Agassiz – Lytton

In diesem Haus, nur wenige Meter von der US-Grenze entfernt (früher konnte man hier ab und zu mal (Drogen-) Schmuggler beobachten, das hat sich aber gelegt), wir um halbacht gefrühstückt. Davor wurde noch schnell der lokale Fernsehsender geschaut, denn aktuell wüten weiter im Norden ziemlich viele Waldbrände, deshalb sind auch einige Straßen gesperrt.
Danach packen wir alles zusammen, mein Rad und die Taschen, dazu noch ein Zelt, Schlafsack und diverse Karten. Meine Überlegungen, ob ich vielleicht eine Hängematte statt ein Zelt besorge, sind damit hinfällig.
Wendy und Berry haben ihre Räder auch noch auf den Pickup geladen und noch zwei weitere Freunde eingeladen. Zusammen fahren wir drei im Auto wieder zurück zum gestrigen Rad-Laden und noch etwas weiter über die „schlimmste Brücke“. Sie hat sehr viel Verkehr und ist dazu noch viel zu schmal. Da wollten sie mich nicht alleine radeln lassen. Auf der anderen Seite treffen wir die anderen beiden und zusammen radeln wir gute 15km in „meine“ Richtung. Dann drehen sie um und ich bin vorerst mal wieder alleine. Die Landschaft sieht in etwa so aus.

Das war in der Nähe von Hope, einem kleinen Städtchen, mit lediglich ein paar Hundert, vielleicht tausend Einwohnern. Aber ein Tesla Supercharger ist auch da!

Und – endlich, ich habe ja schon drauf gewartet: Jetzt bin ich wohl im „Bear Country“; mit Zelt. Das wollte ich ja von Anfang an eigentlich überhaupt nicht. Nagut, ist halt so – und ich muss ja auch nicht zwingend zelten….

Es geht hier weiter im Fraser Valley und die Straße ist tatsächlich nicht viel befahren. Wozu auch, wer heute hier lang fährt, muss in ein paar Stunden wieder umdrehen oder sich ein Hotel suchen, man kommt auf diesem Weg heute nirgends hin. Mir ist es egal, ich komme heute nicht so weit und außerdem geht meine Route sowieso etwas anders.

Fiese Steigungen oder sonstige Berge gibt es kaum, da die Straße hauptsächlich an diesem Fluss entlang führt.

Dass auf der Strecke sieben Tunnel kommen werden, würde mir schon versprochen. Alle nur recht kurz, meist konnte man schon das Ende sehen, als man rein gefahren ist.Interessant war dieses Schild: Ich soll vor dem Tunnel anhalten und einen Knopf drücken, daraufhin ging auf beiden Seiten des Tunnels ein Blinklicht an, das den Autoverkehr vor Radfahrern im Tunnel warnte.

Trotzdem (oder gerade deshalb) hat mich ein Truck völlig unnötig extrem dicht überholt, dass sogar ich, als „strong & fearless“ Radfahrer mich ziemlich erschrocken habe.

Prinzipiell ging es heute ziemlich lang ungefähr so. Auf einer Seite der Fluss, auf beiden Seiten ein Canyon (ist das das richtige deutsche Wort dafür?).

Nach etwa 100km kommt tatsächlich ein Zeltplatz, es ist aber erst halbvier. Also quatsche ich kurz mit den Leuten dort und bekomme noch Blaubeer-Muffins und Tee angeboten. Die nächste Ortschaft ist noch etwa 40km entfernt und zwischendrin wäre ein 900m Berg (ich bin nur auf 100-200m). Meine Rückfrage, ob das Meter oder Fuß sind, würde mit Meter beantwortet. Im weiteren Gespräch wird mir aber auch versichert, dass ich im platten Land nach den Rockies locker 200-300km pro Tag machen könnte, selbst ohne Rückenwind. Das glaube ich jetzt weniger und frage mich, welchen Wert die restlichen Informationen wohl haben.
Es ist auf jeden Fall ziemlich heiß und es gibt überhaupt keinen Schatten, die Sonne brät mich ziemlich durch. 
Endlich geht sie langsam unter, bzw. versteckt sie sich hinter den Bergen zu meiner linken. Langsam wird es angenehm zu fahren, obwohl ich die 145km durchaus in meinen Beinen merke.

Im Zielort gibt es natürlich kein Hostel (hier leben noch viel weniger Menschen, als in Hope) und auch keinen Zeltplatz. 5km weiter soll wohl einer sein, aber wegen der Feuer angeblich geschlossen.
Am lokalen Schwimmbädchen treffe ich Heiko, sein Rad ist noch bepackter als meins und er will heute nacht einfach wild unten am Fluss campen. Was solls, dann mache ich da halt mit, eine viel bessere Idee habe ich sowieso nicht. Und dort im Sand kann ich auch mal einen Nacht ohne Isomatte schlafen; sowas fehlt mir nämlich noch.

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