Massey – Manitowaning

der Tag heute geht für mich recht langsam los. Um mich herum ist offenbar schon hektisches Treiben, zumindest hört sich das im Zelt so an. Ich drehe mich lieber nochmal um. Irgendwann muss ich doch raus und schaue mich etwas um. Programm ist noch keines geboten, aber die Strecke für das Demolition Derby wird bereits vorbereitet. Es wird erst am Nachmittag stattfinden, darauf warten will ich nicht.

Auch das Kuchen-Wettessen ist erst nachmittags, das wäre ein guter Frühstücks-Ersatz – ich habe nämlich mal wieder nichts zum Essen. Ich sehe noch ein Kinder-Rodeo auf Schafen, das ist aber schon alles.
Also noch von allen verabschieden und auf geht es in die nächste Stadt, Espanola. Ich nehme wieder den Waterfront-Trail, der heute über eine wenig befahrene aber geteerte Nebenstraße führt.

Dank Gegenwind und schlechtem Fahrbahnbelag habe ich jedoch nach diesen guten 30km bereits all meine Motivation für heute aufgebraucht.

Ich probiere meine bisherigen Tricks (Pausen und Essen), aber es funktioniert nicht, da ich weiß, dass ich noch weiter gegen den Wind und auch vermutlich weiter auf diesem miserablen Straßenbelag fahren muss. Dazu kommen noch kleinere, aber recht fiese Hügel, die ohne Motivation kaum zu schaffen sind. Ich komme heute kaum über die ersten drei oder vier Gänge raus.
Da hilft auch dieses kurze Stück mit einem eigenen Radweg nicht weiter (was eigentlich eher ein „Fitness-Pfad“ sein soll und nach etwa 2km einfach in einer Wiese endet).

Ich quäle mich weiter über diese Hügelchen und gegen den Wind. Das macht heute überhaupt keinen Spaß. Aber in ca. 180km gibt es eine Fähre, die nur dreimal am Tag fährt. Die Fähre am Morgen und die in der Nacht fällt für mich aus, daher sollte ich die Mittagsfähre erwischen. Natürlich nicht heute, sondern eher morgen. Jeden Kilometer, den ich heute mache, muss ich nicht morgen früh radeln.

Das ist meine einzige Motivation heute, ansonsten hätte ich schon längst mein Zelt irgendwo hier aufgeschlagen. Auch hier haben die Straßenplaner einfach mit einem Lineal die Straße durch die Landschaft gelegt – dass da ein „ziemlicher“ Hügel im Weg ist, war ihnen offenbar egal.

Nach etwa 20km Betonplatten-Straße, mit den bereits bekannten zwei Schlägen pro Sekunde in die Arme und in den Rücken, kam dann eine ganz neue Straße. Nun gibt es auch wieder einen Seitenstreifen, aber ich wundere mich, wieso es trotz neuer Straße nicht so gut „rollt“. Ich schaue sie mir genauer an und sehe, dass es bei weitem kein glatter Belag ist. Kein Wunder also, dass ich nicht super voran komme; ganz abgesehen vom Wind, der – passend zu meiner Strecke – von Ostwind zu Südwind gedreht hat.

Ich entscheide mich trotz langsam untergehender Sonne, noch die 18km bis zum nächsten Ort zu fahren. Dort sehe ich eine Touristen-Information, die natürlich schon geschlossen ist. Ich denke, dass ich dort trotzdem zelten könnte und schaue mir das Dörfchen Manitowaning an. Natürlich sagt mir dieses Fahrradgeschäft in einer (vermutlich) ehemaligen Autowerkstatt am meisten zu. Es ist aber nicht offen und ich finde im Ort kein Haus, das auf den Besitzer schließen lässt.

Unten am Hafen gibt es tatsächlich Duschen, die aber abgeschlossen und nur für „Boat People and their Guests“ sind. Das bin ich bestimmt, aber es ist halt niemand da, der sie mir aufschließen könnte. Auf dem Weg zurück zum potentiellen Zeltplatz sehe ich ein Pärchen mit ihrem Husky Gassi gehen und frage sie, was sie von meinem Zelt-Plan denken. Sie meinen, dass es nicht so gut wäre, aber ein paar Kilometer weiter nördlich (also wo ich herkam), gibt es eine Wiese von einem Bekannten, der dort „öfters“ Leute zelten lässt. Da soll ich mal hin.
Das mache ich auch artig, auch wenn es jetzt schon ziemlich dunkel ist. Ich baue mein Zelt auf, putze noch schnell die Zähne und verkrieche mich darin (im Zelt nicht in den Zähnen). Nach dem wenigen Schlaf letzte Nacht und dem sehr anstrengenden heutigen Tag schlafe ich auch direkt ein. Abendessen fällt aus, weil ich nichts mehr habe, der Supermarkt hier zu hatte und ich auch den ganzen Tag, auf der Suche nach Motivaion, auf dem Rad gegessen habe.
Zum Glück habe ich morgen nur noch etwa 35km bis zur Fähre. Das sollte, selbst mit Ausschlafen, zu schaffen sein.

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