Archiv für den Monat: Juni 2014

Cover Girl

nagut – es ist nicht ganz das „Cover“ (sondern nur die Titelseite der Regionalausgabe) und ich bin auch nicht ganz alleine auf dem halbseitigen Bild.
Aber hej – trotzdem mit Bild (wenn auch ohne Name) in der Stuttgarter Zeitung!
ich in der Stuttgarter Zeitung
Und wie übersetzt man jetzt schmissig „Cover Girl“ ins deutsche und bringt es noch in das richtige Geschlecht?

Rückflug /1

der Weg von West nach Ost ist für den Jetlag bei mir nicht besonders gut verträglich. Daher wende ich wieder meine bekannte Strategie an: Totale Zerstörung und (möglichst) kurz darauf wie ein Phoenix aus der Asche steigen.
Sprich: Nachtflug gegen die Zeitverschiebung.
Normalerweise freue ich mich ja über etwas Platz im Flugzeug, das war dann aber doch schon fast etwas zu viel! Und sogar schon zum zweiten Mal. Ich kann mich an meinen ersten Australien-Teilflug erinnern, als ich schon einmal so einen Notausgang-Platz hatte.
Notausgang heißt: viel Platz
Während des Fluges habe ich mal versucht einen Film anzuschauen, aber wie das so oft beim Film- bzw. Fernsehschauen ist: ich schlafe einfach ein. Wenn ich endlich mal Zeit übrig habe (was anderes ist dieses „glotzen“ ja nicht), geht mein Körper sofort in diesen Ruhe-Modus und ich bin im Reich der Träume. Da hilft es auch nichts, dass der Film nicht (!) verändert wurde, um auf diesem Bildschirm gezeigt zu werden (ich habe ja bisher nur die gegenteilige Aussage gesehen).
essen beim Kucken
Was mich (als Ingenieur) aber doch am meisten beeindruckt hat, waren die elektronisch verdunkelnden Fenster. Nicht mehr diese klapprigen (und somit auch lauten und nervigen) Plastik-Schieber, mit denen man die Fenster manuell zuschieben konnte. Es waren nur noch kleine Knöpfe am Fenster, mit denen man einstellen konnte, wie viel Licht durchgelassen wurde. Klar, gehört habe ich davon schon lange – aber im richtigen Einsatz habe ich diese Technologie noch nie gesehen. Beim Verlassen des Fliegers habe ich dann noch herausgefunden, dass dieses Flugzeug mit seinem „Alter“ von vier Wochen noch ziemlich jung ist (weitere Innovationen sind mir allerdings nicht auf den ersten Blick aufgefallen).
elektrisch verdunkelnde Fenster

Surface Cafe

das habe ich auch noch nicht gesehen: Microsoft hat sich in ziemlich guter Lage dieses Gebäude gemietet und dort eine Werbe-Aktion für das neue Surface 3 (natürlich mit Win8.1) veranstaltet. Das besondere daran: Das alles nur für drei Tage!
Als ich am Dienstag nach den ganzen Konzerten mir in Ruhe mal diese Tablets anschauen und „free Coffee and Cookies“ (und noch weitere Werbegeschenke) abholen wollte, war dieses Cafe wieder abgebaut. Außer den Fahnen an der Wand gab es davon keine Spuren mehr; dabei machte es kurz vorher überhaupt keinen temporären Eindruck.
Microsoft Surface Cafe in Toronto

NXNE

irgendwie ist bei meinen meisten Gesprächen in den letzten Wochen dieser Teil dabei gewesen:

„Ich gehe zum NXNE Festival.“ – „Hä??“ – „Zum North by Northeast-Festival nach Toronto. Das ist ein Musik-, Kunst-, Comedy- und Filmfestival in Toronto.“ – „Aha….“

Der Musik-affine Stuttgarter kennt evtl. noch das ESxSW (Esslingen by Southwest) Festival. Vermutlich haben aber ein paar mehr Leute schon vom SXSW, dem South by Southwest Festival in Austin, TX, gehört. Aber „I don’t go to USA“ und außerdem sind die Kanadier sowieso die cooleren Amerikaner.
Was kann man sich darunter nun vorstellen? Dies sind die Fakten: über 800 Bands spielen an fünf Tagen in bis zu 40 Clubs und Parks. Die ersten Bands spielen z.T. schon morgens um 11:00, die letzten hören nachts um 4:00 auf. Die ganzen Kunst-Aktionen, Filme und Comedy-Veranstaltungen habe ich alle mal ausgeblendet; mit der Musik habe ich schon genug zu tun!
Beim Abholen meines Festival-Armbandes (Preis: ich zahlte 75$ für zwei Stück, regulär kostet eines 149$) bekomme ich noch ein 180-seitiges Buch in die Hand gedrückt, in dem jede Band mit einem kurzen Satz mehr oder weniger treffend vorgestellt wird. Zum Beispiel: Wish – They know, their name is hard to Google.NXNE-10
Dieses Buch hilft allerdings nicht viel für die „Planung“, da viele Infos darin einfach nicht mehr aktuell sind; ein kostenloses, wöchentliches Stadtmagazin – welches übrigens auch ein Hauptsponsor ist – hat aktuellere Infos. Und dazu noch diverse Listen aufgestellt. Zum Beispiel: 10 Shows for the Music Fan, who’s seen it all. Super – das ist doch etwas, an dem ich mich entlang hangeln kann.
Der Ablauf des kompletten Festivals ist streng geregelt: Jede Band hat genau eine Stunde, inkl. Aufbau, Soundcheck (den mindestens eine Punk-Band mit harschen Worten gegen den Mischer auch mal übersprungen hat), Konzert – ohne Zugabe – und Abbau. Da bleibt meist nicht viel mehr als eine gute halbe Stunde zum Spielen. Als Konzertbesucher hat man daher großes Interesse daran, sofort nach dem letzten Ton den aktuellen Club zu verlassen und bestenfalls zum ersten richtigen Ton bei der nächsten Band im nächsten Club zu sein.
Neben sehr vielen „normalen“ Konzerten gab es allerdings auch ein paar Besonderheiten:
Eine der Straßenbahnen wurde für Konzerte verwendet. Da ich schon vermutete, dass die DInger sehr voll werden, bzw. man stundenlang anstehen muss, um mitfahren zu können, habe ich gleich die erste Fahrt mitgemacht.NXNE-02
Hej, SSB – das wäre doch mal eine Image-Initiative. Ihr habt doch in nächster Zeit sowieso einige alte S- und U-Bahnen übrig, wenn ihr auf die Neuen umsteigt. Baut doch eine davon zu einer Veranstaltungsbahn um und fahrt zumindest bei ein paar besonderen Anlässen, wie der Kulturnacht, o.ä. damit ein paar Bands durch die Stadt!
Am nächsten Tag ging es mit einem Party-Dampfer auf die Toronto Island. Während der Stunde Fahrtzeit hat leider keine Band gespielt – obwohl auf dem Schiff genug Platz gewesen wäre.NXNE-04
Dort angekommen hat es mich auf den ersten Blick sehr an das U&D an der Uni Vaihingen erinnert. Allerdings ohne Hunde, dafür mit sehr viel mehr Hanf-Geruch in der Luft (was in Toronto sowieso recht üblich scheint).
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Das eigentlich besondere an dieser Party war allerdings, dass alle Getränke dort frei waren: Open Bar! Da wunderte es mich schon, dass nur ein einziger Komplettausfall am Rand rumvegetierte. Beim U&D in Vaihingen sähe das sicherlich anders aus. Allerdings blieb ich nicht bis zum Schluss, schließlich warteten in der Stadt schon wieder die nächsten Konzerte. Auf dem Rückweg gab es dann sogar noch die Chance auf ein obligatorisches Touri-Foto.NXNE-06
Bei den Konzerten war so ziemlich alles dabei. Von „Werbe-Konzerten“ tagsüber in den diversen Parks der Stadt mit relativ wenigen, eher zufällig vorbeikommenden, Zuschauern
NXNE-01
bis zur großen Open-Air-Bühne am sehr zentralen Yonge-Dundas-Square mit mehreren tausenden Zuschauern. Im vorher angesprochenen Stadtmagazin wurde davor gewarnt, dass es dort sehr, sehr, sehr voll wird. Das Wetter spielte mit und es war in der Tat gut gefüllt.
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Die Einheimischen um mich herum erwähnten zum Teil auch, dass es hier ja wirklich unglaublich gedrängt sei – und ich wunderte mich nur. In Deutschland hätte man sicherlich doppelt so viele Leute auf den Platz gelassen. Es ist mir bei einigen Clubs auch passiert, dass man wegen „Sorry – we’re at our capacity limit“ davor in einer Schlange warten musste. Als ich dann doch reingelassen wurde, war ich irritiert; die Veranstalter hier in Stuttgart bezeichnen solch „ausgebuchte“ Clubs bei uns als gerade mal „gut halbvoll“.
Das ganze Festival wird leider von jede Menge Werbung begleitet. Die vorher genannte Straßenbahn wurde nach einem Getränke-Hersteller genannt, die traditionelle Massey Hall mit etwa 3000 Sitzplätzen wurde nach einem deutschen Kopfhörer-Hersteller umbenannt, die Insel-Party wurde von einem Schuh-Hersteller und einem In-Magazin gesponsort, eine andere Bühne wurde von einem Müsliriegel-Hersteller, eine weitere von einem Energiedrink-Hersteller beworben, bei einem der Auftritte der Lo-Fi Band „Pizza Underground“ von Kinderstar Macaulay Culkin wurde von einem Pizza-Lieferdienst jede Menge Pizza unter den Zuschauern verteilt und selbst die traditionelle Horseshoe Tavern bekam den Namen einer amerikanischen Brauerei verpasst, die Getränke nach Art von Bier herstellt, usw.
Dort gibt es offensichtlich eine sehr viel verbreitetere „kostenlos-Einstellung“. Vor allem um Getränke brauchte ich mir während des kompletten Festivals keine Gedanken machen. Die wurden einem überall hinterher geschmissen.
Bei einem Konzert in einem Klamottenladen gab es sogar „free Icecream“. Yeah!
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Eine WG, die in den letzten Jahren angeblich immer einen inoffizielle NXNE Party geschmissen hat, wurde dieses mal ins offizielle Programm aufgenommen. Dort gab es gleich drei Bühnen: eine professionell und recht immobil aufgebaute im Garten (die machen sowas wohl öfters), eine im leergeräumten, aber viel zu kleinen Wohnzimmer und dann noch eine im Keller.NXNE-07
Was ich auch noch nicht erlebt hatte, war dieser öffentliche Platz. Als ich um die Mittagszeit dort ankam, war er komplett im Schatten und es war nicht allzu gemütlich dort. Wenige Minuten später, kurz bevor die Band anfing zu spielen, wanderte die Sonne am Wolkenkratzer vorbei und auf einmal war es dort sehr angenehm.
NXNE-03
Nach meiner ersten Überschlagung habe ich dort in den fünf Tagen etwa 50 Bands gesehen und Toronto vermutlich eher als Einheimischer, als aus der „Touri-Sicht“ erlebt. Nachdem ich schon bei der Canadian Music Week, ebenfalls in Toronto, und dem Pop Montréal Festival war schaue ich mal, wo auf der Welt noch solche Club-Festivals angeboten werden.
Falls jemand heiße Tipps hat, Immer her damit!

wie in den 90ern

beim Ankommen an der kleineren Open-Air Bühne vor der Ryerson Universität bemerke ich hinter mir jede Menge Skateboarder. Es waren sicherlich über 100. Die fuhren ziemlich unbeeindruckt von der Musik auf diesem Platz ihre Bahnen bis sie auf einmal, wie so ein Fischschwarm, fast alle auf einmal in eine Richtung wegfuhren. Die Band war etwas verwirrt und tippte darauf, dass da doch bestimmt ein Film gedreht wird.

die 90er - eine Skateboarder-Horde

die 90er – eine Skateboarder-Horde

Im weiteren Verlauf des Tages bin ich dann noch an einem Stüssy Geschäft vorbeigekommen. Puh – das erinnert mich beides sehr stark an die frühen 90er Jahre!

die 90er - ein Stüssy Laden

die 90er – ein Stüssy Laden

Diamant(en)

zwischen all diesen Konzerten muss auch mal Zeit für andere Kunst sein. Also gehe ich in die Art Gallery of Ontario, die natürlich auch mitten im Zentrum von Toronto ist.
Bei den meisten Kunst-Ausstellungen kann ich ja ziemlich schnell durchgehen, weil mich die meisten Exponate nicht besonders ansprechen. Hier war es ein bisschen anders; ich musste in manchen Abteilungen ziemlich oft anhalten und mich ein bisschen mehr mit den Kunstwerken beschäftigen. Unter anderem zog mich dieses Kunstwerk in seinen Bann:
künstliche und echte Diamanten?!
Das sind angeblich viele, viele künstliche Diamanten – allerdings soll einer davon doch tatsächlich ein echter und somit wohl auch ziemlich wertvoller Diamant gewesen sein.

Worldpride

am kommenden Wochenende (also gerade, wenn ich wieder weg bin) wird hier in Toronto die große „Worldpride“ Veranstaltung sein. Was es genau ist, weiß ich nicht – aber ich vermute, es wird einfach eine unglaublich riesige Veranstaltung sein, die man hier unter dem Namen Christopher Street Day, CSD, kennt.
Die ganze Stadt scheint mitzumachen. Das habe ich ganz am Anfang schon gemerkt, als ich meine Wochenkarte für den ÖPNV gekauft habe.

ÖPNV Karte: Worldpride

ÖPNV Karte: Worldpride

Und wenn man weiter durch die Stadt geht, sieht man auch, dass ich wirklich jedem Geschäft der sehr belebten „Queen Street“ ein Werbe-Regenbogen und das umgedeutete Strassenschild „Queer Street“ hängt. Außerdem hat eigentlich jedes Geschäft sein Schaufenster irgendwie mit einem Regenbogen dekoriert. Entweder T-Shirts, Kleider, Hosen, etc in den sechs Regenbogenfarben, oder Gläser oder, oder, oder. Wer keine Waren verkauft, hatte zumindest noch Luftballons oder andere Deko-Artikel in diesen sechs Farben im Schaufenster.

Power of Love, natürlich bei Worldpride

Power of Love, natürlich bei Worldpride

Und wobei die baden-württembergischen Bildungsplan-Gegner sicherlich total ausflippten: sogar die Kirchen machen mit!

Worldpride - sogar die Kirchen sind dabei!

Worldpride – sogar die Kirchen sind dabei!

not a robot

beim ziellosen durchwandern der Stadt Toronto bin ich auch durch den Trinity Bellwoods Park gekommen. An einem Tennisplatzzaun war diese Nachricht an die Welt angebracht: SMILE – you are not a robot (Lächle – Du bist kein Roboter).

Smile - you are not a robot (message)

Smile – you are not a robot (message)

Natürlich ist mir auch gleich das submarien Album eingefallen, das fast genauso hieß (allerdings ohne der Smile-Aufforderung).
Und im weiteren Verlauf des Kurzurlaubes (ich bin eigentlich immer wieder plan- und oft auch ziellos durch die Stadt geschlendert) habe ich dann in einer kleineren Nebenstraße diese Skulptur gesehen und sofort an diese Nachricht gedacht.
Die Ähnlichkeit ist unverkennbar:

Smile - you are not a robot (robot)

Smile – you are not a robot (robot)

Im Nachhinein habe ich anhand der GPS Daten gesehen, dass die Skulptur nicht allzu weit vom Park entfernt stand.

Science of Rock n’Roll

The Science of Rock n'Roll
irgendwo gelesen, dass es im „Ontario Science Center“ eine Ausstellung mit dem Titel The Science of Rock n’Roll gibt. Das hört sich erstmal interessant an! Für kaum mehr Geld kann man noch einen IMAX Film davor anschauen, der damit aber nix zu tun hat – in meinem Fall war es der Film „Jerusalem“.
Dieses Ontario Science Center ist vom Stil vielleicht vergleichbar mit dem Deutschen Museum in München, allerdings deutlich kleiner. Ich war unter der Woche dort und es waren viele sehr laute Schulklassen dort (also laute Kinder/Jugendliche).
Und diese Rock n’Roll Ausstellung ist nur ein kleiner Teil davon. Für die letzten sechs Dekaden wurden jeweils zwei/drei (vermutlich eher zufällig) ausgewählte Musiker mit wenigen Sätzen dargestellt. Dazu noch ein kurzer Absatz über die damals eingesetzte Technik – allerdings hauptsächlich anhand der damals verwendeten Musikabspielgeräte.
Danach kamen noch ein paar Mitmach-Exponate zum Lieder-Mischen (Spurlautstärke oder Effekte) und das wars. Nicht zu vergessen: der Merchandise-Shop – gekauft habe ich mir da aber nix. Rausgeschmissen wird man um 16:00; was zum einen etwas ungeschickt ist, wenn man erst um halbzwei dort ist und noch knapp eine Stunde im IMAX Kino sitzt – andererseits hat man vermutlich auch nicht viel verpasst.
Und falls jemand meinen Rat will (und ihn aus den vorherigen Zeilen noch nicht direkt rausgelesen hat): Es lohnt sich nicht, dort hin zu gehen!

Ich werde in den nächsten Tagen wohl lieber meine eigenen Studien zum Thema „Rock n’Roll“ direkt vor Ort beim NXNE Festival machen.

ÖPNV mit TTC

als Nicht-Autofahrer interessiert mich natürlich, wie der öffentliche Nahverkehr funktioniert, vor allem im Vergleich zu Stuttgart, wo ich mich täglich mehrmals in Bahnen und Busse werfe. In Toronto gibt es keine „Zonen“, wer einmal zahlt, darf überall hinfahren. Eine Fahrt kostet 3$ (ich finde, das ziemlich viele Fahrgäste ein solches Ticket kaufen), Tagestickets 11$ und eine Wochenkarte 39,25$ (beim letzten Mal vor zwei Jahren noch 35$). Es gibt prinzipiell zwei U-Bahnen; eine in Richtung Nord-Süd, eine in Ost-West, die ganze Stadtmitte ist von sog. „Streetcar“ Schienen durchzogen. Die Dinger sehen so aus:
old Streetcar in Toronto
Und da gibt’s doch mal eine Gemeinsamkeit mit Stuttgart: Toronto bekommt auch neue Bahnen. Die fahren gerade im Test rum, während in der Schwabenmetropole schon die ersten neuen Bahnen im täglichen Einsatz sind.new Streetcar in Toronto
Fahrpläne gibt es kaum, normalerweise steht nur „FS*“ (also „Frequent Service“) dran, was soviel heißt wie * = fährt spätestens alle 10min. Tagsüber musste ich nie mehr als wenige Minuten warten. U-Bahnen fahren etwa bis 1:30, diese Streetcars und Busse teilweise noch bis halbvier.
Ich kenne keinen Linienplan, aber aufgrund des nordamerika-typischen Schachbrett-Straßenverlaufs muss ich nur ungefähr wissen, wohin ich will und stelle mich dann eben an die Straße und warte, bis ein Streetcar (oder Bus) in meine Richtung fährt. Dann evtl. noch einmal umsteigen und schon bin ich da. Viel schneller als zu Fuß bin ich in der Rush-Hour damit auch nicht, aber ich laufe hier schon genug rum….

Alle Straßen Downtown sind vierspurig, diese Streetcars fahren in den linken Spuren; allerdings nicht exklusiv. Wenn man als Fahrgast nun aussteigt, muss man das in den rechts vorbei-fließenden Verkehr tun (übrigens fahren hier sehr viele Taxen rum) – der das aber weiß und natürlich hinter den Bahnen stehenbleibt! Das kann ich mir in Deutschland – speziell auch in Stuttgart – überhaupt nicht vorstellen.
Es kommt auch ab und zu mal vor, dass es eine richtige „Kette“ von Streetcars gibt, dann fahren ein paar direkt hintereinander (normalerweise ist das erste dann komplett voll und die danach ziemlich leer). Bis einer der ZugfahrerInnen mal eine kurze Durchsage macht, dass ab der nächsten Station eine andere Linie befahren wird. Dann hält er/sie kurz vor der Weiche an, ändert manuell die Anzeige im Display, steigt mit einem großen Weichenstell-Werkzeug aus, verstellt die Weiche und fährt dann einfach anders. Ja, die Weichen werden offensichtlich manuell gestellt!
Oder es kann auch mal passieren, dass – vor allem in den Abendstunden – eine Durchsage kommt, dass man angeblich etwas vor dem Zeitplan ist und jetzt ein paar Minuten gewartet wird. Und niemand regt sich auf oder beschwert sich sonstwie darüber.
Oder, was mir auch mal passiert ist, dass sich zwei Bahnen zwischen zwei Stationen getroffen haben, die FahrerInnen von Fenster zu Fenster kurz gequatscht haben und dann beschlossen haben, dass sie jetzt ihre Bahnen tauschen und sozusagen wieder zurück fuhren. Warum auch immer….

Letztendlich muss ich sagen, dass der ganze Straßenverkehr hier erstaunlich gut funktioniert und alles auch extrem unaufgeregt abläuft.

beim Frühstück

vom Flug hatte ich noch eine ungelesene Zeitung übrig (nicht mal Zeitung lesen konnte/wollte ich noch). Die habe ich eben beim Frühstück etwas durch gelesen. Auf Seite Drei war ein Bericht über einen Ultra-Marathonläufer. Da ich ja erst gestern etwas länger spazieren war, frage ich mich voller Bewunderung, wie der eigentlich recht normale Typ neben seinem Job und Familie so viel „trainieren“ kann, dass er sogar über 200km am Tag joggen kann?!
Ausserdem ist noch einer drin, der seine >100 Blutspenden als soziale Selbstverständlichkeit sieht. Diesen Begriff habe ich bisher nicht verwendet, aber er trifft die Motivation für meine regelmäßigen Blutspenden ganz gut.
Achja, ich bin – vermutlich dem Jetlag geschuldet – als dritter heute früh beim Frühstücken gewesen. Es ist doch selten, dass ich einen Platz auf dem Treppchen für solch eine Leistung bekomme. ;~)
Platz drei beim Frühstücks-Wettrennen

Update:
Mittlerweile (nur wenige Tage später – nachdem ich erst weit nach vier ins Bett gekommen bin) bin ich wieder da, wo ich beim Frühstücksrennen hingehöre:
andere nennen es Mittagessen

angekommen!

ich habe mich noch durch den Riesenflughafen London Heathrow gequält (natürlich war mein Gate das am weitesten entfernte) und bin im nächsten Flieger gelandet. Wieder kein Fensterplatz, letzte Reihe, Mitte. Inzwischen bin ich so kaputt, dass das mit dem Schlafen doch ab und zu mal klappt. Nur unterbrochen von kurzen Essenspausen. Ich bin immer noch so fertig, dass ich nicht mal Wein zum Essen nehme. Das Essen scheint ein bisschen zu helfen – die Spucktüte kann wieder aus meinem Blickfeld weggeräumt werden. Ab und zu werde ich von starken Turbulenzen wild im Sitz hin und her geschüttelt. Ob sie wirklich so wild waren, oder ob es an der letzten Reihe gelegen hat vermag ich nicht zu sagen.
Beim Landen in Toronto ist der Muskelkater natürlich immer noch allgegenwärtig, aber ich kann wieder halbwegs normal laufen.

Also ab in die Stadt zu dem Hostel, wo ich die letzten beiden Male schon untergekommen bin. Natürlich per Bahn und Bus, ich laufe heute nix mehr! Als ich davor stehe, muss ich feststellen: das Hostel gibt es nicht mehr – so ein Mist. Mein SmartPhone hat aber zum Glück die offline-Karte von Ontario drauf und damit finde ich ein anderes Hostel, nur 1,7km entfernt. Dort fahre ich – vermutlich halb schwarz – mit meinem ÖPNV Ticket noch hin.
Hier liege ich jetzt auf dem Bett und schreibe diese Zeilen – mal sehen, wie der Muskelkater morgen sein wird….

Muskelkater am Flughafen

vermutlich gibt es keinen Ort auf der Welt, an dem ein fieser Muskelkater in den Beinen schlechter ist, als ein Flughafen. Man muss ständig sehr weite Strecken zurücklegen. Ich freue mich über jedes Laufband (auf dem ich natürlich stehe), über jede Rolltreppe und jeden Aufzug.
Ich fliege erstmal noch über London Heathrow. Fensterplätze gibt es keine mehr. Ich versuche, es mir irgendwie in dem engen Flugzeugsitz bequem zu machen – was kläglich scheitert. Zum Schlafen komme ich auch nicht, obwohl es dringend nötig wäre.
Nach dem zweistündigen Flug – ich bin kein einziges Mal aufgestanden – kann ich kaum noch laufen. Die durchgemachte Nacht tut ihr übriges dazu. Ich bin so ziemlich am Ende.