Zeltlager – Leipzig

ich verabschiede mich vom Zeltlager und hinterlasse ihnen meine neuseeländische Isomatte. Das Zelten wird jetzt erstmal vorbei sein und ich kann die nicht mehr brauchen. Nach dem Regen in der Nacht ist es tagsüber wieder vernünftiges Wetter und ich fahre ein bisschen über die schwäbische Alb.

Am nächsten Morgen geht es dann nach Ulm an den Bahnhof. Ich schaue raus und wundere mich kurz über das Wetter. Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist das ja aber das ganz normale Wetter in dieser Gegend; mit einer der Gründe für mich, von dort weg zu ziehen.
Auf diesem Radweg fahre ich sogar, weil der vernünftig angelegt ist und nur das Rauf- und Runterfahren auf der falschen Straßenseite nicht gut gelöst ist. Und solange keine Landwirte unterwegs sind und den Radweg in eine Schlammwüste verwandeln, ist er auch gut zu fahren.

Die Bahn-Karte ist auch ein bisschen der Hohn. „Mehr KomfortZeit“ und „Diese Zeit gehört Dir“. Für eine Fahrt von etwa 350km Luftlinie brauche ich vier Bahnen, dreimal Umsteigen und sieben Stunden Reisezeit – ja, die „Zeit gehört mir“. Und das alles nur, weil ich mein Fahrrad mitnehmen wollte. Die Bahn hat ja letztens noch groß angekündigt, dass sie in der digitalen Revolution (Industrialisierung 4.0) ein mindestens genauso große Rolle spielen will, wie in der Industrialisierung – aber bis heute ist es noch nicht mal möglich, eine Fahrrad-Reservierung online vorzunehmen. #Wirkönnenalles

Ich hätte ja beinahe noch viel mehr Zeit für mich bekommen, als der IC „ohne Wagen 5“ fuhr – das war genau der Wagen mit dem Fahrrad-Abteil, in dem meine einzige Reservierung war. Zum Glück hat die Zugbegleiterin zwei Abteile freigeräumt und dort alle Fahrräder unterstellen lassen. Und ich war sehr verwundert: keiner der ersten drei Züge hatte eine Verspätung, alle Anschlusszüge konnte ich erreichen, nur der letzte Zug kam etwa eine halbe Stunde verspätet in Leipzig an.
In dem Zug gab es auch dieses Bücher-Tausch-Regal. Sowas kenne ich bisher nur aus Kneipen in hippen Stadtteilen, nutze es dort jedoch auch nicht. Abgesehen davon, dass mich einfach kein einziges dieser Bücher (Groschenromane) angesprochen hat.

Trotz der Verspätung, dank meiner großzügigen Zeitpuffer-Planung, kam ich noch rechtzeitig zur Critical Mass in Leipzig an. Es waren etwa 180 Radfahrer (Rekord für Leipzig!), die dort mitgefahren sind; völlig ohne Polizei und ohne feste Route. Das führte dazu, dass bei dem guten Wetter und wegen der großen Teilnehmerzahl eine deutlich längere Tour gefahren wurde, als ursprünglich angedacht; leider wurde auch eine kurze Pause mit einem Sit-In an einer großen Kreuzung eingelegt, weil dort erst vor wenigen Tagen eine 16-jährige Radlerin von einem LKW getötet wurde.
Ich fand es mal wieder gut, eine solch „kleine“ Critical Mass mitzufahren, auch nur als ganz normaler Radler, ohne Lastenrad, ohne Anhänger, ohne Musik-Anlage, ohne großes Werbebanner. Ich glaube, ich werde die Freitage, an denen die riesen-CM in Stuttgart nicht fährt, dazu nutzen, die anderen CMs im näheren und ferneren Umland zu besuchen; vermutlich mit Lastenrad und Musik, aber wenigstens ohne Anhänger.

In Leipzig habe ich am „Forum Freie Lastenräder“ teilgenommen, hauptsächlich zum Netzwerken und um einen ersten Einblick zu bekommen, wie die anderen Initiativen arbeiten, die freie Lastenräder zur Verfügung stellen.

Diese Bild ist mir im Veranstaltungsraum aufgefallen. Ja, so könnte auch meine DNA aussehen. Und gleich keimt in mir die Idee auf, solch eine Skulptur doch mal in echt zu basteln. Das könnte etwas aufwändiger werden, aber wer weiß, was mir an den kommenden langen Winternächten alles einfällt, um die Langeweile zu vertreiben….

Ansonsten stand da noch ein Pferd auf dem Flur.

Und Guns’n’Roses werben für ihr Konzert in Leipzig. Ob die Tatsache, dass es dort eine Haltestelle/Stadtteil „Paradise“ gibt, eine Rolle bei der Entscheidung spielte, dort aufzutreten, bezweifle ich. Dass es jedoch ein gutes lokales Wissen bei der Booking-/Werbe-Agentur gibt, das recht gut auf einen der größten Hits von ihnen angepasst wurde, kann ich nicht bestreiten.
Vielleicht muss ich mal irgendwann recherchieren, ob und wie in anderen Städten für die GnR-Konzerte geworben wurde/wird.

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