Rigaud – Lavaltrie

heute früh, bei einsetzendem Tageslicht, sah mein tolles Zeltversteck gar nicht mehr so gut aus; aber es ist zum Glück alles gut gegangen. Da ich mein Glück allerdings nicht allzusehr auf die Folter spannen wollte, habe ich das Zelt schnellstmöglich eingepackt (vom Tau noch sehr nass) und mich dann langsam auf den Weg gemacht.

Zuerst ging es mal in den Supermarkt für ein Frühstück. Dort stand auch ein kleines Bücherregal, bei dem man offenbar gegen eine „Spende“ diese Bücher kaufen konnte; mit der Aufschrift, die Kasse doch bitte nicht schon wieder zu knacken. Wer kein Geld hat, soll sich doch in einem lokalen Cafe melden. Hab ich nicht gemacht, das hatte erstens wohl noch nicht auf, zweitens brauche ich kein Geld und drittens auch keine Bücher.

Dann geht es über ziemlich miese Straßen zur Fähre, um den St. Laurent Fluß zu überqueren. Die Motivation schwindet in großen Schritten mit jedem Schlag, den ich von der Straße bekomme (und das waren einige auf diesen paar Kilometern).

Es gibt überhaupt keinen Grund für mich, das zu tun, außer dass ich Fähre fahren will. Die Rad-Infrastruktur soll angeblich auf beiden Seiten des Flusses vorhanden sein. Diese Schilder hier gefallen mir auf jeden Fall – wird Zeit, dass soetwas auch in Deutschland eingeführt, kontrolliert und sanktioniert wird.

Nach der Fähre dann echt gute Radwege! Teilweise sogar völlig von der Straße getrennt!

Und es gab sogar so ein kleines „Radfahrer-Häuschen“ mit Trinkwasser und Luftpumpe, bzw. Kompressor, der auch bis ca. vier Bar funktionierte. Diese typischen Reparatur-Stationen mit Werkzeug standen auch schon paarmal rum.

Zum Mittagessen dann ein „German Baguette“ mit Hummus. Ohne jetzt ein besonderer Gourmet zu sein, muss ich sagen, dass es ein ordentliches Laugen-Baguette war. Die Supermärkte hier im französischen Quebec scheinen eine größere Auswahl an Lebensmitteln zu haben. Auch kommt mir hier alles etwas europäischer vor – und das liegt nicht nur daran, dass hier geschätzte 5% europäische (i.e. deutsche) Autos rumfahren. In den anderen Provinzen habe ich kaum welche gesehen.

Als Container-Fan musste ich diesen interessant bemalten Container natürlich fotografieren.

Und mal wieder ein Selfie machen, oder zählen solche Schatten-Bilder nicht in diese Kategorie? Wer kennt sich denn mit sowas aus?

Kurz drauf hat mich ein Elektro-Roller überholt. Erst dachte ich noch nicht viel dabei. Als er aber nicht wirklich deutlich schneller war, habe ich etwas Gas gegeben und bin in seinen Windschatten geschlüpft. Er hat erst etwas blöd geschaut und wollte mir dann Platz machen. Ich hätte es mit meinem beladenen Touren-Rad aber sicherlich nicht lange geschafft, schneller als er zu fahren (mit einem Rennrad wäre es etwas ganz anderes gewesen, aber da hätte er mich auch nicht überholt), daher habe ich ihn einfach ein bisschen weiter nervös gemacht. Bis ich an dieser Werkstatt vorbei gefahren bin. Das Bosch-Schild ist mir natürlich gleich ins Auge gesprungen und ich „musste“ anhalten und es fotografieren. Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, war das jetzt erst das dritte Mal, dass ich etwas von Bosch hier gesehen habe.

Dann wird es mal wieder langsam dunkel und ich komme heute mal wieder an einem Zeltplatz an. Tatsächlich ist es hier in Quebec auch nicht mehr so unglaublich teuer, für $28 darf ich hier schlafen. Klaro, immer noch mehr, als einfach so wild zu zelten – aber mit dem ganzen Stress, den man sonst so hat (angefangen vom Zeltplatz suchen, Zelt im Dunkeln aufbauen, „Angst“ erwischt zu werden und das frühe Aufstehen am nächsten Morgen) war es mir das heute wert. Die Zeltplatz Chefin kann nur schlecht Englisch, will mir aber noch eine Decke anbieten, weil es inzwischen kalte Nächte sind. Das lehne ich ab, mein Schlafsack hat bisher immer geholfen; zur Not ziehe ich eine weitere Schicht Merino-Shirts an – wozu habe ich die denn mitgenommen….

Als ich mir den Kalender anschaue, stelle ich fest, dass ich heute genau zwei Monate auf meiner Coast-to-Coast Radfahrt unterwegs bin. Am 10. Juli habe ich Vancouver verlassen und bin seitdem fast 7000km geradelt. Die ersten ca. 200km auf Vancouver Island sind da noch nicht dabei, denn das war vor meinem „offiziellen“ Start. Ohne genauere Planung schätzte ich „zuhause“ immer, dass es vielleicht sechs- bis siebentausend Kilometer werden. Das habe ich jetzt und bin noch ein Weilchen von meinem Ziel weg – und das lag nicht nur an den Umwegen, die ich gefahren bin….

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