ein Tag mit Einheimischen

der Besitzer des Hostels fragte mich kurz nach dem Einchecken, was ich denn nach meinen drei gebuchten Tagen machen werde. Ich musste wieder mal zugeben, dass ich keinen Plan habe und mir das hier mal überlegen wollte. Er meint, dass er mit ein paar anderen Gästen in seinem Auto in seine Heimatstadt fahren und dort eine Nacht bleiben wird. Ob ich mitkommen will?
Na klar, warum nicht, dann habe ich noch einen weiteren Tag, um mir um meine Weiterreise Gedanken machen muss.
In den nächsten Tagen lädt er immer noch mehr Leute ein, so dass er inzwischen einen Minibus mieten muss, da nicht mehr alle Leute in seinen Siebensitzer passen. Kostet dann vielleicht 200-300 Baht. Mir egal, das passt.
Bei der Abfahrt gibt es dann noch eine kleine Änderung, denn zwei deutsche Studenten wurden in der Nacht mit Alkohol auf ihrem Roller erwischt (solche Vollidioten) und müssen aufgrund ihres Gerichtstermins hierbleiben, sind aber dank einer 30.000 Baht Kaution der Hostel-Eigentümer nicht im Knast.

Wir fahren also mit diesem Minibus gute drei Stunden irgendwo ins tiefste Nordthailand, wo sich üblicherweise kein Tourist hinverirrt. So ähnlich war es ja schon damals auf meiner Radtour vor ziemlich genau zwei Jahren. Diesmal allerdings mit einem Tour-Guide, der hier und da mal etwas erklärt und übersetzt.
Angekommen wechseln wir das Auto und wir fahren nun mit einem Pickup auf der Ladefläche weiter. (Natürlich weder angeschnallt noch mit Helm.)

Beim Haus der Tante (wenn ich das richtig verstanden habe), wird gearbeitet, natürlich mit dem richtigen Werkzeug – das musste ich natürlich fotografieren! ;~)

Dann besuchen wir mal wieder einen Tempel und ich habe so ein bisschen den Verdacht, dass wir hier die Touristen-Attraktion sind.
Joe, der uns hierher eingeladen hat, hält hier und da mit seinen „Nachbarn“ ein Schwätzchen und wir werden jedes Mal fotografiert.


Als wir bei der Polizei vorbeikommen, stehen gerade alle Mitarbeiter vor der Türe und machen ein Gruppenfoto. Danach gibt es Essen für alle, das scheint hier wohl ein Brauch zu sein, wenn jemand ein Kind bekommt. Wir werden von allen Polizisten hergewunken und herzlich eingeladen, doch auch bei der Nudelsuppe (mit Meatballs) mitzuessen. Alles sehr nett und super freundlich – von der deutschen Polizei habe ich da ganz andere Bilder im Kopf (G20, S21, Hambacher Forst, etc).

Dann fährt Joe bei einem Freund vorbei, der eine Garnelen(?)/Riesenkrabben(?)-Farm hat. Auf englisch nannten sie die Tiere Prawns und sie waren blau.
Er lädt vermutlich viel zu viele dieser Garnelen/Krabben ein und bei der Farm werden diese dann auch gegrillt. Während der „Grill“ noch mit einem Ventilator angeheizt wird, kriegen wir eine kleine Führung.

Dann kommen die noch lebenden Tiere in Eiswasser (und ich dachte, das Eis wurde nur fürs Bierkühlen benötigt), bis sie sich nicht mehr bewegen. Ansonsten kann man sie wohl nicht grillen.

Auf dem Grill zucken sie zwar noch ein bisschen, ich bezweifle aber, dass sie in dem Moment noch leben, es heißt, dass das wohl nur noch Nerven/Muskelreaktionen sein sollen. So richtig geil finde ich das aber dennoch nicht und halte mich beim Essen davon sehr zurück. Ich probiere zwar mal eine, entschließe mich aber dazu, dass der Geschmack diese Prozedur nicht wert ist.

Nach diesem kurzen Snack geht’s auf der Pickup-Ladefläche zurück und als nächstes steht „die Stadt“ Phayao an. Da wir dafür nochmal eine knappe halbe Stunde mit dem Pickup fahren werden, nehme ich mir lieber einen Kitt’l mit. Als ich den anziehe, merke ich, wie etwas von meiner Hand auf den Ärmel krabbelt. Es ist ein ziemlich großer Hundert- oder Tausendfüßler(?). Ich ziehe instinktiv den Kitt’l aus und lege ihn, mit dem Viech, weit weg. Als ich im Spaß frage, ob der denn gefährlich ist, kriege ich nur ein trockenes „Yes“ zu hören; sehr schmerzhafte Bisse und wenn’s dumm läuft, sogar Herzstillstand. Joe schmeißt meinen Kitt’l raus und schüttelt ihn solange, bis das Tier rausfällt um es dann zu zertreten. Puh….

Nach dieser Erfahrung ist eine Fahrt auf dem Pickup ein Kinderspiel.

Dann geht es in Phayao erst mal Pad Thai essen. Die anderen sind zwar schon recht satt, aber ich hatte ja noch eigentlich nix. Dank Dolmetscher gibt es auch kein Problem, hiervon die vegetarische Variante zu bekommen.
Was mir natürlich auffällt: auch hier gibt es diese Radweg-Versuche. Zwar nicht rot, wie bei uns, dafür blau – aber mit dem gleichen Effekt, wie bei uns: er wird als Parkplatz missbraucht.

Auch in der Bar sind wir die Attraktion. Ich wundere mich über die Art das Bier zu trinken, nämlich in einem recht kleinen Glas mit Eiswürfeln (was nicht mal nötig ist, denn das Bier ist natürlich auch ohne dieses Eis gekühlt); und einer läuft hier sogar mit einem Bier-Eimer rum. Und das an einem Donnerstag Abend. YOLO!
Der Australier, der diesen Trip aus Versehen ins Rollen gebracht hatte, als er Joe fragte, ob er ihm eine Erfahrung mit Einheimischen empfehlen kann, hatte dann noch großen Spaß in dem Club und ging von Tisch zu Tisch und probierte mit den Leuten zu reden – ich kann mir vorstellen, dass es nicht allzu einfach war, neben der Sprachbarriere hatte er vermutlich auch noch mit der Lautstärke zu kämpfen; er bekam aber auf jeden Fall überall noch etwas zum Trinken.

Im Billard-Raum hängt dieses Schild, was mir recht gut gefällt – und auch ganz gut passt. Denn die beiden Idioten, die mit 0,97 Promille erwischt wurden, sind nicht dabei.
Aber was die Königsfamilie wohl dazu sagt, dass sie daneben hängt?

Meine Frage, ob dieses Schild ernst ist, kriege ich „Of course, it’s a restaurant!“ zu hören. Dahinter spielt jedoch eine Band eine wilde Mischung aus alten Rock-Hits der westlichen Welt und irgendwelchen thailändischen Liedern (zumindest habe ich einige weder als bekannt noch als „englische Texte“ einstufen können, könnte allerdings – wenn auch eher unwahrscheinlich – am Alkohol gelegen haben).

Am nächsten Morgen dann wieder in die Stadt. Der Radweg auf der anderen Seite der Straße sieht doch viel besser aus.

Noch viel besser sieht jedoch der Cappucino aus. Sowas Aufwändiges habe ich von den deutschen „Barrista“ noch nie gesehen!

Natürlich steht auch wieder ein Tempel-Besuch auf dem Plan. Das ist ein recht ruhig gelegener Tempel auf einem Berg. Ausländische Touristen sind hier außer uns keine, die wenigen Besucher scheinen alles Thailänder zu sein.

Hier aus dem Fenster zu schauen gibt zwar keinen allzu spektakulären Blick, aber man sieht doch, dass wir ziemlich weit oben sind. Das habe ich während der Fahrt gar nicht so richtig mitbekommen, denn nach der letzten Nacht kam jemand auf die Schnapsidee, bereits um sechs Uhr morgens auf den lokalen Markt zu gehen. Aufstehen daher so gegen halb sechs, da musste ich noch etwas Schlaf im Auto nachholen….

Kein Tempel ohne viel Gold, das Rote auf der Figur hat allerdings keinen religiösen Hintergrund – das ist einfach nur eine Grundierung, da diese Statue neu golden gestrichen wird.

Überraschend war dieser Ausflug dann doch 700 Baht „teuer“, die ich aber ohne zu Murren bezahlt habe. Es war durchaus eine andere Erfahrung, als die normalen Touristen-Sachen, die ich sonst so gesehen habe.

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