White River – Wawa

gestern Abend dachte ich noch, dass ich besonders schlau bin und das Zelt diesmal unter den Bäumen aufbaue. Damit wollte ich den Tau und somit die Trockenzeit vermeiden.
Dank des Regens der letzten Nacht waren diese Gedanken jedoch hinfällig. Dazu kam noch, dass ein Vogel mein Zelt als Toilette benutzt hat.

Es regnet immer noch und ist ziemlich kalt und laut Wettervorhersage soll es auch nicht viel besser werden. Ich packe meine Sachen widerwillig und langsam zusammen, Martin überlegt sich, einen Pausentag einzulegen. Das kommt für mich hier im Niemandsland aber nicht in Frage. Als es langsam etwas besser wird packt er auch zusammen. Da ich nicht auf seiner Wellenlänge liege, ist für mich klar, dass ich alleine fahre. Er hat mich z.B. belehren wollen, dass er kein Smartphone mit WLAN braucht (als ich ihm den Code aus der Touristen-Information geben wollte), sondern er lieber mit den Menschen redet. Als wir kurz später beim Wasser-holen vor dem benachbarten Fast-Food-Restaurant auf unsere Reise angesprochen werden, sagt er wirsch, dass er diese Fragen schon zu oft gehört hat und keine Lust auf diese Kommunikation hat.
Ich antworte aber natürlich gerne, auch wenn es stimmt, dass es immer die gleichen Fragen und Reaktionen sind. Aber vielleicht wecke ich ja beim ein oder anderen Gesprächspartner die Lust aufs Radfahren – dann hat es sich schon „gelohnt“.
Da wir aber u.U. in Wawa einen Zeltplatz teilen werden (die dortige Touristen-Information hat die hier angeblich mal darüber informiert, dass man dort nicht mehr umsonst zelten darf – und außerdem wäre eine Dusche mal ganz nett) machen wir aus, dass wir uns zwischen sechs und sieben an der Touristen-Information in Wawa treffen werden.
Inzwischen habe ich alles gepackt, war noch schnell ein paar Lebensmittel einkaufen und fahre los.

Der Wind weht heute eher von hinten, was grundsätzlich mal gut ist. Jedoch ist der Regen echt nervig. Es regnet nicht durchgängig, ich muss ständig die Regenkleidung an- und wieder ausziehen. Und irgendwie mache ich es immer falsch. Ziehe ich zu viel an, regnet es kaum und ich muss nochmal anhalten und etwas (sprich: mindestens die Regenhose) wieder ausziehen. Ziehe ich zu wenig an, regnet es gleich stärker und ich muss wieder anhalten und den Rest anziehen. Das Ziel ist immer, möglichst wenig Regenkleidung an zu haben, weil man sich darin in etwa so fühlt, als wenn man in Frischhaltefolie eingewickelt Sport macht. Nicht besonders toll. Um das zu vermeiden kann man entweder so viel wie möglich davon nicht anziehen oder ganz, ganz langsam fahren (was ich einfach nicht kann, erst recht nicht, wenn es die Hügel hier hoch geht).

Ansonsten geht es heute an den bekannten Landschaften vorbei: Hügel, Wälder und Seen. An einem dieser Seen treffe ich Mark, der ein Bild vom Schild des „Desolation Lake“ macht. Da er dabei steht, ist es einfach mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er gibt mir noch einen Tipp für eine Wild-Zelten-Möglichkeit an der „schönsten Stelle auf seiner ganzen bisherigen Reise“. Das hört sich gut an und ich notiere es mir auch sofort.

Und dann komme ich, etwa 95 langsame und zähe Kilometer später, in Wawa an. Auch hier wieder ein ziemlich großes Maskottchen, hier wurde eine Gans ausgewählt. Davon gibt es in der Stadt noch ein paar mehr. Im Hintergrund kann man ein bisschen die Straße sehen, auf der ich angereist bin. Etwa drei Kilometer vor der Stadt ist ein Zeltplatz, der 30$ (plus Steuern) verlangt. Das ist alleine zu viel (habe ich so beschlossen) und bin weiter gefahren. Da Martin die ganze Reise noch keinen Zeltplatz bezahlt hat und auch nur davon sprach, vielleicht 10$ zu zahlen, wird das wohl keine Option für heute sein.

Ich frage in der Touristen-Information nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten und mir wird gesagt, dass ich direkt hier zelten dürfte. Das war wohl eine falsche Info, die ich gestern in White River bekommen habe. Es ist gerade mal kurz nach fünf, es dauert also noch ein bisschen, bis Martin kommt. Mein Plan sieht so aus, dass ich heute die kostenlose Option nehmen werde und statt einer Dusche ein kurzes Bad im lokalen See nehme.
Aber davor gehe ich noch einkaufen. Im Supermarkt werde ich (fast schon natürlich) angesprochen, jedoch ist dies Gespräch etwas anders. Ich werde gefragt, ob ich der Radler bin, der vor zwei Tagen in Sault Ste Marie war und heute hier erwartet wird. Nein, das bin ich nicht, ich fahre in die andere Richtung. Aber ich habe einen getroffen, allerdings 40km weiter nördlich (ebendieser Mark); der ist schon weiter gefahren. Als ich auf die Frage nach meiner Übernachtung gefragt werde, antworte ich mit „Zelten bei der Touristen-Information“. Dann die Frage, ob ich nicht – statt Mark – bei ihnen übernachten will. Da es draußen immer noch nicht toll aussieht und kalt ist, sage ich natürlich gerne zu.

Bei Patty und Ray zuhause gibt es dann eine warme Dusche für mich (statt einem kurzen und kalten Bad im See) und ein leckeres Abendessen: Zwiebelsuppe, Pasta und Wassermelone. Das komplett durchnässte Zelt kann ich in der Garage zum Trocknen aufhängen und da die Waschmaschine heute noch eingeschaltet wird, kann ich auch noch ein paar Sachen dazu schmeißen.

So kann ich sagen, dass dieser Tag, obwohl er ziemlich miserabel angefangen hat (und auch nicht viel besser weiter gegangen ist) doch noch sehr gut geendet hat. Wegen dem geplatzten Termin mit Martin habe ich zwar ein bisschen ein schlechtes Gewissen; jedoch vermute ich, dass er an der Touristen-Information zeltet und ich morgen früh mal dort vorbei schaue und die Sache erkläre.

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