Bill Gates verschenkt Vermögen

Seit einer gewissen Zeit geistert im Internet eine eMail rum. Angeblich könnte man durch das alleinige Weiterleiten dieser eMail – an möglichst viele Personen natürlich – einen guten Batzen Geld geschenkt bekommen.
Ich habe mal versucht, diese eMail auseinanderzunehmen und auf ihren „Wahrheitsgehalt“ hin zu untersuchen. Ich denke, dass JEDE/R, die/der diese eMail durchliest, stutzen müsste. Außer natürlich, wenn die grauen Zellen durch den zu erwartenden Gewinn ausgeschaltet sind.

Bitte in Zukunft erst einmal jede Kettenmail durchlesen, bevor ihr sie weiterschickt. Oder wenigstens mal kurz bei jemand mit Ahnung nachfragen, ob da was dran sein könnte.

So, jetzt geht’s los:

> Keine Ahnung, ob da was dran ist…

Natürlich ist nix dran!

> kost ja nix…

Außer dass meine eMail Adresse jetzt zusätzlich in allen SPAM Verteilern drin ist! Zum Glück hat jeder vernünftige eMail-Anbieter heutzutage Spam-Filter!

> warum soll man das ganze nicht mal ausprobieren?

Aus einem einfachen Grund: Weil es nix bringt?!

> Normalerweise sende ich keine Nachrichten dieser Art

Was ist schon „normal“?
Und weil niemand normalerweise solche eMails versendet, kriegt jeder auch immer wieder solche Texte.

> aber diese Nachricht kommt von einer
> sehr guten Freundin meiner Frau, diese ist Anwältin und es scheint
> eine interessante Möglichkeit zu sein.

Hier wird versucht einen seriösen Bezug herzustellen. Leider bleibt es nur beim Versuch. Was ist schon eine „interessante“ Möglichkeit? Und was bezeichnen „Anwältinnen“ als „interessante Möglichkeit“?
Die Anwältin will etwas verdienen. Und das kann sie nur durch einen Prozess. Dadurch wird sie bezahlt. Egal ob sie gewinnt oder verliert. Also ist ihre Intention doch, viele Prozesse zu führen. Dann könnte es doch sein, dass sie denkt, durch diesen Kettenbrief viele Prozesse führen zu können. Weil vielleicht doch nicht alles so funktioniert, wie es weiter unten versprochen wird?!

> Wenn Sie sagt, dass es funktioniert, dann
> funktioniert es auch.

Hat sie aber nicht, oder? Sie sagte was von „interessant“.

> Jedenfalls kann man nichts dabei verlieren.

Diese Begründung kam schon mal. Überzeugt mich nicht. Es gibt viele Sachen, bei denen ich nix verlieren kann, die ich trotzdem nicht mache….
Und die vor allem nix bringen!

> Folgendes hat sie mir erzählt:
> Ich bin Anwältin und ich kenne das Gesetz.

Das wäre auch peinlich, wenn es nicht so wäre!

> Täuscht euch nicht, AOL und Intel halten ihre Versprechen aus
> Angst, vor Gericht gebracht und mit Forderungen in Millionenhöhe
> konfrontiert zu werden,

Welches Versprechen? In dem ganzen Text war noch kein Versprechen zitiert. Und sonst ist mir auch keines bekannt.

Vor welchem deutschen Gericht können Forderungen in Millionenhöhe durchgesetzt werden?
Welcher Deutsche kann denn vor einem amerikanischem Gericht klagen?

> so wie es Pepsi Cola mit General Electric vor kurzem gemacht
> hat.

Achja, der so berühmte „Pepsi Cola vs. General Electric“-Streit, der wochenlang die komplette weltweite Medienlandschaft beherrschte?!
Ehrlich: Ich habe absolut gar nix davon mitbekommen!
Außerdem heißt die Firma nicht Pepsi Cola, sondern PepsiCo Inc.

> Liebe Freunde, haltet dies bitte nicht für einen dummen Scherz.

Für was denn sonst?!

> Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen.

Und das soll ich nicht für einen „dummen Scherz“ halten?
Natürlich spendet er wirklich sehr, sehr viel Geld. Aber bestimmt nicht an jede/n der/die diese eMail weiterverschickt.

Nochmal schnell zum Verständnis:
Was hat Bill Gates jetzt nochmal mit den oben genannten Firmen (AOL, Intel, Pepsi Cola und General Electrics) zu tun?
Bill Gates ist der CEO von Microsoft.

> Windows ist noch immer das am häufigsten genutzte Programm.

Genauer gesagt ist es ein Betriebssystem, und kein Programm.

> Microsoft und AOL experimentieren gerade mit diesem per e-Mail
> versandten Text (e-mail beta test)

Experimentieren? Was experiementieren die denn? Was wollen die denn rausfinden? Und wieso findet man nirgends ein offizielles Statement auf deren Homepages dazu?

> Wenn ihr diese Mail an Freunde versendet,
> kann und wird Microsoft zwei Wochen lang euren Spuren folgen.

Nein, das können sie nicht – technisch nicht möglich.
Selbst wenn es so wäre, wäre dies für mich eine sehr beängstigende Vorstellung!

> Für jede Person, die diese Nachricht versendet,
> zahlt Microsoft 245 Euro.

Ach, jetzt ist es wieder Microsoft? Vorher war es doch Bill Gates, der angeblich sein Vermögen verschenken wollte?!

> Nach zwei Wochen wird sich Microsoft mit der Bitte um
> Bestätigung der Postanschrift an Euch wenden

Um etwas zu Bestätigen, muss man diese Info doch erst mal haben, oder nicht?
Und ich bin mir sicher, dass Microsoft (oder AOL, oder Bill Gates) keinen Zusammenhang zwischen meiner eMail-Adresse und meiner Postanschrift haben!

> und euch einen Scheck schicken.

Einen Scheck? Was ist denn ein Scheck? In Deutschland ist diese Zahlungsmethode schon seit mindestens 15 Jahren fast komplett ausgestorben.

> Ich habe dies für Betrug gehalten, aber zwei
> Wochen, nachdem ich diese Mail erhalten und sie weitergeleitet
> hatte, bat mich Microsoft um meine Postanschrift

Betrug ist was anderes. Aber „Schwachsinn“ oder „Unfug“ wäre hier der richtige Begriff.
Wozu braucht man denn heute eine Postanschrift? Um Geld zu überweisen reicht normalerweise ein BLZ und Kontonummer. Für internationale Überweisungen braucht man noch einen IBAN und BIC Code.

> und ich habe einen Scheck über 24800 Euro
> erhalten. Ihr müsst antworten, bevor dieser Test beendet wird.

Stand weiter oben nicht eine Frist von zwei Wochen? Und wäre diese nicht schon abgelaufen?

> Für Bill Gates sind dies Ausgaben für eine Werbekampagne.

Bill Gates macht Werbung? Wofür denn?
Hier wird wohl wieder „Bill Gates“ (der Mann mit dem Geld) mit „Microsoft“ (eine Firma) verwechselt.
Bill Gates hat in seinem privaten Haushaltsbuch bestimmt keinen Posten „extrem teure und unwirksame Werbung für Microsoft“ stehen.
Und selbst Microsoft hätte Probleme, eine solche Werbekampagne vor seinen Aktionären oder der amerikanischen Börsenaufsicht als legal darzustellen!

> Eine Bekannte meines Vaters hat sich vor einigen Monaten hier
> eingeklinkt. Als ich sie zuletzt besucht habe, hat
> sie mir ihren Scheck gezeigt.

Komische Vorstellung, oder?
Eine Bekannte meines Vaters? Wieso auch immer ich mit dieser Person etwas zu tun haben sollte. Und jetzt wird es noch wirrer: Ich besuche diese Person! Wieso?
Und wenn ich schon da bin, zeigt sie mir einen Scheck. Hat sie ihn denn nicht eingelöst? Wenn man einen Scheck einlöst, behält ihn die Bank.

> Wie gesagt, ich kenne das Gesetz und es stimmt, dass Intel und
> AOL gerade über eine Fusion verhandeln, die sie zum weltgrößten Anbieter
> machen würde und um sicherzustellen, dass sie das meistgenutzte Programm
> bleiben, führen sie diesen Test durch.

Jetzt geht es wieder durcheinander: Der Schreiber kennt nun das Gesetz. Vorher war es noch eine „eine gute Freundin der Frau“.

AOL und Intel fusionieren also? Und sie werden zum weltgrößten Anbieter. Aha? Wovon denn?
Und sie haben dann das „meistgenutze Programm“. Dieser Begriff wurde vorher noch in Zusammenhang mit Microsofts „Windows“ verwendet. Was haben jetzt AOL oder Intel damit zu tun?

Und wie kann man die Nutzung eines Programmes sicherstellen, indem man einen „Rund-eMail“-Test durchführt?

*immernochverwirrt*

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