Tag 3 – Desaster

morgens beim Aufstehen schon den Regen sehen. Scheiße – schon beim Regen losfahren ist echt nicht meins. Also lasse ich mir viel Zeit beim Frühstück und so gegen 10 ist der Regen tatsächlich weg. Noch schnell ein Bild vom ziemlich netten Bed&Breakfast und ab geht’s!
Hostel
Die Straßen sind noch nass (das Wasser steht) und das vordere Schutzblech nicht ganz perfekt, ich kriege ständig Wasser (inkl. Sand/Dreck) ins Gesicht. Das geht fast zwei Stunden so weiter, die Straßen trocken nicht allzu schnell ab. Für den nächsten Regen habe ich mir schon eine (bestimmt) tolle Lösung ausgedacht, wie ich das Problem gelöst kriege. Hoffentlich brauche ich es gar nicht!
Solange ich heute noch auf dem Nordsee-Radwanderweg fahre, sind diese braunen Schilder meine Wegweiser. Sie sind zwar spärlich, aber fast ausreichend gesetzt. Man muss schon noch ein bisschen mitdenken und ab und zu mal auf eine Karte schauen, aber es funktioniert ganz gut!  meine Wegweiser
Während ich dieses nächste Bild fotografierte hat mich ein anderer Deutsche mit einem Pedelec eingeholt und bei mir angehalten. Er war verwundert darüber, wie ich die „Berge hochfliege“, da kommt er ja mit seinem „billigen Cityrad“ nicht mal hinterher. Abgesehen davon war meine Analyse sofort, dass er vermutlich drei- oder viermal so viel Gepäck wie ich hatte. Mein Einwand, dass es hier ja auch nicht wirklich bergig ist, hat ihn ziemlich geschockt („WAAAS?! DOCH! Das erzähle ich meinen Kumpels zuhause!“) In der Tat war ich dort maximal auf 60m, jeden Tag wenn ich ins Büro fahre habe ich bei 6,5km 95 Höhenmeter. Er wollte mich beim nächsten Foto wieder eingeholt haben, aber dann wurden selbst diese Wellen etwas niedriger und ich bin, angetrieben von etwas Rückenwind, schneller als seine 25km/h gefahren und war somit weg.
Tag drei - Impressionen
Und noch ein Landschaftsbild von hier. Die Amateur-Meteorologen erkennen sofort, dass das kein so blauer Himmel ist, wie ich es gestern noch hatte. Aber ich kann Euch beruhigen, es hat nicht mehr geregnet.
Tag drei - Impressionen
Solche Schilder habe ich bisher nur zweimal gesehen. Das erste Mal war noch alles in Ordnung, hier habe ich mal blöd geschaut! Das ist ein Feldweg, der auf einmal asphaltiert war. Unten am Weg steht „START“ und als es weiter hinten hoch geht, stehen die Steigungs-Prozent-Zahlen noch auf den Boden. 28% war die höchste Zahl! Ich war schon fast versucht, abzusteigen, als die Zahlen wieder ein bisschen kleiner wurden und die Kuppe zu sehen war. Da musste mein Körper mal kurz und schnell auf Maximal-Leistung gehen – hat aber knapp noch funktioniert! ;~)
da muss ich rauf: 28%!
Ein bisschen mehr als dieser extrem steile aber nicht so lange Hügel scheint hier auf mich zu warten. Nagut – das Wetter ist in Ordnung und ich habe genug Zeit. Nicht lange nachdenken, einfach weiterfahren.
Und damit hat das Debakel seinen vollen Lauf genommen – und mich direkt mitgenommen.
auch dort muss ich rauf, laufend!
Erst sah alles noch ganz idyllisch und nett aus. Hinter jeder Kurve eine neue, tolle Landschaft. Immer mit diesen Nadelbäumen, oft mit See und/oder einem Häuschen dabei. Mein inneres „Fähnlein Fieselschweif“ war schon etwas besorgt über die Scheißhaufen, die ab und zu auf den Weg lagen. Wenn diese Haufen deutlich größer sind, als ich es selbst mit einer Meisterleistung schaffen kann, dann verbirgt sich dahinter auch sicherlich ein sehr großes Tier. Vorbereitet bin ich überhaupt nicht – was tun, wenn ein Elch zu sehen ist, oder ein Wolf/Bär? Gibt es das hier überhaupt? Hm, darüber mache ich mir zwar Gedanken, komme aber auf keine gute Idee. Daher hoffe ich einfach, dass das schon nicht passieren wird.
Tag drei - Impressionen
Und dann ist es soweit – selbst der Feldweg ist zuende! Ich kucke erst noch ziemlich blöd, als mein Navi mich rechts abbiegen lassen will. Da ist doch gar keine Straße?! Zwei/dreimal hin und hergefahren, sehe ich einen Wanderweg-Anzeiger – aber nicht dort, wo ich abbiegen soll. Diese Wanderwege sind offenbar nicht so gut kartiert. Die ersten Meter versuche ich noch zu fahren, stürze aber gleich am Anfang, bzw. rutsche mehr oder weniger im Stand weg. Und so „gut“ wie der Weg hier gezeigt ist, war er nur noch in den seltensten Fällen. Es ging Flusstäler (eher Rinnsäle) hoch und runter, durch Geröllfelder, über umgestürzte Bäume, durch Mooswiesen, etc. Es wäre eine tolle Wanderung gewesen, wenn ich kein beladenes Fahrrad dabei gehabt hätte, sondern dafür eine vernünftige Wanderausrüstung. Fahrrad-Schuhe und Lycra-Klamotten waren definitiv das Falsche! Das ging etwa 15km (!) und 4,5h (!) lang so weiter, es gab keinen einzigen guten Moment auf dieser Etappe, dazu bin ich noch von etwa 500m NN auf fast 700m NN gekommen (öfters rauf und runter). Eine Spülmaschine in den zweiten Stock zu tragen ist, selbst mit sehr viel Übertreibung, allerhöchstens als „lächerliches Kinderspiel“ zu beschreiben! Die Beine von Unterholz, Wackersteinen, Pedalen und Packtasche malträtiert, der eine Arm vom Sturz aufgekratzt. Dazu immer ein Schwarm von Mücken um mich herum.
ein Wanderweg
Als weitere „Sorgen-Komponente“ kommt hinzu, dass um 22:36 offizieller Sonnenuntergang ist. Eine Taschenlampe habe ich nicht dabei (außer das Fahrradlicht) und diese Wanderwege sind in der Dunkelheit sicherlich nicht mehr zu finden. [Ich habe letztens nicht noch einen Artikel gelesen, wie viele Leute in norwegischen Wäldern verloren gehen – nicht besonders hilfreich in meiner Situation!]
Um 22:40 (man sieht trotzdem auch etwas länger noch was) sehe ich ein parkendes Auto! Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich mich jemals darüber freuen würde, ein Auto zu sehen. Aber in der Situation heißt das: Da gibt es auch eine Straße! Ich kann wieder fahren. „Nur“ noch 30km in meinem desolaten Zustand zum Hostel fahren und dann kann ich endlich mal duschen und mich erholen. Im Hostel angekommen (nachts um 00:20) sehe ich, dass Check-In nur bis 23:00 ist. Mir egal – ich klingle trotzdem und tatsächlich ist der Nachtportier noch da, war aber auf dem Sprung und wollte in wenigen Augenblicken gehen.

Geduscht und etwas die Blessuren gepflegt liege ich im Bett und schlafe sofort ein. Am nächsten Tag denke ich mir noch, warum mir ständig sowas passieren muss. Aber viel besser ist doch, dass glücklicherweise nie wirklich etwas passiert, sondern ich immer irgendwie wieder raus komme und mein Erfahrungsschatz anwächst (wobei ich mit der heutigen bestimmt nix anfangen kann). Eins ist sicher: Ich werde nie wieder die Straßen verlassen und die Route vorher mind. zweimal prüfen.
Und wer mal eine schicke Wanderroute in den norwegischen Wälder sucht, hier ist meine Aufzeichnung.

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