Ignace – Upsala

Frühstück? Ich habe noch ein Pfund Karotten gefunden, das ist aber alles. Vielleicht ernährungs-technisch gesehen nicht ganz optimal, aber mehr gibt es halt gerade nicht. Während ich noch am Smartphone rumtippe kommt ein Camper zu mir. Er ist aus den USA und interssiert sich für die Fahrrad-Tour. Ob ich denn alle 500km ein neues Rad besorge, etc. Es stellt sich heraus, dass er auch Trump gewählt hat, obwohl der ganze Rest, den er bisher so erzählt dazu weniger passt. Die Begründung: er hat halt keine Verknüpfungen zu den bisherigen Politiker-Kreisen und könnte daher mal ordentlich „aufräumen“. Dass das nicht so funktioniert hat, hat er jetzt auch inzwischen verstanden. Als er mit irgendwelchen angeblich christlichen Themen (Ehe für alle, Abtreibung, etc) anfängt und sich gleichzeitig über den Islam lächerlich macht, steige ich aus dem Gespräch aus. Das wird mir doch zu blöd; beide Religionen (wie alle anderen auch), sind sehr lächerliche Weltanschauungen, die wir seit der Aufklärung vor über 200 Jahren eigentlich hinter uns gelassen haben sollten. Wie das „Ortsschild“ von Ignace, das aus Granit besteht.

Der Plan für heute ist Upsala, etwa 100km südöstlich von hier. Wie es der Zufall will, ist heute auch noch Südost-Wind (also direkter Gegenwind – Mist!). Es ist nicht nur ein niedlicher Name, danach kommt auch für weitere mind. 80km nichts mehr, gar nix.

Im Supermarkt in Ignace finde ich nicht besonders viel, was ich für die heutige Reise mitnehmen könnte. Bananen, klar. Und es gibt hier sogar einzelne Joghurts, davon nehme ich auch gleich noch einen als „zweites Frühstück“. Wegen dieser mageren Ausbeute gehe ich noch in den lokalen Burger-Laden und genehmige mir ein Wrap mit Pommes. Das kann man schon fast als Mittagessen durchgehen lassen, da ich es am Zeltplatz sehr gemütlich angehen lassen habe.

So gestärkt, mit sechs Bananen und elf übrigen Energie-Riegeln, geht es dann auf die Straße. Der gleiche Mist, wie bisher: kaum Seitenstreifen und der ganze Highway ist auch nur zweispurig (eine Spur pro Richtung).

Mir kommt es so vor, als ob mehr Fahrzeuge mir entgegen kommen (und damit den Gegenwind noch verstärken), als in meine Richtung fahren. Daher denke ich mir ein kleines Spielchen aus. Ich zähle die Fahrzeuge jeder Richtung und wer zuerst 15 Vorsprung hat, hat den Satz gewonnen, es braucht drei Gewinnsätze. Gezählt wird nicht absolut, sondern nur die Differenz. Das ganze mache ich mit den Fingern im Binärsystem. Linke Hand für die Gegenspur, rechte Hand für meine Spur. Die ersten beiden Sätze gehen relativ schnell für die Gegenspur aus (ha, das hatte ich doch richtig im Gefühl!). Der dritte Satz zieht sich dann aber über eine Stunde hin, bis ihn die Gegenspur dann auch gewonnen hat.

In einer Pause auf halbem Weg schaue ich nochmal auf meine digitale Karte und entdecke dabei, dass Upsala lediglich als „Weiler“ bezeichnet wird und male mir schon eine Nacht wild-zeltend, Flusswasser-trinkend aus (an den darauf folgenden Tag denke ich lieber gar nicht).


Bei diesem Hinweisschild musste ich mein Rad (als absolut kleinster Verkehrsteilnehmer) einfach mal fotografieren.

Etwa 15km vor Upsala treffe ich dann zwei Reiseradler aus Montreal, die auf dem Weg nach Vancouver sind, Laetitia und Dennis. Wir reden über unsere gefahrenen/zukünftigen Strecken und sie sagen mir, dass es in Upsala einen Zeltplatz und ein Geschäft gibt. Während sie versucht, mir das Gebäude zu beschreiben, sagt er, dass ich es schon finden werde, da es das einzige Gebäude in diesem „Ort“ ist. Als ich dort ankomme, kurz nach sechs abends, ist der Laden zu. Naja, dann gibt’s zum Abendessen halt die letzten zwei Bananen und ich hoffe, dass ich morgen etwas mehr einkaufen kann.

Abends muss ich nochmal kurz aus dem Zelt um meine verteilten Sachen etwas zusammen zu räumen und Tau-geschützt zu lagern, die Taschen zu zu machen, Licht zu holen, etc.
Als ich ins Zelt zurück komme, habe es vielleicht 15-20 Mücken mit mir rein geschafft. Das werden anstrengende 10min, bis ich alle diese Viecher erlegt habe. Und es war auch nur eine dabei, die voller Blut war, alle anderen habe ich erlegt, bevor sie erfolgreich waren. An der anderen Seite der Zelt-Innenhaut tummeln sich zig, wenn nicht gar hunderte von Mücken. Vor morgen früh gehe ich bestimmt nicht mehr aus dem Zelt!
Internet gibt es hier am Zeltplatz nicht und der Cash statt Kreditkarte-Trick hat auch nicht funktioniert, ich musste den vollen Preis von 25$ zahlen.
Für morgen sind Regenschauer angesagt. D.h. ich werde wohl (zumindest zeitweise) langsamer fahren. Ich hoffe, dass ich dennoch irgendwie am Ende des Tages in Zivilisation ankomme….

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