Raddemo: Bells on Danforth

beim planlosen durch-die-Stadt-Streifen bin ich an einem solchen Plakat vorbei gekommen, es wird zu einer „Pedal powered Parade to celebrate cycling“ aufgerufen. Das hört sich für mich nach Critical Mass an und daher schreibe ich mir das gleich mal in den Kalender. Auf wenn es bedeutet, dass ich wieder einen Wecker stellen sollte.

Als ich mit dem Leihrad dort ankomme, sind schon einige Leute dort versammelt, es ist sogar eine stationäre Lautsprecher-Anlage aufgebaut. Bis es wirklich losgeht dauert es noch eine halbe Stunde und ich befürchte schlimme Reden.

Ist aber gar nicht so. Es sind zwar einige (Lokal-) Politiker vor Ort, die sich jedoch echt kurz fassen und in wenigen Sätzen, nicht mehr als eine Minute Radfahren feiern. Wow – so etwas habe ich bisher noch nie erlebt. Auch neu für mich: Die Fahrrad-Polizei ist bei einer Fahrrad-Demo natürlich vor Ort; und im weiteren Verlauf der Fahrt sieht man ihnen an, dass es ihnen auch Spaß macht, daran teilzunehmen.
Langsam sind die „Reden“ vorbei und ich besorge mir ein anderes Rad mit einem neuen 30min Zeitfenster. Als ich zurück bin, stehen die Radler schon alle auf dem schmalen Radstreifen und warten auf die Abfahrt (bestimmt nicht auf mich).

Das ganze sieht dann in etwa so aus.

Wer mehr sehen will, der kann sich mal den Twitter-Account dieser Initiative anschauen: link. Bisschen verwunderlich fand ich, dass dort wirklich jede/r einen Helm getragen hat, obwohl es dort keine Pflicht ist. Den einzigen anderen ohne Helm habe ich mal darauf angesprochen und er hat sich gleich entschuldigt, dass er ihn im Büro vergessen hätte. Musik-Anlagen habe ich dort keine gesehen, Lastenräder auch nur zwei Stück. Wie zu erwarten, die Long Tails, also mit großem Gepäckträger und ein/zwei Kindern drauf. Pedelecs fahren hier fast gar keine, ein Radhändler versucht das so zu erklären.
In kurzen Gesprächen habe ich mitbekommen, dass Toronto erst vor kurzem seine 20km „separated bike lanes“ installiert hat, verglichen mit Montreal aber 200km haben müsste. Es gibt noch keine genauen Auswertungen, man kann aber sagen, dass die Nutzer-Ziele, die nach sechs Monaten angepeilt werden sollten, bereits in den ersten Tagen erreicht wurden. Es zeigt sich immer wieder: Wer Straßen säht, wird Verkehr in Form von MIV ernten – wer vernünftige Fahrrad-Infrastruktur bereit stellt, bekommt jede Menge Radfahrer. Warum sich die deutsche Politik (und einige „deutsche Michel“) mit diesen offensichtlichen Erkenntnissen, die sich Stadt für Stadt für Stadt weltweit wiederholen so unglaublich schwer tut, ist mir echt ein Rätsel!

Irgendwann ist dann auch mal die Sausen vorbei gewesen (es waren nur langsame 8km und ich musste ja ständig mein Rad gegen neue 30min Zeitfenster eintauschen) und ich habe mir dann dieses riesen-Wassereis gegönnt.

Keine Sorge, ich esse auch ab und zu noch was Gesundes. In dem Fall Äpfel und eine Birne, alles mit ein paar Macken (was mir ja recht egal ist) und dafür relativ günstig.

Dann geht’s weiter auf meinen planlosen Touren durch die Stadt. Hier habe ich auch ganz rebellisch die vorgegebenen Fußstapfen für das „beste Social-Media-Foto“ und die zugehörigen Hashtags ignoriert und einfach falschrum geknipst.

Die Aussicht vom Rooftop des heutigen Hotels sieht so aus:

Letzte Nacht habe ich auch noch die Brücke fotografiert, die kurz nach dem Beginn der Raddemo war. Sieht tagsüber nicht besonders spannend aus, macht nachts aber mehr her. Vor allem ist das Licht auch dynamisch, d. h. es gibt andersfarbige Akzente, die neben einem selbst über die komplette Länge der Brücke (mit-) laufen.

Dann habe ich noch dieses Bild gefunden, bei dem ich mich überhaupt nicht mehr erinnern kann, wieso ich es aufgenommen habe. Daher klatsche ich es jetzt einfach mal so hier hin und überlasse es ganz Euch, Euch darüber den Kopf (welchen auch immer) zu zerbrechen.

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