erste Etappe

also gut, Nanaimo (auch so ein Name, den ich mir vermutlich nie merken werden kann).
Noch westlicher als Vancouver. Allerdings ist im Osten nur Wasser, daher muss ich zuerst in den Süden fahren.
Die Dusche hier im Hostel sieht so aus. Ich bezweifle ja, dass so ein bisschen Klebeband bei kaputten Fliesen hilft, aber was weiß ich schon. Duschen fällt heute morgen sowieso aus, das werde ich nach dem Radfahren machen.

Und tatsächlich, hier gibt es ein Schild über The Great Trail, den ich vielleicht zu großen Teilen fahren wollte. Inzwischen weiß ich aber, dass es kein richtiger Radweg ist, sondern einfach nur die Radwege aller Kommunen auf dem Weg auf dieser Website zusammengefasst sind. Da ist alles dabei – und wenn ich mir vorstelle, in welchem Zustand z. B. die Stuttgarter Hauptradroute #1 ist, will ich mir gar nicht vorstellen, in welchem Zustand dieser Trail ist. In einem Land, das zum Großteil mit Fahrrädern überhaupt nichts anfangen kann.

Und so fängt es auch schon an: der Trail führt direkt neben einem aktuell bespielten Golfplatz vorbei. Aber es gibt ein Warnschild, dass man sich vor fliegenden Golfbällen in acht nehmen soll (wie auch immer das gehen soll).
Offenbar gibt es ähnliche Probleme mit Wild-/Kunst-Parkern, die ihre Karren überall hinstellen. Daher wurde dieser Teil des Trails mit solchen Barrieren versehen.

Es gibt aber keine weitere Ausschilderung. Wenn dieses Stück vorbei ist und man eine Straße kreuzt, muss man überlegen, ob man jetzt links oder rechts weiterfährt. Oder auch über einen Parkplatz gerade aus. Die Radwege sind ganz gut bei OpenStreetMaps eingezeichnet, aber wenn man halt ständig anhalten und kucken muss, kommt man nicht sehr zügig voran. Die App für diesen Great Trailer habe ich mir zwar besorgt, allerdings läuft die bei mir nicht, weil sie die Google Location Services benötigt. Die habe ich nicht, weil es Google einen Scheißdreck angeht, wann ich wo bin.
Dann doch ab und zu mal auf dem Highway/Freeway fahren. Das ist zwar ziemlich laut und teilweise auch echt voll von Autos und LKWs, aber halt deutlich schneller. Man fährt als Radfahrer hier einfach auf dem „Standstreifen“ und ist daher auch recht sicher. An vielen Stellen gibt es solche „Rüttelstellen“, die die Auto- und LKW-Fahrer warnen, wenn sie ihre Spur verlassen. Dennoch ist es ein komisches Gefühl, wenn ein solcher amerikanischer Giga-Liner gerade mal einen guten Meter an einen mit 100km/h überholt.
Auf jeden Fall habe ich den ganzen Tage heute so einen Ausblick gehabt.
Einfache Landstraßen

natürlich auch mit Hügeln


Und dann eben auch solche High-/Freeways. Wie gesagt: Meist waren die ziemlich voll, ich habe einfach die freien Augenblicke zum Fotografieren genutzt. Ja, es gibt bestimmt besseres und ich hoffe, dass ich im weiteren Verlauf der Tour noch schickere Strecken finden werde.

Auf einer dieser Landstraßen habe ich im Schatten der Bäume ein recht großes Schlaglöcher nicht gesehen und bin voll reingedonnert. Die Wucht war so groß, dass es beide Radtaschen vom Rad gezogen hat – und den halben Apfelkuchen, den ich mir vom Frühstück noch mitgenommen habe. Der lag jetzt im Dreck verteilt, fand ich aber nur halb so schlimm, weil ich nicht mal sicher war, ob der überhaupt so zum Verzehr gedacht war oder noch in den Backofen gehört hätte. Einen kleinen Achter hab ich jetzt auch, den werde ich mal selber rausmachen und hoffen, dass es dadurch wirklich besser wird. ;~)
Und nach etwa 120km war ich dann auch schon am Ziel: Victoria. Sehr verwunderlich, dass das alles mit zwei Bananen und 2,5l Wasser funktioniert hat.
Auch von hier sind die Rockies in der Ferne zu sehen, wenn man genau hinschaut, sogar noch deutlicher, höher und schneebedeckter als von Vancouver aus.

Die komplette Strecke ist auf Strava zu sehen.
Nach dem Duschen, dem kostenlosen Abendessen im Hostel, inkl. eines Willkommens-Cocktails (sowas habe ich in einem Hostel auch noch nicht erlebt) und dem Leeren der „Free Food“-Box laufe ich noch ein bisschen durch die Stadt. Was mich bisschen verwundert, ist die „Weihnachts-Beleuchtung“, die hier an einigen Häusern und Bäumen aufgehängt ist. Natürlich mit Glühbirnen und nicht mit LEDs, wenn ich das aus der Ferne richtig gesehen habe.

In diesem Hostel, wie bisher überall auf meiner Reise sind ziemlich viele Deutsche. „Wir“ scheinen tatsächlich Urlaubs-Weltmeister zu sein und im Zeit- und Geld-Reichtum zu schwimmen (wobei es auch Leute gibt, die sich mit schlecht bezahlten Jobs über ein Work&Travel-Visa irgendwie über Wasser halten). Dann kriegt man auch so Gespräche mit wie „Thailand ist voll schön, aber halt sehr überlaufen“. Und ich denke mir, dass ich damals tagelang keine Touristen gesehen habe; wenn man halt nicht von einem Touri-Hotspot zum nächsten hechtet, kann das alles auch ganz anders sein.

Und wieder ein spezieller Zebrastreifen. Nachdem es bisher in jeder Stadt Regenbogen-Zebrastreifen gab, nun mal ein Zebrastreifen aus Puzzleteilen.

Je nach Ansicht kann man auch sagen, dass heute mein erster „offizieller“ Tag des Sabbatical ist. Das habe ich im Bosch-Trikot verbracht – die beiden Dinger will ich ja nicht mitgebracht haben, um sie in den Radtaschen zu lassen. Und am Gipfel der erwarteten Küstenstraße auf 352m (sic!) habe ich dann doch auch glatt mal ein Selfie gemacht. Olé!
Mein letzter Arbeitstag kommt mir aber auch schon wie eine kleine Ewigkeit vor.

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