Plattfuss

beim Check-out wird mir noch mein Personalausweis ausgehändigt (wobei mir nicht mal bewusst war, dass er noch dort lag). Man muss sich hier offenbar bei jeder Übernachtung irgendwie ausweisen. Anfangs dachte ich, dass es nur in den Hostels so ist, weil es dort die Regelung gibt, dass dort niemand aus der gleichen Gemeinde übernachten darf. Scheint aber überall so zu sein. Da es heute kein Frühstück gibt, ist mein erstes Ziel der Supermarkt. Dort fiel mir auf, dass der Ersatz-Schlüssel für die neu gekaufte Lenkertasche nirgends ist, wo ich ihn erwarten würde. Also fahre ich nochmal zurück. Das Zimmer ist schon aufgeräumt (obwohl noch nicht mal Check-out-Zeit ist) und angeblich wurde nix gefunden. Auf meine Nachfrage, ob sie sicher sind, haben sie die ganzen abgezogenen Leintücher durchsucht und nichts gefunden. Hm, dann ist der Schlüssel wohl wirklich futsch oder irgendwo tief in meinem Zeugs vergraben. Das wird sich in nächster Zeit wohl noch rausstellen….

Zur Fahrt: Ich habe nicht viele Möglichkeiten – prinzipiell gibt es heute wieder „Autobahn“, allerdings hat es hier links und rechts der Autobahn eine sog. „Service Road“, die man recht gemütlich entlang fahren kann. Leider habe ich dieses „No Exit“ Schild hier übersehen und bin einfach weiter gefahren. Nach ein paar Kilometern war die Straße dann wirklich zuende und es gab keine sinnvolle Chance, von dort auf die Autobahn oder die andere Service Road zu kommen. Also alles wieder zurück und dabei dann dieses Bild schießen.

An dieser Stelle habe ich mein Hinterrad schon zum zweiten oder dritten Mal aufgepumpt, es hält die Luft nur noch für wenige Minuten, maximal 5-6km. Flickzeug und Ersatzschlauch habe ich zwar dabei, aber solange ich mit diesen kleinen Aufpump-Pausen zurecht komme, werde ich meinen Zwangsstop an den nächsten Fahrrad-Laden verlegen. Und Voilá – schon in der nächsten Menschen-Ansammlung, die man als „Ortschaft“ oder gar „Stadt“ bezeichnen kann, gibt es ein solches Geschäft. Also kaufe ich einen neuen Schlauch und sehe im Hinterrad-Mantel tatsächlich ein ca. 1cm langes Metallstück stecken. Das alles erinnert mich sehr an den ersten (und einzigen – toitoitoi) Plattfuss damals in Australien.

Während ich draußen vor der Türe mein Rad schon fast wieder fertig montiert habe, kommt gerade ein Pärchen vorbei, das seine Räder vom Service abholen will und fängt ein Gespräch mit mir an. Sie haben auch schonmal einen Kanada-Durchquerung auf Fahrrädern gemacht und wollen mir jede Menge Tipps geben. Und wie ich das überhaupt mit der Unterkunft geplant hätte? Sie hätten ein Zelt übrig, das ich gerne haben könne. Am besten wäre es, wenn ich einfach mitkäme, damit sie mir alle Infos, Karten und Zelt geben könnten. Danach gibt es noch ein Abendessen und am nächsten Morgen fahren sie mich auf eine gemütliche Straße und fahren mit mir ein paar Kilometer mit. Das hört sich alles viel zu gut am, um wirklich wahr zu sein und ich nehme dieses Angebot gerne an.
Bei ihnen zuhause (nur wenige Meter von der Grenze zu den USA entfernt; mein Navi zeigt schon Meilen statt der üblichen Kilometer an), reden wir, über diverse Karten gebeugt, stundenlang über mögliche Routen durchs Land und ich bekomme mehr Informationen, als ich mir jemals erträumt hätte. Dann noch ein wirklich leckeres Abendessen mit Weißwein und ich gehe nach heute „nur“ 44km ins Bett, weit weg vom eigentlichen Ende meiner heutigen Etappe.

Dass die Kanadier alle superfreundlich und hilfsbereit sind, wusste ich bereits. Dass ich es jedoch am eigenen Leib erfahre, just dann, als ich es eigentlich am dringendsten brauche, hätte ich wahrlich nicht erwartet. Wenn meine Tour auch nur teilweise so weitergeht, muss ich mir vermutlich wirklich überhaupt keine Sorgen machen.

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