in Quebéc City

für die nächsten drei Tage habe ich mir also mal Quebéc City vorgenommen. Allerdings ist die Ausgangslage nicht unbedingt perfekt: hier sprechen alle französisch, es ist nicht das beste Wetter und dann ist da noch diese Erkältung. Ich zähle mal auf den alten Spruch „zwei Tage kommt sie, zwei Tage bleibt sie, zwei Tage geht sie“. Aber auch dann wäre ich hier ziemlich davon betroffen. Zuhause würde ich nun Tee trinken und vielleicht irgendwas mit Ingwer machen. Hier habe ich aber nix davon, also kaufe ich wenigstens mal Ingwer-Zitronen-Tee und koche hier im Hostel bei jeder Gelegenheit ein Tässchen davon mit dem alten pfeifenden Teekessel.

Das Leben geht so natürlich nur sehr träge voran, allzu motiviert bin ich nicht. Und ich versuche einfach, viel zu schlafen, um diese Erkältung schnell wieder los zu kriegen. Dennoch mache ich mich auf den Weg zur Universität um dort die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt zu besuchen. Dort angekommen lege ich alle meinen unnützen Fahrrad-Utensilien auf den Tisch und frage, ob sie das irgendwie brauchen oder verwerten/verkaufen können. Und sie sind tatsächlich an allem interessiert, sogar an meinen echt alten Radschuhen.

Nagut, dann ist ja noch ein weiterer Punkt meiner Liste abgehakt. Ich gehe zurück zur Bushaltestelle und da ich auf die andere Seite der Straße muss, gehe ich mal die Treppe runter, in der Meinung, dass es sich um eine Unterführung handelt. Es sieht aber eher nach einem großen Netzwerk aus, das unter dem Boden die ganzen Universitätsgebäude verbindet. In diesem Gang scheint jede Organisation einen Platz bekommen zu haben, um sich selbst kurz vorzustellen. Voller Interesse laufe ich diesen Gang mal bis zum Ende, wo eine T-Kreuzung ist. Ich entscheide mich für rechts und komme dann kurz darauf an einer Tür vorbei, die in ein Uni-Gebäude führt. Auch dies versuche ich mal ein bisschen zu erkunden (nicht nur, weil ich inzwischen auf der Suche nach einer Toilette bin). Ich fühle mich ein bisschen wie in Wolfenstein  3D – aber halt in echt und ohne Nazi-Schergen oder Knarren.
(Nebenbei: Das Spiel ist inzwischen scheinbar sogar OpenSource [ganz unten auf der Wiki-Seite] und als Webbrowser-Version verfügbar, vielleicht schaue ich mir das irgendwann nochmal an, um somit eine Reise in die Vergangenheit zu machen).

Ich habe sowohl eine Toilette als auch wieder raus gefunden. Auf dem Weg zurück zur Bushaltestelle ist mir sogar noch ein Jogging-Team begegnet, die offenbar hier ihre Runden drehen. Ob man hier unten wirklich „Runden“ laufen kann, weiß ich gar nicht, aber die Metapher ist halt zu stark; ihre kurzen Klamotten ließen darauf schließen, dass sie bei dem Wetter bestimmt nicht draußen rumliefen.

Zum Bus noch zwei Geschichten:
Dies ist der Busplan der nächsten Haltestelle bei meinem Hostel. Ich weiß nicht, wer sich sowas ausdenkt und mit welchem Hintergrund? Es gibt ja kaum mal zwei Stunden, in der der Bus zur gleichen Zeit abfährt. Abgesehen davon kam mein 16:24 Bus auch erst um 16:35.
Bei der Anreise wartete ich noch an einer anderen Bushaltestelle, ohne den Plan dort genauer anzuschauen. Mich hat auch eine ältere Frau auf französisch angesprochen und wollte mir irgendetwas erzählen. Als ich blöd schaute und „Sorry, only english“ erwiderte, sagte sie nur „Oh!“ und ist weiter gegangen. So 20min später sehe ich auf dem Plan, dass an dieser Station am Wochenende überhaupt kein Bus fährt, vermutlich wollte sie mir das sagen und ich beschloss, die letzten 500m zum Hostel zu laufen.

Im Hostel mal wieder ein Verhaltens-Test. Der Mülleimer ist nicht unter der Spüle, wie vermutlich in 98% aller Haushalte, sondern im Schrank daneben. Nicht nur ich, sondern auch jede/r andere Gast machte intuitiv erstmal den Schrank unter der Spüle auf, als er/sie etwas wegschmeissen wollte.

Dann zog ich abends, nachdem ich den ganzen Tag im Bett verbrachte, durch die Straßen bis nach Mitternacht. Früher habe ich das auch gern gemacht, aber jetzt bin ich doch bisschen zu krank dafür und außerdem ist es etwas zu kalt dafür. Hierbei denke ich noch, dass irgendein Spaßvogel diese Stühle da hin gestellt hat. Am nächsten Tag stelle ich fest, dass es ein Kunstwerk ist. Das Runde ist die Erde und das rechteckige soll ein Haus sein. Zu der ganzen Installation gehören noch 20 weitere Stühle, die auf dem Bild aber in verschiedenen Konstellationen hinter mir stehen.

Dann war ich noch einkaufen: neue Schuhe standen immer noch auf der Wunschliste (vor allem von anderen Leuten). In einem Sportladen fand ich irgendwelche reduzierten Schuhe, die ich mitgenommen habe. Auch hier hat mir der Verkäufer wieder das Blaue vom Himmel über diese (günstigsten) Schuhe dort versprochen. Blablabla.
Dann bin ich noch durch einen Sears geschlendert. Diese habe ich auf der Radtour schon manchmal gesehen. Das ist vielleicht so ein Laden wie Quelle damals bei uns. Diese Kette macht hier offenbar zu und bewirbt den Ausverkauf mit bis zu 80% Rabatt. Das meiste Zeug ist schon weg, wirklich fündig werde ich nicht. Außer bei den Badehosen, die fehlt mir aktuell noch. Sie soll $40 kosten, hängt aber am 50%-Ständer. Also frage ich mal bei der Kasse nach, was sie denn kosten soll und kriege von der nicht besonders motivierten Mitarbeiterin (kein Wunder, wenn dein Job bald weg ist) $32 +taxes zu hören, also fast keine Reduzierung. Daher beschließe ich, dieses Motivationsleck der Mitarbeiter auszunutzen und mache einfach ein $19,95-Schild einer anderen Badehose an die Hose meiner Wahl. An der Kasse ist inzwischen jemand anderes, der aber genauso unmotiviert ist. Er scann das neue Preisschild und hier werden die 50% + weitere 20% problemlos abgezogen, übrig bleiben etwa $8. Ich widerspreche natürlich nicht, zahle und freue mich über den gelungenen Coup!

Am letzten Oktober-Tag packe ich dann mal wieder alles ein – inzwischen sieht mein Gepäck übrigens so aus – und mache mich auf den Weg zum Bus. Nächste Station: Montréal.
Das Busticket konnte ich vor Ort nicht mal mit meiner Kreditkarte zahlen, da deutsche Kreditkarten dort nicht funktionieren.
So ein Mist – ein weiterer Beweis, dass man Banken einfach nicht trauen kann.

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