Chéticamp – Ingonish Beach

etwas widerwillig verlasse ich den Zeltplatz, obwohl es immer noch fies bewölkt ist. Regnen soll es zwar nicht, aber ich traue dem nicht so recht. Kurz darauf wird es tatsächlich deutlich besser und meine Laune steigt. Ich habe heute ziemlich viel vor, zwar nicht an Kilometern, aber an Bergen. Erschwerend kommt dazu, dass es hier in den Cape Breton Highlands kaum Ortschaften gibt und diese dann erst recht keine Lebensmittelgeschäfte haben. Trotzdem fahre ich nicht zurück (das wären bestimmt fast 10km einfach), um erstmal richtig zu frühstücken, sondern direkt ins Ungewisse.

Etwas weiter oben schaue ich dann mal zurück und hinter mir liegt tatsächlich noch eine dicke Regenwolkendecke. Diese wird mir zum Glück im Laufe des Tages nicht mehr begegnen.

Vor mir liegt nur gutes Wetter und viele Berge. Ich frage mich zwar öfters, wieso man die Straße unbedingt von 0 bis auf 450m bauen musste (sogar zweimal!) und ob man es nicht geschickter und deutlich flacher hinbekommen hätte, kriege darauf aber keine Antwort.

Der erste Berg hat ein kleines Schild mit „6km 11%“ angebracht. Da es nur maximal 450m sind und ich sogar schon ein paar Meter hinter mir habe, ist mir klar, dass das nicht so ganz stimmen kann. Überraschenderweise geht es hier sogar recht schnell hoch, ich war über mich selbst erstaunt, als ich schon oben war. Nach dem ständigen Hoch-und-Runter der letzten Tage ist dieses konstante Fahren (wenn auch nur im 1. Gang) eine merkliche Erholung gewesen!

Was der Stein aussagt, weiß ich nicht. Als ich dort war, war ich mit Schnaufen und Fotografieren beschäftigt. Von dem Denkmal wollte ich nichts wissen.

Ein anderer Ausblick vom gleiche Parkplatz in die andere Richtung.

Und noch einer. Hier „oben“ soll man wohl gerne mal Elche (Moose) sehen können, die sogar an der Straße zu sehen sein sollen. Ich sehe natürlich nichts, was auch gar nicht so schlimm ist. Die Viecher haben aktuell wohl gerade Brunftzeit und wenn man an den falschen gerät kann das angeblich auch etwas blöd enden (vor allem, wenn man keinen schützenden Stahlpanzer um sich herum hat).

Auch hier leuchten die Bäume wieder in allen Farben.

Was dieser abgestürzte Hubschrauber, bzw. Ultraleichtflieger, zu bedeuten hat, ist mir nicht klar geworden. Der hing/lag da einfach, ohne irgendwelche Erklärungen.

Ich fahre dann halt einfach weiter, nachdem ich ihn geknipst habe. Nach dem ersten Berg gab es nur einen kleinen „Convenience Store“, bei dem ich nichts passendes zum Essen gefunden habe. Also habe ich mal meine letzte Notfall-Banane gegessen und den zweiten Berg in Angriff genommen. Der ist fast genauso hoch, wie der erste, aber dafür deutlich steiler. An dem kleinen Radfahrer-Schild stand hier 3km mit 13% – und das habe ich gemerkt. Der erste Gang war hier schon fast zu schwer, aber ich hatte halt keine kleineren mehr. Ich musste noch mehr schnaufen und schwitzen, habe es aber eben noch geschafft, ohne absteigen zu müssen.

Danach kamen wenigstens zwei Bäckereien kurz hintereinander, bei denen ich ein paar Muffins und Chocolate Chips Cookies kaufen konnte. Auch nicht das beste, aber ich muss halt nehmen, was ich kriegen kann.
In diesem Ort war der Supermarkt auch geschlossen (dank Feiertag). Es kam auch mal wieder eine Horde Motorrad-Fahrer vorbei. Erstaunlich ist, wie viele Lieder ich nur von den wenigen Tönen erkenne, wenn diese schweren Maschinen an mir vorbeifahren. In dem Fall war es Sweet Child of Mine von Guns’n Roses, bei dem mir eine handvoll (super Wortspiel, oder?) Töne des Gitarrensolos zum Erkennen ausreichten.

Die nächsten Berge gingen nur noch auf 250 und gute 100m hoch. Alles kein Problem mehr. Aber auch am Ziel gab es keinen Supermarkt, lediglich ein kleines und schon sehr ausgesuchtes Regal mit Backwaren in einem Restaurant. Also gibt es heute wohl wieder nur ein paar Cookies und ich hoffe, dass das bald mal wieder besser wird!

Am Ende bin ich dann fast wieder 120km geradelt und habe dabei über 2100 Höhenmeter bewältigt (Link zu strava).
Für die Stuttgarter: Das ist mindestens zehn Mal die Weinsteige rauf.
Für andere: als ich letzte Woche zum NKG gefahren bin, hat mein Höhenmeter-Zähler 58m angezeigt – also so ca. 40x den Berg zum NKG hoch.
Bei einer Abfahrt gab es sogar Serpentinen, das habe ich hier in Kanada zum ersten Mal gesehen. Und ich bin da mit dem vollgepacken Tourenrad sogar mal mit 71km/h runtergebraust. Nicht super geschickt, da meine Bremsen vermutlich nach 9500km langsam mal gewartet werden müssten.

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