Archiv für den Monat: August 2017

Listowel – Port Burwell

das Wild-Zelten mitten im Park hat zur Folge, dass ich nicht unbedingt super geschlafen habe. Dazu kommt noch, dass es in der Nacht sehr stark geregnet hat. Alles keine guten Bedingungen, um gut zu schlafen. Das Zelt ist aber überwiegend dicht geblieben. Ich stehe kurz nach sechs auf und packe das inzwischen wieder relativ trockene Zelt ein. Dann geht es auf die Straße, schön wäre es, wenn ich die ca. 150km bis zum Ufer des Lake Erie schaffen würde. Und die Wettervorhersage verspricht mir heute sogar eine Mischung aus Rücken- und Seitenwind. Yeah! Und auch der Rest des Wetters scheint heute mitzuspielen. Vor lauter Radfahren mache ich heute fast gar keine Bilder….

Dieses „Tiny House“ habe ich noch gesehen. Damit hätte ich hier im zweitgrößten Land der Welt mit Platz ohne Ende überhaupt nicht gerechnet.

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Owen Sound – Listowel

im Zelt wache ich durch Geräusche auf, die ich nicht so recht deuten kann. Nach etwas Überlegen, könnte es ein Tier sein, das mit den Resten meines Essens spielt, das ich letzte Nacht einfach auf dem Picknick-Tisch liegen lassen habe. Tatsächlich, es ist eine Möwe (wenn ich das richtig deute). Sie hat es nicht geschafft, durch die Plastiktüte an die Brötchen zu kommen, somit bleibt mir noch ein kleines Frühstück übrig. Es ist sowieso schon an der Zeit, mal langsam aufzustehen. Große Eile habe ich nicht, denn das Radgeschäft macht erst um 10 Uhr auf. Gegen halb elf bin ich dann dort und finde sogar ein Werbe-Magazin mit „Long Distance Road Routes“ hier in Ontario.

Das schaue ich mir bei einem Kaffee und Muffin in einem empfohlenen kleinen Cafe mal etwas an.

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Lion’s Head – Owen Sound

nach den letzten drei Tagen im kompletten Gegenwind habe ich heute keine allzu große Motivation, sofort nach dem Aufstehen auf die Straße zu gehen. Ich kaufe mir etwas Frühstück im Supermarkt nebenan ein und lasse den Tag langsam angehen. Bis elf Uhr muss ich mein Bett räumen, weil selbst hier das Hostel mitten unter der Woche ausgebucht ist. Gestern hatte ich den letzten freien Platz bekommen. Das nächste Hostel ist, wenn ich es richtig gesehen habe, dann erst wieder in Toronto.

Hier steht ein alter Plattenspieler und es gibt auch ein paar Platten. Viel Country Zeugs (zumindest den Covern nach zu urteilen), aber auch Fleetwood Mac – Rumors; da ist auch „You can go your own way“ drauf. Es gibt wohl wenige Lieder, die in meiner aktuellen Situation besser passen. Und dazu noch eines meiner Allzeit-Lieblingslieder.

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Manitowaning – Lion’s Head

die Nacht heute war katastrophal. Nach dem schnellen Einschlafen bin ich ständig wegen irgend welcher Geräusche aufgewacht und wusste nicht, was es ist. Ab und zu habe ich mit der Fahrradlampe mal ums Zelt geleuchtet um zu schauen, ob da nicht irgendwelche Tiere sind. War aber nie der Fall. Ich bin hier etwa drei Kilometer vom Dorf weg, mehr oder weniger in völliger Wildnis. Ich hoffe jedes Mal, dass es beim nächsten Aufwachen eine halbwegs akzeptable Zeit zum Aufstehen sein könnte.
Endlich es es kurz nach sieben und ich beende diese Nacht. Als ich meine Sachen zusammenpacke, kommt der Besitzer dieses Grundstücks vorbei, Lauren. Seine offizielle Begründung ist, dass er sich um den Rasenmäher kümmern will, der besser nicht im Regen stehen sollte. Hier sieht aber alles so aus, als ob es nicht öfters als einmal im Jahr bewegt wird. Als ich ihm erklären will, was ich hier mache, weiß er schon Bescheid, das Pärchen von gestern Abend hat ihn schon angerufen.
Sein Verkaufskonzept ist interessant, entweder zahlen – oder gegen etwas nützliches eintauschen.
(unter diesen beiden Bäumen im Hintergrund habe ich übrigens geschlafen).

Dann erzählt er mir noch, dass die Welt total in Unordnung sei. Ich weiß nicht so recht, was er damit meint, obwohl ich auch denke, dass einiges nicht stimmt. Es stellt sich heraus, dass er die aktuelle Wetterlage in Texas als biblische Sintflut ansieht und wir doch besser auf Gott hören sollten. Puh – darauf habe ich so früh und nach dieser Nacht echt keine Lust und lasse ihn einfach reden.
Um 8:30 fahre ich langsam los, zuerst mal zurück in den Ort. Ich kann mir Zeit lassen, da der Supermarkt erst um neun Uhr öffnet. Dort hole ich mir einen Bananen-Schokoladen-Kuchen zum Frühstück und ein paar Bananen für die Fahrt. Dann nutze ich noch das Internet bei der Touristen-Information für ein bisschen bloggen und fahre gegen zehn Uhr zur Fähre. Es ist seltsames Wetter, kalt und stark bewölkt – aber es regnet nicht, obwohl es so angesagt war und auch stark danach aussieht.
Gegenwind ist sowieso, das war ja klar.

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Massey – Manitowaning

der Tag heute geht für mich recht langsam los. Um mich herum ist offenbar schon hektisches Treiben, zumindest hört sich das im Zelt so an. Ich drehe mich lieber nochmal um. Irgendwann muss ich doch raus und schaue mich etwas um. Programm ist noch keines geboten, aber die Strecke für das Demolition Derby wird bereits vorbereitet. Es wird erst am Nachmittag stattfinden, darauf warten will ich nicht.

Auch das Kuchen-Wettessen ist erst nachmittags, das wäre ein guter Frühstücks-Ersatz – ich habe nämlich mal wieder nichts zum Essen. Ich sehe noch ein Kinder-Rodeo auf Schafen, das ist aber schon alles.
Also noch von allen verabschieden und auf geht es in die nächste Stadt, Espanola. Ich nehme wieder den Waterfront-Trail, der heute über eine wenig befahrene aber geteerte Nebenstraße führt.

Dank Gegenwind und schlechtem Fahrbahnbelag habe ich jedoch nach diesen guten 30km bereits all meine Motivation für heute aufgebraucht.

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Thessalon / Little Rapids – Massey

die seltsamen Geschichten, mit denen der Tag gestern geendet hat, gehen heute mit voller Kraft weiter. Zwischen einem Kaffee und einem Smoothie werden die wildesten Verschwörungstheorien ausgepackt. Der Holocaust soll angeblich gar nicht so passiert sein, stehe in irgendeinem Buch. Die Begründung sind so kleine Details wie Türen, die sich angeblich falsch herum öffnen. So ein riesiger Unsinn. Ich versuche ständig dagegen zu halten – an der technischen Durchführung hätte ich ja die geringsten Zweifel – und auch das Thema zu wechseln, es funktioniert aber schlecht. Auch der Angriff auf das WTC soll nur ein Schauspiel gewesen sein, in der offiziellen Geschichte seinen zu viele Fehler. Hinter all dem stecke eine geheime „Weltregierung“. Was die will, habe ich aber nicht verstanden. Für mich hört sich das nach wilden Träumen von „armen und einfachen Menschen“ an, die denken, dass jemand im Hintergrund sehr viel Macht hat und damit viel Geld scheffelt. Ich denke mir, falls es so eine geheime Weltregierung wirklich gibt und sie es geschafft hat, seit Jahrhunderten geheim zu bleiben, wird sie schlau genug sein, um weiterhin geheim zu bleiben, und sicherlich nicht durch solche kleinen Details aufzufliegen. Abgesehen davon: wer es schafft, diese angeblichen Geldmengen vorbei an allen Staaten zu scheffeln, wird das auch weiterhin machen, ohne „so nebenbei“ den größten Terroranschlag der Geschichte durchzuführen. Beim Themenwechsel kriege ich noch raus, dass er letzten Dezember von seinem schizophrenen Sohn (eines von sieben Kindern) viermal mit einem Messer in den Hals gestochen wurde – und die ganze restliche Familiengeschichte.
Komische Leute gibt es, um kurz nach neun halte ich es nicht mehr aus, ziehe alles an, was ich habe und mache mich trotz einstelligen Temperaturen (in der Nacht war es wohl nur 3°C) auf den Weg. Ich fahre zurück nach Thessalon, kaufe Frühstück und Proviant und gehe nochmal bei der Bücherei vorbei. Das selbe Mädel ist wieder da und ich bedanke mich trotzdem nochmal und biete ihr einen meiner Muffins an. Sie hat befürchtet, dass es so endet, weil er ihr schon einige dieser Impf-Verschwörungstheorien erzählt hat. Woher diese Leute nur das Selbstbewusstsein nehmen, irgendeinen Unsinn von noch wirreren Köpfen zu glauben, was entgegen der komplette wissenschaftlichen Sicht spricht?

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Sault Ste. Marie – Thessalon

ich habe extra den Wecker auf sieben Uhr gestellt, um zu sehen, ob Julie das mir ihrer (Ab-) Reise wirklich ernst meint. Tatsächlich, sie ist auch eben aufgestanden und bereitet sich schon langsam vor. 20min später ist sie fertig mit allem und auf der Straße, ich habe in der Zeit nur ein bisschen dumm aus der Wäsche geschaut und ein paar Reste von gestern Abend vorgefrühstückt. Ihre Organisation und Disziplin beneide ich ja wirklich (mal ganz abgesehen von der Kraft, die sie haben muss)!

Mein Zelt ist noch nicht annähernd trocken, außerdem ist es mir viel zu kalt (im unteren einstelligen Bereich), um loszufahren; ausgeschlafen habe ich sowieso noch nicht – es ist ja schließlich Urlaub. Ich lege mich deshalb nochmal hin und schlafe bis kurz nach neun. Es ist immer noch kalt und das Zelt immer noch feucht. Ich hole jetzt richtiges Frühstück und ein Duzend weitere Donuts für die Mitarbeiter (und mich) hier im Fahrradgeschäft velorution. Dort bekomme ich noch einen Kaffee und ich schleiche dort rum – wartend, bis mich jemand auf meine Reise anspricht. Es scheint dort aber wirklich niemanden zu interessieren. Ich hätte erwartet, dass sie dieses freie Zelten u.a. deshalb anbieten, um die Radler-Geschichten zu hören. Ich habe noch kurz angedacht, evtl. noch eine weitere Nacht hier zu bleiben, da der letzte Freitag im Monat ist und ich eine Critical Mass erwarte; es gibt aber keine in dieser 75.000 Einwohner Stadt.

Gegen halb zwölf bin ich dann soweit und fahre mal den lokalen sog. „Hub-Trail“, eine 25km Strecke um die ganze Stadt. Anfangs ist es ganz gut zu fahren

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Flour Bay – Sault Ste. Marie

kurz nach dem Aufwachen schaue ich mir erst mal noch kurz die Bucht/Strand an, an dem ich die letzte Nacht übernachtet habe. Es ist in der Tat recht schick hier, und es macht den Eindruck, dass hier öfters mal Leute übernachten. Zumindest gibt es Feuerstellen und auch jede Menge Graffiti auf den Steinen.

Besuch habe ich offenbar auch. Auf meinem Helm hat sich eine neongrüne Spinne niedergelassen. Die schüttle ich noch ab, nicht dass sie sich irgendwo im Helm versteckt und irgendwann mitten auf der Fahrt durch mein Gesicht läuft.

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Wawa – (bei) Flour Bay

heute stehe ich mal recht früh auf, um mit meinen Gastgebern zu frühstücken. Draußen sieht es nicht besonders gut aus, die Wettervorhersage hat aber nur eine geringe Regenwahrscheinlichkeit. Ich packe meine Sachen ein und muss mir noch überlegen, ob ich eine aufblasbare Thermarest-Matratze haben möchte; die ist hier übrig. Allerdings befürchte ich, dass sie (so wie ich sie auch meinem Rad transportieren könnte) diese Reise nicht überlebt. Daher habe ich mich auch für die robustere „normale“ Isomatte entschieden. Auch wenn das nicht die komfortabelste Wahl ist.

Als ich gerade fertig bin, kommt ein Regenschauer. Mist. Das war so nicht geplant, alle Regenklamotten sind gut verstaut. Also werfen wir ein Blick auf das Regenradar. Es ist wohl nur ein schmales Regenband, das gerade Richtung Süden (meiner heutigen Reiserichtung) wandert. Ich entscheide mich, einfach noch ein Stündchen oder so zu warten und schreibe dabei einen Eintrag für hier.

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White River – Wawa

gestern Abend dachte ich noch, dass ich besonders schlau bin und das Zelt diesmal unter den Bäumen aufbaue. Damit wollte ich den Tau und somit die Trockenzeit vermeiden.
Dank des Regens der letzten Nacht waren diese Gedanken jedoch hinfällig. Dazu kam noch, dass ein Vogel mein Zelt als Toilette benutzt hat.

Es regnet immer noch und ist ziemlich kalt und laut Wettervorhersage soll es auch nicht viel besser werden. Ich packe meine Sachen widerwillig und langsam zusammen, Martin überlegt sich, einen Pausentag einzulegen. Das kommt für mich hier im Niemandsland aber nicht in Frage. Als es langsam etwas besser wird packt er auch zusammen. Da ich nicht auf seiner Wellenlänge liege, ist für mich klar, dass ich alleine fahre. Er hat mich z.B. belehren wollen, dass er kein Smartphone mit WLAN braucht (als ich ihm den Code aus der Touristen-Information geben wollte), sondern er lieber mit den Menschen redet. Als wir kurz später beim Wasser-holen vor dem benachbarten Fast-Food-Restaurant auf unsere Reise angesprochen werden, sagt er wirsch, dass er diese Fragen schon zu oft gehört hat und keine Lust auf diese Kommunikation hat.
Ich antworte aber natürlich gerne, auch wenn es stimmt, dass es immer die gleichen Fragen und Reaktionen sind. Aber vielleicht wecke ich ja beim ein oder anderen Gesprächspartner die Lust aufs Radfahren – dann hat es sich schon „gelohnt“.
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Neys Provincial Park – White River

auch heute wieder: Nebel, leider. Die Sonne kämpft sich aber tapfer durch und kurz später können wir unseren Zelten beim Trocknen zuschauen. Eigentlich war der Plan, unter Bäumen zu zelten, damit wir nur wenig Tau einfangen. Mit dem Regen der letzten Nacht war der Plan jedoch hinfällig.

Dann geht es raus aus dem Park, zurück auf die Strasse. Hier und da sind noch ein paar Nebenfelder, wir hoffen jedoch darauf, dass diese sich noch vollständig verziehen. Heute ist schliesslich (teilweise) Sonnenfinsternis und wir hoffen, etwas davon mitzubekommen.

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Rainbow Falls Provincial Park – Neys Provincial Park

wir stehen auf und alles ist klatschnass. Es hat zwar nicht geregnet, aber der Tau und die Feuchtigkeit vom See sind genauso „schlimm“ wie Regen. Unser Zeltplatz ist dazu noch im Schatten und es wird noch ein oder zwei Stündchen dauern, bis die Sonne auf unsere Zelte scheinen wird. Die anderen beiden frühstücken schon mal ausgiebig, ich bin mit meiner Banane recht schnell fertig. Mehr habe ich nicht, ich hoffe, dass ich heute mal wieder etwas einkaufen kann; es sind zumindest zwei kleinere Städtchen auf dem Weg.
Die Sonne nimmt ihren täglichen Weg und kommt jetzt auch auf unseren Platz. Wir warten ein bisschen, allerdings wollen die beiden los. Ich würde mein Zelt gerne etwas trockener einpacken, aber ich bin überstimmt. Da die Strecke heute nicht so lang ist, kann ich damit noch leben.

Auf der Straße ist heute alles bestens (vielleicht mal abgesehen von dem viel zu schmalen Seitenstreifen, der es uns nicht ermöglicht, nebeneinander zu fahren). Hier und da machen wir es mal, kriegen dann aber oft ein „Ermahnungs-Hupen“ von den überholenden Autos und LKWs. Das ist alleine ganz anders, da hatte ich höchstens von entgegenkommenden Autos ein „Hallo-Hupen“ bekommen.

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