Mega-Stoffel // X-tof

Christoph X-tof Stoffel Hoyer erklärt euch die ganze Welt!

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Sault Ste. Marie – Thessalon

ich habe extra den Wecker auf sieben Uhr gestellt, um zu sehen, ob Julie das mir ihrer (Ab-) Reise wirklich ernst meint. Tatsächlich, sie ist auch eben aufgestanden und bereitet sich schon langsam vor. 20min später ist sie fertig mit allem und auf der Straße, ich habe in der Zeit nur ein bisschen dumm aus der Wäsche geschaut und ein paar Reste von gestern Abend vorgefrühstückt. Ihre Organisation und Disziplin beneide ich ja wirklich (mal ganz abgesehen von der Kraft, die sie haben muss)!

Mein Zelt ist noch nicht annähernd trocken, außerdem ist es mir viel zu kalt (im unteren einstelligen Bereich), um loszufahren; ausgeschlafen habe ich sowieso noch nicht – es ist ja schließlich Urlaub. Ich lege mich deshalb nochmal hin und schlafe bis kurz nach neun. Es ist immer noch kalt und das Zelt immer noch feucht. Ich hole jetzt richtiges Frühstück und ein Duzend weitere Donuts für die Mitarbeiter (und mich) hier im Fahrradgeschäft velorution. Dort bekomme ich noch einen Kaffee und ich schleiche dort rum – wartend, bis mich jemand auf meine Reise anspricht. Es scheint dort aber wirklich niemanden zu interessieren. Ich hätte erwartet, dass sie dieses freie Zelten u.a. deshalb anbieten, um die Radler-Geschichten zu hören. Ich habe noch kurz angedacht, evtl. noch eine weitere Nacht hier zu bleiben, da der letzte Freitag im Monat ist und ich eine Critical Mass erwarte; es gibt aber keine in dieser 75.000 Einwohner Stadt.

Gegen halb zwölf bin ich dann soweit und fahre mal den lokalen sog. „Hub-Trail“, eine 25km Strecke um die ganze Stadt. Anfangs ist es ganz gut zu fahren

und dies sind ihre „starken Steigungen“.

Auf dem Weg steht ein verlassener VW neben einer Volkswagen-Fahne. Interessiert aber auch niemanden.

Der „Bike Social“ Hütte ist das selbe Schicksal beschieden.

Als es später durch die Stadt geht, ist sowohl der Straßenbelag miserabel als auch die Beschilderung. Für mich auch wieder eher ein „Marketing-Projekt“, als eine vernünftige Lösung. Wer, außer ein paar Einheimischen kennt schon diese Straßennamen, nach denen man sich hier richten soll?

Und als es am Wasser entlang geht, ist es natürlich eine Schiebe-Strecke. Das freut den Radler!

In der Ferne kann man die große „International Bridge“ sehen, die in die USA führt.

Irgendwo war dann noch dieses RB Kürzel zu sehen. Das kenne ich ja sonst nur in anderen Zusammenhängen, ich mache daher mal ein Selfie in meinem (Robert-)Bosch Dress davor. Da ich mein Radkitt’l vor Kurzem noch Waschen konnte, sind die Spuren des „Spagetti Incidents“ in Nipigon auch weg. Grüße an die Kollegen! 🙂

An der Touristen-Information frage ich nach dem Waterfront-Trail und bekomme gesagt, dass es ihn gibt, aber sie noch auf die Karten dafür warten. Mehr wissen sie auch nicht.

Ich habe die Schnauze von dem Gehoppel auf dem innerstädtischen „Radweg“ schön voll und fahre jetzt auf dem Highway weiter Richtung Osten. Zwischendrin komme ich offenbar an einem kaputten Thermometer vorbei.

Im Hintergrund sitzen noch zwei Radler, mit denen ich mal kurz quatsche. Sie sind von hier auf einer Tagestour, wissen aber auch nichts von diesem Waterfront-Trail. Später wird sich herausstellen, dass ich meine zweite Wasserflasche beim Auffüllen dort vergessen haben werde – allerdings zu spät, um bei den (Wind-)Verhältnissen nochmal umzudrehen. Danach schaue ich mal die PDF-Datei an, die ich gestern von dem „Lake Huron North Shore Trail“ (Teil des Waterfront Trails) runtergeladen habe und stelle fest, dass dieser Alternativ-Highway #17B bereits ein Teil davon ist. Nur noch einmal abbiegen und ich bin „richtig“ drauf. Das mache ich auch und es ist recht gemütlich dort, zumindest was den Verkehr angeht.

Nur kommt man halt nicht recht voran. Der Straßenbelag ist ziemlich rauh, teilweise ist es sogar nur geschottert.

Es scheint sowas wie „Kehrwoche“ hier zu sein, an mindestens drei von vier Anwesen links und rechts der Straße wird heute Rasen gemäht – natürlich mit einem Rasentraktor.

Hier und da begegnet mir eine Pferdekutsche mit seltsam angezogenen Menschen. Es sieht für mich nach Amish aus, kenne mich aber nicht besonders gut damit aus.

Der Waterfront-Trail ist wider Erwarten relativ gut beschildert und ich kann ihm gut folgen. Meine größte Sorge war bisher, dass die Beschilderung mies ist und man alle paar (Kilo-)Meter anhalten und per Smartphone navigieren muss. Als eines dieser Schilder wieder in eine Schotterstraße zeigte, habe ich abgebrochen und bin zurück zum Highway gefahren. Schotterstraßen sind eine große Zeitverschwendung! Man braucht so viel Kraft, um darauf mit annähernd normaler Geschwindigkeit voran zu kommen und muss dazu ständig aufpassen, dass man kein Schlagloch/Bodenwelle/Querrille/großen Stein/etc. erwischt. An Hügeln komme ich selbst im kleinsten Gang nicht ohne durchdrehendes Hinterrad hoch. Und abends steht dann noch Kettenpflege an, um den ganzen Staub und Sand wieder aus dem Getriebe zu bekommen. Da mache ich nicht mehr mit!

Im nächsten Dorf treffe ich Patrick, der am Straßenrand steht und „nur“ noch nach Thunder Bay will. Allerdings bis zum Ende der kommenden Woche. Das wird knapp, erst Recht für die Kombination aus seinem Rad und seiner Verfassung. Er hatte heute wohl schon mehrere Plattfüsse und als ich sein nur halb aufgepumptes Hinterrad sehe, kann ich mir auch denken, warum. Er fragt mich nach ein paar Flicken, die ich ihm gerne gebe. Ich habe noch genug und brauche sie (hoffentlich) auch gar nicht. Dazu pumpe ich ihm mal sein Hinterrad auf die richtige Bar-Zahl auf. Ich gebe ihm noch ein paar Infos zum freien Zeltplatz bei velorution, falls er nach den Öffnungszeiten ankommen sollte und kriege dafür ein paar selbstgemachte Energieriegel. Dann geht’s weiter. Ich habe mich heute mal überhaupt nicht um ein mögliches Ziel gekümmert, nach guten 100km bin ich um kurz nach sechs in Thessalon. Das sieht doch ganz schick aus hier, jedoch ist schon wieder alles zu. Ich schaue mir das Städtchen an und am lokalen Zeltplatz wollen sie 33$. Also entschließe ich mich dazu, dort nicht zu bleiben, sondern heute wild zu zelten. Um sieben macht die Bücherei nochmal auf und ich frage dort, ob sie nicht zufällig ein geschicktes Plätzchen dafür kennen. Sie überlegt und überlegt aber ihr fällt nichts richtiges ein. Die Leute hier sollen wohl recht „schwäbisch“ sein (was ich nach den Rasenmähern sofort glaube) und alles beobachten, darüber quatschen und Fehlverhalten auch melden. Aber dann fällt ihr eine Familie im Nachbardorf ein, wo ich sicherlich zelten kann. Sie ruft dort an, die Frau ist jedoch in Toronto – ist aber kein Problem. Sie ruft ihren Mann an und ich soll da hinfahren. Dabei sehe ich dieses Schild, dass man als nicht-Kanadier offenbar eine Genehmigung braucht, um wild zu zelten.

Das höre/lese ich hier zum ersten Mal. Nach etwa sechs Kilometer komme ich dann an. Er hat gerade Besuch und erwartet mich schon. Zuerst kriege ich mal ein Bier in die Hand gedrückt. Die Besucherin erzählt etwas von einem Festival und einer Party, wo wir doch hingehen könnten. Ich bin natürlich für alles offen, die beiden aber nach genauerem Nachdenken doch nicht mehr. Als ich frage, wo ich denn nun vor der Dunkelheit noch schnell mein Zelt aufstellen könne, meint er nur, dass ich das Zelt mal Zelt sein lassen soll – er habe noch genug freie Betten. Auch gut!

Hier und da werden mal noch seltsame Themen angeschnitten, grundsätzlich geht es aber um sein Leben und ums Radfahren, wovon er auch großer Fan ist. Am Lagerfeuer bei einem weiteren Bier geht der Abend dann zu Ende.


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