Archiv der Kategorie: Gedanken

in Toronto

langsam geht das Kanada-Kapitel zu Ende, meine letzte Station ist Toronto. Die Stadt, von der ich bisher immer so geschwärmt habe. Allerdings hat mein erster Besuch im Juni mich schon wieder ein bisschen auf den Boden geholt. Und auch jetzt hat es mich nicht mehr gepackt. Irgendwie bin ich jetzt wohl im „Alltags-Modus“ und alles ist „normal“. Dazu kommt, dass ich in Toronto bisher immer zu speziellen Veranstaltungen war und die Stadt dabei einfach super funktioniert hat: die ganze Innenstadt ist super einfach mit den U-Bahnen und Streetcars zu erreichen und die Musik, bzw. das Rollerderby (inkl. der Partys) taten ihr übriges; jetzt wäre zwar gerade sogar die Indie Music Week, aber so richtig Lust darauf habe ich nicht.

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neuer Laptop

als ich kurz zuhause war, habe ich ja doch noch schnell einen kleinen Laptop gekauft, den man auch ohne Tastatur als Tablet verwenden kann; einen Lenovo Miix 320 mit Win10 Professional.
Nachdem mein Fairphone nicht mehr verwendbar ist und ich mit dem billigen Ersatztelefon (LG K4) nicht so recht klar komme, habe ich mir dazu entschlossen, technisch etwas aufzurüsten. An die Tastatur muss ich mich noch ein bisschen gewöhnen, sonst bin ich damit eigentlich ganz zufrieden, eine Rakete ist es natürlich nicht – aber vielleicht kaufe ich ja mal einen der 500er oder gar 700er Serie, falls der mich überzeugt.
Letztens wurde mir darauf das neuste „Win10 Fall Creators Update“ angeboten. Das dauerte dann auch nur etwa vier Stunden zum Installieren (ich vermute, das liegt an der mitgelieferten Test-Virenscanner-Version). Die einzige Neuerung, die ich durch meinen Interessen-Filter mitbekomme, ist der neue „Nachtmodus“. Dabei handelt es sich um ein Verhalten, wie ich es bisher immer mit der Zusatzsoftware f.lux gekriegt habe: ab dem Nachmittag werden die Blautöne aus der Monitor-Farbgebung herausgefiltert. Diese könnten vermutlich dafür verantwortlich sein, dass man nachts nicht mehr so gut schläft. Mehr Infos dazu auf der (englischen) f.lux Seite, die oben einen (natürlich sehr schlechten) google-Übersetzer anbietet.

Natürlich frage ich mich, nachdem ich schon Jahre-lang diese Funktion hatte (selbst auf den Linux Rechnern), wieso das so unglaublich lange gedauert hat, bis es im normalen Windows drin ist?
Genau zu diesem Thema habe ich im Büro vor zwei oder drei Jahren auch mal einen Verbesserungsvorschlag gemacht: dieses f.lux auf allen mobilen Rechnern zu verteilen. Der wurde zwar überaus positiv aufgenommen, erst recht vor den ganzen „digital natives“, die quasi ständig auf ihren mobilen Geräten arbeiten, aber bis jetzt (bzw. bis zu meinem letzten Arbeitstag) immer noch „intern geprüft“ wird. Jetzt ist er wohl hinfällig und es gibt endlich eine gute Ausrede, um ihn endgültig und offiziell abzulehnen.
Meistens erledigen sich die Dinge halt von ganz alleine, wenn man sie nur lange genug liegen lässt.
Was sich aber nicht alleine erledigt: das Aufladen.
Als ich den neuen Rechner eine Nacht mal am Strom hatte, war er am nächsten Morgen trotzdem nicht aufgeladen. Das hat mich erstmal gewundert, aber als ich es mal genauer untersucht habe, ist mir aufgefallen, dass der Kopfhörer-Stecker genauso groß wie der Lade-Stecker ist. Jetzt muss ich mir nur merken: Kopfhörer links, Strom rechts. Andersrum geht weder das eine noch das andere.

Lenovo ist aber nicht der einzige Hersteller, der so einen Quatsch macht; bei einem HP-Laptop ist einer Kollegin auch mal so etwas ähnliches passiert.

in Montréal

auf der Radtour bin ich an Montréal komplett vorbei gefahren. Jetzt komme ich für ein paar Tage hierher. Allerdings bin ich immer noch nicht ganz fit und das Wetter ist auch nicht gerade einladend. Im Hostel sind zur Abwechslung mal viele Franzosen, neben den ganzen Deutschen, die einfach überall sind; dazu noch ein recht alter Mann, der jedem Gast ungefragt irgendwelche sinnlosen Geschichten und Ansichten der Welt erzählt. Niemand scheint es zu interessieren, aber er redet und redet und redet einfach weiter.
Ich gehe trotzdem hier und da mal raus und wandere etwas planlos durch die Stadt. Dabei erkenne ich alle möglichen Orte wieder, die ich bei meinem ersten Besuch damals auch schon gesehen/besucht habe und auch diesmal schreckt mich das ganze französisch hier ab.
Nachdem ich in Quebéc City inzwischen auch neue Schuhe gekauft habe und hier – wie erwartet – ziemlich viele Obdachlose sehe, entscheide ich mich dazu, meine alten Laufschuhe hier an einem öffentlichen Platz frei zur Verfügung zu stellen (bzw. zu entsorgen). Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere Obdachlose (die zum Teil noch schlechtere Schuhe und manchmal sogar nicht mal zusammenpassende tragen) diese immer noch weiter verwenden könnte.

Von den vier paar Schuhen, die ich zwischenzeitlich hatte (Radschuhe, FlipFlops, diese alten Laufschuhe und die neuen Allround-Schuhe), bin ich jetzt wieder bei reisetauglicheren zwei paar Schuhen. Weiterlesen

Zug fahren

ich bin jetzt tausende von Kilometern an der kanadischen Bahnlinie entlang gefahren. Und wenn ich von „der“ Bahnlinie spreche, trifft es die Situation relativ gut. Es gibt hier kein weitverzweigtes Bahnnetz, wie bei uns, sondern hauptsächlich die Verbindung der beiden Küsten, mit ein paar kleineren Abstechern davon. Auch gibt es keinen allzu regelmäßigen Bahnverkehr – zumindest nicht hier in Halifax. Es gibt zwei Zugverbindungen, die von hier abfahren, und die nach Westen fährt dreimal pro Woche. Die angeschlagene Abfahrtstafel ist äußerst beschaulich, leider habe ich kein Bild davon.

Bis nach Quebéc City dauert es 18h, man fährt um 13:00 ab und kommt morgens gegen sieben dort an. Das Gepäck wird „eingecheckt“, sprich man gibt es ab und es wird dann in einem Gepäckwagen mitgenommen. Daher soll man auch nicht gerade 2min vor Abfahrt am Bahnhof sein, sondern am Besten schon eine Stunde vorher dort sein. Ganz anders als mein Verhalten bzgl. der deutschen Züge – wie oft bin ich erst in der Minute der Abfahrt am Zug angekommen und habe dann erst das Ticket online im Zug gekauft?
Aber was solls – bei 18h Fahrt macht das auch keinen großen Unterschied mehr.

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Halifax, schon wieder

und schon wieder bin ich in Halifax, diesmal aber wohl zum letzten Mal für längere Zeit. Lang will ich hier auch gar nicht bleiben, schnell das Rad verkaufen, ein Zugticket kaufen, bisschen durch die Stadt laufen und dabei vielleicht neue Schuhe (zuhause wurde mir mehrmals gesagt, dass ich damit ja nicht mehr rumlaufen könne) besorgen, eine neue Jeans (meine aktuelle ist an etwas unpassender Stelle eingerissen), vielleicht mal wieder zum Friseur. Lauter so Zeugs, was in den letzten 10.000km etwas liegen geblieben ist. Außerdem wollte ich auch meine ganzen Rad-Sachen (Helm, Schuhe, Ersatzkette, Schläuche, ….) an eine non-profit Radwerkstatt spenden. Das will ich ja echt nicht um die halbe Welt mitschleppen.
Vor dem ganzen stressigen Programm gibt’s aber erst mal ein kleines Frühstück; da ich nicht mehr Rad fahre, reicht das auch fast aus.

Also mache ich mich auf den Weg zu „Bike Again“, einer Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt hier in Halifax. Weiterlesen

(eigentlich) letzte Etappe

so interessant es hier beim Deanery Project auch ist, so langsam will ich dann doch weiter ziehen und meine Tour „ordentlich“ beenden. Also habe ich mal dem Wetterbericht geglaubt, der für heute 20°C angesagt hat, eine Windvorhersage wird hier nicht für längere Zeit herausgegeben. Zum wiederholten Male also alles zusammenpacken und mich „Rad-fertig“ machen. Es sind etwa 70km bis Halifax, ich spiele aber mit dem Gedanken, sobald wie möglich einen Bus zu nehmen und damit die letzten Kilometer bis in die Stadt zu fahren.

Alles ist gepackt und ich bin eigentlich bereit zum Losfahren – aber es gibt jetzt doch gleich noch ein Mittagessen, da bleibe ich doch gerne noch ein bisschen. Wir essen draußen in der Sonne, als ein bisschen Wind aufkommt. Mir wird angeboten, dass man mich gerne heute oder auch an einem der nächsten Tage in die Stadt fahren kann, es fährt irgendwie ständig jemand aus irgendeinem Grund in Richtung Halifax. Ich lehne das erst noch ab, schließlich ist „so ein bisschen Wind“ nicht so schlimm, ich hatte schon windigere Tage. Der Wind wird aber immer stärker und als es mir nochmals eine Mitfahrgelegenheit angeboten wurde, blies gerade eine starke Böe über den Platz und hat ein paar Plastik-Stühle umgeworfen. Das war eine Szene wie in einem Film – jetzt konnte ich wohl schlecht weiter ablehnen und habe also das Angebot doch noch angenommen. Auf der Autofahrt fallen einem diese ganzen fiesen Hügel gar nicht so auf, die einem als bepacktem Tourenradfahrer das Leben so schwer machen, und es sah so aus, als ob der doch recht starke Wind eher von der Seite kam.
Der „Nachteil“ an dieser Fahrt ist jetzt, dass ich keine „richtige“ Abschluss-Etappe hatte. Ich hatte kein Ziel, zu dem ich hinfahren konnte. Meine letzte Fahrt vor zwei Wochen war somit meine letzte Fahrrad-Etappe hier in Kanada, ohne dass ich es gewusst habe.

Bin ich nun zufrieden? Habe ich „etwas geschafft“? Weiß ich nicht so recht. Klar, ich bin fast 10.500km in – ja in welcher Zeit eigentlich? – geradelt. Das sind mehr Kilometer, als viele andere auf einer direkteren Route machen und das auch einer kürzere Zeit. Aber darum ging es überhaupt gar nicht.
Mein eigentliches, ungeplantes Ziel St. John’s, NL, habe ich aber nicht erreicht. Vielleicht muss ich ja doch nochmal wiederkommen, nur um diese letzten 1000km nochmal zu erradeln. Aber vermutlich hätte ich wohl ähnliche Gedanken, säße ich nun tatsächlich in St. John’s und würde auf vorbeiziehende Eisberge blicken.

Und wie geht’s jetzt weiter? Ja, die Frage stellt nicht nur ihr mir, sondern ich mir auch selber. Ich wollte jetzt noch ein paar Tage/Wochen lang die kanadischen Großstädte bereisen, die ich auf der Radtour übersprungen habe; Städte sind einfach nix für Reiseradler. Davor will ich noch mein Rad und alle Rad-Untensilien (z.B. Helm, Radschuhe, Reserveschläuche, etc.) loswerden.
Und dann? Ja – und dann ist noch ein großes Fragezeichen. Ich hatte ja mal die Idee, über das THW oder DRK als Aufbauhelfer auf diese karibische Inseln zu gehen, die durch die Orkane zerstört wurden. Das wird aber nix, dafür braucht man eine längere Ausbildung (siehe hier).
Diese Planung bis ich dann irgendwann in Neuseeland ankommen werde und wieder Radfahren kann, wird dann wohl in den nächsten Tagen durch meinen Kopf und diverse Flugsuchmaschinen gehen. Alles mit der zusätzlichen Schwierigkeitsstufe, die USA nicht zu betreten….

The Deanery Project

in den letzten Tagen bin ich kein Rad gefahren. Stattdessen habe ich hier beim Deanery Project zehn Tage lang gehämmert, gesägt, geschleppt, zerlegt.
Angefangen hat es mit diesem Boat House. Es ist im hinteren Teil ziemlich verrottet, weil es dort direkt auf der Erde stand und sich im Laufe der Jahre dahinter (also vom Berg her kommend) jede Menge Laub angesammelt hat und auch schon zu Erde verrottet ist.
Aufgrund der Gesetzgebung hier, kann das Häuschen nicht einfach abgerissen und mal eben schnell neu gebaut werden, dafür bräuchte man eine Genehmigung. Also wollte man es hier einfach so renovieren. Mit einem Wagenheber wurde es hier und da ein bisschen hochgehoben, die verrotteten Teile großflächig rausgenommen und durch Neue ersetzt. Diese passten zwar nicht immer perfekt, aber waren immerhin besser, als die Verrotteten. Nach vorne wurden weitere Stützen eingebaut, die auf größeren Steinen abgestützt wurden. Das sah für mich zwar alles etwas gewagt aus, aber Chris, der Hauptakteur auf dieser Baustelle, meinte, dass das alles gut gehen wird. Vermutlich hat er recht, schließlich bin ich weder Statiker noch Schreiner oder gar Handwerker. Stutzig machte mich auch der ausschließliche Gebrauch von Nägeln. Ich bin absolut kein Freund von Nägeln – die halten irgendwie nie etwas, erst recht nicht, wenn man es dringend braucht. Schrauben sind doch viel besser….

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