nächste Etappe

trotz Urlaub musste ich schon wieder den Wecker stellen. Abflug aus Reykjavík ist heute um 10:30, die Fahrt zum Flughafen wird etwa 1h dauern. Also sollte ich den 07:30 Transfer-Bus nehmen und trotz leichter Zeitverschiebung kann ich mich bestimmt nicht darauf verlassen, rechtzeitig aufzustehen. Das kalte Wetter hält mich nicht unbedingt hier, außerdem will ich ja nach Kanada und dort Radfahren!
Den Korb mit den übrig gelassenen Lebensmitteln habe ich schon leer gegessen. Es ist ist Hostels üblich, dass dort alle möglichen weiterverwendbaren Reste (Lebensmittel, übrige Shampoos, Klamotten, die nicht mehr in den Rucksack passen, etc) anderen zur Verfügung gestellt werden. Bei diesem Zeug habe ich aber nicht zugegriffen – keine Ahnung, was das ist. Da ich keinen Lust darauf habe, Pferde- oder Hundefutter zu essen, lasse ich das unangetastet liegen.

Am Flughafen angekommen sehe ich eine Maschine, mit der man eine Tasche um seine Tasche machen kann. Also ganz viel Plastik (Müll) um seinen Koffer, der das eigentlich gar nicht braucht.

Ich entscheide mich dann eher dafür, noch ein bisschen den kalten isländischen Nieselregen anzuschauen und sehe draußen im Flughafen-Garten noch ein Kunstwerk. Dort schlüpft gerade eine Concorde aus einem Ei. Keine Ahnung, ob dies Kunstwerk vor oder nach dem Ende der Concorde-Flüge erstellt wurde. Oder vielleicht soll es auch gar keine Concorde sein – wer weiß das schon….

Beim Aufräumen habe ich noch diesen Flyer gefunden, den ich aufgrund der Design-Ähnlichkeit mit einer Stuttgarter Kultur-Institution aufgehoben habe (ich komme aber grad nicht drauf, mit welcher).

In Kanada wurde es aber etwas stressig – das hatte ich echt so nicht erwartet. Die erste Passkontrolle war am Flughafen-Eingang. Die typischen Fragen, was man denn so machen will, aber der Grenzbeamte hat nicht mal die Antworten ganz angehört. Dann an einer Maschine das Einreise-Formular ausfüllen (obwohl man es schon mehrfach in Papierform gekriegt hat), woraufhin man einen Zettel ausgedruckt kriegt, auf dem die eingegebenen Infos und ein miserables, eben geschossenes Bild drauf ist. Der nächste Grenzbeamte fragt wieder, was ich denn machen will und kreist die angegeben 97 Tage Verweildauer rot ein. Visumsfrei darf man als Deutscher eigentlich ein halbes Jahr in Kanada bleiben. Mit diesem roten Kreis muss ich zur nächsten Grenzbeamtin und wieder diese Fragen beantworten, was ich denn überhaupt in Kanada will und was ich zuhause mache. Sie ist neu im Job und weiß nicht so recht, wie sie den Computer bedienen muss. Auf jeden Fall hat sie irgendwas eingetragen, meinen „Schmierzettel“ mit einem Stempel (mit falschem Datum) versehen und pinke Streifen auf Vorder- und Rückseite gezogen. Damit konnte ich jetzt zum nächsten Grenzbeamte gehen und nochmal die Geschichte erzählen. Jetzt musste ich auch noch die Buchung für das Hostel vorzeigen (was der Sinn sein sollte, ist mir auch nicht klar, denn die war nur für eine Nacht). Er konnte jetzt den Schmierzettel mit dem richtigen Datum bestempeln und mir einen Stempel in den Pass geben. Die nächste Grenzbeamtin hat aufgrund dieses Zettels dann entschieden, dass ich durch die Gepack-Kontrolle gehen muss. Während ich dort wartete, schaute ich mich um und konnte nur Leute sehen, die den Stereotypen entsprachen: (vermutlich) muslimische Paare, Afro-Amerikaner und Rasta-Träger. An drei Schaltern mussten sie ihre Koffer öffnen. Ach, toll – das macht ja gleich unglaubliche Lust, nochmal nach Kanada einzureisen, da hätte ich ja auch gleich in die USA gehen können. Irgendwann komme dann auch mal ich dran und ich darf meine Geschichte nochmal erzählen. Diese Grenzbeamtin meint, dass das ja schon recht gemein sei, dass ich so lange Urlaub habe, will von meinem Gepäck aber nix wissen. Den Schmierzettel stempelt sie nochmal und wirft ihn dann aber weg. Und das, obwohl mir vorher immer erzählt wurde, dass der Zettel wichtig sei und ich ihn für die Ausreise bräuchte. Sie meint, das sei nicht so. Beim Rausgehen stellt sie mir noch eine letzte (Fang-) Frage, die ich aber problemlos beantworten kann. Das ist vermutlich die gleiche Strategie, wie bei Bewerbungen, nach der Stress-Situation nochmal schauen, wie der „Bewerber“ reagiert. Fast zwei Stunden später komme ich dann auch schon wieder aus dem Flughafen raus. Ob es ein nächstes Mal Kanada für mich gibt, bezweifle ich jetzt zwar – wenn es so sein sollte, werde ich da aber einfach nur 14 oder 21 Tage oder so drauf schreiben.
Von Zuhause habe ich noch eine Spezial-Münze für den Nahverkehr mitgebracht, weil ich es von den letzten Besuchen noch kenne, dass der Busfahrer kein Wechselgeld hat und auch keine Kreditkarte nimmt. (sic!) Der Bus fährt laut Plan FS (frequent service, i.e. 10min or less) und das stimmt auch. Kurz drauf bin ich an der Metro-Endhaltestelle und kann damit weiter in die Stadt fahren. Schnell noch im Hostel einchecken und schauen, was Toronto denn gerade überhaupt bietet?
Dann entscheide ich mich für eine Foto-Ausstellung über den Friedens-Nobelpreis in einem relativ neuen Quartier, das ich noch gar nicht gesehen habe.


Auf einer dieser Ausstellungswände ist kein Bild, sondern nur ein Spiegel mit der Aufschrift „Making Peace is up to you“. Das habe ich dann auch gleich mal so fotografiert, wäre aber trotzdem nett, wenn Ihr mir dabei helfen könntet. ;~)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .