Great Valley Provincial Park – Sidney

ich wache mal wieder vor dem Wecker auf, der eigentlich nur „zur Sicherheit“ auf 8:00 gestellt ist. Und das, obwohl wir gestern sogar wieder eine Zeitzone auf unserem Weg in den Osten gewechselt haben. Die ganze Nacht hat es geregnet, jetzt gerade ist es trocken. Ich wische schnell das Zelt mit einem Stück Stoff (das ich auf der Straße gefunden habe) halbtrocken, damit es schneller trocknen kann. Dann hole ich unsere Lebensmittel vom Baum, die wir Alibi-mäßig dort aufgehängt haben.

Die Reste von gestern esse ich auch noch schnell, zwei Donuts, 2/3 einer Keckspackung und eine Banane. Dann mache ich mich auf den Weg zum Bison-Informationspfad, der hier am Zeltplatz entlang führt. Wie viele es gab, wie sie von wem gejagt wurden, welche Auswirkungen sie auf diese „Prairies“ hier hatten, etc. Noch während ich mir das anschaue, fängt es wieder zum Regnen an. Nicht verwunderlich, das war ja leider auch so angekündigt. Ich entscheide mich dazu, mein Zeugs mal in die Schutzhütte zu transportieren und dort vielleicht noch etwas zu warten. Als ich gerade alles dort habe, inkl. Zelt, krabbelt Ward raus. Auch er ist nicht allzu erfreut über das Wetter, meint aber, dass ich doch froh sein soll, dass ich meine „teuren“ Regenklamotten endlich mal anziehen kann. Ehrlich gesagt hätte ich sogar mehr ausgegeben, wenn ich dafür die Garantie gehabt hätte, es nicht zu brauchen. Aber was soll’s.

Das ganze Zeug wird in dem Wetter nicht trocken, wir packen alles naß zusammen. Heute abend soll es schon wieder trocken sein, und die nächsten beiden Tage 25° mit Sonnenschein. Ward ist mit meinem Plan nicht ganz einverstanden. Ich will/muss in die Stadt zum Walmart, weil ich auf jeden Fall neue Schläuche, eine Seife und etwas zum Essen brauche.

Er fährt auf den Highway und meint, dass ich ihn sowieso wieder einhole. Das zweifle ich an, weil ich beim Regen üblicherweise eine sehr geringe Motivation habe und er auch eine Strecke von 140km anpeilt, während mir 80km im Regen bei Gegenwind heute sicherlich völlig ausreichen werden.

Nach 10km komme ich in Brandon an und kaufe alles ein, was ich so brauche und schmeiße den miserabel geflickten Schlauch weg.
Dann fahre ich weiter auf einer kleineren Nebenstraße um den Highway #1 zu umgehen, dass es mal wieder so ein „Veteran’s Highway“ ist, ist mir bei den Regenwolken heute ganz egal.
Irgendwann muss ich dann doch für ein paar Kilometer da drauf. Alle paar Sekunden wird man von einer LKW-Windböe mit Straßen-Gischt erwischt. Die LKWs versuchen zwar, auf die andere Spur zu wechseln, aber die Gischt kommt trotzdem bis zu mir und manchmal ist die Straße auch so voll, dass ein Ausweichen halt nicht möglich ist. Dann kriegt man die volle Ladung ab. Kein großer Spaß.

Zum Glück kann ich kurz drauf wieder auf einen kleine Straße #351 ohne großen Umweg wechseln und komme an einer Bullen-Test-Farm vorbei.
Sonst ist hier kaum noch Verkehr, was zumindest das Gischt-Thema deutlich verbessert. Dafür ist der Straßenbelag nicht so gut und es ist deutlich hügeliger. Aber was solls – mein Feind heute ist der Wind. Das gestern war nix gegen den heutigen Wind. Ich schaffe es kaum, über 20km/h zu fahren (mein Durchschnitt wird heute laut Strava bei 18,8km/h sein) – und selbst dafür muss ich mich ziemlich anstrengen.

In der letzten größeren Stadt (auch noch eher ein kleines Dorf) ziehe ich die Regenhose aus und esse noch ein bisschen. Natürlich kommt wieder jemand vorbei und will wissen wohin ich fahre. Ich sage Zeltplatz Sidney und frage, ob „it ok“ sei, meinte damit den Zeltplatz. Der Gesprächspartner meinte wohl den Umstand, dass ich „nur“ noch dahin fahre und sagte mir, dass das natürlich völlig ok ist. Ja, diese kleinen Missverständnisse….
Am Supermarkt hängt noch ein Plakat für eine Radausfahrt hier im Dorf am Wochenende. Aber darauf will ich hier echt nicht warten. Zum einen erwarte ich dabei echt nicht viel, zum anderen habe ich gerade ein bisschen die Sorge, dass mir die Zeit davonrennt. Für solche Mini-Events werde ich definitiv keine zwei Tage opfern, auch wenn ich dort sicherlich ein „Highlight“ wäre.

Dann noch ein paar Kilometer und ich bin am Zeltplatz angekommen, wieder 20$ für mehr oder weniger „nix“ ausgeben. :-/
Dann springe ich in wenigstens in den Pool auf dem Zeltplatz. Die Duschen kosten 1$ pro 3min. Nicht für warmes Wasser, sondern dass man überhaupt Wasser bekommt, nicht mal kalt darf/kann man kostenlos duschen. Ich entschließe mich dazu, dass das Baden im Pool für heute ausreicht und auch, dass ich mich an die ganzen Regeln hier nicht unbedingt halten werden.

Ward habe ich nicht eingeholt oder – wenn auch recht unwahrscheinlich – auf meinem Alternativweg auf der #351 überholt. Am Zeltplatz ist er nicht und kommt auch später nicht vorbei. Ich bin gespannt, ob ich ihn irgendwo nochmal treffe. In Kürze kommt ein ziemlich langes Stück, für das es keine sinnvolle alternative Strecke gibt.
Da es vielleicht eine knappe Stunde, bevor ich auf den Zeltplatz gekommen bin, endlich aufgehört hat zu regnen, kann ich das Zelt wenigstens im trockenen aufbauen. Alles andere versuche ich auch so auszubreiten, dass es trocknen kann. Was bei bewölktem Himmel und nicht allzu hohen Temperaturen aber etwas schwierig wird. Ich zähle auf morgen früh! Der Himmel sieht zumindest mal so aus, als ob es klappen könnte.

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