Glenhope – Reefton

ich höre mich noch ein bisschen Musik von Platte an, während ich mich langsam fertig mache. Bei der Tagesplanung sieht es etwas schlechter aus. Ich könnte mich an der Tour Aotearoa entlang hangeln und hätte dann in ca. 120km einen sehr rudimentären Zeltplatz mit – laut Kommentaren – jeder Menge dieser Sandflies. Mit deren Stichen/Bissen komme ich nicht so klar und es gibt auch keine erwähnenswerten Ortschaften auf dem Weg, also schaue ich mich nach Alternativen um. In etwa 130km könnte ich bis Reefton kommen, was so aussieht, als ob es ein Hostel, einen Zeltplatz und Lebensmittelmärkte hat. Was will ich mehr (abgesehen von vielleicht 10°C weniger – danke Merkel für die Hitzewelle hier!)?
Also los geht’s in einer Art Badewannen-Höhenprofil. Anfangs geht’s bergab und am Ende wird es wieder ein bisschen hoch gehen. Mittendrin, eher Badenwannen-untypisch, bisschen hügelig.
Schatten suche ich heute auch oft vergeblich, die Sonne brennt unerbittlich und ich bin schon wenige Minuten nach dem Losfahren schon wieder auf 2000°C und denke an das erste Lied, das ich gestern von Platte abgespielt habe: Melissa Etheridge – Somebody bring me some water, can’t you see I’m burning alive.

Vielleicht probiere ich es ja mal, in einen dieser bestimmt erfrischenden Flüsse zu springen. Bis jetzt habe ich mich dazu noch nicht überreden können.

Was es hier, wie auf der ganzen Welt auch gibt: Falschparker auf dem Radweg. Naja, da hier sowieso niemand Rad auf der Straße fährt (abgesehen von Touristen) und auf der Straße dazu noch echt wenig los ist, kann ich da noch ein Auge zudrücken. Die Frage bleibt: Wozu ist dieser Radweg überhaupt da?

Eine andere Frage, die ich mir immer wieder stelle: Wieso baut man die Straße eigentlich entlang eines Flusses, wo man sie super-eben und flach halten könnte, dreht dann aber immer wieder mal ab, um (gerne steil) dann auf 150m über den Fluss zu kommen. Nur um im nächsten Moment dann wieder zum Fluss runter zu fahren? Kann ich nicht verstehen, absolut nicht.

In echt konnte man hier die Gesteinsformationen unter Wasser etwas besser erkennen, als auf diesem Bild hier. Wer weiß, vielleicht komme ich, wenn ich wieder mal an einem richtigen Rechner bin, dazu, dieses Bild entsprechend zu bearbeiten.

Dann war ich in Murchison und dieser Imbiss-Wagen hat es geschafft, mich etwas aus der brennenden Sonne zu ziehen. Ich habe mir mal ein gescheites Mittagessen gegönnt. Ein vegetarischer Wrap, dekoriert mit Pflaumen-Marmelade, mit Salat und Kartoffelpüree, interessante Mischung und gut war es auch.

Dann war es fast soweit, dass die Schatten bis auf meine Straßenseite kamen, aber halt nur fast und ich bin halt weiter in der Sonne gefahren.

Und in den Fluss bin ich auch noch nicht gesprungen, nicht mal fast.

Im nächsten Ort (ja, sonst war da nix dazwischen), etwa 90km weiter, mache ich eine Pause. Es ist Sonntag und der einzige Laden/Cafe hat zu. Ich setzte mich trotzdem davor in den Schatten und will das Wasser aus meiner Reserveflasche (mitte, etwas braun/gelblich, da es offenbar nur gesammeltes, unbehandeltes Regenwasser ist) in meine Trinkflasche (rechts) füllen. Da kommt jemand vorbei, der in seinem Auto ebenfalls vor dem Cafe auf seine Frau/Freundin wartet und gibt mir eine 1.5l Flasche Wasser (links). Er ist auch schon mal Rad gefahren und kann sich sehr gut vorstellen, dass ich das jetzt brauchen könnte (wie recht er hat, sonst hätte ich wohl irgendwo an einer Türe geklopft). Seine Frau/Freundin wird eben von einer Freundin im Auto hergebracht und es stellt sich heraus, dass die Fahrerin verkatert ist (es ist 16:00). Er fragt ob sie schon etwas gegessen hat und bietet ihr auch noch ein Sandwich aus seinem Auto an. Netter Typ, der scheinbar für alle Eventualitäten ausgerüstet ist!
Ich schmiere mich nochmal mit Sonnencreme ein und warte, bis die richtig eingezogen ist, bevor ich weiterfahre. Das verbindet sich unplant aber nicht ganz ungewollt mit einem Nickerchen, bis ich etwa 35min später dann tatsächlich weiter komme.

Dann begegnet mir noch ein Belgier, der ähnlich wie Heiko in den Rockys neben seinen Radsachen auch noch Wandergepäck dabei hat und entsprechend riesig beladen ist. Sein rechter Arm ist aufgeschürft und bisschen verbunden, er hatte wohl schon einen kleinen Unfall, als er an einer schwierigen Offroad-Stelle sein Rad geschoben hat.
Ich wusste es ja: bleibt auf der Straße!

Die letzten 35km habe ich sogar etwas Rückenwind und ich kann auf diesen ziemlich geraden Straßen mit etwa 30km/h meinem Ziel entgegen fliegen.

Als ich in Reefton zum Supermarkt gehen will, um Abendessen einzukaufen, werde ich sehr überraschend von Josef abgefangen, der hier vor der Türe sitzt und nicht so recht weiß, wo er hingehen soll. Das Hostel ist ihm für 18€ zu teuer, der Zeltplatz kostet mit 15€ nicht gerade weniger und seine CouchSurfer-Anfragen wurden noch nicht beantwortet. Ich trinke so nebenbei eine 1.5l seltsame neongrüne Limo mit Kohlensäure zu dreiviertel aus, die es hier im Supermarkt für 1$ aus dem Kühlfach gab und versuche mich damit etwas abzukühlen und den Flüssigkeitshaushalt trotz des ganzen Wassers wieder zu regulieren. Nach bisschen rumquatschen entscheiden wir uns, dass ich einfach für beide das Hostel zahle und er mir halt das gibt, was er sich so leisten kann. Und morgen fahren wir dann gemeinsam bis zur Küste nach Greymouth weiter.
Jetzt dusche ich aber erst noch, trinke noch ein bisschen und mache mir eine Packung Nudeln – Mahlzeit!
 

Relive ‚Morning Ride‘

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