nach Deutschland

jeden Morgen das selbe: das Wetter sieht nicht so schlecht aus.

Franz, den ich gestern getroffen habe, radelt von Rom aus nach Hause. Er hat eine etwas andere Herangehensweise an das Übernachtungs-Thema: er fragte in Sterzing ein bisschen rum und hat für 80€ ein Doppelzimmer ergattern können. Da ich mal wieder nicht weiß, wo ich hin soll, entschließe ich mich einfach, sein Angebot, dieses Zimmer zu teilen, anzunehmen.
Das Hotel ist etwas gehobener, was mich sofort beeindruckt, ist diese Bienenwabe, anstatt einzeln eingepackter Honigportionen beim Frühstück.

Franz fährt direkt nach dem frühen Frühstück los, ich lasse mir noch ein bisschen Zeit und probiere danach einen Radladen für die gebrochene Speiche zu finden. (funktioniert aber nicht, auch hier in Italien ist heute Feiertag)
Nachdem die Gurkerei auf dem Radweg gestern ziemlich lästig war (kurvig, dreckig, hügelig), habe ich beschlossen, heute auf der Straße zu fahren. Da die meisten Autos sowieso auf der Autobahn direkt daneben fahren, sollte das ja auch gar kein Problem sein.
Pustekuchen! Gleich am Anfang ist mal wieder ein Schild „Fahrräder verboten“ (aufgrund eines kommenden Tunnels). Also muss ich wieder auf den Radweg über den Berg, wo der Tunnel drunter her fährt.

Danach wechsle ich wieder zur Straße, habe aber die Motorrrad-Fahrer nicht bedacht. An einem schönen Tag an einem langen Wochenende tummeln die sich nur so auf dieser Brenner-Passstraße. Und nach meiner empirischen „Untersuchung“ scheinen sich unter den Motorrad-Fahrern signifikant mehr Idioten zu befinden, als bei der normalen Bevölkerung.
Also wechsle ich sogar freiwillig wieder auf den Radweg neben der Straße. Von dort aus sehe ich auch dieses „Schnapszahlen-Stilleben“, 12x die Fünf, und je zwei Dreier und Nullen.

Kurz darauf bin ich oben, der Brenner-Pass hat nicht mal 1400m. Jetze geht es mal ein Weilchen schön abwärts, und wenn ich das so sehe, geht die Autobahn wohl deutlich weniger abwärts. Das wird wohl nur eines bedeuten: ich muss nachher bestimmt mal wieder ein paar Meter rauf.

In dem Moment habe ich mich gefragt: was ist denn wohl der Unterschied zwischen den Rockies in Kanada, den Southern Alps in Neuseeland und den Alpen? Ich weiß es gar nicht so genau, es sieht überall relativ ähnlich aus; der offensichtliche Unterschied, der mit aufgefallen ist: hier in den Alpen kann ich nirgendwo hin schauen, wo nicht irgendein Haus, eine Hütte oder eine ganze Ortschaft ist. Das war in Kanada und Neuseeland ganz anders, dort waren beinahe tagelang keine Häuser zu sehen, oder vielleicht höchstens mal eines. Ebenso gibt es dort keine „bewirtschafteten Flächen“, wie man hier überall an den gemähten Wiesen sehen kann. Aber gut, wenn sich 35 Millionen Leute das zweitgrößte Land der Welt teilen (was wirklich riesig groß ist) oder eben vier Millionen das kleine Neuseeland (wobei die meisten davon auch noch in den wenigen großen Städten leben), dann kann da einfach nicht überall ein Haus stehen.

Hier stehen nach einer Kurve dann ganz viele Häuser: Innsbruck. Auch hier ist alles zu. Ich kriege keine Speiche ersetzt und nichts zum Essen. Also fahre ich halt weiter.

Mir begegnen nochmal solche Schilder, die für gegenseitige Rücksichtnahme im Verkehr werben.

Und ich erblicke ein solches putziges kleines Elektro-Mobil. Laut deren Homepage kann es 50km/h fahren und hat eine Reichweite von 70km – und das ganze dann für ca. 7000€. Überzeugt mich nicht, aber vielleicht will ja jemand anderes mal einen zweiten Blick auf die Seite werfen?
Dann kommt noch ein ziemlich fieser Berg, auf dem ich mehrmals absteigen musste. Oben stand ein großes Schild, das vor 16% warnte. Laut meinen GPS-Aufzeichnungen waren da deutlich steilere Teile dabei. Das ganze Ding hieß „Zirler Berg“, bzw. Seefelder Straße. Das sollte ich mir wohl mal besser merken, nicht, dass ich nochmal irgendwann auf die Idee komme, dort zu fahren! Der Berg katapultierte mich innerhalb von 12km fast 600m hoch, von etwa 600m auf 1200m. Dann ging es ein paar Meter runter und kurz unter 1000m fuhr ich dann an diesem Schild vorbei. Ganz schön mutig, nachdem gerade in diesen Tagen dieses unsäglichen Polizei-Aufgaben-Gesetz PAG in Kraft tritt.


Kurz drauf fängt es wieder zum Regnen an und ich finde nichts zum Unterstellen, also erwischt es mich ein paar Kilometer lang, bis ich in Mittenwald eine Pause in einer Eisdiele machen kann. Bisschen ungerecht ist ja, dass ich selbst im Regen stehe, während ich die Berggipfel in der Ferne im strahlenden Sonnenschein sehe.

Als der Regen aufhört, mache ich mich auf nach Garmisch-Patenkirchen. Dabei komme ich an einem kilometerlangen Stau vorbei. Ich denke mir, dass es wohl am Reiseverkehr liegt, es ist aber nur ein Unfall. Ich gebe ein bisschen mehr Gas, um an den fast stehenden Autos auch ordentlich auf dem Radweg vorbeibrausen zu können. Nicht ohne ein schadenfrohes Lächeln im Gesicht, während ich in die genervten Gesichter der Autofahrer und deren Mitfahrer schaue.

In Garmisch-Patenkirchen komme ich an einer Schule vorbei, an dessen Zaun jede Menge vollgekritzelter Bettlaken hängen, auf denen die ganze Großfamilie den AbiturientInnen Glück wünscht. Wann hat den der Quatsch angefangen?

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