in den Alpen bis Sterzing

allzu einladend ist der Blick aus dem Hotelfenster nicht gerade. Aber draußen ist es wenigstens trocken. Das kann ich von meinen Radklamotten nicht behaupten, in dem nicht allzu warmen Zimmer sind die Sachen kaum getrocknet. Ich habe jedoch keine große Lust, lange in den Taschen zu wühlen, um etwas anderes zu finden (Radtaschen sind so in etwa die unpraktischsten Taschen, die es gibt) und hoffe einfach darauf, dass es bald etwas wärmer wird und ich dann vom Fahrtwind trockne.

Es geht heute morgen leider nicht mehr bergab, das Pulver habe ich gestern schon verschossen. Heute steht wieder ein Pass auf dem Programm und es geht eigentlich gleich damit los.

Bei der Aussicht frage ich mich, wie das wohl bei gutem Wetter aussehen würde. So schleppe ich meine – wenn auch angebrochene – Sonnencreme einfach nutzlos mit mir rum.

Und auf dem Weg höre ich dann ein komisches Geräusch, das kam mir so sonderbar vor, dass ich sogar mal anhielt und mein Rad begutachtete. Tatsächlich: eine Speiche ist gebrochen, sogar ganz unten am Nippel (oder ist das oben?). Ich habe weder Ersatz-Speichen noch das Werkzeug um die Kassette ab zu machen, was in dem Fall nötig wäre. Also flicke ich es schnell mit Klebeband und fahre weiter. Das geht – dank Scheibenbremsen, fühlt sich nur etwas komisch an.
Da heute Sonntag ist, werde ich wohl keinen Radladen finden, aber ich werde trotzdem mal danach Ausschau halten.

Dieser Giro-Fan mit seinem Rad hinten drauf, einem Schild, das 1,5m Abstand für überholte Radfahrer fordert und dem Aufkleber #iorespettoilciclista hat mich trotzdem völlig ignoriert, als er vor mir auf die Straße eingebogen ist. Absolut unnötig, denn eigentlich war alles frei – außer mir halt. Da ich meist damit rechne, dass andere Leute sind bescheuert verhalten, ist auch in dem Fall nix passiert, und als ich an dem Typ dann vorbei gefahren bin, als er kurz drauf wieder rechts angehalten hat, habe ich ihm noch eine in die Luft geworfene Hand zugeworfen.

Diese drei Rennradler habe ich beim Aufstieg schon hinter mir schnaufen hören. Sie konnten es wohl nicht aushalten, dass ich mit meinem schwer bepackten Rad vor ihnen fahre und haben alles gegeben, um mich zu überholen. Danach ging ihnen aber wohl ein bisschen die Puste aus. Sie waren zwar vor mir, aber der Abstand ist nicht mehr größer geworden. Und ich wollte sie jetzt auch nicht noch ärgern und sie nochmal überholen (und außerdem auch meine Puste sparen, wer weiß, wie lange dieser Pass hier noch wird).

Ein Wasserfall – wohl hauptsächlich deshalb so imposant, weil der Regen der letzten Tage alle Flüsschen und Bäche stark anschwellen ließ. Nicht nur dieser, auch viele, viele andere Wasserfälle auf dem Weg sind mir aufgefallen, die bei trockenem Wetter wohl eher nur schmale Rinnsäle wären, wenn überhaupt.

Und dann bin ich oben und ich lerne, dass ich gerade den „Kreuzbergpass“ bis auf 1636m hoch gefahren bin. Ganz schön frisch hier oben, so ganz ohne Sonne und ohne die Anstrengung des Bergauffahrens, wenn die Pumpe gut in Wallung kommt. Also ziehe ich eine lange Windjacke und mache mich auf die Abfahrt, während die drei Rennradler noch verschnaufen müssen.

Einen geöffneten Radladen habe ich tatsächlich nicht mehr gefunden, aber dafür diesen Kasten, der mit „Service-Station“ und einem Fahrrad bemalt wurde. Ich habe hoffnungsvoll rein geschaut, aber weder Ersatzspeichen noch einen Abzieher für die Kassette gefunden (wie zu erwarten). Das ist aber dennoch eine gute Idee!

Im Gegensatz zu dieser Bier-Werbung mit halbnackten Frauen, nur dort ums Eck.

Dann noch ein Kondom-Automat, der mir aber gerade auch nicht weiter hilft.

Am Ortsausgang dann ein Plakat für „Respektvolles Miteinander aller Teilnehmer im Straßenverkehr“. Komisch, dass auf der ganzen Welt gute Aktionen ausgedacht und durchgeführt werden, aber in Stuttgart das genaue Gegenteil gelebt wird. Ich habe die Tage auf facebook mitbekommen, dass die Stadt Stuttgart quer geparkten Smart-Fahrern Strafzettel verteilt, mit der Begründung, dass so ein quer geparkter Smart eine Gefahr für Radfahrer darstellt (und der Quatsch-Behauptung, dass die Autos im Durchschnitt 1,70m breit sind).
Hier werden wieder Radfahrer gegen Autofahrer ausgespielt – dabei muss ich sagen, ist mir ein quer geparkter Smart viel lieber, als so ein – oft schlecht eingeparkter – Stadtpanzer, in den ich nur schlecht reinschauen kann und wo sich überraschend die riesigen Türen öffnen können. Das passiert bei einem Smart-Heck oder einer Smart-Front nicht. Inzwischen erlebt man auch immer öfter, dass sich völlig überraschend Türen von Autos öffnen, weil die Leute ankommen, dann erstmal noch am Smartphone rumspielen und wenn dann niemand mehr damit rechnet, weil die Karre schon minutenlang steht, geht auf einmal die Türe auf….

Nach der langen Abfahrt auf unter 800m steht der nächste Pass an: der Brenner. Da gibt es wohl einen Radweg, der sich um die Straßen herum schlängelt. Ich probiere ihn mal aus, bin aber nicht so überzeugt davon. Ab und zu muss ich ihn aber dennoch nehmen, weil auf der Straße Tunnel sind, die ich nicht radeln darf. Aber selbst der Radweg ist ab und zu gesperrt.
Irgendwo steht ein Schild, das dazu rät, ein Stück mit dem Zug zu fahren. Pfff.
Angeblich bei KM35 ist der Radweg gesperrt, ich habe aber keine Ahnung, wo dieses Stück ist und auch keine Lust auf Zug fahren. Also immer weiter.

Dort treffe ich dann auf Franz aus Schrobenhausen und wir fahren zusammen weiter. Eine Sperrung ist nirgends zu sehen, ich vermute, dass die Baustelle, die wir passiert haben, unter der Woche nicht befahrbar ist – am heutigen Sonntag schafft da aber niemand und wir fahren einfach so durch.
Franz ist in dem freigestellten Teil der Altersteilzeit. Das ist wohl der nächste Punkt, den ich mal andiskutieren könnte, sobald ich wieder zurück im Büro sein werde. Ich finde, es wird langsam Zeit!
Franz ist fertig und will nicht weiter, ich könnte zwar noch, aber zum einen ist das Wetter nicht gerade einladend und ich will es nicht schon wieder herausfordern, nass zu werden und zum anderen geht es die nächsten Kilometer nur bergauf über den Brenner. Ich denke, dass mache ich dann lieber morgen. Knapp 130km mit etwa 2300 Höhenmeter sind für heute dann auch mal genug, ich mache hier ja kein Rennen.
(Und tatsächlich: nach dem Duschen regnet es draußen, yeah!)

Relive ‚bis kurz vor dem Brenner-Pass‘

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