Vlorë – Lushnja

nach der gestrigen „Bergetappe“ und vor allem wegen des angekündigten Mistwetters habe ich heute keine so große Motivation zu starten. Der eine Typ im Hostel, der gestern noch die Blätter von „Busch mit den gelben Früchten“ für seinen Joint schnitt, weil er Tabak nicht mag, wundert sich über mich. Alle anderen Radfahrer ständen bereits morgens vor Achte auf der Matte und fragen ganz nervös, wann es denn endlich Frühstück gäbe. Ich sitze um elf noch rum und kriege dafür gesagt, dass ich ja ziemlich sicher in meiner „Leistungsfähigkeit“ sein müsse, wenn ich heute noch 120km fahren will. (Zur Erinnerung: gestern waren es mit riesen-Berg 128km)

Ich bewundere noch die Ablage am Badezimmer-Spiegel (es ist einfach nur so ein Plastik-Lineal) und dann fahre ich echt mal langsam los.

Diese Zebrastreifen in dieser Stadt habe ich gestern ja schon gesehen, aber wegen Regen nicht fotografiert. Trotz dieser farbigen Zebrastreifen funktionieren sie nicht so ganz, wie bei uns. Wenn man einfach wartet, bis die Autos anhalten, wird das wohl ewig dauern. Wenn man allerdings losläuft, halten die Autos schon an, oder fahren zumindest langsam vor oder hinter den Fussgängern vorbei.

Lastenräder sehe ich hier kaum – und wenn, dann nur solche selbst gebastelten, wie dieses hier.

Danach geht das Mistwetter los. Ich bin auf einmal mitten in einem starken Gewitter und werde schneller nass, als ich mir die Regenklamotten anziehen kann. Zum Unterstellen gibt es auch weder Zeit noch Möglichkeiten. Es sieht nicht so aus, als ob es besser wird, also fahre ich eben so weiter, bis endlich mal eine Tankstelle kommt, wo ich mit dann wenigstens mal unterstellen kann. Auch hier wird es aber nicht besser, nur kälter. Also fahre ich nach etwas Warten weiter, bis zur nächsten Unterstell-Möglichkeit. Auch hier: keine Besserung in Sicht. Was an dem Regen ja auch schlecht ist: Auf einmal sieht man das ganze Ausmaß dieser miserablen Straßen hier, jede Unebenheit füllt sich mit dem dreckigen Wasser und man kann nicht mehr entscheide, ob diese Pfütze nur eine kleine Delle im Asphalt ist, oder ein fieses Schlagloch. Und die Autos und LKWs, die an einem vorbei fahren, können gar nicht anders, als durch Pfützen zu fahren und mich dabei total voll zu spritzen. An einer Raststätte ist ein Schild „free Wifi“, also halte ich dort an. Im nächsten Städtchen gibt es ein Hotel für 15€ – ich entscheide, dass ich die Tour heute abbreche und das buche, denn ich habe heute mal wieder gestrichen die Schnauze voll!
Nach etwas hin und her fahren in Lushnja finde ich es auch, der Hotelier steht schon draußen und erwartet mich (kann aber kein Wort Englisch). Mir egal, nach dem ich die nassen Sachen ausgezogen und die Klimaanlage auf 26° gestellt habe hole mir noch eine Pizza und ein Bier. Nachts muss ich noch ein paar Mücken erschlagen und hoffe mal, dass das Wetter irgendwann nochmal etwas besser wird, die Vorhersage sieht ja nicht berauschend aus.

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