jaja, sonderbare Namen für Ortschaften können sie sich hier gut ausdenken (Moose Jaw = Elch Kiefer). Meine Wette gegen das Wetter ist nur halbgut ausgegangen. Nachts hat es wieder geregnet, morgens war es aber wieder in Ordnung. Sonne gab es aber keine, daher musste ich das Zelt halbnass einpacken. Laut Wetterbericht soll es heute ab ca 15:00 wieder regnen. Ich habe aber „nur“ etwa 70km auf dem „Highway of Heroes“ (noch so ein Quatsch) vor mir. Das heutige Ziel wird dann die Hauptstadt dieser Provinz (Bundesstaat) Regina sein.
Beim Abbau des Zeltes ist mir noch dieses Tier begegnet. Es lebte in der letzten Nacht unter meinem Zelt, es hat sozusagen bei/mit mir geschlafen, nur durch einen dünnen Zeltboden von mir getrennt. Keine Ahnung, was es ist. Meine größere Sorge war während des Abbaus dann auch, dass ich bei den vielen Metern, die ich bei meinen morgendlichen Chaos-Aktivitäten zurücklegen muss, da nicht drauf trete (was funktioniert hat).
Vor den Toiletten/Duschen stehe ich kurz und überlege, ob das mit den Apostrophen da wohl richtig ist, während ich angesprochen werde, ob ich noch überlegen müsse, welche Richtung ich nehmen muss. Als ich die Apostrophe anspreche, meint er, dass es schon richtig ist, er es aber („Englisch ist ein ziemlich schwere Sprache“) nicht erklären könne. Ich habe es aber inzwischen schon selbst rausgefunden, schließlich ist Deutsch noch schwerer und das kann ich ja auch ein bisschen….
Auf dem Weg aus der Stadt geht es noch an der Touristen-Information vorbei, dort steht mal wieder eine riesige Skulptur, diesmal ein Elch. Ob es auch einer ist, der zu den „weltgrößten im Guiness Buch“ gehört, weiß ich nicht. Weiß ist hingegen das Flugzeug, das zur Kunstflugstaffel „Snowbirds“ der kanadischen Luftwaffe gehörte. Die haben sich hier angesiedelt, weil hier offenbar die meisten Wolken-freien Tage herrschen sollen. Für gestern und heute stimmt das nicht.
Dann noch schnell zum Supermarkt und ein bisschen Proviant für die kurze Fahrt besorgen. Allerdings gibt’s da auch Angebote. Eine kleine Veggie-Box mit Karotten, Tomaten, Sellerie, Brokkoli und Blumenkohl, ink. eines Dips/Dressings und Plastikgabel und noch ein Cesar Salat mit der Aufschrift/Marke „real FOODS“. Was das andere dann wohl ist, will ich vermutlich besser nicht so genau wissen.
Da es schon (wieder) nach elf ist und ich auch schlecht Sachen mitnehmen kann, deklariere ich das schnell zum Mittagessen und esse es einfach gleich auf dem Supermarktparkplatz auf.
Einen „Farmers Market“ gibt es in dem Städtchen heute auch noch. Den schaue ich mir mit vollem Bauch an. Nächstes Mal gehe ich da aber vielleicht hungrig hin, dann kann ich die lokalen Erzeuger durch meine Einkäufe unterstützen.
Gestern habe ich hier in der Nähe noch eine Tour mitgemacht. In dieser Stadt Moose Jaw hat in den Prohibitionszeiten offensichtlich Al Capone „Geschäfte“ gemacht. Dazu gehörte ein Tunnelsystem unter der Stadt. Durch wenige Meter dieser Tunnel ging dann auch diese „Führung“, die aber – getreu der Devise Unterhaltung statt Information – eher ein kleines Theaterstück war. Wir Zuschauer wurden als Schmuggler behandelt und eben kurz in die Tunnel gelassen. Im kompletten Stück und auch im Ausstellungsraum am Ende gibt es keine Informationen darüber, wie viele Tunnel es überhaupt gibt, wie und wann sie erbaut wurden, ob sie immer noch bestehen, etc. Nix.
Im Stück wurde noch jemand gesucht, der mit einem Schauspieler Karten (Black Jack) spielt. Ich habe mich gemeldet, aber verloren. Der Schauspieler hat recht schnell gesprochen, daher konnte ich nicht perfekt folgen und bis ich verstanden habe und antworten konnte, hat er schon weiter gemacht. Er hat mich dann „Mr. Silent“ genannt. Angeblich wollte er um Schuhe spielen, als ich verloren habe, wollte er meine dann aber (verständlich) doch nicht. ;~)
Zurück auf die Straße: Auf diesem Schild ist glatt mal ein Fahrrad zu sehen. Was es auf sich hat, ignoriere ich aber mal (Internet gibt es dafür offenbar keines mehr).
Der aufmerksame Leser*in merkt natürlich, dass da schlimme Wolken am Himmel sind. Und kurz nach dem Start (lange vor drei Uhr) regnet es tatsächlich. Anfangs will ich es noch ignorieren (obwohl ich seit Edmonton ja „richtige“ Regenklamotten habe). Irgendwann entschließe ich mich dann doch dazu, diese anzuziehen. Und als ich den Kittel schon an habe und mir gerade die Hose anziehen will, schüttet es tatsächlich kurz wie aus Eimern. Diesmal bleibe ich aber mehr oder weniger trocken!
Was mich ja noch am meinsten ärgert: die Chemie/Düngefabrik, nur wenige Kilometer weiter (auf der Kalium Road) ist im Sonnenschein. Das habe ich wohl nicht verdient!
Beim nächsten Guß bin ich gerade an einer Tankstelle und kann mich zum ersten Mal unterstellen. Meine Tour führt direkt nach Osten, das Unwetter kommt allerdings direkt aus dem Süden (vermutlich, wie viel anderer Mist auch, aus den USA). Das Unterstellen bringt daher nicht allzu viel, es wird einfach nicht vorbei ziehen. Daher fahre ich halt weiter und schaue mich nochmal um, als ich aus dem Gewitter raus bin.
Der Rest der 75km ist dann fast trocken, ich traue dem aber nicht so recht und lasse meine Regensachen an.
In Regina angekommen checke ich im Hostel ein und treffe eine andere Radlerin aus Irland, die von Halifax kommt (wo ich hin will) und die noch über die Rockies muss.
Auf der Info-Tafel im Hostel, wo sich jede/r mit Kreide verewigen kann, sehe ich noch eine Natascha, die ebenfalls per Rad an die Ostküste will. Die habe ich vermutlich in Lake Louise getroffen. Sie war erst vor ein paar Tagen hier und das, obwohl sie eine viel kürzere Tour über Calgary (im Vergleich zu meinem Edmonton-Umweg) hatte. Wer weiß – vielleicht hole ich sie noch irgendwo ein. Morgen aber bestimmt nicht, da gönne ich mir mal wieder einen Pausentag, wenn ich schon mal ein richtiges Bett und eine trockene Unterkunft habe. ;~)
Den Abend lasse ich im Casino ausklingen, aber nur zuschauend. Das Black-Jack Debakel in der Moose Jaw Tour (ich habe bisher noch nie verloren!) und die Minimaleinsätze (15$) schrecken mich doch eher ab.
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