Lushnja – Shkoder

gestern habe ich ja noch mein Fahrrad ein bisschen geputzt, war wohl so eine Übersprungshandlung. Heute sieht es nach dem gestrigen Regen noch schlechter aus, als gestern. Aber ich habe heute keine Lust mehr, es nochmal unnötig zu putzen.
Das Frühstück ist kein Buffet, sondern ich muss es irgendwie bei der albanisch sprechenden Bedienung bestellen. Geht natürlich nicht, ich sage einfach nur immer ja und kriege halt irgendwas. Zum Glück bin ich kein wählerischer Esser, sondern esse halt, was auf den Tisch kommt.

Trotz der miserablen Wettervorhersage ist das Wetter überraschend in Ordnung. Und ich komme sogar mal an so einem Radweg vorbei, zwar auf der falschen Seite, aber ich nutze ihn doch mal. Später stehen da noch Autos auf den Parkplätzen, die aber weit genug weg sind und außerdem wurden noch Überfahr-Sperren an die Seite gemacht. Am Ende des Radwegs ist ein Radladen, ich winke jedoch nur und fahre weiter.

Auch hier, bei der „Kastrati“-Tankstelle bleibe ich nicht. Wie überall im Land, stehen hier natürlich auch relativ neue und hochwertige Autos mit „Shitet“-Schild im Fenster (das heißt wohl „zu verkaufen“, reime ich mir so zusammen). Diese Autos haben zum Teil noch deutsche oder schweizer Nummernschilder oder Nummernschild-Halter, „CH“ Aufkleber oder die grüne 4 in der Windschutzscheibe. Auch wundere ich mich über die sehr hohe Dichte von Oberklasse-Autos in jedem Dorf und jeder Stadt, selbst in Stuttgart gibt es nicht so viele Mercedes, Audis und BMWs. Und diese sind alle schön geputzt, überall gibt es hier „Auto-Waschanlagen“, d.h. ein Dach mit einem Kärcher. So recht erklären kann ich mir das nicht, aber fragen kann ich ja auch niemand.

In einem Ort fuhr ein Omnibus, noch mit deutscher Werbung einer deutschen Firma rum, hier steht ein Hähnchen-Brater.

Auf einer kleinen Abkürzung, die mir meine OpenStreetMaps vorgeschlagen hat, kam ich dann an diesem Flüsschen vorbei. Allgemein ist die OpenStreetMap jedoch nicht sehr gut für den Einsatz hier geeignet.

Ohne Vorwarnung bin ich dann auf einer Autobahn. Obwohl mir gesagt wurde, dass man da schon radeln könne, habe ich da echt keine Lust drauf. Also fahre ich eben einen Umweg.

Ich werde aus einem Auto aus angeschrieen und per Handzeichen zurück geschickt. Das ignoriere ich aber und kurz drauf verstehe ich, was es wohl bedeutete. Diese Brücke ist nicht mehr so einfach zu befahren. Ich stehe da und überlege, bis ein Fußgänger kommt und einfach drüber läuft. Ok, das scheint wohl zu gehen, also probiere ich das auch. Beim ersten Schritt auf dem abgestürzten Teil rutsche ich schon fast ab und entscheide, dass das nicht genug Halt für mich und das sehr schwere Rad bietet. Eine entgegen kommende Frau will mir mit Hand und Fuß sagen, dass ich am Rand gehen soll und mit einer Hand mich am Geländer festhalten solle. Das geht natürlich nicht, ich kriege das Rad mit einer Hand hier definitiv nicht gehalten, sie schreit mich jetzt schon fast an, aber ich kann ihr halt nicht antworten. Was bin ich froh, wenn ich wieder in deusch- oder englischsprachigen Ländern sein werde!

Ich überlege, die Taschen abzunehmen und Rad und Gepäck einzeln rüber zu transportieren, als ein weiterer Fußgänger vorbei kommt, etwas englisch kann und mir mit dem bepackten Rad hilft. Ich bedanke mich und fahre weiter. Die restlichen Straßen hier werden immer schlechter und schlechter. Dazu kommen noch so „stille Polizisten“, die hier aber vermutlich eher daher kommen, dass sie Leute hier nicht ansatzweise in der Lage sind, eine vernünftige Straße zu bauen und nicht primär dazu da sind, den Verkehr zu beruhigen.
Mir kommt ein weiterer Reiseradler entgegen, Nick aus England. Wir halten kurz an und quatschen; er will bis Australien radeln, Chapeau!

Dann endlich mal etwas tolles – ist das nicht ein cooles Gefährt? Mal sehen, ob ich mir sowas im kommenden Winter auch mal zusammenbasteln werde.


Was dieses Schild am vor mir stehenden LKW aussagt, weiß ich nicht. Ich fahre trotzdem links und rechts an den stauenden LKWs vorbei.

Die Aussicht wird nicht besser und als ich dies hinter einer Kurve sah, sank die Motivation schlagartig auf Null.

Dazu kam dann noch ein gerissener Schaltzug. Wegen den ganzen Straßenschäden, bei denen ich ständig stark abbremsen und wieder beschleunigen musste, musste ich heute unendlich viel schalten. Nach 7500km war es für den Schaltzug dann zu Ende. Also blieben mir nur noch theoretisch drei Gänge, praktisch nur noch einer, um die letzten 50km zu fahren. In der einen Stadt auf dem Weg gab es zwar ein Radladen, der hatte aber keine Schaltzüge (falls der Typ überhaupt verstanden hat, was kaputt war – er machte nicht den Eindruck, dass er überhaupt schon jemals so eine Schaltung gesehen hat). Dabei hätte es bei dem einsetzenden Regen sehr gut gepasst, hier ein Stündchen das Rad zu reparieren. Nachdem nun schon der zweite Schaltzug gerissen ist, werde ich mir das wohl für zukünftige Touren merken: immer einen Ersatz-Schaltzug einpacken!

Also fahre ich mit Regenjacke eben weiter, zum Glück war es nicht allzu schlimm und am Horizont schimmerte auch schon wieder die Sonne durch.

In Shkoder am ersten Radladen angehalten und ihnen mein Problem erklärt. Da können sie nix machen, rufen aber einen Mechaniker an, der „in fünf Minuten“ vorbeikommt und sich das mal anschaut. Er ist sogar schneller da und kann sogar vernünftig Englisch. Er nimmt einen Schaltzug aus dem Radladen mit und deutet mir an, zu seiner Werkstatt mitzukommen. Ich wundere mich nicht drüber und fahre einfach hinterher. Tatsächlich hat er eine Radwerkstatt und ist auch in der Lage, die Schaltzug-Reste zu entfernen und den neuen einzuziehen. Dann will er mir noch den Tipp geben, wie ich zu schalten habe (nicht über kreuz) und ich sage ihm, dass ich das durchaus weiß, es in dem Fall aber halt nicht möglich war.

Dann kann ich nach den nicht ganz einfachen 160km doch auch mal ein Hostel suchen und einchecken. Die haben hier die „Hipster-Paletten-Nutzung“ weiter getrieben und daraus eine Art Schuhregal gemacht.

Ich gehe noch kurz essen und dann auch ins Bett. Ich bin ganz froh, dass ich morgen Albanien verlassen kann und hoffe, dass ich von Montenegro nicht negativ überrascht werde.

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