Archiv der Kategorie: nicht nachmachen!

in Quebéc City

für die nächsten drei Tage habe ich mir also mal Quebéc City vorgenommen. Allerdings ist die Ausgangslage nicht unbedingt perfekt: hier sprechen alle französisch, es ist nicht das beste Wetter und dann ist da noch diese Erkältung. Ich zähle mal auf den alten Spruch „zwei Tage kommt sie, zwei Tage bleibt sie, zwei Tage geht sie“. Aber auch dann wäre ich hier ziemlich davon betroffen. Zuhause würde ich nun Tee trinken und vielleicht irgendwas mit Ingwer machen. Hier habe ich aber nix davon, also kaufe ich wenigstens mal Ingwer-Zitronen-Tee und koche hier im Hostel bei jeder Gelegenheit ein Tässchen davon mit dem alten pfeifenden Teekessel.

Das Leben geht so natürlich nur sehr träge voran, allzu motiviert bin ich nicht. Und ich versuche einfach, viel zu schlafen, um diese Erkältung schnell wieder los zu kriegen. Dennoch mache ich mich auf den Weg zur Universität um dort die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt zu besuchen. Dort angekommen lege ich alle meinen unnützen Fahrrad-Utensilien auf den Tisch und frage, ob sie das irgendwie brauchen oder verwerten/verkaufen können. Und sie sind tatsächlich an allem interessiert, sogar an meinen echt alten Radschuhen.

Nagut, dann ist ja noch ein weiterer Punkt meiner Liste abgehakt. Weiterlesen

Zug fahren

ich bin jetzt tausende von Kilometern an der kanadischen Bahnlinie entlang gefahren. Und wenn ich von „der“ Bahnlinie spreche, trifft es die Situation relativ gut. Es gibt hier kein weitverzweigtes Bahnnetz, wie bei uns, sondern hauptsächlich die Verbindung der beiden Küsten, mit ein paar kleineren Abstechern davon. Auch gibt es keinen allzu regelmäßigen Bahnverkehr – zumindest nicht hier in Halifax. Es gibt zwei Zugverbindungen, die von hier abfahren, und die nach Westen fährt dreimal pro Woche. Die angeschlagene Abfahrtstafel ist äußerst beschaulich, leider habe ich kein Bild davon.

Bis nach Quebéc City dauert es 18h, man fährt um 13:00 ab und kommt morgens gegen sieben dort an. Das Gepäck wird „eingecheckt“, sprich man gibt es ab und es wird dann in einem Gepäckwagen mitgenommen. Daher soll man auch nicht gerade 2min vor Abfahrt am Bahnhof sein, sondern am Besten schon eine Stunde vorher dort sein. Ganz anders als mein Verhalten bzgl. der deutschen Züge – wie oft bin ich erst in der Minute der Abfahrt am Zug angekommen und habe dann erst das Ticket online im Zug gekauft?
Aber was solls – bei 18h Fahrt macht das auch keinen großen Unterschied mehr.

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Wohnung frei

ich bin mal gespannt, ob es noch klappt meine Wohnung zu vermieten. Im Nachhinein hätte ich das alles mal ein bisschen früher anfangen müssen. Aber diese Erkenntnis bringt jetzt halt auch nix mehr.
Ich habe heute früh so gegen zehn Uhr diese Anzeige geschaltet und bin jetzt mal gespannt, was passiert.
Etwa 12h später habe ich schon über 60 Anfragen bekommen. Und da ist mein Entscheidungsproblem wieder. Wie soll ich jetzt den/die richtige/n MieterInnen finden? Einfach war es, die Anschreiben auf arabisch (2x) auszusortieren. Alle anderen, die nur den Standard-Satz „Ich habe Interesse, bitte kontaktieren sie mich“ geschrieben haben, werde ich am Ende vermutlich auch mit einer Standard-Antwort abspeisen. Von den ansprechenden Antworten habe ich jetzt mal ca. 15 Besichtungungstermine für Sonntag und Montag ausgemacht. Bei vielen Anfragen sind die potentiellen Mieter erschreckend offen. Es wird das Gehalt, die Lebensplanung, alle möglichen Bürgschaften und Schufa-Auskünfte, etc. bereitgestellt. Das sind Informationen, die ich gar nicht wissen will. Mir würde eine „Handschlag“-Wohnungsübergabe ausreichen. Offenbar sind diese Suchenden schon durch viele Besichtigungen gegangen, bei denen jegliche Informationen abgefragt werden (vielleicht ist es auch nur ein Entscheidungsproblem bei den „professionellen“ Maklern/Vermietern).
Es scheint tatsächlich zu stimmen, dass der Stuttgarter Wohnungsmarkt einer der härtesten ist.

Feinstaub

in Stuttgart wurde entschieden, dass die Feinstaub-Saison am 15. April beendet ist. Nach der Entscheidung im Rathaus sollte es danach keine Tage mit erhöhter Feinstaub-Belastung mehr geben. Jetzt ist es aber dummerweise doch wieder vorgekommen. Die bisherigen beiden Ausreden scheinen nicht mehr zu ziehen. Erstens sollten die Heizungen einen Großteil der Schuld haben; das ist jedoch bei den schon frühlingshaften Temperaturen nicht mehr so ganz aktuell. Zweitens hat man immer wieder vom Wetter gehört, Inversionswetterlage und so. Auch diese gibt es gerade nicht, der Dreck kann also abziehen und trotzdem ist hier noch so viel vorhanden, dass die rechtlichen Grenzwerte gerissen werden. (kleines Detail am Rande: der Feinstaub ist ja nicht weg, er ist nur woanders)
In der Stuttgarter Zeitung kann man lesen, dass „die Experten von den hohen Werten überrascht sind“ (Quelle).
Für einigermaßen klar denkende Menschen ist das natürlich keine Überraschung, man kann jeden Tag lesen, dass es keinen Auto-Hersteller gibt, der nicht bei den Abgas-Werten beschissen hat – genau dieses Problem trifft jetzt eben die Stadt-Bewohner. Schließlich fahren täglich hunderttausende von Autos, Lieferwagen und LKWs in Stuttgart, nach Stuttgart rein und raus.
Und während die Stadt früher immer von „3km“ gesprochen hat, die angeblich vom Feinstaub betroffen sind, spricht sie inzwischen schon von „5km“. Wie sie sich diese Zahlen zusammenfantasiert, bleibt jedoch ihr Geheimnis – genügend Messstellen für eine solche Aussage hat sie nicht. Die Zahlen der Luftdaten.info Seite sprechen da eine andere Sprache: Feinstaub-Alarm ist grundsätzlich in der kompletten Stadt.
Und selbst wenn der juristische Grenzwert von 50µg/m³ mal nicht gerissen wird, ist die Feinstaub-Belastung immer noch fast täglich deutlich über 20µg/m³, dem empfohlenen Wert der WHO.
Hier mal ein Screenshot der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Link):
Feinstaub-Werte

Kleines Detail am Rande:
An der Stelle, wo quasi den kompletten Winter die Ankündigung des Feinstaub-Alarms hing, macht die Stadt Stuttgart jetzt Werbung für „Die Automesse“ auf der Königstraße, das ist die große Fußgänger-Zone, in der dann 150 Autos ausgestellt werden.
Würde man sowas in ein Drehbuch schreiben, würde es natürlich abgelehnt, weil es viel zu unrealistisch wäre. Aber in Stuttgart geht das sogar in der Realität.
Auto-Messe auf der Königstraße

neue Bahn-Verbindung

letztes Jahr hat ein Unternehmen angefangen, eine neue Bahn-Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin anzubieten: Locomore. Das Ganze wurde per Crowd-Funding umgesetzt, ich habe mich daran jedoch nicht beteiligt, weil ich zu skeptisch bin, dass diese Idee auch längerfristig funktionieren könnte.
Inzwischen ist das Unternehmen gestartet und ich habe mir gleich mal ein Ticket für eine Berlinfahrt besorgt, die Kosten dafür waren 22€ pro Fahrt – Berlin ist ja immer eine Reise wert. Diese Fahrt wurde recht kurzfristig wieder abgesagt, weil sie festgestellt haben, dass sie noch einige Kinderkrankheiten beheben müssen. Daher fuhre sie einige Zeit nur Donnerstag bis Sonntag. Ich will aber am Montag zurück. Also habe ich mein Ticket auf das erste April-Wochenende umgebucht, weil ab dann wieder durchgängig gefahren wird.

Gespannt war ich ja schon, was mich jetzt erwartet, die Werbeversprechen sind ja ziemlich vollmundig. Woran ich mich nur schwer gewöhnen kann: Die Abfahrt des einzigen Zuges in Stuttgart ist mitten in der Nacht um 06:21. Nur kurz vorher habe ich noch eine eMail bekommen, in der mir mitgeteilt wurde, dass meine Reservierung geändert wurde, weil „mein“ Wagen nicht mehr mitfährt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf („offenbar das gleiche Chaos wie bei der DB!“) lege ich mich ins Bett und hoffe, dass ich kurz drauf wieder pünktlich aufstehen werde. Das hat tatsächlich geklappt und ich laufe auf den orange-farbenen Zug zu.
der Locomore-Zug wartet auf mich
Wenige Meter weiter dann die „Enttäuschung“: mein Wagen ist nur ein sehr alter Wagen der DB, ohne irgendwelches Branding, Renovierungen oder Überarbeitungen von Locomore. Na gut, das kenne ich ja von der Strecke Stuttgart-Ulm schon zu gut, dort braucht die Bahn ja auch die ältesten Züge „auf“ (siehe z.B. hier). Allerdings ist es etwas anderes, eine Stunde mit so einem Gammel-Zug zu fahren, als einmal quer durch Deutschland zu reisen. In den alten Zügen ist eine ziemlicher Lautstärke (zum Glück habe ich noch an Kopfhörer gedacht), an „arbeiten“ war leider auch nicht zu denken. Es gab in diesem Waggon weder Strom für Laptop/Smartphone noch WLAN.
Und die Problematik mit defekten Toiletten und Türen scheint Locomore auch von der DB geerbt zu haben.auch bei Locomore funktioniert nix
Um es positiv zu sehen: ich bin relativ günstig und (langsam) pünktlich nach Berlin gekommen und hoffe nun, dass die Rückfahrt besser laufen wird. Ansonsten wird das mein erster und einziger Versuch mit dieser Verbindung gewesen sein. Dann zahle ich lieber ein paar Euro mehr und fahre mit der „normalen“ Bahn, bin damit deutlich schneller, flexibler, habe es komfortabler und muss mir vor allem keine (platzenden) Werbe-Lügen erzählen lassen.

Schloss defekt

heute früh war noch alles in Ordnung mit dem Fahrrad-Schloss und ich konnte mein Rad noch ganz normal anschließen. Abends ging es dann aber nicht mehr auf.
Ich habe es mehrfach probiert und auch noch WD40 reingesprüht (fast schon darin eingelegt) aber es hat alles nichts geholfen. Die Kollegen, denen ich davon erzählt habe, hatten zwar alle tolle Tipps zum Knacken drauf oder wollten mir zeigen, wie es geht – aber nichts hat geholfen. Das Schloss ist nicht mehr aufgegangen und ich bin somit nicht mehr an mein Fahrrad gekommen.
Schloss, zu
Also musste ich zu anderen Maßnahmen greifen. Ich wollte mir mal anschauen, was unter der Plastikabdeckung und der darunter liegenden Metall-Hülle liegt und habe dort, wo auf dem Bild mein Daumen ist, mal ordentlich gebogen, um drunter schauen zu können.  Dort habe ich dann ein recht dünnes (vielleicht 5mm dick) Drahtseil gesehen, was allerdings nicht besonders stabil aussah. Durch einfaches Weiterbiegen – wohlgemerkt immer noch ohne Werkzeug! – habe ich es dann „geschafft“ das Schloss einfach so in zwei Teile aufzutrennen. Das hat mich auf der einen Seite zwar gefreut (yay – endlich wieder Fahrrad fahren!), auf der anderen jedoch sehr stutzig gemacht, dass man dieses Fahrrad-Schloss so unglaublich einfach aufbrechen konnte!

Fake News, bzw. Alternative Fakten

früher hieß das ja noch „Lüge“, heutzutage wird es als „Fake News“ oder, seit der inkompetenten Trump-Administration, gerne auch mal „Alternative Fakten“ genannt. An sich ist es ja nichts Schlechtes. Fake News habe ich schon gerne gelesen, als es noch überhaupt gar keinen eigenen Begriff dafür gab, sondern in der großen Schublade „Satire“ abgelegt wurde. Der Postillon ist dafür ein gutes Beispiel (der nebenbei auch die beste Cookie Warnung hat, die man ehrlicherweise mit „Mir doch egal“ bestätigen muss). Solange man das durchschaut und als Satire, bzw. Spaß ansieht und darüber lachen – oder zumindest zwanghaft schmunzeln kann, ist ja alles noch in Ordnung.

Problematisch wird es aber halt dann, wenn absichtlich falsche Nachrichten gestreut werden, um die Bevölkerung zu manipulieren. Der Fachbegriff dafür wäre dann vermutlich Propaganda. Ein gutes Beispiel dazu läuft gerade wieder in diesen Tagen, das es heute sogar in die Tagesschau geschafft hat. Das Auswärtige Amt informiert jede/n, der/die auf deren Seite geht, über Reise- und Sicherheits-Warnungen. In dem Fall wurde die Sicherheitswarnung von Schweden um eine Stufe in Richtung „sicherer“ geändert. Diese Änderung wurde bereits im März 2016 durchgeführt. Jedoch veröffentlichen gerade jetzt offenbar viele AfD Kreisverbände (#fuckyou!), dass für Schweden eine Reisewarnung wegen erhöhter Terrorwarnstufe gelten würde. Erstunken und erlogen – aber genau passend in das verlogene, populistische Verhalten dieser Hetz-Partei.

Ich kann nur dazu aufrufen, jegliche Informationen von solchen Quellen wie der AfD (#fuckyou!) und von anderen Vollidioten völlig zu ignorieren. Und falls man doch mal in Kontakt damit kommen sollte, entschieden dagegen zu stehen!
Kein Fußbreit für eine Politik, die auf Lügen aufsetzt!