben, haben sie das Haus eben hierher bringen lassen. In Neuseeland sei das scheinbar üblich.
Die Renovierungen sind bereits soweit, dass sogar ein Gästezimmer zur Verfügung steht, das ich gerne nutzen kann. Das mache ich gerne, um mir das Zelt auf- und abbauen zu ersparen. Ich werde noch zum Abendessen eingeladen und wir unterhalten uns noch gut, bis wir „The Mountain between us“ anschauen.

Am nächsten Morgen wird mir angeboten, dass ich mit dem Auto mitgenommen werden kann. Das lehne ich zwar ab, aber dann heißt es, dass es wirklich kein Aufwand ist und die Straße echt gefährlich ist. Also sage ich halt zu, dass ich für 15km bis zu meiner Abzweigung mitfahre.
Dann fahre ich wieder selber über solche Strecken.

Ich treffe auf der Strecke Josef aus England von „The one good Road“ und wir fahren zusammen weiter.
Auf dem Bild ist er links im Hintergrund, ich habe es aber für meinen CargoBikesWorldWide-Twitter aufgenommen. Recht selten, solche Lastenräder hier. In einem Geschäft in Auckland habe ich zwar ein paar gesehen, sogar ein Rapid von der Radkutsche, aber der Verkäufer meinte, dass das hier nur sehr, sehr langsam kommt. Bis jetzt kennt er noch jede/n einzelne/n LastenradfahrerIn hier in Auckland. (so war das in Stuttgart bis vor zwei Jahren auch noch)

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Dargaville – Kaiwaka

das Fahrrad ist repariert, also geht es weiter. Heute steht diese ziemlich lange, gerade Straße auf dem Programm. Es erinnert mich fast schon ein bisschen an Kanada und ich bin ganz froh darüber, jetzt mal keine Hügel fahren zu müssen.

Auch wenn ich zur Seite schaue, erinnere ich mich an die „Prairies“ aus Kanada. Es ist einfach nur flach, ziemlich weit. Wobei der Vergleich mit Kanada etwas hinkt, denn dort gibt es so viel flaches Land, wie ganz Neuseeland zusammen. Aber nach den ganzen Hügeln in den letzten Tagen kann man auch mal fünfe gerade sein lassen.

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Kaihu – Dargaville

eigentlich fing der Tag ganz gut an.

Bis ich Probleme mit dem Gepäckträger auf den Schotterstraßen bekommen habe.
Erst hat sich die Schraube auf der einen Seite gelöst. Das war ja noch recht einfach zu reparieren, einfach wieder reinschrauben und in dem Zuge die andere nochmal nachziehen.
Aber so ca. 15km später ist die andere dann abgerissen. So eine Scheiße. Langsam habe ich echt die Schnauze voll.
Der nächste Ort ist noch sechs Kilometer entfernt, ich packe diese Tasche auf meinen Rücken und fahre sehr langsam, damit die Halterung nicht auch noch ins Rad kommt, nach Dargaville. Im Hostel klage ich mein Leid und frage nach Läden, wo ich Schrauben kriegen könnte.
Vieles hat aktuell zu, aber ich finde tatsächlich noch einen Laden, der mir eine neue Schraube verkauft – tatsächlich nehme ich sogar vier: eine pro Seite und je eine Ersatz-Schraube.

Die abgebrochene Schraube versuche ich dann sehr erfolglos aus dem Gewinde zu kriegen. Nix zu machen, mit meinem reduzierten Werkzeug. Aber der Besitzer des Hostels wollte sich das nicht mehr länger anschauen und hat mich mit meinem Rad in seine Werkstatt eingeladen, dieses – eigentlich lockere Schraubenstück – rausgebohrt und das Gewinde nochmal nachgeschnitten. Der Gepäckträger ist jetzt wieder dran und ich hoffe, dass er die nächsten 5000km (?) übersteht, wenn ich einfach jeden Tag vor dem Losfahren daran denke, die Schrauben nachzuziehen.
Das schwere Schloss habe ich jetzt auch aus den Taschen genommen und am Rahmen befestigt, es klappert so halt ständig, und die kaputte Jeans, die ich irgendwie immer noch dabei habe, habe ich jetzt auch in der „FREE“-Kiste des Hostels gelassen.

Die heutige Etappe mit 37km zählt dann wohl als „Pausentag“.

Rawene – Kaihu

so eine Aussicht ist schon toll. Aber der steile Berg dahin ist echt anstrengend. Und so geht das hier die ganze Zeit.
Heute hatte ich meinen Tiefpunkt meiner bisherigen Rad-Geschichte: eine Durchschnittsgeschwindigkeit von lediglich 12,7km/h – es gab Zeiten, da bin ich schneller gejoggt.

Aufgrund der Schilder könnte man meinen, dass diese steilen Stellen nur für die Autos gelten.

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Utea Park – Rawene

Weihnachten, wenn wieder Millionen von Bäumen abgeholzt und in Wohnungen gestellt werden und wenige Tage später dann auf dem Müll landen; wegen sog. „Traditionen“ einfach mal alle Vernunft ausschalten. Auch hier an diesem Zeltplatz steht so eine Art Weihnachtsbaum im Hintergrund rum, vollgehängt mit irgendwelchem Plastik-Müll (oder „Deko“, wie man es ja auch gerne nennt).
Ich habe mir zum Frühstück einen dieser Blaubeershakes mit Banane, Passionsfrucht, Apfel und noch was(?) gegönnt. Bis zum nächsten Laden sind es 30km, 17km davon im Sand am Strand.

Ja, Strand, da muss ich wohl noch ein Stückchen durch. Den Gegenwind, der das alles zum größten Vergnügen hier macht, sieht man auf dem Bild nicht – aber ihr könnt mir glauben: er ist da!

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Cape Reinga – Utea Park

ich habe gestern doch noch ein bisschen Vernunft walten lassen und mir noch etwas zum Frühstücken aufgehoben. Das ist auch dringend nötig denn von dem Zeltplatz hier unten am Wasser geht es die nächsten 2,5km mit bis zu 24% Steigung auf Schotterweg wieder auf knapp 200m hoch. Das Einschmieren mit Sonnencreme könnte ich quasi gleich sein lassen, denn danach bin ich einmal komplett durchgeschwitzt und die Sonnencreme ist wieder futsch.
Da war das Pärchen aus Neuseeland, die die gleiche Tour fahren wollen, etwas schlauer. Die sind bereits um fünf Uhr morgens losgefahren und wollten den Sonnenaufgang von dort oben anschauen. Mein Wecker ist halt erst um 8:30 losgegangen, da waren sie schon weg.

Was man hoch fährt, muss man auch wieder runter fahren. Wie gesagt, ringsum sind eigentlich beeindruckende Ozeane, aber man kriegt davon einfach nix mit.
Außer hier und da, wenn man ein bisschen Wasser und/oder Dünen am Horizont zu sehen sind.

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