Fähre nach Vancouver Island

von Vancouver habe ich gerade genug. Den rechten Zugang zur Stadt habe ich noch nicht gefunden. Offenbar liegen wir beide auf den ersten Blick nicht auf der gleichen Wellenlänge. Also habe ich mich kurzfristig entschieden, doch noch weiter nach Westen zu ziehen: nach Victoria Island. Es sind etwa 30km bis zur Fähre und natürlich habe ich die gerade abfahrende nur um wenige Minuten verpasst. In anderthalb Stunden fährt aber schon die nächste und ich schaue mir halt das Städtchen an (was in 10min erledigt war) und fotografiere mal wieder mein Rad. Eine alte Frau, die meine Oma sein könnte, ruft mir dabei „Bikeporn“ hinterher. Da bin ich erstmal etwas sprachlos und lächle einfach zurück.

Auch sprachlos macht mich ja jeder Einsatz der Schriftart Comic (außer zu Kindergeburtstags-Einladungen); selbst wenn ich Sushi äße, dort mache ich es bestimmt nicht!

Dann komme ich doch noch auf die Fähre und beim Ablegen kommt noch die Ansage, dass die Hupe, die gleich kommt, sehr laut sein wird. Entweder sollte man das Deck verlassen oder die Ohren schützen. Als bei einigen Leuten darauf hin keine Reaktion kam,  nochmal der Hinweis, dass es sehr, sehr laut ist. Ich saß drinnen und mir war es egal.
Beim späteren Rumlaufen noch zwei Deutsche mit sehr, sehr vollgeladenen Fahrrädern gesehen, in der Raucherecke. Sie haben ziemlich über ihre Tour und das Land geschimpft. Aber das meiste, was sie erzählt haben, waren jetzt keine Neuigkeiten (große Distanzen, immer Gegenwind in der anderen Richtung, schlechtes Essen, teure Campingplätze, etc.) Aber in den paar Minuten zwei/drei Zigaretten weggeraucht. Also auch alles in der Kategorie „nicht relevante Informationen“ ablegen….
Zwischendurch noch eine Ansage, dass irgendein Mustang-Fahrer zu seinem Auto kommen solle, weil seine Alarmanlage abgeht.

Dann in Nanaimo angekommen und das angepeilte Hostel war tatsächlich ausgebucht. Das nächste dieser Kette ist in Victoria, 7h/130km entfernt. Das wollte ich eigentlich morgen machen und nicht von 16:30-Mitternacht. Aber es gibt wohl noch ein zweites hier im Ort. Das hat noch Platz und ist mit 20$ sogar günstiger.

Nach dem Einchecken noch ein bisschen mit dem Rad durch das Städtchen fahren und feststellen, dass es einfach gar nix hat. Hier muss ich wirklich nicht bleiben. Dazu noch die Leute, von denen viele auf den ersten Blick einen „gescheiterten Eindruck“ machen. Als ich mein Rad entpackt habe, hat mich einer z.B. recht betrunken angerempelt und nach Stress gesucht. Nur sehr kurz überlegt, ob ich es drauf ankommen lassen soll und sofort meine unendliche Gelassenheit ausgepackt – er ist dann mit seinen Kumpels unverrichteter Dinger weitergetorkelt.
Das ist eine Stimmgabel auf Klaviertastatur-Boden, im Hintergrund noch ein Fahrradständer in Notenschlüssel-Form; vor einer Bücherei. Passt für mich auf den ersten Blick nicht so recht zusammen, aber was verstehe ich schon von Büchereien.

Und das ist das touristische Highlight. In einem Krimskrams-Laden ein Schild, dass dies die drei ältesten Häuser hier sind. Aha, hätte ich das also auch gelernt.

Zurück im Hostel sehe ich dann das Schild, dass heute Nacht dort „Metall Karaoke“ ist und es läuft auch jetzt schon recht wilde Musik. Zur Karaoke sind dann etwa fünf Gäste gekommen, die sich auf der Bühne mit mehr schlecht als rechtem Gesang abwechseln. Metal-Kutten tragen sie alle, aber in Verbindung mit kurzen Hosen und recht weißen Beinchen sieht das doch etwas lächerlich aus.

Diese Party geht bis nach Mitternacht und ist in meinem Zimmer direkt über der Bühne sowohl zu hören als auch zu fühlen. Ist mir aber egal, ich schlafe trotzdem, das geht bei mir eigentlich immer.

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