Archiv der Kategorie: Gedanken

Demo: Forest Funeral

hier beim Deanery Project, wo ich seit ein paar Tagen wohne, kümmert man sich natürlich auch sehr um die Umwelt. Eine Sache, die hier bei vielen Leuten sehr viel wichtiger als bei uns in Deutschland genommen wird, sind die Wälder. Dabei geht es nicht um solche „Plantagen“ mit hohem Nutz-Charakter, wie es bei uns oft der Fall ist, sondern um jahrhundertelang gewachsene, wilde Wälder. Ich bin auf meiner Tour an vielen davon vorbei gefahren und habe auf einigen Zeltplätzen in deren Nähe übernachtet.

Hier gibt es scheinbar Bestrebungen von größeren Konzernen, diese Wälder mit solchen riesigen Maschinen systematisch und komplett abzuholzen und oftmals einfach zu Pellets oder sonstigem Brennmaterial für die Industrie zu verwerten. Das ganze wird als „Clear Cutting“ bezeichnet und soll laut der Abholzer ohne langfristigen Schaden alle 10-15 Jahre gemacht werden können. Dass ein komplett gerodetes Waldstück nach 10-15 Jahren niemals eine ähnliche Qualität wie ein jahrhundertelang gewachsener Wald haben kann, sollte jeder/m klar sein, der auch nur ein bisschen denken kann. Von der Politik wird es aber dennoch so akzeptiert. Wieso verhält sich „die Politik“ nur auf der ganzen Welt so komplett gegen die Wünsche und Anforderungen der Bevölkerung, die sie mal gewählt hat?

Hier in Nova Scotia hat daher ein Bündnis zu einer Demonstration gegen dieses „Clear Cutting“ aufgerufen und aufmerksamkeitswirksam einen Trauermarsch für einen kürzlich gerodeten Wald in der Nähe organisiert. Trotz der recht unpassenden Uhrzeit um 13:00 an einem Donnerstag waren zu Beginn der Demo über 500 Leute anwesend und im Laufe des Zuges haben sich noch ein paar Hundert dazugesellt.

Geendet hat der Zug vor dem lokalen Regierungsgebäude, wo – nicht nur für meinen Geschmack – viel zu viele Redebeiträge eingeplant waren. Das ganze Prozedere dort hat nochmal fast zwei weitere Stunden gedauert. Ich habe davon mitgenommen, dass es bereits in den 60er Jahren genau solche Demos gab und hier – ähnlich wie beim Stuttgarter „Prestigeprojekt“ – von Seiten der Industrie und Politik ebenso mit Lug und Trug gearbeitet wird und alle diese Lügen von der „Gegenseite“ als genau das auch immer wieder aufgedeckt werden.
Von den Politikern, die direkt hinter dieser Mauer saßen (oder sitzen sollten), hat sich natürlich niemand blicken lassen.

Beim Einkaufen am nächsten Tag habe ich dann gesehen, dass diese Demo sogar auf der Titelseite der lokalen Zeitung war.

P.S. ein gutes (bzw. schlechtes, in dem Fall) Beispiel ist Island, das sehr gut zeigt, was passiert, wenn man zu viele Bäume fällt und sich nicht darum kümmert, einen vernünftigen Waldbestand zu erhalten. Dazu ein Artikel in der NYTimes.

zurück aufs Festland

von einer Insel kommt man ja eher schlecht wieder weg. Wenn es keine Brücken gibt, bleibt nur ein Flugzeug oder ein Schiff. Ich wähle die Fähre, wie bei der Hinfahrt auch schon. Von außen sieht das so aus (und ich wundere mich noch über diese große Bugwelle bei diesem Schiff).

Und innen dann in etwa so. Bei der Fahrt auf die Insel waren noch ein paar andere Fahrräder dabei, auf dieser Tour bin ich der einzige Radler. Aber diese Strecke wird auch stündlich bedient und ich fahre vermutlich zu einer ungewohnten Radler-Zeit. Der Hafen ist etwa 30km vom Stadtzentrum Victorias entfernt, man braucht also etwas Zeit, um dort hinzuradeln.

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Geburtstag

Tja, da kann man nix machen, einmal im Jahr hat man schließlich Geburtstag – bedeutet mir aber nix, nicht mal, dass es diesmal ein „runder“ ist. Es ist auch nur eine Zahl wie die Schuhgröße, Temperatur oder mein Gewicht. Ist halt so, gibt’s nix zu feiern.

Also gehe ich wieder zum Ort der großen Canada150-Feierlichkeiten und nehme am Pancake-Frühstück teil (auch wenn ich von dem ganzen süßen Zeugs langsam genug habe). An diesem Platz liegen jetzt drei riesige Kreuzfahrtschiffe, die mit ziemlich großem Aufwand gewartet werden. Gestern beim Konzert und Feuerwerk dachte ich mir schon ab und zu, dass da jetzt aber fiese Abgas-Schwaden über die Stadt gezogen sind. Bei dem Schiffsverkehr direkt vor der Stadt und diesen Kreuzfahrtschiffen wundert mich das nicht mehr. Vancouver hat wohl einen der größten und tiefsten natürlichen Häfen weltweit. Dass aber die sehr dreckigen Abgase der Schiffe direkt über die Stadt geblasen werden, ist bestimmt nicht im Sinne der allermeisten Einwohner. Dazu noch ein internationaler Flughafen in der Nähe, Touristen-Helikopter-Flüge und jede Menge Wasserflugzeuge, die sich die Wasserstraße vor der Stadt mit den Containerschiffen teilen.

Zurück zum Urlaub.
Auf diesem Canada Place sind alle Provinzen und die wichtigsten Städte davon in Stein gemeißelt. Mein aktuelle Ziel habe ich mal fotografiert:
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Transfertag

yeah – heute mal ohne Wecker aufstehen. Endlich Urlaub! Wieder alles zusammenpacken, frühstücken und dann zur Metro-Station. Dort zahle ich die 3,25$ mit 26 Münzen, dabei auch einige US-Cent, die ich noch von zuhause mitgebracht habe. Das Geld wird einfach in eine kleine, durchsichtige Box geschmissen und der TTC-Mitarbeiter (so heißt der Verkehrsverbund hier) hat mir das einfach mal geglaubt. Knapp eine Stunde später bin ich dann am Flughafen,  checke ein und gebe meine 7kg Gepäck auf. Beim Warten aufs Boarding kommt die Ansage, dass der Flieger heute sehr voll sein wird – und das, obwohl alleine Air Canada täglich etwa zehnmal von Toronto nach Vancouver fliegt. Wer also sein Handgepäck nachträglich einchecken will, wäre sehr willkommen. Ich packe meine Jacke, Kopfhörer und Reisepass aus und biete meine zweite Radtasche ebenfalls zum Einchecken an. Ich werde aber bisschen ausgelacht: „this little guy fits everywhere“. Nagut, dann halt nicht. Inzwischen regnet es draußen.

Kurz nach dem Start sind die Wolken weg und ich kriege einen guten Einblick davon, was mich die nächsten Wochen da unten erwarten wird. Beim Flug über die schneebedeckten Rockies kriege ich aber doch ein etwas komisches Gefühl. Und das geht fast eine Stunde so, also ein paar hundert Kilometer Luftlinie. Hm….

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Reykjavik per Rad

morgens erstmal den Wetterbericht gecheckt und festgestellt, dass es heute relativ gut werden soll; die nächsten beiden Tage ist dann eher „drinnen-blieben-Wetter“ angesagt. Also denke ich darüber nach, mir heute ein Rennrad auszuleihen und die Stadt auf dem Rad zu erfahren. Es gibt wohl ein Hotel, nicht allzu weit entfernt, die laut ihrer Homepage tatsächlich Rennräder verleihen, also laufe ich da mal hin. Der Weg (mitten in der Stadt) erinnert mich ein bisschen an die sehr fehlgeleitete Tour durch Norwegen.

Im Hotel angekommen, wird mir erzählt, dass die Rennräder erst im Juli verliehen werden und mir wird geraten, die WOW-Leihräder zu nehmen. Also probiere ich über das Hotel-WLAN mich bei diesem System anzumelden. Das geht aber nicht, und nicht so spontan. Für eine Monatsmitgliedschaft (die für mich die sinnvollste Alternative scheint), braucht man sowohl eine isländische Telefonnummer als auch eine solche Adresse. Dort werden dann irgendwelche Unterlagen hingeschickt. Als ich meine Erfahrungen an der Rezeption weitergebe, meint er, dass in einem „Partner-Hotel“ wohl doch schon Fahrräder wären und er dort eines holen könnte. Im weiteren Gespräch verquatscht er sich, so dass er mir eigentlich sein eigenes Fahrrad verleihen will. Ist mir egal, ich will ja nur fahren.
Als er wiederkommt, ist es kein Rennrad, sondern nur ein Mountainbike. Naja – auch egal. Nach dem ganzen Theater mache ich jetzt einfach gute Miene und fahre halt damit rum. Weiterlesen