{"id":9896,"date":"2019-06-26T00:38:58","date_gmt":"2019-06-25T22:38:58","guid":{"rendered":"https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/?p=9896"},"modified":"2019-06-26T00:38:58","modified_gmt":"2019-06-25T22:38:58","slug":"stuttgartparktfair","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mega-stoffel.de\/weblog\/2019\/06\/26\/stuttgartparktfair\/","title":{"rendered":"#StuttgartParktFair"},"content":{"rendered":"\n<p>letztes Jahr im Sp\u00e4therbst hat die Stadt eine neue Kampagne vorgestellt: &#8222;Stuttgart Parkt Fair&#8220;. Damit wollte sie auf die Einsicht der FalschparkerInnen hoffen, die sie auf ihr Fehlverhalten hinweist. Eine solche Kampagne wird alle paar Jahre neu durchgef\u00fchrt, weil man eben feststellt, dass die bisherige \u00fcberhaupt nichts gebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die aktuelle Aktion bringt wieder \u00fcberhaupt nichts, daher geht der Hashtag #StuttgartParktFair bei <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"twitter (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=stuttgartparktfair&amp;src=typd\" target=\"_blank\">twitter<\/a> ein bisschen rund, meist verbunden mit einem Bild von einem falschparkenden Auto. Diese Autos stehen wie selbstverst\u00e4ndlich in jeder noch so st\u00f6renden Position, die zugeh\u00f6rigen FahrerInnen haben inzwischen gelernt, dass man in Stuttgart offensichtlich nichts bef\u00fcrchten muss. Tags\u00fcber k\u00fcmmert sich das Ordnungsamt ein bisschen um Falschparker, wenn sie Feierabend haben, m\u00fcsste es die Polizei machen (was sie aber definitiv nicht macht).<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hat die Stuttgarter Zeitung diesen Mini-Trend bemerkt und einen <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Bericht (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgart-parkt-fair-ein-twitterpranger-fuer-stuttgarter-falschparker.3c9d4e8b-bd2e-4e16-91ea-6828d85a5c8e.html\" target=\"_blank\">Bericht<\/a> dazu erstellt. Anfangs waren dort einfach ein paar Tweets in dem Bericht eingebunden. Dann hatte wohl jemand kalte F\u00fc\u00dfe bekommen und aus den Tweets wurden Screenshots auf denen die Kennzeichen unkenntlich gemacht wurden. Dieses Ammenm\u00e4rchen mit den verpixelten Kennzeichen h\u00e4lt sich wacker, wobei es bereits 2007 ein <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.datenschutz.eu\/urteile\/Landgericht-Kassel-20070510\/\" target=\"_blank\">Urteil<\/a> dazu gibt, das eindeutlig aussagt, dass es \u00fcberhaupt kein Problem ist, solche Kennzeichen zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Bericht war mindestens einen Tag lang unter den Top 5 der meistgelesenen Artikel auf der Homepage des Blattes. Vermutlich hat die Zeitung gemerkt, dass sie damit einen Nerv getroffen hat. Die ver\u00f6ffentlichten FalschparkerInnen, inkl. dieses Hashtags, wurden immer mehr, es gibt jetzt sogar ganz neue Twitter-Accounts, die nur solche FalschparkerInnen posten. Vermutlich haben sich auch ein paar dieser ertappten FalschparkerInnen auch bei der Zeitung beschwert.<br>Die Zeitung versucht nun die &#8222;an den Pranger stellenden&#8220; wiederum selbst an den Pranger zu stellen und schreibt einen zweiten, etwas sch\u00e4rferen <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Artikel (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.aktion-in-stuttgart-falschparker-am-pranger.dfb90ddd-531d-4905-bf6d-ea258a0df132.html\" target=\"_blank\">Artikel<\/a>. Jetzt werden Zahlen hinzugef\u00fcgt und Beteiligte kommen zu Wort. Damit ist die Stuttgarter Zeitung jedoch \u00fcberfordert. Von der Stadt l\u00e4sst sie sich die bekannte Beschwichtigung erneut erz\u00e4hlen, ohne auch nur ein bisschen kritisch nachzufragen. Die Stadt steht auf dem Standpunkt, dass sie nur in Brandschutzzonen, auf Behindertenparkpl\u00e4tzen und auf e-Ladezonen abschleppen muss. Die deutschlandweite ist anders, aber das st\u00f6rt bei der Stuttgarter Verwaltung niemand. Meist kommt dann das Argument, dass man ja liebend gerne mehr abschleppen w\u00fcrde, aber man habe einfach kein Personal. Auch hier k\u00f6nnte man ja mal nachfragen, was daran hindert, dass gen\u00fcgend geschultes Personal eingestellt wird?<br>Nebenbei: Ich w\u00fcrde den Job sogar f\u00fcr zwei oder drei Stunden pro Woche ehrenamtlich machen, wenn zumindest ein Teil der &#8222;Einnahmen&#8220; dann an ein von mir bestimmtes gemeinn\u00fctziges Projekt gespendet wird.<br>Den vierten Spieler am Tisch, die Polizei, kommt in dem Artikel gar nicht zu Wort. Auch hier g\u00e4be es ein paar Fragen zu stellen, und sich nat\u00fcrlich nicht von dem allgemeinen Marketing-Geschw\u00e4tz einlullen zu lassen. Immerhin werden in Stuttgart Kinder auf dem Gehweg \u00fcberfahren (sic!). Ein Grund daf\u00fcr sind evtl. versperrte Sichtachsen, die Kinder sehen die Autos nicht, die Autos sehen die Kinder nicht. Aber solange der Polizeipr\u00e4sident Lutz \u00f6ffentlich aussagt, dass er kein Interesse daran hat, sich um die Einhaltung der StVO zu k\u00fcmmern, wird das vermutlich weiterhin vorkommen. Das krasseste Beispiel wurde erst vor wenigen Wochen verhandelt: eine Frau fuhr in eine SUV ein Kleinkind auf einem Parkplatz tot und wurde kurz darauf sogar mit dem Smartphone am Ohr erwischt. Ein solches Verhalten zeigen nur Menschen, die von der Polizei und dem Ordnungsamt nichts zu f\u00fcrchten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die M\u00e4r von dem &#8222;Parkdruck&#8220; k\u00f6nnte man mal hinterfragen. In den Stuttgarter Innenstadtbezirken ist seit dem Jahr 2000 die absolute Zahl der privaten Autos um etwa 10% zur\u00fcck gegangen &#8211; und das, obwohl die Stadtbezirke im \u00e4hnlichen Ma\u00dfstab gewachsen sind. Diese Zahlen gibt es auf den Seiten der Stadt, m\u00fcsste man nur recherchieren. Wenn es jeder &#8222;interessierte B\u00fcrger&#8220; kann, sollte es f\u00fcr MitarbeiterInnen einer Zeitung doch ein Klacks sein. G\u00e4be es wirklich diesen &#8222;Parkdruck&#8220;, w\u00fcrden die Leute sich nicht mehr und mehr dieser SUVs anschaffen, sondern &#8211; wenn \u00fcberhaupt Autos &#8211; dann die kleinsten, die es gibt. Oder eben Roller, wie man das in jeder italienischen Stadt sehen kann. Wenn es diesen &#8222;Parkdruck&#8220; wirklich g\u00e4be, dann w\u00e4ren die Parkh\u00e4user nicht jede Nacht leer, w\u00e4hrend die Leute direkt davor falsch parken. Es herrscht einfach ein  Bewusstsein vor, dass man &#8222;sein heiligs Blechle&#8220; immer und \u00fcberall abstellen darf &#8211; und in den meisten F\u00e4llen stimmt das ja auch. Das Ordnungsamt und die Polizei dulden das alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der H\u00f6hepunkt der Berichterstattung ist immer noch nicht erreicht. Die Journalistin hat jetzt beim Datenschutzbeauftragten des Landes BW nachgefragt und dort ist man der <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Meinung (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.falschparker-in-stuttgart-internetpranger-verstoesst-gegen-den-datenschutz.5c222e90-5a2a-4554-bc0d-08d5eeaaed1c.html\" target=\"_blank\">Meinung<\/a>, dass diese Fotos nicht legal ver\u00f6ffentlicht sind (und das obwohl es ein anders lautendes Urteil gibt, siehe oben). Auch hier wieder keine Nachfragen. Dieser Datenschutzbeauftragte ist \u00fcbrigens auch der Meinung, dass der Name von Anzeigenerstellern zwingend auf dem Brief zu stehen hat, der den Beschuldigten vorgelegt wird. Das setzen andere Bundesl\u00e4nder (wie z.B. Hessen) anders um und st\u00fctzen sich auf die selbe, europ\u00e4ische Grundlage. Seltsam, diese Datensparsamkeit. Bei Autos fordern, bei Menschen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weiteren Schritte sind jetzt noch in einer fernen Zukunft. Vielleicht schafft es die Zeitung aber ja mal tats\u00e4chlich, sich mit dem real existierenden Problem des immer-und-\u00fcberall-Falschparkens zu besch\u00e4ftigen und daf\u00fcr von der Stadt und der Polizei konkrete L\u00f6sungen abzuverlangen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Fazit m\u00f6chte ich Hermann Knoflacher nennen, der ein Buch mit dem Titel &#8222;Virus Auto&#8220; geschrieben hat. Dort wird erkl\u00e4rt, dass normale Menschen kaum noch rational denken k\u00f6nnen, sobald sie im Besitz eines Autos sind. Der Datenschutzbeauftragte scheint so zu denken, die MitarbeiterInnen bei der Stadt, die Polizei. Alle haben dieses irrationale &#8222;Verst\u00e4ndnis&#8220; f\u00fcr FalschparkerInnen, f\u00fcr angeblich illegal ver\u00f6ffentlichte Kennzeichen und sehen \u00fcberhaupt kein Problem darin, dass es auf Stuttgarter Stra\u00dfen \u00fcber 28.000x im Jahr kracht, mit all den Toten und (Schwer-) Verletzten. Alles wird dem Auto untergeordnet und eine lebenswerte Stadt bleibt in weiter Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ein weiteres Beispiel, wieso die Stuttgarter Zeitung, bzw. ihr Pendant die Stuttgarter Nachrichten, absolut kein Abo-Kandidat ist. Neben dem Aufbau von solchen Internet-Prangern f\u00e4llt sie bei mir regelm\u00e4\u00dfig dadurch auf, dass sie alle paar Monate wieder die alten Listen &#8222;Stuttgarts 10 beste Brunch-Locations&#8220; (und noch mehr in dem Stil) auspackt. Sonst halt viel Fu\u00dfball und sonstiges, irrelevantes. Eine gut recherchierte Geschichte, wie man es in anderen Zeitungen findet, sucht man hier meist vergebens &#8211; aber das scheint offenbar auch nicht der Ansporn dieser Zeitungen zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>letztes Jahr im Sp\u00e4therbst hat die Stadt eine neue Kampagne vorgestellt: &#8222;Stuttgart Parkt Fair&#8220;. 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