Trixie Whitley

am Eingang des 1210 hängt ein Zettel, dass man während des Konzerts doch bitte laute Gespräche unterlassen sollte. Das 1210 ist, für alle nicht-Stuttgarter und Menschen, die sich primär vom Fernseher unterhalten lassen, ein Club mit schlechtem Licht und ohne besonderem Sound. Genau passend für Punk-Konzerte, Bands, die zum ersten oder zweiten Mal auf einer Bühne stehen oder eben DJ-Partys. Events eben, bei denen die Musik zweitrangig ist.
Und heute ist Trixie Whitley mit Vorband Echo Beatty angesagt. Das 1210 öffnet bereits um 19:00, was ich kurz nach acht erschrocken zuhause feststelle. Also alles stehen und liegen lassen und dorthin eilen (hab sogar mein Smartphone vergessen, weshalb es auch kein Bild vom Schild gibt). Echo Beatty spielt schon ein paar Minuten, als ich reinkomme. Das Schild wird offensichtlich von einigen Gästen konsequent ignoriert. Sie bittet zwar mehrmals darum, dass es etwas leiser sein sollte, aber es hat jedes mal nur einen recht kurzen Effekt.
Trixie Whitley im 1210

Nach einer kurzen Umbau-Pause kommt Trixie Whitley mit ihrer Band auf die Bühne. Nach dem ersten Lied beklagt sie sich schon über den „Bühnen-Sound“. Ein Zuschauer aus dem Publikum ruft „Sounds good down here“. Sie erwidert trocken „Good’s not enough!“
Nach dem nächsten Lied fragt sie, ob es hier nicht irgendwie Licht gäbe, rot sei zwar sexy, aber etwas Abwechslung – oder wenigstens soviel, dass sie auf der Bühne auch etwas sehen könnten sei doch wohl nicht zu viel verlangt (genau meine Gedanken, wenn ich dort fotografiere). Der Barkeeper dreht einen Scheinwerfer etwas heller.
Noch ein weiterer Songs – man konnte ihr die Verärgerung/Enttäuschung deutlich ansehen – stellte sie sich trotzig mit Gitarre und Mikro in die erste Publikumsreihe. Dort war der Sound offensichtlich viel besser, sie sieht auf einmal richtig glücklich aus, sie hat Spaß. Beim nächsten Lied muss sie zurück auf die Bühne, ans Piano. Der Mikro-Ständer ist auch kaputt, das Mikro bewegt sich unkontrolliert vor ihrem Mund. Zum Glück ist hier ein ein hilfreicher Gast, der es geistesgegenwärtig festhält. Selbstverständlich bekommt er ein ehrliches „Thank you“. Ich stehe keine zwei Meter von ihr entfernt und kriege alles direkt mit; sie versucht ihre Musik gegen das ungeniert quatschende Publikum anzuspielen. Mir ist es immer wieder unverständlich, wieso Leute zu einem Konzert gehen und sich dort dann lautstark unterhalten. Könnte mir das mal jemand erklären?
Nach jeden weiteren Lied bittet sie das Publikum darum, ihre Musikdarbietung zu respektieren. Allerdings nicht mit einem einfach „Shut up“, was jeder verstehen kann. Sie erzählt – philosophiert schon fast – mit nicht ganz einfachen englischen Worten von Liebe zur Musik und gegenseitigem Respekt. Vermutlich verstehen es die meisten einfach nicht, leider.
Sie quält sich Song für Song weiter durch ihr Konzert, ich habe ständig Angst, dass sie einfach alles hinschmeißt. Jedoch macht sie auch klar, dass es ihr bewusst ist, dass offenbar einige Leute doch für sie und ihre Musik gekommen sind und sich vernünftig verhalten.
Die letzte Zugabe wurde spontan gestrichen und aus dem Backstage-Bereich ist sie auch nicht mehr herausgekommen. So blieb mir nur übrig, mich für meine mit-Stuttgarter wenigstens bei  Echo Beatty zu entschuldigen. Wieder draußen sehe ich dann, dass das Schild inzwischen verschwunden ist.

Ihre Musik (youtube) und vor allem ihre Darbietung hatten das Zeug zu einem wirklich großartigen Konzert gehabt. Schade, dass es nur im Zwölfzehn war.
Hoffentlich kommt sie trotz dieser Erfahrung mal wieder.

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