naja, es hilft ja alles nix. Das Telefon ist halt mal kaputt aber ich muss hier ja irgendwie weitermachen. Bevor ich jetzt die ganzen alten (fehlenden) Beiträge hier schreibe, mache ich mal was neues und überspringe einfach die letzten Tage und gehe direkt zu heute.
Morgens, wie immer, steht neben Aufstehen und Morgenhygiene noch das langsam eintönige „Zelt abbauen“ an. Und da ich abends meist noch aus beiden Satteltaschen mehr oder weniger alles rausziehe und wild verteile (vielleicht sollte ich mir mal ein Packsystem überlegen), zieht sich das Zusammenpacken immer recht lang hin.
Abgesehen von einem halben Joghurt (hier gibt es ja nur so riesen-Becher mit >600g) und einer handvoll Erdnüsse, die ich noch in der Kopfkissen-Jacke gefunden habe (und ich habe mich nachts noch gewundert, wieso sich mein Kopfkissen so seltsam anfühlt) habe ich nix zum Frühstücken.
Im lokalen, kleinen Supermarkt gibts auch kaum was, was mich anspricht. Die Bananen sind sehr grün, da bleiben nur Donuts übrig.
Während ich diese direkt vor dem Laden esse, kommt ein alter Mann (er erzählt mir, dass er 85 ist) und heuchelt Interesse an meiner Tour. Arg viel mehr als „from coast to coast“ kann ich gar nicht erzählen, da fällt er mir schon ins Wort und hört nicht mehr auf. Dass er für mich beten wird, obs hilft oder nicht, aber es schadet ja nix, dass seine Tochter 1978 mit gerade mal 18 tödlich verunglückt ist, etc.
Ich höre mir das einfach an und esse meine Donuts. Als ich fertig bin schaffe ich es tatsächlich, sein Gespräch zu beenden und fahre los.
Hab ich schon mal gezeigt, wie es hier in „the Praries“, dem Bundesstaat Saskatechewan aussieht? In etwa so, seit Tagen – und bestimmt noch für ein paar weitere Tage/Wochen.
Der ganze Tag war nicht besonders toll. Auf dem Bild kann man sehen, dass es überwiegend (stark) bewölkt war; gar keine Sonne, dafür vielleicht 15 Regentropfen, Gegenwind (und dabei habe ich doch extra die Route von West nach Ost gewählt, weil dort eigentlich nur Rückenwind sein sollte) und während der meisten Zeit ein solcher unbefahrbarer Seitenstreifen voller Schotter und Sand.
Und dann mal solch ein Schild am Straßenrand: angeblich ein Gruß-Stein von Gott! Klaro – da hat dieser Allmächtige die ganze Welt geschaffen und das einzige, was ihm jetzt einfällt ist, einen Stein (wie auch immer der aussehen mag, ich bin nicht abgebogen) auf die Erde, noch dazu irgendwo ins Niemandsland, zu schmeißen.
Weil übrigens auch im zweiten (und letzten auf der heutigen Strecke) Supermarkt keine Bananen oder anderes ansprechende Essen zu finden war, habe ich lediglich solche Müsli-/Schokoriegel gekauft. Das bringt aber nicht besonders viel, daher zur Mittagspause ein Eis mit Cola. Dank Gegenwind werde ich diese Kalorien auch bestimmt wieder flugs loswerden. Seltsam auch, dass eine Literflasche Cola mehr oder weniger das selbe kostet, wie der halbe Liter. Als Schwabe nehme ich natürlich die große und habe danach für etwa 50km das Problem, was ich mit der angebrochenen/leeren Flasche machen soll. So lange hat es nämlich gedauert, bis ich mal wieder einen Mülleimer gefunden habe. Sie einfach so in die Landschaft zu werfen (wie es offenbar viele andere machen) wollte ich aber partout nicht.
Neben solchen komischen Götter-Steinen verstehe ich diese ganze „Veteranen-Verehrung“ ebenfalls nicht. Die zweite Hälfte meiner heutigen Tagestour führt auf jeden Fall auf dem Veterans Memorial Highway lang.
Dann mal etwas Abwechslung! Es geht am Buffalo Pound Lake vorbei. Bei der Abfahrt auf der gegenüberliegenden Seite habe ich natürlich nicht fotografiert – dafür hätte ich ja anhalten müssen. Aber als es auf dieser Seite wieder hoch ging, habe ich doch gerne mal angehalten und mich für ein Foto umgedreht.
Was ich auf einigen Campingplätzen ja schon gehört habe: die Camper mit ihren „mobile homes“ sind überhaupt nicht ständig auf Campingplätzen. Diese Dinger sind ziemlich autark, sie müssen nur ab und zu mal auf einen Campingplatz um ihre Wassertanks aufzufüllen und die Abwasser-/Exkremente-Tanks zu entleeren. Wenn sie das gerade mal nicht müssen, stehen sie gerne auf Walmart-Parkplätzen rum. Was die Camper daran reizt, verstehe ich auch nicht, aber das ist heute ja nicht das einzige….
Was ich gestern übrigens auf der Straße gefunden habe: diese Sonnenbrille! Ist aber etwas verkratzt, angeschliffen und außerdem etwas zu klein. Ich habe sie einfach am meinen Zeltplatz liegen lassen.
In den Rockies ist mir übrigens meine echt billige Netto(?) Radbrille auch mal runtergefallen und dabei verkratzt. Die habe ich dann in Edmonton im Hostel „vergessen“ und mir inzwischen beim MEC eine neue besorgt, sogar mit austauschbaren Gläsern. Wer weiß, wann das passende Bild dazu kommt….
Die zweite Abwechslung auf der heutigen Strecke: eine LKW-Waage. Die gibt es hier ab und zu mal und wenn die Lichter auf dem Ankündigungsschild leuchten, müssen die LKWs dort rausfahren und sich wiegen lassen. Lichter waren keine an, dafür bin ich mal rausgefahren. Die Waage war sogar an und auf der Anzeige stand 130kg, sie wog offenbar in 10kg Schritten und als ich mit Rad drauf stand, zeigte die Anzeige 240kg an. Vielleicht 75-80kg davon bin ich mich Bekleidung, 12-15kg das Rad und der Rest dann mein Gepäck. Vermutlich relativ wenig, alle anderen Reise-Radler hatten deutlich mehr Zeugs dabei. Mir ist es aber an jedem Berg/Hügel immer noch zu viel.
A propos „andere Reiseradler“: seit ein paar Tagen habe ich schon keine anderen mehr gesehen. Es scheint wohl eine relativ unübliche Strecke zu sein, die ich hier fahre….
Und kaum eine halbe Stunde nachdem ich fertig geschrieben habe, einiges an Flucherei und allen möglichen Umwegen später, ist dieser Artikel mit dem neuen Telefon dann auch schon online.
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