Lavaltrie – Trois-Rivière

ach, wie gemütlich ist es doch, nicht um sechs Uhr aufstehen zu müssen, sondern halbwegs vernünftig ausschlafen zu können! Ansonsten geht der restliche Morgen auch relativ entspannt weiter, ich bin hauptsächlich damit beschäftigt, dem Zelt mal beim richtigen Durchtrocknen zuzuschauen und dabei auch mal einen Blick über den St. Lorenz Fluß zu werfen.

Der Plan ist heute, bis zum Hostel nach Trois-Rivière zu fahren; das sind vermutlich gute 100km, da brauche ich heute wirklich keinen Stress machen. So gegen 12 Uhr habe ich genug vom trocknenden Zelt gesehen und mache mich auf den Weg. Regenwahrscheinlichkeit heute: 0% und der Wind eher in meine Richtung. Das habe ich so schon lange nicht mehr erlebt. Dazu ein vernünftig ausgeschilderter Fern-/Reiseradweg, die Route Verte, die aus insgesamt sechs Strecken besteht.

Da ich natürlich immer etwas schlechtes finde: die Sprache hier. Alles Französisch und ich kann kein Wort davon. Als ich beim ersten Supermarkt-Stop eine andere Reisende (Alexandra) mit schwer bepacktem Rad (für eine sechs-Tage-Tour, wenn ich es richtig verstanden habe) und Hunde-Anhänger treffe, ist es merklich schwer, zu kommunzieren. Sie will mir mögliche Strecken zeigen, schafft es aber nicht, mir mehr als die Straßen zu zeigen, die sowieso schon auf der Karte sind. Naja – was solls. Mit dem australischen Pärchen, das ich heute zum zweiten Mal treffe, als ich aus dem Supermarkt komme, klappt das mit dem Quatschen deutlich besser.

Auch mit dem Iren, den ich etwas später einhole, funktioniert das. Er ist auf einer Test-Tour, da er über den Winter einen Monat lang 3000km durch Südamerika fahren will. Das gleiche probiert er hier auch – ob der Test hier im sehr flachen St.-Lorenz-Fluß-Tal jedoch ein angemessenes Ergebnis bringt, möchte ich bezweifeln.

Kurz vor Schluss komme ich dann an einer Siemens-Niederlassung vorbei und ich denke mir: knapp daneben! Ich denke ja noch, dass ich irgendwann mal in meinem Bosch-Dress zufällig auch an einer Bosch-Niederlassung vorbeifahren werde. Aber das wird jetzt langsam knapp.

Da ich heute wieder einige Hunde gesehen habe, die allerdings alle angeleint oder hinter einem Zaun waren, fiel mir wieder das Erlebnis vor ein paar Tagen ein: ein ziemlich großer Hund – ohne Fachmann zu sein, würde ich sagen eine Mischung aus Golden Retriever und noch was größerem – kam von hinten links angerannt, rannte dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben mir her; dann schaute er zu mir herüber und gab nochmal Gas. All das ohne ein einziges Bellen oder Knurren, es war nur das Geräusch seiner Pfoten auf dem Kies/Asphalt zu hören – und sein Keuchen. Ich werde immer langsamer, da ich natürlich nicht weiß, was der Hund will und wie ich mich verhalten soll. Abhauen kann ich offensichtlich nicht, das Viech ist schnell. Dann ist wohl irgend eine Grenze oder er hat genug von mir und er hört auf. Es gibt hier „unsichtbare Zäune“, sprich ein Draht um das Grundstück und die Hunde bekommen ein kleines Gerät um den Hals. Wenn sie in die Nähe der Grenze sind, bekommen sie einen Elektroschock. Das war hier nicht der Fall, da der Hund beim Beschleunigen bis in die Mitte der Straße lief und dabei ziemlich nah bei mir war.
Vermutlich wollte er einfach nur ein kleines Wettrennen machen – hätte ich das gewusst, hätte ich ihm einen würdigen Gegner gegeben!

Dann komme ich nach gemütlichen 105km im Hostel an. Kurz davor noch eine Elektro-Tankstelle, offenbar mit einem eigenen Ladeplatz für Teslas. Diese Teslas sind hier übrigens sehr selten. Auf meiner ganzen Tour habe ich bisher kein Duzend davon gesehen. Und ich warte immer darauf, dass ich durch komische Fahrmanöver deren Lernmechanismus beeinflussen könnte.

Bevor ich etwas zum Essen einkaufe, schaue ich erstmal in den „Free Food“ Schrank, der hier – auch passend – „for all“ heißt und finde dort eine Innovation: Reis, den man kocht wie Nudeln. Ich habe trotzdem zu den übrigen Spagetti und Spirali gegriffen und diese beiden Packungen leer gemacht.

Zum Thema „Essen-Besonderheiten“: in Toronto habe ich noch diese „bayrischen Donuts“ gefunden, mit Schoko-Überzug und Vanillepudding-Füllung. Da bin ich 20 Jahre lang in Bayern aufgewachsen und habe davon niemals etwas gesehen. Entweder hat sich in den letzten 20 Jahren dort etwas stark verändert oder ich bin einfach in eine Marketing-Falle getreten. Aber um ehrlich zu sein: Ich habe diese Packung hauptsächlich wegen der 30%-Reduzierung gekauft, schließlich wohne ich ja schon ein paar Jahre in der schwäbischen Hauptstadt. Und die Energie konnte ich gut gebrauchen und außerdem kann man ja ruhig mal was Neues ausprobieren….

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