Moosomin – Great Valley Provincial Park

wie jeder andere Tag auch, fängt dieser mit dem Aufstehen an. Das läuft erstmal ganz so (chaotisch/unorganisiert) ab, wie in den letzten Tagen auch. Allerdings ohne Frühstück. Am gestrigen Feiertag konnte ich tatsächlich nichts mehr einkaufen, auch nichts zum Abendessen. Da ich jedoch auf der Fahrt genug gegessen habe, hatte ich, trotz der fast 240km, auch keinen Hunger. Das einzige, was ich kaufen konnte, war eine Dose Bier – besser als nix! (Also für das gestrige „Abendessen“, nicht für heute früh.)
Beim Rad-beladen merke ich jedoch, dass das Hinterrad schon wieder platt ist. Mein letzter frischer Schlauch! Also wieder auseinanderbauen und mal genauer anschauen. Ich hatte gestern die Vermutung, dass der Plattfuss von einem „Durchschlag“ kam, da direkt davor ein ziemlicher Schlag auf das Hinterrad kam. Jetzt sehe ich jedoch, dass da wieder ein kleines Drahtstück im Mantel steckte – und das hat sich natürlich gleich wieder in den neuen Schlauch gebohrt. Mist. Also flicke ich eben den Schlauch und muss dabei auch auf meine Pinzette im Kulturbeutel zurückgreifen; anders hätte ich den Draht nicht raus bekommen.

Beim Händewaschen muss ich mich schon wieder über miserable Waschbecken und deren -Hähne aufregen.

Wer bitteschön entwirft solche absolut bescheuerten Dinge? Und – fast noch schlimmer: wer kauft so was dann auch noch?!

Danach treffe mich mit Ward, zwei Zelte weiter, mit dem ich heute gemeinsam fahren werde.
Er ist noch nicht ganz fertig, daher nutze ich die Chance, bei Zeltplatz-Büro noch ein bisschen im Internet zu surfen.
Dann gehts los leider mit direktem Gegenwind. Wieder eine 180° Drehung über Nacht.

Nach etwa 40km gemütlichem nebeneinander-Fahren (wie ich fand), meint er, dass er jetzt aussteigt, weil es für ihn etwas zu schnell sei. Hier habe ich wieder den Vorteil mit meinem „schnelleren“ und v.a. leichteren Rad. Ich überrede ihn zu einer Pause und da gibt es sogar dieses leckere Eis!

Das Überreden war nicht allzu schwierig, denn er stellt gerade sowieso fest, dass auch er just einen Plattfuss bekommt, allerdings vorne. Der wird nach dem Eis schnell geflickt und wir ändern die Formation nun von „nebeneinander“ zu „hintereinander“, ich fahre vorne, er im Windschatten; ob ich damit ein Problem hätte? Überhaupt nicht, was auf dem Rad hinter mir geschieht, war mir schon immer ziemlich egal. Der Wind ist etwas stärker geworden, unsere Geschwindigkeit aber vermutlich ziemlich konstant (wenn auch etwas niedrig) geblieben. ;~)

Von dem potentiellen Ziel „Brandon“ in etwa 150km haben wir uns spätenstens nach der zweiten, ausgedehnteren Pause verabschiedet. Bei KM85 ist mein Hinterrad schon wieder platt. Diesmal schaue ich mir den Mantel genau an, finde aber wirklich nichts. Dafür sieht der aufgeklebte Flicken echt komisch aus. Ich wechsle also diesen Schlauch mit einem der beiden anderen geflickten aus – und das hält auch den Rest der Fahrt. Morgen muss ich mir aber dringend ein oder besser noch drei neue Schläuche besorgen und am Besten auch noch vernünftigeres Flickzeug, wenn ich schon mal in einer Stadt bin!
Nach etwa 100km hatte ich dann auch langsam die Schnauze vom Gegenwind ein bisschen voll und hielt Ausschau nach einem Zeltplatz. Immerhin war es dank Pausen, Wind und neuer Zeitzone schon nach 17 Uhr. Es ist aber keiner da und in den zwei/drei kleinen Ortschaften war überhaupt nichts zu finden. Kein Supermarkt, kein Zeltplatz, nix. An einer Tankstelle nachgefragt, hieß es, in 5min ist ein Zeltplatz. Auf Nachfrage, weil Radfahrern (deutlich an Radfahrklamotten und Helm zu erkennen) zu oft Autofahrt-Zeiten genannt werden: ja natürlich, Auto-Minuten. Naja, was solls. Auf dem KM-Zähler stehen etwa 105km, das kann also nicht mehr allzu weit sein. Soll aber nach der nächsten Ortschaft sein, und selbst die ist noch 12km entfernt. Das lässt mich ein bisschen an den „5min“ zweifeln. Die Landschaft ändert sich langsam. Es wird ein bisschen hügelig und es gibt sogar wieder Bäume.

Wir machen uns noch weitere >30km über die „5min“ lustig und fahren und fahren und fahren. Dann ein Schild, bei der angekündigten Abfahrt (da die Beschreibung passt, haben wir den Zeltplatz wohl auch noch nicht verpasst).
Nach 141km dann sogar zwei Schilder zum Zeltplatz, ein blaues und ein braunes. Am „Great Valley Provincial Park“ checken wir ein. Zu unserer Freude kostet es für Radfahrer keine veranschlagte 20$ sondern nur 15$ – und auch nicht pro Person/Zelt, sondern pro Zeltplatz. Unsere beiden kleinen Zelte passen locker auf einen Platz und so kostet die heutige Nacht nur 7,50$. So sollte mit Rad-Touristen überall umgegangen werden!

Das Radio spielt eine wilde Mischung aus allen möglichen Songs, die eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen (Skorpions, Pop-Gören von heute, Nirvana), aber die anderen Sender spielen Jazz, Country oder reden nur. Den Wetterbericht verstehe ich nicht so ganz (bzw. will ihn nicht verstehen) – es wird etwas von Regen erzählt und mir wird klar, dass man auch mal ohne Internet an Informationen kommen kann. Wie so im letzten Jahrtausend. Bei Meatloaf schalte ich aus und versuche direkt neben dem Highway-Berg (laute LKWs beim Hochbeschleunigen, noch lauter beim Motorbremsen abwärts) einzuschlafen….

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