Archiv der Kategorie: nicht nachmachen!

Abenteuer Bahn

Gelobet sei die Bahn!

Da habe ich mir extra einen ordentlichen Puffer eingebaut. Ich will heute nach Hildesheim, das sind etwa 480km von Stuttgart aus. Ich wählte extra die Züge, bei denen ich das Rad mitnehmen kann. Laut Plan fahre ich in aller Frühe um 8:40 in Stuttgart los und sollte dann um 13:56 in Hannover sein. Von dort wollte ich dann sehr gemütglich die 30km bis Hildesheim radeln, mich dort um eine Unterkunft kümmern und dann um 18:00 bei der dortigen Critical Mass teilnehmen. Ich habe extra noch eine kleine Musik-Anlage auf dem / für das Rad mitgenommen.
Knappe 10 Stunden für diese Strecke sollte eigentlich gut machbar sein, dachte ich mir.
Aber den Plan habe ich ohne die Bahn gemacht.

Die erste kurze Strecke bis Bruchsal hat zwar zeitlich funktioniert. Allerdings war mal wieder eine falsche Wagenreihung angekündigt (wo ist jetzt mein Fahrrad-Abteil?) und der Wagen war auch nicht beheizt. Der zweite Zug war auch wieder falsch gereiht und innerhalb kurzer Zeit hat er auch schon eine Verspätung von etwa 30min aufgebaut, hauptsächlich wegen eines medizinischen Notfalls in einem Zug vor uns. Auch in diesem Wagen waren die Steckdosen nur zur Deko und die Reservierungsanzeigen gingen nicht. Man musste also ab und zu mal aufstehen und einen anderen Platz suchen. Und dann in Treysa (das habe ich ja noch nie gehört!) kam dann die „leider noch eine schlechte Nachricht“. Aufgrund einer Oberleitungsstörung können wir nicht weiterfahren, sondern müssen zurück. Aus den 30min werden „nach ersten Schätzungen“ 130min Verspätung, weil man bis Frankfurt-West zurück fährt. Ich überlege, was ich machen kann, da ich mit Rad ja etwas mobil bin – aber leider keine Ahnung habe wo ich bin. Und obwohl wir mitten in einem Ort im Bahnhof stehen, gibt es mal wieder kein Netz, um genauere Details rauszufinden. Ich schätze, dass ich (es ist etwa 13 Uhr) gute 60km vor Kassel bin. Das ist zwar keine unüberwindbare Strecke, allerdings würde es mit der geplanten Verspätung doch noch alles mehr schlecht als recht hinhauen und ich bin ja nicht direkt auf eine solche Fahrt bei dem Wetter vorbereitet. Der Lokführer geht also mal wieder von vorne nach hinten (dem neuen vorne) und als er neue Pläne kriegt, fahren wir also zurück.
In Frankfurt-West (was eigentlich Frankfurt (Main) West sein sollte), dann die Ansage, dass wir nicht zum Hbf fahren, wer dorthin will, um einen schnelleren Zug zu nehmen, der könne hier die S-Bahn nehmen. Einige verlassen den Zug.
Lustigerweise kommen wir kurz darauf „außerplanmäßig“ doch zum zweitem Mal auf der Tour im Frankfurter Hauptbahnhof an.

Hello Frankfurt my old friend

Hello, Frankfurt, my old friend

Und auch hier dann die Ansage: jetzt könne man wieder mal in einen schelleren ICE nach Hamburg umsteigen. Ob er irgendwo dazwischen hält oder ob man dort das Fahrrad mitnehmen kann, wird nicht erwähnt. Ich habe wieder Netz und sehe, dass der Zug geplant in 4min abfahren sollte, aber sehr, sehr voll sein wird. Eine neue Ansage kommt: der würde auf uns warten. Das war wohl das Code-Wort. Auf einmal stehen fast alle auf und nehmen diesen Zug.
Da meine Pläne eh schon alle futsch sind, bleibe ich sitzen und warte was passiert.

Im Bord-Bistro gibt es fast nix mehr. Das Essen ist aus, ich nasche eine Packung Süßigkeiten (das erste, was ich heute esse) und nehme eine Cola-Kalorienbombe. Eine Packung Wasser gibt es noch kostenlos dazu – YEAH.
Auf den Toiletten ist das Desinfektionsmittel aus. Ich vermute, dass das bei der Bahn schon längst nicht mehr aufgefüllt wird. Aber man kann es zur Zeit ja gut in die aktuelle Corona-Hysterie einflechten. Man hört ja immer wieder, dass neben den nutzlosen Atemschutzmasken auch in allen Drogeriemärkten und Apotheken gerade diese Desinfektionmittel ausverkauft sind.
auch hier kein Desinfektionsmittel mehr
Was mir ja immer wieder auffällt, wenn ich mit der Bahn unterwegs bin: es gibt so viele Strecken, die nur sehr schlecht ans mobile Internet angebunden sind. Nicht nur, dass das Verkehrsministerium es nicht schafft, für einen verlässlichen Bahnverkehr zu sorgen, auch seine Aufgabe der „Digitalisierung“ scheint es nicht erledigen zu können. So gelingt die Verkehrswende bestimmt nicht.

Und während ich vor lauter Langeweile eben diesen Text schreibe, kommt die nächste Ansage, dass sich selbst auf diesem neuen Umweg die Verspätungen wieder anhäufen. Den verbliebenen, wenigen Leute, die noch im Zug sind (in dem Wagen sind wir zu viert), bleibt nicht viel übrig, als sarkastisch darüber zu lachen.
Ich bin gespannt, wann ich tatsächlich ankommen werde.

Gelobet sei die Bahn!

P.S. falls mir jemand eine gute Android-App empfehlen kann, mit der man Bilder bearbeiten kann, wäre da auch dankbar!

in Quebéc City

für die nächsten drei Tage habe ich mir also mal Quebéc City vorgenommen. Allerdings ist die Ausgangslage nicht unbedingt perfekt: hier sprechen alle französisch, es ist nicht das beste Wetter und dann ist da noch diese Erkältung. Ich zähle mal auf den alten Spruch „zwei Tage kommt sie, zwei Tage bleibt sie, zwei Tage geht sie“. Aber auch dann wäre ich hier ziemlich davon betroffen. Zuhause würde ich nun Tee trinken und vielleicht irgendwas mit Ingwer machen. Hier habe ich aber nix davon, also kaufe ich wenigstens mal Ingwer-Zitronen-Tee und koche hier im Hostel bei jeder Gelegenheit ein Tässchen davon mit dem alten pfeifenden Teekessel.

Das Leben geht so natürlich nur sehr träge voran, allzu motiviert bin ich nicht. Und ich versuche einfach, viel zu schlafen, um diese Erkältung schnell wieder los zu kriegen. Dennoch mache ich mich auf den Weg zur Universität um dort die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt zu besuchen. Dort angekommen lege ich alle meinen unnützen Fahrrad-Utensilien auf den Tisch und frage, ob sie das irgendwie brauchen oder verwerten/verkaufen können. Und sie sind tatsächlich an allem interessiert, sogar an meinen echt alten Radschuhen.

Nagut, dann ist ja noch ein weiterer Punkt meiner Liste abgehakt. Weiterlesen

Zug fahren

ich bin jetzt tausende von Kilometern an der kanadischen Bahnlinie entlang gefahren. Und wenn ich von „der“ Bahnlinie spreche, trifft es die Situation relativ gut. Es gibt hier kein weitverzweigtes Bahnnetz, wie bei uns, sondern hauptsächlich die Verbindung der beiden Küsten, mit ein paar kleineren Abstechern davon. Auch gibt es keinen allzu regelmäßigen Bahnverkehr – zumindest nicht hier in Halifax. Es gibt zwei Zugverbindungen, die von hier abfahren, und die nach Westen fährt dreimal pro Woche. Die angeschlagene Abfahrtstafel ist äußerst beschaulich, leider habe ich kein Bild davon.

Bis nach Quebéc City dauert es 18h, man fährt um 13:00 ab und kommt morgens gegen sieben dort an. Das Gepäck wird „eingecheckt“, sprich man gibt es ab und es wird dann in einem Gepäckwagen mitgenommen. Daher soll man auch nicht gerade 2min vor Abfahrt am Bahnhof sein, sondern am Besten schon eine Stunde vorher dort sein. Ganz anders als mein Verhalten bzgl. der deutschen Züge – wie oft bin ich erst in der Minute der Abfahrt am Zug angekommen und habe dann erst das Ticket online im Zug gekauft?
Aber was solls – bei 18h Fahrt macht das auch keinen großen Unterschied mehr.

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Wohnung frei

ich bin mal gespannt, ob es noch klappt meine Wohnung zu vermieten. Im Nachhinein hätte ich das alles mal ein bisschen früher anfangen müssen. Aber diese Erkenntnis bringt jetzt halt auch nix mehr.
Ich habe heute früh so gegen zehn Uhr diese Anzeige geschaltet und bin jetzt mal gespannt, was passiert.
Etwa 12h später habe ich schon über 60 Anfragen bekommen. Und da ist mein Entscheidungsproblem wieder. Wie soll ich jetzt den/die richtige/n MieterInnen finden? Einfach war es, die Anschreiben auf arabisch (2x) auszusortieren. Alle anderen, die nur den Standard-Satz „Ich habe Interesse, bitte kontaktieren sie mich“ geschrieben haben, werde ich am Ende vermutlich auch mit einer Standard-Antwort abspeisen. Von den ansprechenden Antworten habe ich jetzt mal ca. 15 Besichtungungstermine für Sonntag und Montag ausgemacht. Bei vielen Anfragen sind die potentiellen Mieter erschreckend offen. Es wird das Gehalt, die Lebensplanung, alle möglichen Bürgschaften und Schufa-Auskünfte, etc. bereitgestellt. Das sind Informationen, die ich gar nicht wissen will. Mir würde eine „Handschlag“-Wohnungsübergabe ausreichen. Offenbar sind diese Suchenden schon durch viele Besichtigungen gegangen, bei denen jegliche Informationen abgefragt werden (vielleicht ist es auch nur ein Entscheidungsproblem bei den „professionellen“ Maklern/Vermietern).
Es scheint tatsächlich zu stimmen, dass der Stuttgarter Wohnungsmarkt einer der härtesten ist.

Feinstaub

in Stuttgart wurde entschieden, dass die Feinstaub-Saison am 15. April beendet ist. Nach der Entscheidung im Rathaus sollte es danach keine Tage mit erhöhter Feinstaub-Belastung mehr geben. Jetzt ist es aber dummerweise doch wieder vorgekommen. Die bisherigen beiden Ausreden scheinen nicht mehr zu ziehen. Erstens sollten die Heizungen einen Großteil der Schuld haben; das ist jedoch bei den schon frühlingshaften Temperaturen nicht mehr so ganz aktuell. Zweitens hat man immer wieder vom Wetter gehört, Inversionswetterlage und so. Auch diese gibt es gerade nicht, der Dreck kann also abziehen und trotzdem ist hier noch so viel vorhanden, dass die rechtlichen Grenzwerte gerissen werden. (kleines Detail am Rande: der Feinstaub ist ja nicht weg, er ist nur woanders)
In der Stuttgarter Zeitung kann man lesen, dass „die Experten von den hohen Werten überrascht sind“ (Quelle).
Für einigermaßen klar denkende Menschen ist das natürlich keine Überraschung, man kann jeden Tag lesen, dass es keinen Auto-Hersteller gibt, der nicht bei den Abgas-Werten beschissen hat – genau dieses Problem trifft jetzt eben die Stadt-Bewohner. Schließlich fahren täglich hunderttausende von Autos, Lieferwagen und LKWs in Stuttgart, nach Stuttgart rein und raus.
Und während die Stadt früher immer von „3km“ gesprochen hat, die angeblich vom Feinstaub betroffen sind, spricht sie inzwischen schon von „5km“. Wie sie sich diese Zahlen zusammenfantasiert, bleibt jedoch ihr Geheimnis – genügend Messstellen für eine solche Aussage hat sie nicht. Die Zahlen der Luftdaten.info Seite sprechen da eine andere Sprache: Feinstaub-Alarm ist grundsätzlich in der kompletten Stadt.
Und selbst wenn der juristische Grenzwert von 50µg/m³ mal nicht gerissen wird, ist die Feinstaub-Belastung immer noch fast täglich deutlich über 20µg/m³, dem empfohlenen Wert der WHO.
Hier mal ein Screenshot der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Link):
Feinstaub-Werte

Kleines Detail am Rande:
An der Stelle, wo quasi den kompletten Winter die Ankündigung des Feinstaub-Alarms hing, macht die Stadt Stuttgart jetzt Werbung für „Die Automesse“ auf der Königstraße, das ist die große Fußgänger-Zone, in der dann 150 Autos ausgestellt werden.
Würde man sowas in ein Drehbuch schreiben, würde es natürlich abgelehnt, weil es viel zu unrealistisch wäre. Aber in Stuttgart geht das sogar in der Realität.
Auto-Messe auf der Königstraße

neue Bahn-Verbindung

letztes Jahr hat ein Unternehmen angefangen, eine neue Bahn-Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin anzubieten: Locomore. Das Ganze wurde per Crowd-Funding umgesetzt, ich habe mich daran jedoch nicht beteiligt, weil ich zu skeptisch bin, dass diese Idee auch längerfristig funktionieren könnte.
Inzwischen ist das Unternehmen gestartet und ich habe mir gleich mal ein Ticket für eine Berlinfahrt besorgt, die Kosten dafür waren 22€ pro Fahrt – Berlin ist ja immer eine Reise wert. Diese Fahrt wurde recht kurzfristig wieder abgesagt, weil sie festgestellt haben, dass sie noch einige Kinderkrankheiten beheben müssen. Daher fuhre sie einige Zeit nur Donnerstag bis Sonntag. Ich will aber am Montag zurück. Also habe ich mein Ticket auf das erste April-Wochenende umgebucht, weil ab dann wieder durchgängig gefahren wird.

Gespannt war ich ja schon, was mich jetzt erwartet, die Werbeversprechen sind ja ziemlich vollmundig. Woran ich mich nur schwer gewöhnen kann: Die Abfahrt des einzigen Zuges in Stuttgart ist mitten in der Nacht um 06:21. Nur kurz vorher habe ich noch eine eMail bekommen, in der mir mitgeteilt wurde, dass meine Reservierung geändert wurde, weil „mein“ Wagen nicht mehr mitfährt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf („offenbar das gleiche Chaos wie bei der DB!“) lege ich mich ins Bett und hoffe, dass ich kurz drauf wieder pünktlich aufstehen werde. Das hat tatsächlich geklappt und ich laufe auf den orange-farbenen Zug zu.
der Locomore-Zug wartet auf mich
Wenige Meter weiter dann die „Enttäuschung“: mein Wagen ist nur ein sehr alter Wagen der DB, ohne irgendwelches Branding, Renovierungen oder Überarbeitungen von Locomore. Na gut, das kenne ich ja von der Strecke Stuttgart-Ulm schon zu gut, dort braucht die Bahn ja auch die ältesten Züge „auf“ (siehe z.B. hier). Allerdings ist es etwas anderes, eine Stunde mit so einem Gammel-Zug zu fahren, als einmal quer durch Deutschland zu reisen. In den alten Zügen ist eine ziemlicher Lautstärke (zum Glück habe ich noch an Kopfhörer gedacht), an „arbeiten“ war leider auch nicht zu denken. Es gab in diesem Waggon weder Strom für Laptop/Smartphone noch WLAN.
Und die Problematik mit defekten Toiletten und Türen scheint Locomore auch von der DB geerbt zu haben.auch bei Locomore funktioniert nix
Um es positiv zu sehen: ich bin relativ günstig und (langsam) pünktlich nach Berlin gekommen und hoffe nun, dass die Rückfahrt besser laufen wird. Ansonsten wird das mein erster und einziger Versuch mit dieser Verbindung gewesen sein. Dann zahle ich lieber ein paar Euro mehr und fahre mit der „normalen“ Bahn, bin damit deutlich schneller, flexibler, habe es komfortabler und muss mir vor allem keine (platzenden) Werbe-Lügen erzählen lassen.

Schloss defekt

heute früh war noch alles in Ordnung mit dem Fahrrad-Schloss und ich konnte mein Rad noch ganz normal anschließen. Abends ging es dann aber nicht mehr auf.
Ich habe es mehrfach probiert und auch noch WD40 reingesprüht (fast schon darin eingelegt) aber es hat alles nichts geholfen. Die Kollegen, denen ich davon erzählt habe, hatten zwar alle tolle Tipps zum Knacken drauf oder wollten mir zeigen, wie es geht – aber nichts hat geholfen. Das Schloss ist nicht mehr aufgegangen und ich bin somit nicht mehr an mein Fahrrad gekommen.
Schloss, zu
Also musste ich zu anderen Maßnahmen greifen. Ich wollte mir mal anschauen, was unter der Plastikabdeckung und der darunter liegenden Metall-Hülle liegt und habe dort, wo auf dem Bild mein Daumen ist, mal ordentlich gebogen, um drunter schauen zu können.  Dort habe ich dann ein recht dünnes (vielleicht 5mm dick) Drahtseil gesehen, was allerdings nicht besonders stabil aussah. Durch einfaches Weiterbiegen – wohlgemerkt immer noch ohne Werkzeug! – habe ich es dann „geschafft“ das Schloss einfach so in zwei Teile aufzutrennen. Das hat mich auf der einen Seite zwar gefreut (yay – endlich wieder Fahrrad fahren!), auf der anderen jedoch sehr stutzig gemacht, dass man dieses Fahrrad-Schloss so unglaublich einfach aufbrechen konnte!

Fake News, bzw. Alternative Fakten

früher hieß das ja noch „Lüge“, heutzutage wird es als „Fake News“ oder, seit der inkompetenten Trump-Administration, gerne auch mal „Alternative Fakten“ genannt. An sich ist es ja nichts Schlechtes. Fake News habe ich schon gerne gelesen, als es noch überhaupt gar keinen eigenen Begriff dafür gab, sondern in der großen Schublade „Satire“ abgelegt wurde. Der Postillon ist dafür ein gutes Beispiel (der nebenbei auch die beste Cookie Warnung hat, die man ehrlicherweise mit „Mir doch egal“ bestätigen muss). Solange man das durchschaut und als Satire, bzw. Spaß ansieht und darüber lachen – oder zumindest zwanghaft schmunzeln kann, ist ja alles noch in Ordnung.

Problematisch wird es aber halt dann, wenn absichtlich falsche Nachrichten gestreut werden, um die Bevölkerung zu manipulieren. Der Fachbegriff dafür wäre dann vermutlich Propaganda. Ein gutes Beispiel dazu läuft gerade wieder in diesen Tagen, das es heute sogar in die Tagesschau geschafft hat. Das Auswärtige Amt informiert jede/n, der/die auf deren Seite geht, über Reise- und Sicherheits-Warnungen. In dem Fall wurde die Sicherheitswarnung von Schweden um eine Stufe in Richtung „sicherer“ geändert. Diese Änderung wurde bereits im März 2016 durchgeführt. Jedoch veröffentlichen gerade jetzt offenbar viele AfD Kreisverbände (#fuckyou!), dass für Schweden eine Reisewarnung wegen erhöhter Terrorwarnstufe gelten würde. Erstunken und erlogen – aber genau passend in das verlogene, populistische Verhalten dieser Hetz-Partei.

Ich kann nur dazu aufrufen, jegliche Informationen von solchen Quellen wie der AfD (#fuckyou!) und von anderen Vollidioten völlig zu ignorieren. Und falls man doch mal in Kontakt damit kommen sollte, entschieden dagegen zu stehen!
Kein Fußbreit für eine Politik, die auf Lügen aufsetzt!

Auswirkungen von Feinstaub

das Feinstaub-Projekt der Stuttgarter Code for Germany Gruppe ist ein Paradebeispiel für die Anwendung von „Open Data„, also offenen Daten. Jede/r kann sich sein eigenes Feinstaub-Messgerät zusammenbauen und dessen Daten an deren Server schicken lassen. Dort sind sie dann frei für alle verfügbar. Jede/r kann mit diesen Daten eigene Auswertungen und Forschungen anstellen oder nur die live-Daten anschauen (das traut sich die Stadt Stuttgart nicht).
Am Open Data Day wurde eine Korrelation zwischen den offiziellen Feinstaubdaten der Stadt Stuttgart und dem Praxisindex des Robert Koch Instituts vorgestellt. Dieser Index bringt das komplexe Thema von Atemwegserkrankungen in eine einfach Zahl, mehr dazu hier. Leider ist die Granularität nicht besonders hoch, man bekommt die Zahlen nur für komplette Bundesländer.
Die einfache Überlagerung der beiden Werte ist nicht ganz gut, sobald man den Praxisindex jedoch um eine Woche verschiebt (wegen der Inkubationszeit), dann sieht das Ergebnis erschreckend ähnlich aus. Beim Anstieg der Feinstaub-vergifteten Luft steigt eine Woche später dann auch der Praxisindex an; es gibt also deutlich mehr Menschen, die sich wegen Atemwegserkrankungen bei Ärzten behandeln lassen – und anders herum:

Korrelation zw. Feinstaub und Grippe

Korrelation zw. Feinstaub und Praxisindex

Und diese Behauptung der Stadt Stuttgart, dass es nur auf 3km Hauptverkehrsstraßen eine erhöhte Feinstaub-Menge gäbe, ist ja durch dieses Projekt auch schon länger ins Reich der Träume/Wünsche verbannt worden.
Auch mit einer anderen Datengrundlage sieht man z.B. auf dieser Karte, dass überall dort, wo Menschen wohnen, eine mittlere oder gar hohe Feinstaub-Belastung vorhanden ist. Und Feinstaub, der einmal produziert wurde, bleibt ja in der Welt; es gibt keinen Mechanismus, der ihn wieder entfernt. Bisher hofft man immer nur, dass der Wind ihn woanders hinbläst oder der Regen ihn in die Kanalisation und somit letztendlich ins Grundwasser schwemmt.

ungewöhnlich

heute habe ich in der Stuttgarter Zeitung (Link) gelesen, dass im Januar „ungewöhnlich viele Todesfälle“ registriert wurden. Das „ungewöhnlich“ in der Meldung beinhaltet für mich eine gewisse Verwunderung und/oder Nicht-Erklärbarkeit.
Da ich seit der zweiten Dezember-Hälfte meinen eigenes Feinstaub-Messgerät habe und in letzter Zeit diese Werte mehrmals täglich verfolgt habe, weiß ich, dass im Januar auch sehr viel Tage mit „Feinstaub-Alarm“ und extrem überhöhten Werten vorhanden waren. Der Grenzwert von 50µg/m³, der nicht mehr als 35x im Jahr überschritten werden darf, war an einem Tag sogar bei 188µg/m³, also fast viermal so hoch, an vielen anderen im dreistelligen Bereich. Leider veröffentlicht die Stadt Stuttgart diese Werte nicht; vielleicht handeln sie nach dem „Vogel-Strauß-Prinzip“: was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Das würde gut zur angesprochenen „Verwunderung“ passen.

Dabei habe ich mich auch an einen Artikel bei der Tagesschau (Link) erinnert, wo dieses Phänomen (viele Todesfälle durch verschmutzte Luft) beschrieben wurde. Dort wurde die Kohle-Heizung in Zusammenhang mit einer Inversionswetterlage bereits im vorvergangenen Jahrhundert für die angestiegene Todesrate verantwortlich gemacht.

Und jetzt – im 21. Jahrhundert – stehen die offiziellen Behörden da und stellen sich ahnungslos ob der Tatsachen, die unsere Urahnen bereits wussten.

ein bisschen Überwachung

letztens musste ich wieder mit jemandem darüber diskutieren, dass es „ein bisschen“ Überwachung halt nicht gibt. Entweder ganz – oder gar nicht. Wer sagt, dass man nur die „kritischen“ eMails (also die, bei denen man etwas „böses“ plant) anschaut, muss zugeben, dass er in Wirklichkeit alle anschaut und halt nur auf die „kritischen“ reagiert. Ebenso verhält es sich mit der Überwachung von Positionsdaten. Wer mich nur dann alarmieren/informieren will, wenn ich an einer bestimmten Stelle bin, dann muss er immer wissen, wo ich bin. Ganz abgesehen davon, dass ein normales google, Apple oder Microsoft-Handy auch jederzeit seinen Standort „nach Hause“ telefoniert und dazu gleich noch alle weiteren Infos, die es kriegen kann. Das ist z.B. die GPS-Position, WLAN-Netzwerke, das aktuell genutzte Handy-Netz, Bluetooth-Knoten, NFC-Schnittstellen, etc. Ich vermute, dass die wenigsten Menschen wirklich alle funkenden Verbindungen am Smartphone dauerhaft ausgeschaltet haben.

Seit Januar probiere ich das Open-Source Projekt RadioCells aus. Hierbei wird ein Teil davon öffentlich, was jedes Smartphone sonst im Verborgenen macht. Man lässt einen WLAN-Scanner laufen und der sammelt, sobald eine GPS-Ortung vorhanden ist, einfach alle WLAN-Netze ein, positioniert sie an den aktuellen Ort und speichert neben dem aktuellen Datum noch die Funk-Stärke. Auf meinem normalen Arbeitsweg über 7km durch Stuttgart sammle ich dabei „ganz nebenbei“ so ca. 1500 WLAN-Netze ein. Im Gegensatz zu google/Apple/Microsoft verschwinden diese Daten aber nicht in deren Datenbanken und werden nur noch zur Überwachung der Benutzer verwendet – sie sind öffentlich auf der Homepage verfügbar. Sobald ich alle „meine“ häufig frequentierten Orte in Stuttgart dort eingetragen habe, werde ich dann mal den zugehörigen „Location Service“ ausprobieren. Dann müsste ich theoretisch ganz ohne GPS meine Position bestimmen können; aufgrund der Menge der WLAN-Netze in Stuttgart sollte das auch ganz gut funktionieren.

Nebenbei sieht man dabei auch die ganzen WLAN-Namen, die so vergeben werden. Den besten Namen finde ich bisher wlanmeyerlandrut – erinnert ihr Euch noch an Satellite? ;~)

Gedacht habe ich mir sowas schon immer, aber erst durch dieses Projekt wurde mir das ganze Ausmaß dieser Überwachung klar.

FAZIT: Euer Standard-Smartphone weiß immer, wo ihr Euch gerade befindet! Wollt ihr das?
Ich will das nicht und habe daher keine Google-Dienste auf meinem Android-Telefon drauf!

ein neuer Zuganbieter

im letzten Jahr habe ich so nebenbei noch mitbekommen, dass es einen neuen Zuganbieter geben wird, der Stuttgart mit Berlin verbinden wird: locomore
Das ganze Projekt wurde mit Crowd-funding realisiert und man konnte sogar in diese Firma investieren. Dafür war ich aber etwas zu skeptisch, bzw. für sowas habe ich nicht genug Geld übrig. Aber ein Ticket habe ich mir mal gekauft. Am 11. Februar wollte ich nach Berlin fahren und am 13. Februar wieder zurück. Da es immer nur ein Zug pro Tag und Richtung gibt, kann ich nicht am Freitag Nachmittag losfahren, sondern muss es am Samstag früh machen. Und Montag Nachtmittag dann eben wieder zurück – soweit zum Plan.
Jetzt kam aber eine Benachrichtigung, dass sie bis April alle Züge zwischen Montag und Mittwoch ausfallen lassen werden, um die „Kinderkrankheiten“ zu beheben. Mein Ausflug wird damit wohl auch flach fallen, weil es wenig Sinn macht, für nur 24h nach Berlin zu fahren. Mal sehen, ob es im April dann besser klappen wird….

externes Nachladen

inzwischen sollte sich bei den meisten Menschen rumgesprochen haben, dass man nicht unbedingt bei facebook (beispielhaft) sein muss, um dieser Firma viele Daten über sein online-Verhalten preiszugeben (mal ganz abgesehen vom unsäglichen WhatsApp in diesem speziellen Fall).
Auf jeder Seite, auf der ein facebook-Daumen oder eine facebook-Info-Box ist, steckt (oft) auch facebook drin. Da man im Internet ohne bestimmte Vorkehrungen nicht anonym surfen kann, kennt facebook also (fast) jede Seite, die ich mal besucht habe. Je nachdem, wie diese Seite programmiert ist, gehen noch viel mehr Daten über mich und meine Interaktionen an facebook.

Dieses Beispiel „facebook“ ist nur exemplarisch, es gibt noch viele weitere Datensammler. Und was diese Firmen im HIntergrund alles miteinander austauschen (vermutlich auch noch gegen viel Geld) ist dem Nutzer völlig unbekannt. Obwohl ich „nichts zu verbergen“ haben, finde ich es nicht besonders toll, wenn ich als reines Datenmodell überall als „gläserner Mensch“ in Datenbanken vorhanden bin. Welche (richtigen und falschen) Schlüsse diese Algorithmen über mich ziehen, würde ich auch mal gerne wissen!
Bei fefe’s blog habe ich letztens mal einen Artikel darüber gesehen, wie er nachgewiesen hat, dass bei einem einfachen Aufruf der Süddeutschen Zeitung (damals) 41 externe Seiten nachgeladen werden. D.h. dass jede Menge Informationen über mich in der ganzen Welt verteilt werden. Da ich das nicht will, habe ich bei mir den Ad-Blocker uBlock installiert (und muss daher leider damit leben, dass ich nicht mehr jede Seite im Internet sehen kann, tja). Zusätzlich dazu noch das Better Privacy Plugin im FireFox, alle facebook-Verbindungen werden mit diesem Plugin geblockt. Darüber hinaus probiere ich noch, meine Online-Aktivitäten auf verschiedene Browser zu verteilen, um ein möglichst indifferentes Bild von mir zu erstellen.