Sainte-Luce – Sainte-Florence

Sam meinte letzte Nacht noch, dass er recht früh zur Arbeit gehe, schon vor acht Uhr. Ich stelle mir zwar den Wecker auf sieben Uhr, schaffe es dann aber doch nicht mehr, ihn zu treffen. Als ich kurz nach acht langsam abbaue, verlässt Claudine das Haus, fragt mich, ob ich noch etwas brauche (mir fällt aber nichts ein) und geht auch zur Arbeit. Mein Job ist für heute: Zelt abbauen und bei der nächsten Touristen-Information mal rausfinden, wo ich heute hinfahren kann.

Diese Gestalten haben übrigens letzte Nacht über meinen Schlaf gewacht.


Von der Touristen-Information hatte ich mir ja mal wieder nicht viel erhoft, jedoch bin ich von deren Kompetenz überrascht. Mir werden nicht nur die Zeltplätze auf dem Weg genannt (inkl. Öffnungszeiten), sondern auch, in welchen Ortschaften auf dem Weg (es sind danach nur noch drei) es Lebensmittelmärkte gibt – und viel wichtiger – wo es keine gibt. Meine Strecke heute wird wohl wieder gute 120km werden, danach kommt für 60km nix mehr. Ein bisschen Planung ist also angesagt.
Falls ich ganz früh in der letzten Ortschaft sein werde, fahre ich durch, das glaube ich aber nicht.

Hier und da sind mir mal die Straßenschilder mit Kilometer-Angaben aufgefallen. Es scheint ihnen hier Spaß zu machen, nur eine einzige Ziffer zu verwenden. Ich habe das gleiche schon mal mit dreien und zweien gesehen, das sogar mit drei Ortschaften, 2km, 22km und 222km. Ob die Angaben alle stimmten, habe ich aber nicht überprüft.

In Amqui, der Stadt etwa 30km vor meinem Zeltplatz suche ich nicht besonders engagiert die Brauerei von der Bierroute und finde sie nicht. Dafür habe ich mal wieder diese Zeichen an einer Kreuzung gesehen. Ich weiß mal wieder überhaupt nicht, was das bedeuten soll – vielleicht löst sich das Rätsel mit der Zeit.

Ich kaufe noch alles ein, was ich heute Abend und morgen früh essen will und mache mich wieder auf den Weg. Ich habe inzwischen das Wasser des St. Laurenz Stromes verlassen und fahre quer übers Land. Links und rechts Wälder, die schon langsam in den „Indian Summer“ übergehen.

Ganz deutlich war es bei dem Sonnenstand in diesem Garten zu sehen. Ein leuchtend gelber Baum, während die anderen noch ganz oder zumindest teilweise grün waren.

Am Zeltplatz angekommen wundere ich mich. Es ist niemand da, das Büro ist leer, alle Wohnmobile sind leer, es steht sogar ein Zelt, in dem niemand ist. Das Büro scheint aber grundsätzlich in Benutzung zu sein, technische Geräte sind an und blinken, auch die Hälfte der Örtlichkeiten sind offen und benutzbar. Ich streune ein bisschen rum, finde aber niemanden und keine Hinweise; lediglich ein Zettel, der die Preise fürs Übernachten anzeigt: $28 für Wohnmobile, $18 für Zelte mit Strom, $15 für Zelte ohne Strom. Nagut, dann mache ich das doch. Ich dusche schonmal, um etwas mehr Zeit totzuschlagen, aber danach ist immer noch niemand dort. Es kommt noch ein weiterer Radler mit kleinem Anhänger. Er ist ziemlich alt und spricht nur französisch, ignoriert mich aber komplett. Seltsam – ich springe wie ein junger Hund zu jedem Radreisenden und will wissen was er/sie so macht, etc. In dem Moment kommt ein Auto angefahren, es ist einer der Wohnmobil-Besitzer. Er geht in sein Wohnmobil und zieht die Vorhänge zu. Der alte Mann geht hin und spricht mit ihm. Ich zwar hinterher, weil ich wissen will, was hier los ist, verstehe aber kein Wort. Ich probiere danach mit ihm auf englisch  zu sprechen, das funktioniert aber nicht. Ich denke, dass er sagt, dass ich hier halt einfach für eine Nacht zelten soll. Was solls, der Alte hat sich einen Platz gesucht, ich nehme den gegenüber. Er baut langsam sein Radgespann auseinander und sein Zelt auf, dann packt er alles(!) in sein nicht allzu großes Zelt und ich wundere mich, wie er darin noch schlafen kann. Außer seinem Zelt ist auf seinem Zeltplatz nichts zu sehen. Ich hingegen verteile ja gerne alles, was ich so habe überall rum. Abends höre ich noch etwas Radio und als ich fertig bin, höre ich, wie der Alte noch laut redet. Entweder sind das Selbstgespräche (würde ich ihm zutrauen) oder er telefoniert (was aber nicht so recht zum Redefluss passt).

Ein seltsamer Ort.

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