Archiv der Kategorie: Gedanken

ein paar Gedanken zum digitalen Datenschutz

in den letzten Tagen war ja offenbar mal wieder kurz das Thema „Datenschutz“ in den Medien; vor allem im Zusammenhang mit facebook. Es soll dort einen Datenklau der Firma Cambridge Analytics gegeben haben. Mal ganz abgesehen vom komplett falschen Begriff hat es überhaupt keinen Diebstahl gegeben. Soweit das bisher bekannt ist, wurden alle Daten im Sinne der facebook-AGBs verwendet. Ein interessantes Interview dazu kann man hier lesen.
Im Kinofilm-Kontext spricht man hierbei von Piraterie, auch wenn für Piraterie der Begriff Diebstahl (oder besser Raub) auch ganz gut passt. Für solche recht neuen Vorfälle im Digitalen haben wir in unserer Sprache einfach noch keine perfekten Beschreibungen, wobei „Missbrauch“ wohl schon in die richtige Richtung geht.
Und wenn man sich nun im Internet so ein bisschen umschaut, sieht man überwiegend Kommentare in der Art „selber schuld, man muss sich bei facebook ja nicht anmelden!“. Das ist leider grottenfalsch! Es stimmt zwar, dass man sich bei facebook (oder jedem anderen Dienst) nicht anmelden muss, aber zu glauben, dass dadurch keine Daten über die eigene Person gesammelt werden, ist nicht nur äußerst naiv sondern eben auch falsch. Das liegt vermutlich einfach an der ziemlich schlechten (Aus-) Bildung der „normalen Bevölkerung“, was Internet- und Computer-Themen angeht oder einer Wunschvorstellung.
Zum aktuellen Stand sammelt so quasi jede Internet-Seite jede Menge Informationen über die Besucher. Ich habe darüber schon mal kurz letztes Jahr geschrieben, als (mir) bekannt wurde, dass selbst auf so einer angeblich „seriösen Seite“ wie der der Süddeutschen Zeitung mehr als 40 der sogenannten „Tracker“ aufgerufen werden. Jeder einzelne dieser Aufrufe ist dazu da, Daten zu sammeln. Es gibt verschiedene Seiten im Internet, die zeigen, welche Infos so alle selbst ohne irgendwelche IT-Tricks (oder gar Programmierungen) gesammelt werden können (z.B. dieser „Browser Mirror„). Neben der IP (mit der man übrigens schon ziemlich genau den Standort bestimmen kann, auch ganz ohne GPS-Ortung!) noch so andere Infos wie den verwendeten Browser, dessen Version, das Betriebssystem, dessen Version, wie groß der Bildschirm ist (zumindest die aktuelle Auflösung), die Größe des Browser-Fensters, die aktuelle Zeitzone und „woher“ ich gerade gebrowsed bin. All diese Infos sind frei verfügbar und wenn diese nun auf allen (oder zumindest vielen) Seiten gesammelt werden, die ich so besuche, werde ich auf einmal ganz schön gläsern.
Wenn jetzt nun noch diese „Social Media Like Buttons“ (oder Share/Teilen-Knöpfe) dazu kommen, gehen diese Daten auch noch an diese Social Media Firmen.
Dann gibt es noch jede Menge andere Dienste, die „frei“ im Internet zur Verfügung gestellt werden, ein Beispiel davon sind diese google-Schriftarten. Feiner Zug von google, einfach ein paar tolle Schriftarten „kostenlos“ zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug wissen sie aber natürlich auch, wo und wie diese verwendet werden. Zusätzlich bieten sie noch tolle Statistik-Tools an, die für manche Webseiten-Betreiber interessant sind, aber an google natürlich noch sehr viel mehr wertvolle Daten liefern.
Und mit all diesen Methoden (dabei sind das nur die offensichtlichen) werden Daten über jede/n einzelne/n Internet-NutzerIn gesammelt, noch bevor man sich einmal irgendwo eingeloggt hat oder etwas in eine Suchmaschine getippt hat. Mit den Nutzen des Internets geht es dann weiter. Ihr kennt bestimmt diese Captchas, diese Bilderrätsel im Stile von „Auf welchen Kacheln sind Verkehrsschilder zu sehen?“. Das ist – vermutlich – auch ein google-Dienst und wie jeder Umsonst-Dienst, oder besser gesagt: Kosten-freie Dienst, muss das natürlich anders bezahlt werden: mit unseren Daten. Neben den üblichen Daten, die dabei gesammelt werden, trainieren wir damit ganz nebenbei auch die Maschinen/Algorithmen von google beim Thema Bilderkennung.

Falls ich jetzt nur einen einzigen Browser nutze, können z.B. die angesprochenen Social Media-Elemente auf jeglicher Webseite sehr genau mit meinem zugehörigen Social Media Profil in Zusammenhang gebracht werden.
Ich probiere aus, diverse Browser für diverse Zwecke zu nutzen. Dadurch sind die grundlegenden Daten wie Betriebssystem oder Bildschirm immer noch gleich, aber es kommt zumindest eine gewisse Unschärfe dazu und die Wahrscheinlichkeit ist eben keine 100% mehr, sondern deutlich geringer.
Sobald ich wieder aus dem Urlaub zurück bin, werde ich jedoch mit entsprechenden Plugins solche Tracker noch rigoroser blocken lassen, als ich es jetzt schon mache (z.B. durch Adblocker).
Außerdem leere ich regelmäßig meine Cookies und den Browser-Verlauf. Dadurch geht zwar etwas Komfort verloren, aber ich finde, für etwas mehr Datenschutz, bzw. niedrigere Wahrscheinlichkeitswerte für die Berechnungen von google, facebook, twitter, etc. ist es mir das wert.

Dazu kommen noch alle weiteren Daten, die ich irgendwann mal preisgebe, z.B. dadurch, dass ich mich irgendwo angemeldet habe, bei einem Gewinnspiel mitgemacht habe, mal eine Internet-Suche durchgeführt habe, etc. Alleine google weiß anhand der eingegebenen Daten ziemlich genau, wo eine Grippewelle anrollt (Beispiel) und einiges mehr. Wer jetzt sagt: „Na und – mir doch egal!“ den will ich sehen, wenn die Apotheken anhand solcher gekauften Informationen passend die Preise von Grippemitteln „anpassen“ (i.e. drastisch erhöhen). Dass diverse Internet-Händler verschiedene Preise für das gleiche Produkt anbieten, je nachdem mit welchem Gerät man die Seite aufruft (kleine Daumenregel: bei Apple wirds teurer, weil die Leute Geld haben) ist ja schon länger bekannt.
Und dieses „Feature“ bei google hat mich letztens auch etwas überrascht: google weiß ziemlich genau, wie viele Leute an welchen Tagen zu welchen Zeiten in Geschäften sind.

Es ist natürlich technisch eine Kleinigkeit, denn das eigene Smartphone weiß immer, wo es sich gerade befindet (ich wiederhole mich: auch ohne aktiviertem GPS!) und mit android als quasi-Standard bei Smartphone-Betriebssystemen können sie recht gut solche Voraussagen treffen. Wenn ich einen google-Account habe und mich damit auf meinem Smartphone angemeldet habe, sind diese Daten auch nicht mehr anonym, sondern es gibt eine fast 100% Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um „mich“ handelt.

Dabei sind die schlauen Leute bei den IT-Firmen natürlich immer einen Schritt voraus. Sie denken sich jede Menge Sachen aus, wie man die Benutzer durchleuchten kann und die somit gewonnenen Daten mit möglichst viel Gewinn verwerten kann. Ein Beispiel davon waren z.B. mal diese Flash-Cookies, die doch recht lange unbemerkt Daten sammeln konnten, bis es Gegenmittel dagegen gab (die jetzt vermutlich immer noch von den allermeisten Menschen nicht eingesetzt werden).

Und diese kurze Abhandlung an der Oberfläche behandelte jetzt hauptsächlich die Desktop-Welt. Und mir ist bewusst, dass ich damit bestimmt einige Leser abgehängt habe.
Im mobilen Bereich sieht das nochmal anders aus. So ein Smartphone ist nichts anderes als eine große Wanze, die ich freiwillig mit mir trage. Über 80% davon haben ein android-Betriebssystem, das auch wieder von google bereit gestellt wird. Was darin genau passiert, weiß vermutlich niemand so genau. Letztendlich sind es ca. 1,5 Milliarden (!) Geräte mit diversen Sensoren, Kameras und Mikrofonen (wer weiß schon, wann die etwas aufnehmen). Durch die aufgespielten Programme (Apps) kann vermutlich niemand mehr gewährleisten, was da wirklich passiert. Wem ist es nicht schon mal passiert, dass er/sie über ein Thema gesprochen hat und dann „zufällig“ eine Werbung zu just diesem Thema irgendwo aufgetaucht ist? Ja, das geht jetzt in Richtung Spekulation und könnte tatsächlich wirklich Zufall sein; wenn ich über ein Thema spreche, habe ich ja vermutlich schon ein gewisses Interesse daran und schon mal Daten in eine Suchmaschine dazu eingegeben.

Beim Thema „mobil“ wird es noch viel komplizierter. Mein Ansatz dabei ist: ein google-freies Betriebssystem nutzen (Alternative: ohne Apple/Microsoft/etc. falls es das gibt) und soweit wie möglich auf Open Source Apps setzen, dazu gibt es einen eigenen App-Store. Diese könnten von „mir“ überprüft werden, was sie tun (wenn ich es verstände und die Zeit dazu hätte) oder ich vertraue einfach darauf, dass „die Internet-Community“ hier als Korrektiv agiert. Dass (große) Firmen mit ihren geschlossenen, proprietären Produkten etwas gutes für mich wollen, ist nach all den bisherigen Erfahrungen doch ziemlich ausgeschlossen.

P.S. ja, das hat alles ziemlich wenig mit meinem aktuellen Urlaub zu tun, aber ich dachte mir, dass ich mich dazu einfach mal äußern muss. Mein Plan ist es auch, einen kleinen Workshop über das Thema „Internet-Sicherheit und Datenschutz“ in Stuttgart anzubieten, wenn ich wieder zuhause bin; ein großes Thema dabei werden auch „Passwörter“ sein.

P.P.S. wer noch tiefer in diese Materie einsteigen will und auch ein paar Links haben will, die zeigen, welche Daten facebook, Windows, google, etc über „mich“ gespeichert hat (inkl. der Unterfirmen, wie z.B. youtube), der sollte sich mal diesen Twitter-Thread anschauen.

in Toronto

langsam geht das Kanada-Kapitel zu Ende, meine letzte Station ist Toronto. Die Stadt, von der ich bisher immer so geschwärmt habe. Allerdings hat mein erster Besuch im Juni mich schon wieder ein bisschen auf den Boden geholt. Und auch jetzt hat es mich nicht mehr gepackt. Irgendwie bin ich jetzt wohl im „Alltags-Modus“ und alles ist „normal“. Dazu kommt, dass ich in Toronto bisher immer zu speziellen Veranstaltungen war und die Stadt dabei einfach super funktioniert hat: die ganze Innenstadt ist super einfach mit den U-Bahnen und Streetcars zu erreichen und die Musik, bzw. das Rollerderby (inkl. der Partys) taten ihr übriges; jetzt wäre zwar gerade sogar die Indie Music Week, aber so richtig Lust darauf habe ich nicht.

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neuer Laptop

als ich kurz zuhause war, habe ich ja doch noch schnell einen kleinen Laptop gekauft, den man auch ohne Tastatur als Tablet verwenden kann; einen Lenovo Miix 320 mit Win10 Professional.
Nachdem mein Fairphone nicht mehr verwendbar ist und ich mit dem billigen Ersatztelefon (LG K4) nicht so recht klar komme, habe ich mir dazu entschlossen, technisch etwas aufzurüsten. An die Tastatur muss ich mich noch ein bisschen gewöhnen, sonst bin ich damit eigentlich ganz zufrieden, eine Rakete ist es natürlich nicht – aber vielleicht kaufe ich ja mal einen der 500er oder gar 700er Serie, falls der mich überzeugt.
Letztens wurde mir darauf das neuste „Win10 Fall Creators Update“ angeboten. Das dauerte dann auch nur etwa vier Stunden zum Installieren (ich vermute, das liegt an der mitgelieferten Test-Virenscanner-Version). Die einzige Neuerung, die ich durch meinen Interessen-Filter mitbekomme, ist der neue „Nachtmodus“. Dabei handelt es sich um ein Verhalten, wie ich es bisher immer mit der Zusatzsoftware f.lux gekriegt habe: ab dem Nachmittag werden die Blautöne aus der Monitor-Farbgebung herausgefiltert. Diese könnten vermutlich dafür verantwortlich sein, dass man nachts nicht mehr so gut schläft. Mehr Infos dazu auf der (englischen) f.lux Seite, die oben einen (natürlich sehr schlechten) google-Übersetzer anbietet.

Natürlich frage ich mich, nachdem ich schon Jahre-lang diese Funktion hatte (selbst auf den Linux Rechnern), wieso das so unglaublich lange gedauert hat, bis es im normalen Windows drin ist?
Genau zu diesem Thema habe ich im Büro vor zwei oder drei Jahren auch mal einen Verbesserungsvorschlag gemacht: dieses f.lux auf allen mobilen Rechnern zu verteilen. Der wurde zwar überaus positiv aufgenommen, erst recht vor den ganzen „digital natives“, die quasi ständig auf ihren mobilen Geräten arbeiten, aber bis jetzt (bzw. bis zu meinem letzten Arbeitstag) immer noch „intern geprüft“ wird. Jetzt ist er wohl hinfällig und es gibt endlich eine gute Ausrede, um ihn endgültig und offiziell abzulehnen.
Meistens erledigen sich die Dinge halt von ganz alleine, wenn man sie nur lange genug liegen lässt.
Was sich aber nicht alleine erledigt: das Aufladen.
Als ich den neuen Rechner eine Nacht mal am Strom hatte, war er am nächsten Morgen trotzdem nicht aufgeladen. Das hat mich erstmal gewundert, aber als ich es mal genauer untersucht habe, ist mir aufgefallen, dass der Kopfhörer-Stecker genauso groß wie der Lade-Stecker ist. Jetzt muss ich mir nur merken: Kopfhörer links, Strom rechts. Andersrum geht weder das eine noch das andere.

Lenovo ist aber nicht der einzige Hersteller, der so einen Quatsch macht; bei einem HP-Laptop ist einer Kollegin auch mal so etwas ähnliches passiert.

in Montréal

auf der Radtour bin ich an Montréal komplett vorbei gefahren. Jetzt komme ich für ein paar Tage hierher. Allerdings bin ich immer noch nicht ganz fit und das Wetter ist auch nicht gerade einladend. Im Hostel sind zur Abwechslung mal viele Franzosen, neben den ganzen Deutschen, die einfach überall sind; dazu noch ein recht alter Mann, der jedem Gast ungefragt irgendwelche sinnlosen Geschichten und Ansichten der Welt erzählt. Niemand scheint es zu interessieren, aber er redet und redet und redet einfach weiter.
Ich gehe trotzdem hier und da mal raus und wandere etwas planlos durch die Stadt. Dabei erkenne ich alle möglichen Orte wieder, die ich bei meinem ersten Besuch damals auch schon gesehen/besucht habe und auch diesmal schreckt mich das ganze französisch hier ab.
Nachdem ich in Quebéc City inzwischen auch neue Schuhe gekauft habe und hier – wie erwartet – ziemlich viele Obdachlose sehe, entscheide ich mich dazu, meine alten Laufschuhe hier an einem öffentlichen Platz frei zur Verfügung zu stellen (bzw. zu entsorgen). Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere Obdachlose (die zum Teil noch schlechtere Schuhe und manchmal sogar nicht mal zusammenpassende tragen) diese immer noch weiter verwenden könnte.

Von den vier paar Schuhen, die ich zwischenzeitlich hatte (Radschuhe, FlipFlops, diese alten Laufschuhe und die neuen Allround-Schuhe), bin ich jetzt wieder bei reisetauglicheren zwei paar Schuhen. Weiterlesen

Zug fahren

ich bin jetzt tausende von Kilometern an der kanadischen Bahnlinie entlang gefahren. Und wenn ich von „der“ Bahnlinie spreche, trifft es die Situation relativ gut. Es gibt hier kein weitverzweigtes Bahnnetz, wie bei uns, sondern hauptsächlich die Verbindung der beiden Küsten, mit ein paar kleineren Abstechern davon. Auch gibt es keinen allzu regelmäßigen Bahnverkehr – zumindest nicht hier in Halifax. Es gibt zwei Zugverbindungen, die von hier abfahren, und die nach Westen fährt dreimal pro Woche. Die angeschlagene Abfahrtstafel ist äußerst beschaulich, leider habe ich kein Bild davon.

Bis nach Quebéc City dauert es 18h, man fährt um 13:00 ab und kommt morgens gegen sieben dort an. Das Gepäck wird „eingecheckt“, sprich man gibt es ab und es wird dann in einem Gepäckwagen mitgenommen. Daher soll man auch nicht gerade 2min vor Abfahrt am Bahnhof sein, sondern am Besten schon eine Stunde vorher dort sein. Ganz anders als mein Verhalten bzgl. der deutschen Züge – wie oft bin ich erst in der Minute der Abfahrt am Zug angekommen und habe dann erst das Ticket online im Zug gekauft?
Aber was solls – bei 18h Fahrt macht das auch keinen großen Unterschied mehr.

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Halifax, schon wieder

und schon wieder bin ich in Halifax, diesmal aber wohl zum letzten Mal für längere Zeit. Lang will ich hier auch gar nicht bleiben, schnell das Rad verkaufen, ein Zugticket kaufen, bisschen durch die Stadt laufen und dabei vielleicht neue Schuhe (zuhause wurde mir mehrmals gesagt, dass ich damit ja nicht mehr rumlaufen könne) besorgen, eine neue Jeans (meine aktuelle ist an etwas unpassender Stelle eingerissen), vielleicht mal wieder zum Friseur. Lauter so Zeugs, was in den letzten 10.000km etwas liegen geblieben ist. Außerdem wollte ich auch meine ganzen Rad-Sachen (Helm, Schuhe, Ersatzkette, Schläuche, ….) an eine non-profit Radwerkstatt spenden. Das will ich ja echt nicht um die halbe Welt mitschleppen.
Vor dem ganzen stressigen Programm gibt’s aber erst mal ein kleines Frühstück; da ich nicht mehr Rad fahre, reicht das auch fast aus.

Also mache ich mich auf den Weg zu „Bike Again“, einer Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt hier in Halifax. Weiterlesen

(eigentlich) letzte Etappe

so interessant es hier beim Deanery Project auch ist, so langsam will ich dann doch weiter ziehen und meine Tour „ordentlich“ beenden. Also habe ich mal dem Wetterbericht geglaubt, der für heute 20°C angesagt hat, eine Windvorhersage wird hier nicht für längere Zeit herausgegeben. Zum wiederholten Male also alles zusammenpacken und mich „Rad-fertig“ machen. Es sind etwa 70km bis Halifax, ich spiele aber mit dem Gedanken, sobald wie möglich einen Bus zu nehmen und damit die letzten Kilometer bis in die Stadt zu fahren.

Alles ist gepackt und ich bin eigentlich bereit zum Losfahren – aber es gibt jetzt doch gleich noch ein Mittagessen, da bleibe ich doch gerne noch ein bisschen. Wir essen draußen in der Sonne, als ein bisschen Wind aufkommt. Mir wird angeboten, dass man mich gerne heute oder auch an einem der nächsten Tage in die Stadt fahren kann, es fährt irgendwie ständig jemand aus irgendeinem Grund in Richtung Halifax. Ich lehne das erst noch ab, schließlich ist „so ein bisschen Wind“ nicht so schlimm, ich hatte schon windigere Tage. Der Wind wird aber immer stärker und als es mir nochmals eine Mitfahrgelegenheit angeboten wurde, blies gerade eine starke Böe über den Platz und hat ein paar Plastik-Stühle umgeworfen. Das war eine Szene wie in einem Film – jetzt konnte ich wohl schlecht weiter ablehnen und habe also das Angebot doch noch angenommen. Auf der Autofahrt fallen einem diese ganzen fiesen Hügel gar nicht so auf, die einem als bepacktem Tourenradfahrer das Leben so schwer machen, und es sah so aus, als ob der doch recht starke Wind eher von der Seite kam.
Der „Nachteil“ an dieser Fahrt ist jetzt, dass ich keine „richtige“ Abschluss-Etappe hatte. Ich hatte kein Ziel, zu dem ich hinfahren konnte. Meine letzte Fahrt vor zwei Wochen war somit meine letzte Fahrrad-Etappe hier in Kanada, ohne dass ich es gewusst habe.

Bin ich nun zufrieden? Habe ich „etwas geschafft“? Weiß ich nicht so recht. Klar, ich bin fast 10.500km in – ja in welcher Zeit eigentlich? – geradelt. Das sind mehr Kilometer, als viele andere auf einer direkteren Route machen und das auch einer kürzere Zeit. Aber darum ging es überhaupt gar nicht.
Mein eigentliches, ungeplantes Ziel St. John’s, NL, habe ich aber nicht erreicht. Vielleicht muss ich ja doch nochmal wiederkommen, nur um diese letzten 1000km nochmal zu erradeln. Aber vermutlich hätte ich wohl ähnliche Gedanken, säße ich nun tatsächlich in St. John’s und würde auf vorbeiziehende Eisberge blicken.

Und wie geht’s jetzt weiter? Ja, die Frage stellt nicht nur ihr mir, sondern ich mir auch selber. Ich wollte jetzt noch ein paar Tage/Wochen lang die kanadischen Großstädte bereisen, die ich auf der Radtour übersprungen habe; Städte sind einfach nix für Reiseradler. Davor will ich noch mein Rad und alle Rad-Untensilien (z.B. Helm, Radschuhe, Reserveschläuche, etc.) loswerden.
Und dann? Ja – und dann ist noch ein großes Fragezeichen. Ich hatte ja mal die Idee, über das THW oder DRK als Aufbauhelfer auf diese karibische Inseln zu gehen, die durch die Orkane zerstört wurden. Das wird aber nix, dafür braucht man eine längere Ausbildung (siehe hier).
Diese Planung bis ich dann irgendwann in Neuseeland ankommen werde und wieder Radfahren kann, wird dann wohl in den nächsten Tagen durch meinen Kopf und diverse Flugsuchmaschinen gehen. Alles mit der zusätzlichen Schwierigkeitsstufe, die USA nicht zu betreten….

The Deanery Project

in den letzten Tagen bin ich kein Rad gefahren. Stattdessen habe ich hier beim Deanery Project zehn Tage lang gehämmert, gesägt, geschleppt, zerlegt.
Angefangen hat es mit diesem Boat House. Es ist im hinteren Teil ziemlich verrottet, weil es dort direkt auf der Erde stand und sich im Laufe der Jahre dahinter (also vom Berg her kommend) jede Menge Laub angesammelt hat und auch schon zu Erde verrottet ist.
Aufgrund der Gesetzgebung hier, kann das Häuschen nicht einfach abgerissen und mal eben schnell neu gebaut werden, dafür bräuchte man eine Genehmigung. Also wollte man es hier einfach so renovieren. Mit einem Wagenheber wurde es hier und da ein bisschen hochgehoben, die verrotteten Teile großflächig rausgenommen und durch Neue ersetzt. Diese passten zwar nicht immer perfekt, aber waren immerhin besser, als die Verrotteten. Nach vorne wurden weitere Stützen eingebaut, die auf größeren Steinen abgestützt wurden. Das sah für mich zwar alles etwas gewagt aus, aber Chris, der Hauptakteur auf dieser Baustelle, meinte, dass das alles gut gehen wird. Vermutlich hat er recht, schließlich bin ich weder Statiker noch Schreiner oder gar Handwerker. Stutzig machte mich auch der ausschließliche Gebrauch von Nägeln. Ich bin absolut kein Freund von Nägeln – die halten irgendwie nie etwas, erst recht nicht, wenn man es dringend braucht. Schrauben sind doch viel besser….

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Demo: Forest Funeral

hier beim Deanery Project, wo ich seit ein paar Tagen wohne, kümmert man sich natürlich auch sehr um die Umwelt. Eine Sache, die hier bei vielen Leuten sehr viel wichtiger als bei uns in Deutschland genommen wird, sind die Wälder. Dabei geht es nicht um solche „Plantagen“ mit hohem Nutz-Charakter, wie es bei uns oft der Fall ist, sondern um jahrhundertelang gewachsene, wilde Wälder. Ich bin auf meiner Tour an vielen davon vorbei gefahren und habe auf einigen Zeltplätzen in deren Nähe übernachtet.

Hier gibt es scheinbar Bestrebungen von größeren Konzernen, diese Wälder mit solchen riesigen Maschinen systematisch und komplett abzuholzen und oftmals einfach zu Pellets oder sonstigem Brennmaterial für die Industrie zu verwerten. Das ganze wird als „Clear Cutting“ bezeichnet und soll laut der Abholzer ohne langfristigen Schaden alle 10-15 Jahre gemacht werden können. Dass ein komplett gerodetes Waldstück nach 10-15 Jahren niemals eine ähnliche Qualität wie ein jahrhundertelang gewachsener Wald haben kann, sollte jeder/m klar sein, der auch nur ein bisschen denken kann. Von der Politik wird es aber dennoch so akzeptiert. Wieso verhält sich „die Politik“ nur auf der ganzen Welt so komplett gegen die Wünsche und Anforderungen der Bevölkerung, die sie mal gewählt hat?

Hier in Nova Scotia hat daher ein Bündnis zu einer Demonstration gegen dieses „Clear Cutting“ aufgerufen und aufmerksamkeitswirksam einen Trauermarsch für einen kürzlich gerodeten Wald in der Nähe organisiert. Trotz der recht unpassenden Uhrzeit um 13:00 an einem Donnerstag waren zu Beginn der Demo über 500 Leute anwesend und im Laufe des Zuges haben sich noch ein paar Hundert dazugesellt.

Geendet hat der Zug vor dem lokalen Regierungsgebäude, wo – nicht nur für meinen Geschmack – viel zu viele Redebeiträge eingeplant waren. Das ganze Prozedere dort hat nochmal fast zwei weitere Stunden gedauert. Ich habe davon mitgenommen, dass es bereits in den 60er Jahren genau solche Demos gab und hier – ähnlich wie beim Stuttgarter „Prestigeprojekt“ – von Seiten der Industrie und Politik ebenso mit Lug und Trug gearbeitet wird und alle diese Lügen von der „Gegenseite“ als genau das auch immer wieder aufgedeckt werden.
Von den Politikern, die direkt hinter dieser Mauer saßen (oder sitzen sollten), hat sich natürlich niemand blicken lassen.

Beim Einkaufen am nächsten Tag habe ich dann gesehen, dass diese Demo sogar auf der Titelseite der lokalen Zeitung war.

P.S. ein gutes (bzw. schlechtes, in dem Fall) Beispiel ist Island, das sehr gut zeigt, was passiert, wenn man zu viele Bäume fällt und sich nicht darum kümmert, einen vernünftigen Waldbestand zu erhalten. Dazu ein Artikel in der NYTimes.

zurück aufs Festland

von einer Insel kommt man ja eher schlecht wieder weg. Wenn es keine Brücken gibt, bleibt nur ein Flugzeug oder ein Schiff. Ich wähle die Fähre, wie bei der Hinfahrt auch schon. Von außen sieht das so aus (und ich wundere mich noch über diese große Bugwelle bei diesem Schiff).

Und innen dann in etwa so. Bei der Fahrt auf die Insel waren noch ein paar andere Fahrräder dabei, auf dieser Tour bin ich der einzige Radler. Aber diese Strecke wird auch stündlich bedient und ich fahre vermutlich zu einer ungewohnten Radler-Zeit. Der Hafen ist etwa 30km vom Stadtzentrum Victorias entfernt, man braucht also etwas Zeit, um dort hinzuradeln.

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Geburtstag

Tja, da kann man nix machen, einmal im Jahr hat man schließlich Geburtstag – bedeutet mir aber nix, nicht mal, dass es diesmal ein „runder“ ist. Es ist auch nur eine Zahl wie die Schuhgröße, Temperatur oder mein Gewicht. Ist halt so, gibt’s nix zu feiern.

Also gehe ich wieder zum Ort der großen Canada150-Feierlichkeiten und nehme am Pancake-Frühstück teil (auch wenn ich von dem ganzen süßen Zeugs langsam genug habe). An diesem Platz liegen jetzt drei riesige Kreuzfahrtschiffe, die mit ziemlich großem Aufwand gewartet werden. Gestern beim Konzert und Feuerwerk dachte ich mir schon ab und zu, dass da jetzt aber fiese Abgas-Schwaden über die Stadt gezogen sind. Bei dem Schiffsverkehr direkt vor der Stadt und diesen Kreuzfahrtschiffen wundert mich das nicht mehr. Vancouver hat wohl einen der größten und tiefsten natürlichen Häfen weltweit. Dass aber die sehr dreckigen Abgase der Schiffe direkt über die Stadt geblasen werden, ist bestimmt nicht im Sinne der allermeisten Einwohner. Dazu noch ein internationaler Flughafen in der Nähe, Touristen-Helikopter-Flüge und jede Menge Wasserflugzeuge, die sich die Wasserstraße vor der Stadt mit den Containerschiffen teilen.

Zurück zum Urlaub.
Auf diesem Canada Place sind alle Provinzen und die wichtigsten Städte davon in Stein gemeißelt. Mein aktuelle Ziel habe ich mal fotografiert:
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