{"id":10088,"date":"2020-01-25T11:55:41","date_gmt":"2020-01-25T10:55:41","guid":{"rendered":"https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/?p=10088"},"modified":"2020-01-26T00:17:09","modified_gmt":"2020-01-25T23:17:09","slug":"viele-fronten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/2020\/01\/25\/viele-fronten\/","title":{"rendered":"viele Fronten!"},"content":{"rendered":"<p>wenn man sich fast t\u00e4glich daf\u00fcr einsetzt, dass die eigene Stadt fahrradfreundlicher und somit auch lebenswerter wird, st\u00f6\u00dft man auf Widerst\u00e4nde aller Art.<br \/>\nZum einen ist da die <strong>Politik<\/strong>, die freiwillig nichts \u00e4ndern will und die man sprichw\u00f6rtlich zum Jagen tragen muss. Wie oft haben wir bei den Unterschriften-Sammlungen zum Radentscheid die Frage geh\u00f6rt, wieso eine solche Initiative in einer gr\u00fcn regierten Stadt und einem gr\u00fcn regierten Land \u00fcberhaupt n\u00f6tig ist (und auch bis heute leider keine Antwort darauf gefunden).<br \/>\nDann ist da die <strong>Verwaltung<\/strong>, die immer wieder Beschl\u00fcsse der Politik bestenfalls ignoriert oder gar aktiv boykottiert. Man k\u00f6nnte dabei z.B. das Verkehrsentwicklungskonzept 2030 (<a href=\"https:\/\/www.stuttgart.de\/verkehrsentwicklung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">VEK2030<\/a>) nennen, das bereits 2009 erstellt wurde und in dem auf weit \u00fcber 100 Seiten viele gute Sachen stehen. Aber die Stadt sieht heute eigentlich noch genauso aus, wie vor diesem Beschluss. Es gibt auch einen Beschluss zu &#8222;Stuttgart laufd nai&#8220;, also zur autofreien Innenstadt von Juli 2017 (<a href=\"https:\/\/www.stuttgart-laufd-nai.de\/aebb-as-guads-aebb-as-neis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mehr<\/a>). Aber auch hier passierte in den letzten zweieinhalb Jahren eigentlich nix; lediglich auf einer 350m langen Stra\u00dfe wurden die &#8222;KFZ frei&#8220; Schilder mit &#8222;Lieferverkehr frei&#8220;, &#8222;Taxi frei&#8220; und &#8222;Rollstuhlfahrer frei&#8220; Schilder ausgetauscht. Dass der <a href=\"http:\/\/radentscheid-stuttgart.de\/2019\/02\/radentscheid-begruesst-beschluss-des-gemeinderates\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gemeinderatsbeschluss<\/a> vom Februar 2019 zur \u00dcbernahme der Ziele des Radentscheids bisher noch \u00fcberhaupt nicht in der Verwaltung angekommen ist, muss ich wohl nicht erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Heute soll es aber um die lokale <strong>Presse<\/strong> gehen. Leider gibt es in Stuttgart nur eine einzige Zeitung mit einer gr\u00f6\u00dferen Auflage. Diese kommt in zwei Aufmachungen daher, die allerdings \u00fcblicherweise den identischen Inhalt bei lediglich anders gestalteten Titelseiten hat. Die eher in gelb gehaltene Stuttgarter Zeitung und die eher blaue Stuttgarer Nachrichten. Ich spreche eigentlich nur von der Stuttgarter Zeitung, weil die Nachrichten aufgrund ihrer gro\u00dfen VfB-\/Fussball-Priorit\u00e4ten von mir noch viel mehr ignoriert wird.<br \/>\nBeide haben jedoch z.B. im letzten Jahr den Hashtag <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=stuttgartparktfair&amp;src=typed_query&amp;f=live\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">#Stuttgartparktfair<\/a> aufgegriffen und es als verwerflich dargestellt, indem sie es als &#8222;<em>Internet-Pranger<\/em>&#8220; beschrieben, dass auf Twitter von wenigen kleinen Accounts unter diesem Schlagwort falsch parkende Autos mit erkennbarem Kennzeichen ver\u00f6ffentlicht werden. In ihrem vorauseilenden Gehorsam, um diese Falschparker:innen so gut als m\u00f6glich zu sch\u00fctzen und den Status der Autostadt zu zementieren, haben sie dann mit ihrer enormen Reichweite ein paar Screenshots dieser twitter-Benutzer ver\u00f6ffentlicht. Die Namen und Profilbilder der Twitter-Benutzer sind in der Galerie des <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-parkt-fair-ein-twitterpranger-fuer-stuttgarter-falschparker.3c9d4e8b-bd2e-4e16-91ea-6828d85a5c8e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikels<\/a> sichtbar, die Kennzeichen der Falschparker wurden unkenntlich gemacht.<br \/>\n<u>Das<\/u> ist vermutlich eher ein &#8222;Internet-Pranger&#8220;: die Stuttgarter Zeitung hat auf twitter \u00fcber 120.000 Follower, die von ihr an den Pranger gestellten Benutzer haben gerade mal 70-110.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel, das ganz gut die Denkweise der Stuttgarter Zeitung und ihrer Recherche-F\u00e4higkeiten darstellt ist der Bericht \u00fcber die l\u00e4ngst f\u00e4lligen \u00c4nderungen an der Fahrradstra\u00dfe. Anstatt irgend etwas Positives an der (wie bereits oben genannten und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen) Umsetzung des mehrheitlich gefassten Gemeinderatsbeschlusses zu erw\u00e4hnen oder eben auf prozessliche Verz\u00f6gerungen einzugehen, kann die Stuttgarter Zeitung nichts anderes denken als: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.verkehr-in-s-mitte-autos-unerwuenscht-an-der-eberhardstrasse.9af31697-61df-4c22-972a-8c99ceb3397c.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autos unerw\u00fcnscht an der Eberhardstra\u00dfe<\/a>&#8220; &#8211; wie gesagt, es handelte sich bisher schon um eine Fahrradstra\u00dfe! Dass schon der erste Satz im zweiten Absatz keinen Sinn mehr macht, ist schon fast nebens\u00e4chlich (&#8222;Susanne Scherz, Leiterin der Abteilung Stra\u00dfenverkehr beim Amt f\u00fcr \u00f6ffentliche Ordnung <em>nach<\/em>, macht klar, dass Kuhns Bekannte nun umdenken m\u00fcssen.&#8220;). Was aber meiner Meinung nach schon etwas peinlich ist: dass der Name des &#8222;Tiefbauers&#8220; <a href=\"https:\/\/www.stuttgart.de\/item\/show\/305824\/1\/pers\/129138\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hutt<\/a> mehrmals falsch als Huth geschrieben ist.<\/p>\n<p>Und am Montag, 20. Januar, kam mal wieder so ein <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.glaettegefahr-im-winter-hier-sollten-radfahrer-in-stuttgart-besonders-aufpassen.9ddda976-3caa-43f9-b8ff-3fdef08577c4.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a>, in dem die Stuttgarter Zeitung ihre Meinung \u00fcber Radfahrer:innen kundtun musste. Am 7. Januar war es morgens offensichtlich sehr glatt. Das habe ich auf meinen privaten Social Media Kan\u00e4len mitbekommen. Bis ich allerdings morgens mal aufstehe und ins B\u00fcro radle, ist das Thema Glatteis normalerweise immer wieder erledigt. Die Stuttgarter Zeitung erw\u00e4ht anfangs, dass es viele Meldungen \u00fcber bei Glatteis gest\u00fcrzte Radler:innen gegeben hat und dass nur durch gegenseitige Warnungen der Radfahrer:innen untereinander und durch angepasste Geschwindigkeit nicht mehr passiert ist.<br \/>\nEine kurze Erkl\u00e4rung f\u00fcr alle Autofahrer:innen unter meinen Lesern: <em>angepasste Geschwindigkeit<\/em> ist das Reduzieren der Geschwindigkeit, damit man das Fahrzeug bei jeder Situation noch unter Kontrolle hat.<br \/>\nDen Artikel haben sie dann damit geschlossen, den Radfahrer:innen grunds\u00e4tzlich mal L\u00fcgen zu unterstellen:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10090\" src=\"https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/dieWahrheit.png\" alt=\"&quot;Die Wahrheit&quot; darf nicht fehlen\" width=\"591\" height=\"92\" srcset=\"https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/dieWahrheit.png 591w, https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/dieWahrheit-300x47.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px\" \/><br \/>\nWie gesagt, ich war nicht betroffen. Aber mir sind verschiedene Dinge klar:<br \/>\n1. ich brauche keinen Radunfall bei der Polizei melden. Nach den bisherigen Erfahrungen nimmt sie das gar nicht oder nur sehr widerwillig auf. Einen Alleinunfall zu melden bringt mir auch \u00fcberhaupt nichts.<br \/>\n2. aufgrund niedriger Geschwindigkeit und zu erwartenden Rutschpartien passierte bei den Glatteis-Unf\u00e4llen normal nichts schwerwiegendes, vielleicht ein paar Sch\u00fcrfwunden und blaue Flecken. Daf\u00fcr stundenlang in eines der chronisch \u00fcberf\u00fcllten Krankenh\u00e4user zu gehen, wird niemand machen (au\u00dferdem gibt es noch mehr in Stuttgart, als die beiden genannten.)<br \/>\nDennoch sind diese \u00fcblichen, geringen Verletzungen keine Ausrede, die Rad-Infrastruktur nicht in Schuss zu halten!<br \/>\n3. bei der Wettersituation, wie am 7. Januar, als einfach \u00fcberall Glatteis war und auch die Autos jede Menge Unf\u00e4lle erzeugten, wird kein:e Radfahrer:in bei Minusgraden auf der Stra\u00dfe liegen bleiben um auf einen Rettungswagen zu warten. Solange es irgendwie geht, wird man sich wieder aufs Rad setzen und die Fahrt beenden.<br \/>\nAuch hier: das ist kein Grund, dass die Radinfrastruktur nachrangig behandelt wird!<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es noch die <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kontext Wochenzeitung<\/a>, die uns ab und an etwas R\u00fcckenwind bei unserem Engagement f\u00fcr eine lebenswerte Stadt gibt. Und vielleicht erreicht der oder die neue Oberb\u00fcrgermeister:in n\u00e4chstes Jahr in der Verwaltung mehr, als der sehr blass gebliebene Kuhn. Und die Politik hat auch probiert, einen ambitionierten Doppelhaushalt aufzustellen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie auch hinterher ist, dass alles nun auch so umgesetzt wird und nicht mit der Abstimmung die Verantwortung daf\u00fcr wie eine hei\u00dfe Kartoffel fallen gelassen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wenn man sich fast t\u00e4glich daf\u00fcr einsetzt, dass die eigene Stadt fahrradfreundlicher und somit auch lebenswerter wird, st\u00f6\u00dft man auf Widerst\u00e4nde aller Art. Zum einen ist da die Politik, die freiwillig nichts \u00e4ndern will und die man sprichw\u00f6rtlich zum Jagen tragen muss. 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