Kopenhagen, das Radler-Paradies?

bevor ich losgefahren bin, hatte ich keine Ahnung, dass ich sogar noch in Kopenhagen vorbeikommen würde. Als „Rad-Aktivist“ (wie ich mich selbst gerne übertrieben bezeichnen würde), soll diese Stadt ja das Paradies sein. Höchste Zeit also, dies mal live anzuschauen.
Davor muss ich aber erstmal noch übersetzen (alternativ könnte ich noch weiter südlich nach Malmö fahren und dann über die Autobahnbrücke – falls ich die mit dem Rad überhaupt fahren darf). Zur Fähre geht es über eine spiralförmige Radbrücke, was sogar per Verkehrsschild-Mast angezeigt wird.
ein Verkehrsschild mit spiralförmigem Mast
Die Fähre kostet keine vier Euro und ich habe sowieso noch schwedische Kronen, die ich noch loswerden könnte; nicht dass es wieder so geht, dass ich stapelweise Scheine zuhause habe, die schon ein Jahr nach dem Urlaub ungültig werden. Auf der Fähre habe ich Zeit, als mache ich endlich mal „Wartung“, allerdings nur Luft aufpumpen (zum ersten Mal auf der Tour). Ich bin gerade noch bei 4bar, die Reifen können 6,5bar. Kein Wunder, dass es immer so anstrengend zu fahren war. ;~)
Fahrrad-Wartung
Da habe ich ein super Foto von meiner Luftpumpe gemacht, oder?
Danach hatte ich dann Zeit, die Aussicht zu genießen – so sieht also Dänemark vom Schiff aus aus.
Aussicht nach Dänemark
Drüben, im angeblichen Radfahrer-Paradies, ist tatsächlich das erste Rad, das mir entgegen kommt, ein Lastenrad – kein Scheiß! Danach habe ich bis Kopenhagen aber keine mehr gesehen. In Göteborg sah ich am freien Tag ein Riese & Müller Load und bin ihm, wie so ein verliebter Teenager, ein paar Kilometer hinterher gefahren. Irgendwann will ich ja auch genau so eins haben, in weiß.
Zurück in Dänemark, hier ist auch wieder (oder immer noch) eine Blumenstrasse, der ich, laut Navi, zufällig wieder folgen muss.
schon wieder eine Blumen-Strasse
Und so sieht es hier aus. Allzu begeistert bin ich nicht, da mal wieder ein Gegenwind-Tag ist. Und wie man auf dem Bild sieht, ist hier nix, was den Wind irgendwie bremsen könnte. Er kommt von vorne und die schnurgerade Straße ist sozusagen eine richtige Schneise für den Wind. Ganz schön anstrengend….
Aussicht in Dänemark /1
Ups, da ist ja glatt noch ein zweite Bild mit fast dem gleichen Inhalt reingerutscht. Nicht so schlimm, hier sah es tatsächlich ständig so aus.
Aussicht in Dänemark /2
Am Ende der Straße war Kopenhagen. Ich habe einfach zufällig ein Zielpunkt irgendwo im Stadtzentrum angegeben und bin da hingefahren. Ich war enttäuscht! Es werden ständig irgendwelche großen Radfahr-Innovationen aus dieser Stadt verkündet (seien es z.B. Haltegriffe oder Geländer an Ampeln, um nicht absteigen zu müssen, Tritte, um wenigstens im Sattel sitzen bleiben zu können, geneigte Mülleimer, damit man während der Fahrt seinen Müll entsorgen kann, etc.) Von alldem habe ich NIX gesehen, gar nix. Das einzige, was dort echt gut ist, ist die Menge an Radwegen (wobei die auch gerne mal eine scheiß Qualität haben). Und auf diesen Radwegen sind sehr viele Fahrräder unterwegs. Die Autos kennen sich mit Fahrradfahrern aus und achten und respektieren sie (auch auf den ganzen Abzweigungen, die ich bis hierher überqueren musste). Ich habe fast die Vermutung, dass es lediglich einen Haltegriff, ein Geländer, einen geneigten Mülleimer gibt und diese Innovation eben medial „gehypt“ wurde.
Zu allem Übel ist mir dort auch noch eine Frau ins Rad gelaufen. Zum Glück nur von der Seite und wir sind beide nicht umgefallen, es hat mir nur eine Gepäcktasche vom Gepäckträger gerissen. War vielleicht eine Touristin – auf Konversation hatte ich echt keine Lust.
Schade – aber gut, dann kann ich Kopenhagen auch von meiner Urlaubsliste streichen.

Diese orange/rotbraune Kirche fand ich etwas deplaziert in dieser Gegend hier und habe sie daher fotografiert. Aber so richtig kommt sie nicht zu Geltung – egal. Es passt zum heutigen Tag.
eine Kirche in orange und dunkelrot
Nach etwa 110km (von den heutigen ca. 150km) kam diese Bushaltestelle. Seit wenigen Kilometern habe ich diese mehrspurige Straße verlassen und fahre nun auf normalen Landstraßen ohne Radweg. Hier zeigt sich ein komplett anderes Bild der dänischen Autofahrer, hier ist kaum noch etwas von Rücksicht zu merken, ich werde so dicht überholt wie selbst im Stuttgarter Feierabendverkehr nicht. Nach dem Foto habe ich mich mal kurz zur Probe in dieser Bushaltestelle hingesetzt und wollte fast gar nicht mehr aufstehen. Endlich kein Wind, endlich nicht mehr treten. Es ist unglaublich demotivierend, wenn man so reintritt, dass man gut >30km/h fahren könnte (mit Rückenwind sogar an die 50km/h), aber auf dem Tacho gerade mal 16-18km/h stehen.
endlich Pause - in einer Bushaltestelle
Um noch was positives anzumerken: Es hat heute nicht geregnet. Das war aber schon alles. Dänemark hat so ziemlich alle Register gezogen, um den ersten Eindruck ordentlich zu versauen.
Das B&B war dagegen sehr nett. Die Dame des Hauses hat mich gefragt, ob ich nach meiner Radfahrt Wasser will und mir diese kleine Karaffe hingestellt. Als sie mein Baguette gesehen hat, brachte sie mir auch noch ein Tellerchen mit Messer, Butter und ein bisschen Wurst und Käse (ohne zu fragen oder etwas zu sagen, sonst hätte ich die Wurst gerne abgelehnt). Auf dem Bild fehlt noch eine Dose Bier (wegen der Nährstoffe), meine Packung Käse und eine 400g Packung Kekse.
mein heutiges Abendessen
Der morgige Tag muss sich schon ziemlich ins Zeug legen, damit ich jemals wieder daran denke, nach Dänemark zu fahren….

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