Impressionen Stadtradeln

Stadtradeln

vom Klima-Bündnis gibt es jedes Jahr eine Aktion „Stadtradeln„. Das ist eine Art Wettbewerb, welche Person und welches Team die meisten Kilometer in einem dreiwöchigen Zeitraum erradeln kann. 2017 habe ich das in meiner Kommune Stuttgart zufällig gewonnen, weil ich damals ja noch im Urlaub war und jeden Tag nichts anders machte, als Rad zu fahren. Dieses Jahr wurde es wegen Corona vom Mai in den September verschoben, zufällig genau in die Zeit, als ich sowieso schon den Urlaub eingeplant hatte. Also schnell ein Ziel gefasst (2.500km) und dann nur noch jeden Tag rechtzeitig aufstehen, um die Kilometer zusammen zu bekommen.
Anfangs bin ich noch eher um Stuttgart herum gefahren, weil ich mich noch nicht so recht traute, bzw. nicht wusste, wie die Hotels und Jugendherbergen geöffnet sind.
Bei solchen Ausblicken muss man ja auch gar nicht so weit weg.
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Dann habe ich doch mal so eine „Arschrakete“, sprich große Satteltasche, ausgeliehen und ein paar Klamotten eingepackt. Leider funktioniert das mit meinem Rennrad nicht so richtig, weil sie etwas zu groß ist, bis an den Bremszug kommt und eben immer die Bremse verstellt. Tja, muss ich mir wohl was anderes ausdenken – aber das Rennrad-Reisen ist doch nochmal deutlich flotter, als mit einem trägen und schweren Reiserad.
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Berge gibt’s hier in der Umgebung ja auch. Diese Steigung, auf dem Computer im unteren Drittel angezeigt, ist meine präfertierte Alb-Auffahrt, mit der vermutlich besten Mischung zwischen Steilheit, Länge und Menge an Autoverkehr. Ich nenne sie immer nur „Lenninger Steige“ (keine Ahnung, ob das der richtige Name ist), zwischen Lenningen und Donnstetten.
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Schön ist im August, dass man ständig irgendwo am Straßenrand anhalten und Birnen oder Äpfel naschen kann. Das kommt mir durchaus entgegen, als jemand, der ganz schlecht solche Touren planen, bzw. vorbereiten kann. Aber so nach 80km ist ohne Essen halt meist der Energiespeicher recht leer und vor allem auch die Motivation weg. Nach so fünf bis zehn Äpfeln geht’s dann aber wieder!
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Die eine Tour führte mich nach Tübingen.
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Und bei einer Tour hatte ich einen (vermutlich) Wespen-Stich. Das Viech hat sich irgendwie unterm/am Helm neben dem Auge eingeklemmt und dann eben zugestochen. Und das gerade auf einer der schönsten Abfahrten, die ich hier im Umkreis kenne: von Manolzweiler nach Schnaidt.
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Dann habe ich mich doch mal weiter weg getraut und bin an den Bodensee gefahren. Hier der Blick auf Lindau, mit dem See im Hintergrund.
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Hier aus der Nähe von Friedrichshafen – wer hätte es gedacht. Da am Bodensee war es eine Katastrophe zum Radeln. Da ist alles voll mit diese Rentner-Pedelec-Gruppen, die sonst nie im Leben fahren. Mit dem Rennrad bin ich natürlich deutlich schneller, als die. Aber es ist wirklich schlimm, die zu überholen. Entweder „schleiche“ ich mich an und fahre kurz im Sprint vorbei – in der Hoffnung, dass in dem Moment gerade niemand ausschert. Das ist keine gute Idee, weil die immer über dem ganzen Weg fahren. Also langsam hinfahren und klingeln. Dann ist in der Gruppe große Aufregung und wenn die sich gelegt hat, kann man halbwegs sicher vorbei fahren. Auch an einzelnen Pedelec-Fahrern ist es schwierig. Die haben ja üblicherweise Spiegel dran und wenn man von hinten klingelt, schauen sie erstmal in den (linken) Spiegel und fahren dann, so auf den Spiegel konzentriert, natürlich nach links mitten in meine Überholspur. Also wieder bremsen, warten, bis die ihr Rad unter Kontrolle kriegen und dann vorbei fahren.
Ich bin nach kurzer Zeit da unten nur noch auf der Straße gefahren, anderes war es nicht auszuhalten.
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In der Jugendherberge in Lindau war ich ja noch sehr von diesem Eingangsschild fasziniert. Besser gesagt: von den vielen, vielen Spinnen, die daran ihre Netze sponnen. Ich stand da bestimmt 45min und habe mir das Spektakel angeschaut – verstanden habe ich von dem ganzen Gewusel aber nichts.Impressionen Stadtradeln
Nach dem Bodensee habe ich mir noch Saarbrücken als Ziel ausgesucht. Ob dies hier ein richtiger Radweg war, oder ich einfach die Beschilderung nicht richtig gelesen habe oder sie nicht mehr auf dem aktuellen Stand war – wer weiß es schon. Ich bin da dann noch ein paar hundert Meter weiter, es wurde aber immer schlechter und dann bin ich zurück auf die Straße, die einige Meter rechts verläuft.
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Irgendwo dann diese alte (Auto?) Werkstatt gesehen, die inzwischen zu einem Second-Hand-Laden umfunktioniert wurde. Es wird ja vermutlich nicht mehr allzu lange dauern, bis es viele dieser Werkstätten gibt, die man nicht mehr braucht, ebenso wie Tankstellen. Wird spannend, was damit dann so alles passiert.
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Und wofür mache ich die ganze Fahrerei? Natürlich für Eis!
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Aus der Kategorie „Schilderbingo“, also diesen Quatsch-Beschilderungen, die von Mitarbeiter:innen der Kommunen angebracht werden, ohne dass sie irgendeine Ahnung davon hätten:
Hier ein „Radweg“ für ca. 100m bis zum Ortseingang, dann hört er natürlich wieder auf. Mit „Benutzung auf eigene Gefahr“. Was soll das bitte heißen?
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Auch diese Schilderkombination ist natürlich Unsinn. Es ist ein Gehweg, ohne das „Fahrrad frei“ Zusatzschild. D.h. man darf da als Radler:in nicht fahren, ist der Stadtverwaltung aber egal, sie hängt das grüne Radweg-Schild da auf und auch diesen Fahrrad-Doppelpfeil. Ist übrigens auch Teil des RadNETZ-BW, war ja klar.
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Dies ist auch ein riesiger Quatsch. Das war bei Kaiserslautern. Ich komme hier gerade auf dem linksseitigen Radweg an, weil ich ja mal wieder versuchte, mich an die Schilder zu halten. Der Gegenverkehr fährt, wie es halt so üblich ist, ganz rechts (auf der Radspur voller Schlaglöcher) und ich komme ihm jetzt auf der falschen Seite entgegen, werde weiter links auf diese Insel gelenkt und dann ist auf einmal völlig Schluss mit der Radverkehrsführung. Es ist ja klar, dass die Leute bei sowas entweder die Schnauze voll haben und nicht mehr Rad fahren oder eben – illegal – auf dem Gehweg weiter radeln. Mir hat es hier gereicht und ich bin über die sechsspurige Straße auf die „richtige“ Seite und dann weiter gefahren, ohne weiter auf die Radweg-Schilder zu achten.
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Auch wieder so ein Quatsch: Beide Wege links und rechts der Straße sind benutzungspflichtig für Radfahrer:innen. Das geht natürlich nicht, ich kann nur auf einer Seite fahren. Aber in den Köpfen von Verkehrsplaner:innen scheinen ganz komische Dinge vor zu gehen. Vor allem denken sie vermutlich primär daran, dass bloß kein Fahrrad auf der Straße sein darf und den „richtigen Verkehr behindert“. Um das zu verhindern, denken sie sich all diesen Unsinn aus – natürlich ohne irgendwelche Konsequenzen.
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Und dann war auch schon der letzte Tag des dreiwöchigen Stadtradeln-Zeitraums. Zum Schluss noch eine 170km-Tour hier um Stuttgart rum.
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Das war’s dann. Am Ende hatte ich dann in 110 Stunden 2.529km geschafft und bin dabei noch etwa 25.300 Höhenmeter geklettert. Und ich bin eine solche Figur gefahren (ungeplant).
Stadtradeln-GPS-Figur
So ganz „normal“ ist das aber auch für mich nicht. Diese drei Wochen im September kann man deutlich in meiner Jahresstatistik erkennen:
Stadtradeln Statistik
Nur am letzten Tag hatte ich schlechtes Wetter und musste ein paar Stunden im Regen nach Hause fahren, der Rest war gut.
Leider gab es dieses Jahr keine Siegerehrung. Daher weiß ich also auch gar nicht, ob ich mit meinen Kilometern dieses Jahr gewonnen habe/hätte – oder ob es auch noch andere gab, die (aufgrund Corona?) ähnlich viele Kilometer in den drei Wochen geradelt sind….

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