Hadashville – Laclu

am Campingplatz habe ich es heute etwas gemütlicher angehen lassen. Schließlich „musste“ ich ja noch einen Beitrag schreiben, den ich letzte Nacht nicht mehr machen wollte.
Morgens um zehn ist es schon so heiß, bzw schwül, dass ich ins Schwitzen komme, obwohl ich noch überhaupt gar nix mache. Das gefällt mir zwar nicht besonders, aber es ist doch 1000x besser, als jeder Regentag. So gegen elf bin ich dann langsam mit allem fertig und mache mich erneut auf den Weg. Bei der Abreise kriege ich noch mit, dass eine Nacht vor mir ein belgischer Radler hier gewesen ist. Aha, den kenne ich doch. Und wie ich vermutet habe, ist er „weg“, scheinbar hat er am Regentag tatsächlich viele Kilometer gemacht. Den werde ich vermutlich nicht mehr einholen, ich bin zwar etwas schneller, fahre aber gerne Umwege durch Städte oder sonstige längere Strecken, um diese Autobahn zu vermeiden….So schön ist die Straße leider nicht allzu lang. Sobald ich wieder auf dem Highway #1 bin, geht der Mist schon wieder los. Hier ist eine Baustelle und der komplette Verkehr wird auf „meine“ Spur geleitet. Dazu kommt, dass es hier keinen befahrbaren Seitenstreifen gibt, auf diesem lockeren Schotter kann ich kaum voran kommen.

Also folge ich Amanda’s Tipp von gestern und wechsle auf die eigentlich geschlossene Spur. Dort habe ich als Geisterfahrer die komplette Fahrbahn für mich! ;~)

Natürlich hat die Sache recht schnell einen Haken. Die Baustelle hat tatsächlich ihren Grund, es wird offenbar an einer Brücke gearbeitet. Heute, am Samstag Mittag, zwar nicht. Aber weiterfahren kann ich hier nicht. Zurück will ich auch nicht, daher schaue ich mir das mal etwas genauer an und stelle fest, dass ich mein Fahrrad durchaus durch das Gerüst hier schieben könnte.

Gedacht – gemacht!
Auf jeden Fall besser und sicherer (und interessanter und abwechslungsreicher), als durch die enge Baustelle zu fahren. Heute ist auf dem Highway auch relativ viel los, da scheinbar viele Leute aus der Großstadt Winnipeg ins Umland „flüchten“.
Nach der Baustelle wird es für etwa 25km jedoch nicht viel besser. Der Seitenstreifen ist immer noch nicht befahrbar, es gibt aber einen winzigen Streifen von 10-30cm zwischen dem Schotter und dem „Rüttelstreifen“ neben der Auto-Fahrbahnmarkierung. Den muss ich kriegen! Wenn ich nach links abschweife, schüttelt es das komplette Rad inkl. mir ziemlich durch und bremst mich sofort ziemlich ab, wenn ich nach rechts abkomme, laufe ich Gefahr im lockeren Schotter den Halt zu verlieren und zu stürzen.

Das ist überhaupt nicht meine Art Rad zu fahren. Ich kann die Augen kaum von der Fahrbahn lassen, kein Umherschauen, keine Hände vom Lenker nehmen, kein Rumspielen an der Sonnenbrille oder Helm, keine Fotos mit dem Smartphone, nicht mal kurz schauen, wie viel Uhr/Kilometer/Höhe. Nix, es ist ein bisschen so, wie Rennrad-fahren in der Gruppe. Man fährt halt Rad, kriegt aber überhaupt nix mit. 25km lang, jede Ein-/Ausfahrt, bei der dieser Schotter mal kurz weg ist, ist die reinste Erholung; auf einmal fällt die komplette Anspannung für wenige Meter ab, bevor ich mich wieder auf „meine“ 10-30cm einfädeln muss.

Auch dieser Abschnitt ist mal vorbei, genauso wie diese Provinz/Bundesstaat. Der nächste ist Ontario und das soll laaaaaang und anstrengend werden. Mal sehen.

Der Verkehr müsste auf jeden Fall etwas langsamer werden. In den anderen Staaten waren bis zu 120km/h erlaubt – für alle, auch die „Giga-Liner“. Hier gilt jedoch „nur“ 90km/h und es scheint relativ hart bestraft zu werden (zumindest im Vergleich zum Raser-Paradies Deutschland).

Wer 50km/h zu schnell fährt, muss mit bis zu 10.000$ Strafe rechnen und der sofortigen Konfiszierung des Autos.

Ansonsten gibt es hier wieder eine abwechslungsreichere Landschaft. Bäume, Hügel und Seen.

Mit Bäumen und Seen habe ich keine Probleme, an die Hügel muss ich mich nach den letzten Flachland-Etappen erst wieder gewöhnen.


Ich verlasse den Highway (der jetzt #17 und nicht mehr #1 heißt) und fahre etwa 10km zu einem kleinen Ort Laclu, der am See Lulu-See liegt. Dorthin hat mich Amanda gestern eingeladen. Ich melde mich erstmal beim falschen Wochenend-Haus und werde zum Nachbar-Haus weiter geschickt. Aber dort ist niemand, also rufe ich ihre Nummer an. Es stellt sich heraus, dass sie gerade in einem anderen Haus ist, das ihre Familie an diesem See hat. Ist aber auch nur vier Einfahrten weiter. Schließlich finden wir uns. Ich werde überrascht begrüßt, eigentlich wurde ich heute spätnachts oder gar erst morgen erwartet. Es ist aber erst 17:15 und ich hatte heute ja nur etwa 115km. Ich werde überall als der Typ vorgestellt, den sie gestern am Walmart „aufgelesen“ hat.
Was macht man in einem Haus am See? Erstmal ein bisschen baden und dabei ein Bier mit ihrem Freund Kevin trinken. Ja, an dieses Leben am See könnte ich mich gewöhnen! ;~)

Der Plan für den weiteren Abend hört sich interessant an. Ein Konzert „Rock the Dock“. Und es stellt sich heraus, dass man mit dem Boot über den See anreist. Nicht nur das, man ankert dann vor der Bühne und schaut sich das Konzert vom eigenen Boot aus an.
I’M ON A BOAT – und schaue dabei ein Konzert an. Nach all den – auch besonderen – Konzerten, die ich bisher gesehen habe, ist das nochmal etwas neues und besonderes!

Einen Sonnenuntergang gibt es natürlich auch.

Im Laufe der Nacht stellt sich heraus, dass aktuell wieder Sternschnuppen-Nächte sind und es ist komplett klarer Himmel. Wir lassen die Band nun einfach mal (Cover-) Band sein und beobachten den Himmel. Die nächste Stadt als Störlicht-Quelle ist 15km weg und der Mond noch nicht aufgegangen, so einen Blick auf den Sternenhimmel hatte ich selten!
Später geht der (fast Voll-) Mond noch auf: ein riesiger, tief-orangener Mond schiebt sich langsam über den Wald in den Himmel. Ständig begleitet von Sternschnuppen jeglicher Größe.
WOW!

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