Twizel – Fairlie

als potentielle Möglichkeit hatte ich heute einen Ausflug zum höchsten Berg Neuseelands, Mout Cook, angedacht. Aber das Wetter spielt nicht mit, das ist die Aussicht auf den Berg. Ich musste mir schon anhören, dass es eine „Schande“ wäre, wenn ich am Mount Cook nicht ein paar Wanderungen mache, Dass ich einen Flug über dieses Gebirge, inkl. super Aussicht auf diesen Berg, bei bestem Wetter für einen Preis machte, mit dem der Standard-Backpacker 14 Tage auskommt, habe ich in dieser Diskussion einfach mal verschwiegen und mir meinen Teil gedacht.

Es gibt hier überhaupt viele Reisende, die mir etwas erzählen wollen, was man hier so machen muss, und was sie schon „gemacht“ haben, so im Sinne von „wir haben diese Wanderung gemacht“, „diesen Park gemacht“ oder „diese Stadt gemacht“. Das liegt zum einen bestimmt an falsch angewendeten Anglizismen, zum anderen Teil aber auch bestimmt an ihren „ToDo-Listen“, die sie ordentlich abhaken müssen. Wenn ich sie dann aber stundenlang im Hostelbett liegen und am Smartphone rumspielen sehe, frage ich mich, wer wohl den „sinnvolleren“ Urlaub macht. Die, die das alles nur für das kurze Instagram-Bild (o.ä.) machen, oder ich, der sich einfach nur so treiben lässt.

Aber das wird jetzt schon sehr philosophisch. Den Ausflug zum Mount Cook habe ich auf jeden Fall gestrichen. Das Hostel lädt auch nicht unbedingt dazu ein, noch einen weiteren Tag hier zu verbringen und angeblich soll das Wetter morgen sogar noch schlechter werden.
Mir ist es schon zuviel, dass es den ganzen Tag heute nicht wärmer als 12°C wird; das ist nicht ganz die Temperatur, die ich mir wünsche.
Ich fahre an den beiden Seen Tekapo und Pukaki vorbei, die beide sehr türkis-farbig sind. Wäre es nicht so kalt, wäre ich doch gerne mal in so einen Gletschersee mit den ganzen farbgebenden, ultrafeinen Gesteinsteilchen gesprungen. An anderen Stellen standen auch keine dieser Verbotsschilder mehr rum.

Zum Beispiel an dieser Raststätte kurz drauf, an der diese Skulptur aufgestellt wurde. Diese Tiere aus dem Himalaya wurden hier mal ausgesetzt, in den Zeiten, als man noch dachte, dass es eine gute Idee wäre, neue Tierarten anzusiedeln (angeblich soll es wohl auch irgendwo im Süden kanadische Elche geben, bzw. gegeben haben). Als es dann 40.000 davon waren und durch ihre massenhafte Existenz ein Problem wurden, wurden sie innerhalb kurzer Zeit auf ca. 2000 niedergejagt.

Hier hängt auch ein solches Plakat mit allen Unfällen der letzten fünf Jahre in der Umgebung, übersetzt in einige Sprachen und mit der Klassifizierung, wie der Unfall zustande kam. Es sind doch einige Punkte zu sehen!

Ansonsten friere ich mich heute 100km durch eher langweilige Landschaft.

Was hier verbrannt wird, würde ich auch mal gerne wissen – obwohl, vielleicht doch eher nicht. Gerade diese tiefschwarzen Schwaden ziemlich weit hinten sind bestimmt nicht gesund.

Die ersten 55km kommt auch nix, was mich irgendwie aufwärmen könnte, keine Ortschaft, keine Cafe, keine Sonne.

Dann komme ich in Lake Tekapo an und schaue mal kurz in den Supermarkt. Weniger, um etwas einzukaufen, eher um ein bisschen aus der Kälte zu entfliehen. Als ich rauskomme, schiebt eine andere Tourenradlerin ihr Rad an mir vorbei, ich rufe ihr kurz „Hej“ zu, sie schaut aber nur verstört und erwidert meine Begrüßung nicht. Was solls, ich habe schon das nächste Ziel im Kopf: ein Cafe im Ort, wo ich mich weiter aufwärmen kann.

Leider haben die Schussel die Kaffeetasse randvoll gemacht und als sie mir diese dann an den Tisch brachten, ihn ziemlich verschüttet. Meine Hände wollte ich daran dann nicht mehr aufwärmen. Auch die Pause ist mal vorbei und ich nehme die nächsten 50km in Angriff.

Ich verabschiede mich von den türkisfarbenen Seen und werde von einem weiteren Pass überrascht. Der war heute früh noch nicht da, als ich mir die Route mal kurz anschaute. Halb so wild, es ist fast kein Gegenwind und es ist auch nicht besonders steil.
Blöd ist nur, dass ich trotzdem mehr schwitze und somit noch weiter auskühle. Langsamer fahren geht halt nicht.

Der Weg bergab ist dann natürlich noch kälter und kaum spannender. Ich hoffe nur, dass es mit jedem Meter abwärts etwas wärmer wird – ist aber nicht so, zumindest merke ich davon nix, versuche mich es aber dennoch einzureden.

Ich komme dann nach guten 100km in Fairlie an und zelte mal wieder. In der Dusche des Zeltplatzes stehe ich, nachdem ich die Temperatur mit den Armen geprüft habe, auf einmal unter einer ziemlich kalten Dusche. Die Temperatur-Sensoren an den Armen sind wohl noch etwas eingefroren und fanden das Wasser schon ziemlich warm, der Rest des Körpers aber nicht. Kurz drauf war das Wasser aber richtig warm und ich habe mich ordentlich aufgewärmt.

Das mit dem Aufwärmen ging sogar so gut, dass ich mir als Vorspeise noch ein Eis genehmigen konnte!

Und dann – wie schon fast üblich – eine Portion Nudeln. Das Bier war sogar recht gut; es ging mit seinen Ingwer- und Zitronenanteilen in die Richtung Radler.

Am Zeltplatz ist noch ein radelnder Japaner, mit dem allerdings kein Gespräch möglich ist und recht spät kommt noch ein Österreicher angefahren. Er meinte, dass es in den letzten anderthalb Wochen hier in dem eher flachen Gelände der Ostküste schon anstrengend war – ich habe versucht, ihm diplomatisch mitzuteilen, dass er sich noch wundern wird.

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