Unfall am Wilhelmsplatz

letzten Freitag haben mehrere Radfahrende in Stuttgart von einem weiteren, schweren Unfall berichtet. Es wurde offensichtlich ein Radfahrer übersehen, als ein Autofahrer die Spur wechselte (hier die Pressemitteilung der Polizei)
Dass hier früher oder später ein schlimmer Unfall passieren wird, war sonnenklar. An dieser Kreuzung stimmt einfach überhaupt nichts! Und rote Farbe hat noch bei keinem Unfall ihre schützende Zauberwirkung entfaltet.
An der Stelle, wo ich hier aktuell stehe, kommen die Autos von schräg links hinter mir oder biegen hier von einer hinter mir querenden Straße ab. Gesehen werde ich nur schlecht, da links von mir diese Grünfläche mit Baum ist. Dann sehen sie hier einen Pfeil in alle Richtungen, es geht leicht bergab und wenige Meter weiter sehen sie die Ampel. Es ist eine der vielen Ampeln in Stuttgart, bei der man (diplomatisch gesprochen) überdurchschnittlich lange warten muss. Ich fahre 1000x lieber wo anders lang, als hier minutenlang zu warten. Autofahrer geben daher hier noch öfters Gas, als an anderen Ampeln, um das sinnlose Warten zu vermeiden. Dazu kommt noch, dass der Autofahrer von einer Spur mit allen Pfeilen auf einmal auf einer Rechtsabbiege-Spur ist und – falls er das nicht möchte – innerhalb weniger Meter noch schnell einen Spurwechsel machen muss. Radfahrer dürfen eigentlich nie links fahren. Für sie gilt sogar innerorts das Rechtsfahrgebot (es wird nämlich nur für Kraftfahrzeuge aufgehoben) und es gibt immer mehr Ampeln, wo indirektes Linksabbiegen angeboten wird; also erstmal geradeaus über die Kreuzung fahren, dann rechts ranfahren und bei der nächsten Ampelschaltung geht es dann eben links (bzw. dann eben geradeaus) über die Kreuzung.
Fahrradweiche am Wilhelmsplatz
Abgesehen davon, dass hier das Rechtsabbiegen auf die Stadtautobahn vermeidbar wäre, wenn die Autos über die gut ausgebauten Olgastraße beim Charlottenplatz auf diese B14 einbiegen; geradeaus ist für normale PKW auch sehr sinnlos, denn dort geht es nur in eine Sackgasse und die Fahrradstraße (wo sie eigentlich auch nicht fahren dürfen).
Leider ist es so, dass Stuttgart mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unbedingt am Status der Autostadt festhalten will. Niemand in der Verwaltung oder der Politik ist auch nur in der Lage, darüber nachzudenken, eine Spur sicher für den Radverkehr zur Verfügung zu stellen. Da wird einfach nur ein bisschen rote Farbe auf die Straße gemalt und dann gehofft, dass schon nichts passieren wird. Von oben sieht diese Kreuzung dann so aus, man erkennt, dass mehr „tote Fläche“ durch schraffierte Sperrflächen und Verkehrsinseln verschenkt wird, als sie irgendwie sicher für den Radverkehr zu machen. Man würde hier von „oben“ ins Bild kommen, wenn man die obige Ampel geradeaus passiert.
absolut tote Fläche auf der Wilhelmsplatz-Kreuzung
Das war bei unserer Kidical Mass im Mai 2019

Mit der immer weiter steigenden Zahl von Radfahrenden wird es dabei auch leider immer mehr Unfälle geben. Ob es mich eines Tages auch erwischt, weiß ich natürlich nicht. Sollte es der Fall sein, werde ich (soweit ich es überlebe) auf jeden Fall all meine Energie reinstecken, alle Verkehrsplaner:innen und die verantwortlichen Leitungsstellen, bis zum Bürgermeister ins Gefängnis zu bringen. In Heidelberg gab es bereits ein Urteil, das Verkehrsplaner wegen ihrer Unfähigkeit verurteilt hat. Das sollte in Stuttgart ebenfalls ein Klacks werden; jedem Richter wird sofort klar sein, dass die Stuttgarter Verkehrsplaner:innen vieles machen, aber definitiv keine Verkehrsplanung, die dem Jahre 2020 angemessen ist.

Dieses Problem der Fahrradweichen (so heißen diese roten Streifen zwischen den Spuren) hat der Volksentscheid Fahrrad bereits gut bildlich dargestellt. Wem das hinter dem LInk zuviel Text ist, hier noch kurzer Tweet dazu, natürlich mit Bild (dazu einfach auf das Datum am Ende des Tweets klicken). Zwei große LKW links und rechts der roten Fahrradweiche, dazwischen ein Kind auf seinem Fahrrad.

Die ganz einfache Frage, die sich wirklich jeder Mensch stellen kann, ohne jemals irgend eine einzige Vorschrift oder Verordnung gelesen oder gar verstanden haben zu müssen:
Kann ich meine Kinder dort mit dem Rad fahren lassen?
Wenn diese Antwort nicht mit einem klaren Ja beantwortet werden kann, dann ist die Planung Mist. So einfach ist das!
Dass aus dem Radentscheid Stuttgart damals auch schon Beschwerden über eine solche Planung und Durchführung genau an dieser Stelle kamen, ist dem Baubürgermeister egal gewesen. Mit diesem Verhalten sollte ihm mindestens Fahrlässigkeit vorzuwerfen sein, wenn nicht sogar Vorsatz.
Nebenbei: Sein letztes Engagement in Richtung einer angeblich fahrradfreundlicheren Stadt, war die glatte Lüge, 2019 ganze 20 zusätzliche Fahrradstraßen zu errichten. Im komplette Jahr hat er keine einzige erstellt.

Natürlich ist dieser Unfall auch beim Radfahren in Stuttgart Blog beschrieben.

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