Archiv für den Monat: Januar 2020

zerfetztes Merino-Shirt

kleines Unfällchen

eigentlich wollte ich heute Abend ja etwas anderes schreiben. Ich war die letzten Tage in Berlin und München und hätte dazu noch was zu erzählen.
Auf dem Heimweg bin ich allerdings in einer Kurve mitten in der Stadt in eine sehr dreckige Stelle gekommen. Die Baustelle in der Nähe hat die Straße zwar verdreckt aber nicht anständig sauber gemacht. Ich vermute mal, dass das in Stuttgart ständig passiert und man halt auch weiß, dass sich von den öffentlichen Stellen einfach niemand drum kümmert.
Ich bin eben einfach weggerutscht.
Der Kitt’l sieht jetzt so aus.
dreckiger Kittel nach dem Unfall
Und die Hose ähnlich dreckig. Der ganze Dreck lag eben alles auf der Straße und mit dem leichten Regen wurde es zu einer sehr rutschigen Angelegenheit.
dreckige Hose nach dem Unfall
(wer kein Blut sehen kann, sollte hier lieber nicht weiterlesen)
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hinter den Fronten

in meinem letzten Beitrag habe ich dargelegt, wie man sich fühlen könnte, wenn man auf dem sehr steinigen Weg von einer Autostadt zu einer lebenswerteren Stadt beinahe täglich auf alle möglichen Widerstände stößt. Und bevor in den Begriff „steiniger Weg“ wieder zuviel interpretiert wird: hier ist lediglich das Stilmittel der Metapher gewählt worden; steinige Wege gibt es in Stuttgart höchstens als Radwege.
Und heute früh ist dieser Beitrag offenbar irgendwie bei der Stadt Stuttgart angekommen. Auf diversen Wegen wurde mir mitgeteilt, dass der Sprecher der Stadt Stuttgart mich zitiert hat und versucht, das nun etwas anders darzustellen.

Gegenrede von Matis zu meinem Beitrag

Screenshot von twitter

Vielleicht vorweg: Deutsch ist zwar meine Muttersprache, allerdings wars das dann schon. Ich bin Diplom-Ingenieur und habe weder ein Deutsch-Abitur noch eine Ausbildung in Kommunikationswissenschaften, o.ä. Dennoch interessiere ich mich etwas für Sprache und viele meiner Worte sind tatsächlich absichtlich so gewählt, ohne dass ich jedes einzelen auf die Goldwaage lege (die ich auch gar nicht habe).
Auch die Strategie, sich von einem privaten Account in eine öffentliche Diskussion einzuschalten oder sie zu starten, stelle ich immer wieder mal fest. Das passiert nicht nur hier bei der Stadt Stuttgart, sondern so arbeitet zum Beispiel auch das Social Media Team von Daimler. Dort werden alle unverfänglichen Aussagen über die offiziellen Firmenaccounts getätigt und wenn es dann mal ins Konkrete geht oder eine Aussage getätigt wird, die nicht ganz der Wahrheit entspricht oder nicht 100% konform mit den Firmen-Werten ist, schaltet sich der „Head of Digital Transformation“ privat ein, diskutiert mit und erweckt den Eindruck, als ob er für die Firma spreche, obwohl er in seinem Profil explizit stehen hat „Views are my own. Always“.

Der erste Punkt der Kritik: man müsse sich ja gar nicht engagieren.
Keine Ahnung, was das für eine Aussage sein soll. Von allen Seiten hört man ständig immer wieder, dass (ehrenamtliches) Engagement gut sei und einen großen Vorteil für die Geselllschaft bringt.
Oder es ist nur eine Anspielung auf meinen Slogan „Niemand muss Auto fahren“? Ich glaube zwar nicht, dass ich von der Stadt soweit beobachtet werde, dass sie diesen Slogan kennen oder mir zuordnen könnte – aber wer weiß. Wäre dann aber auch schlecht gemacht.
Letzendlich habe ich die Erfahrung von buchstäblich tausenden Menschen, mit denen ich während der Unterschriftensammelphase des Radentscheid Stuttgart gesprochen habe und die sich fast ausschließlich für unser Engagement bedankt haben und es gut finden, dass wir das machen. Aber wenn jemand auf der „anderen Seite“ dieses Engagements steht, wie eben hier die Stadt Stuttgart, dann ist diese Aussage aus ihrer Sicht vielleicht wieder etwas verständlich.

Der zweite Punkt: ein toter Riese am Ende des Kampfes, als (rhetorische?) Frage.
Auch hier vielleicht wieder eine Anspielung auf den Hashtag #DavidgegenGoliath, den ich verwendet habe. Ja, twitter bietet nur eine begrenzte Zahl von Zeichen an und von diesen Tweet-Threads mit bis zu zig Tweets in Reihe, um einen Punkt klar zu machen, halte ich nicht viel; dafür gibt es, auch 20 Jahre nach deren Entstehung, schließlich immer noch Blogs (sie baden gerade ihre Hände drin[hihi, toller Link dort unter 2.]).
Ich denke, dass ich in meinem Beitrag ganz gut dargelegt habe, dass die ca. 100 Leute, die sich damals für den Radentscheid engagiert haben, durchaus in einer eklatanten Unterzahl sind, wenn man die Politik, die Verwaltung und das lokale Medien-Monopol entgegen ihren jahrzehntelang gelebten Überzeugungen darüber informieren will, was in anderen Städten oder Ländern schon längst an der Tagesordnung ist. Um dies besser zu beschreiben, habe ich mal das digitale Projekt 100 Städte angefangen, welches aufzeigt, dass es weltweit keine einzige Stadt gibt, die ihre Probleme mit dem MIV gelöst hat. All diese Städte setzen auf Maßnahmen für den Radverkehr, für den Fußverkehr, für lebenswerte Städte und wollen den Autoverkehr somit (drastisch) reduzieren, zum Teil komplett entfernen.
Wenn Stuttgart sich dagegen verschließt, wird es bestimmt eines Tages als „toter Riese“ (oder Dinosaurier) enden, oftmals spricht man in dem Zusammenhang von „Detroit 2.0“. Wie die Zukunft wirklich wird, kann natürlich niemand voraussagen. Aber wir können auf die Wissenschaft hören, auf Studien, auf Beispiele aus anderen Städten und ihre Erfahrungen damit. Diese „100 Städte“ sind natürlich noch lange nicht vollständig, ich habe noch viele, viele weitere Beispiele im Hinterkopf, komme aktuell aber nicht dazu, mich hier weiter zu engagieren. Es hat aktuell aber schon einen Status erreicht, der mehr als deutlich macht, dass Städte auf allen Kontinenten das Kapitel „autogerechte Stadt“ abschließen und in eine andere, bessere Zukunft abgebogen sind. Ich habe bisher noch kein halbwegs realistisches Szenario für ein blühendes Stuttgart gesehen, das ohne die Automobilbranche, wie wir sie heute kennen, auskommt.

Zum dritten Punkt, dass es Fronten im Krieg gibt.
Klar. Fronten gibt es aber auch bei Häusern, bei Küchen oder der Meteorologie; nachzulesen beim Duden. Ansonsten ist es ein durchaus übliches Stilmittel in der täglichen Kommunikation, man findet auch 44 Treffer zu „Front“ auf stuttgart.de. Jeder versteht halt das, was er verstehen will. Mehr gibt es hierzu auch gar nicht zu sagen.

Dann zum letzten Punkt: es wäre eine „Falschbehauptung“, wenn ich von Boykott spreche.
Ich sehe es ja eher so, dass eine Aussage auf meiner privaten Webseite keine „Falschbehauptung“ ist, sondern eher eine „Meinung“ und habe auch dargelegt, wie ich dazu komme. Im Beitrag rede ich davon, dass „die Verwaltung der Stadt Stuttgart immer wieder Beschlüsse des Gemeinderates ignoriert oder gar aktiv boykottiert“.
Dann führe ich das eben nochmal mit ein paar weiteren Fakten aus und jede:r Leser:in kann sich sein eigenes Bild davon machen.
2009 hat die Stadt Stuttgart das Verkehrsentwicklungskonzept 2030 erstellt, das gibt es unter diesem Link auch als 32MB-PDF mit 139 Seiten zum Download. Leute, die sich mit dem Thema „Mobilität in Stuttgart“ auseinandersetzen, werden es vermutlich kennen. Allen anderen kann ich es nur empfehlen, weil da grundsätzlich gute Dinge drin stehen (die nur so leider nicht gelebt werden). Es ist offenbar unter der Antragsnummer 590/2010 behandelt worden, ist darunter aber bei der Suchmaschine der Stadt nicht zu finden. Dieses Verkehrsentwicklungskonzept wurde auf jeden Fall von einer Mehrheit des Stuttgarter Gemeinderats beschlossen. Nach meinem Verständnis ist der Gemeinderat das höchste, demokratisch gewählte Organ der Stadt – entsprechend wichtig sind seine Beschlüsse.
Da ich mich primär beim Radverkehr auskenne, hier mal schnell zwei Beispiele:
Es gibt ein Gesamtkonzept zum Thema Radverkehr.Gesamtstrategie Radverkehr laut VEK

Ganz oben, wohl eher zufällig, das Thema Fahrradparken. Dazu habe ich auch vor kurzem meine Meinung geäußert. Hierbei kann ich mir tatsächlich mit viel Optimismus vorstellen, dass es aufgrund von öffentlichem Druck tatsächlich bis 2030 noch halbwegs zufriendenstellend gelöst werden könnte. Warum das Thema allerdings die letzten zehn Jahre auf Eis lag, bleibt verwunderlich. Ein Hauptradroutennetz ist Stand heute noch ein großes Wunschdenken. Es gibt nicht mal eine einzige vernünftige Hauptradroute (HRR) und die Stadt streitet seit Jahren um die HRR2. Bei der Geschwindigkeit wird in den nächsten zehn Jahren sicherlich kein Netz entstehen. Ebenso sind keinerlei Arbeiten an Stadtteilnetzen sichtbar. Ich weiß aktuell lediglich vom Stuttgarter Westen, dass es dort 215m Radwege gibt, und das bei einem Stadtteil mit über 52.000 Einwohnern. Im Osten haben wir nach den zwei Unfällen auf der Talstraße recherchiert und 108m Radwege gefunden. Eine Verkehrssicherheitsarbeit/Öffentlichkeitsabeit und Kommunikation hätte man auch schon am ersten Tag nach dem Beschluss des VEK starten und bis heute laufen lassen können. Stattdessen wurde dem Radentscheid versprochen, dass noch im Jahr 2019 ganz sicher eine Kampagne zu 1,5m Überholabstand durchgeführt wird. Wenn man heute, im Januar 2020 mal draußen auf der Straße fragt, ob jemand etwas davon mitbekommen hat, wird es wohl ernüchternd ausfallen. Service rund um’s Rad – was soll man sich darunter vorstellen? Die eine Reparatursäule, die die Stadt am ersten #Radvent in der Eberhardstraße eröffnet hat? Sorry – aber bei dem Thema ist die Zivilgesellschaft auch schon viel weiter. Der ADFC hat in Zuffenhausen eine solche Säule aufgebaut (was offenbar über 300 eMails mit der Stadt benötigte, bis man sie trotz diesem VEK davon überzeugen konnte, dass man sowas wirklich machen darf), auch die Stadtlücken haben unter dem Österreichischen Platz bereits eine solche Reparatursäule aufgebaut. Dazu kommen noch diverse „offenen Werkstätten“ (z.B. im Hobbyhimmel, im Umweltzentrum von ADFC, im Keller5, etc.). Die Verknüpfung zum ÖPNV ist durchaus gut. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob es an diesem VEK lag, oder ob es vorher schon so gelöst war. Falls hier jemand mehr weiß, höre ich mir das gerne an. Zu Qualitätssicherung ist es schwierig, etwas zu sagen. Aber die Radwege in Stuttgart sind durchgehend schlechter als die Straßen und werden oft als Abstellflächen für Verkehrsschilder, Mülltonnen und Parkplätze verwendet. Die Fahrrad-Wegweisung finde ich hier in Deutschland sowieso nutzlos, wie ich auch schon mal beschrieben habe. Gute und sichere Wege gibt es bis heute nicht. DIe Stadt erzählt zwar gerne etwas von 180km Radwegen; das wäre beim aktuellen Straßennetz von 1450km zwar auch schon keine gute Leistung. Und wenn man weiß, dass davon lediglich 8km richtige Radwege (d.h. kein Mischverkehr mit Fußgängern) sind, wird es noch deutlicher, dass dieses Ziel in sehr weiter Ferne ist und bis 2030 bestimmt nicht mehr umgesetzt werden kann.

Und noch ein zweites Bild aus dem VEK2030 zum Thema Radverkehr. Nur zur Info: Die Qualität habe nicht ich so schlecht hinbekommen, das ist ein Screenshot aus dem Dokument. Vor zehn Jahren war das png-Format vielleicht noch nicht so verbreitet (und ich manchen Bereichen hat man vielleicht bis heute noch nix davon gehört).
Nach diese Grafik hätte man allerspätestens 2015 mal kurz überlegen und intervenieren müssen. Damals war der Radverkehrsanteil definitiv unter dem Minimalziel von 10%. Das ist er ja sogar heute noch. Ganz genau weiß das zwar niemand, weil er schon lange nicht mehr gemessen wurde, aber dass er nicht in dem Maße gestiegen ist, wie man sich das gewünscht hätte, ist allen klar.Raverkehrsanteil laut VEK

Und ich weiß, dass sogar in den Automobil-Giganten in und um Stuttgart nicht nur Auto-Fans arbeiten, sondern auch Radfahrer:innen. Nicht nur diese „Auch-Radfahrer“ (die sich in jeder Diskussion immer aufspielen und nur Quatsch einbringen), sondern richtige Alltagsradler. Ein Beispiel dafür ist Mahle, die seit Jahren jedesmal beim Stadtradeln mit einer beeindruckenden Mannschaft gewinnen. Daher bin ich mir sicher, dass auch in der Stadt Stuttgart der ein oder die andere Alltagsradfahrer:in sitzt und etwas von diesem VEK weiß. Und in meiner Welt sitzt diese Person dann nicht nur stumpf am Schreibtisch und wartet auf den Feierabend, sondern denkt auch mal mit und engagiert sich ein bisschen neben dem eigentlichen Aufgabengebiet. (Auch wenn ich das nach der beschriebenen Ansicht der Stadt über Engagement vielleicht nochmal hinterfragen müsste.)
Die Vorgesetzten sollten sowieso über diese demokratische Entscheidung bezüglich ihres Aufgabengebietes wissen.
Und jetzt stehen wir im Jahr 2020 und haben definitiv keine 12% Radverkehrsanteil, also das Mindestziel – oder auch Minimalziel – nicht erreicht. Mit sehendem Auge seit mindestens fünf Jahren auf dieses Versagen zugelaufen, ohne etwas zu machen. Vielleicht ist der politisch korrekte Begriff dafür nicht „Boykott“, sondern eher „Änderung der Prioritäten“. Dass man dieses Thema einfach „vergessen“ hat, kann ich mir nicht vorstellen, wie ich es eben noch ausgeführt habe. Im Endeffekt ist es auch egal, wie man es nennt. Es wurde nichts gemacht. Es wurde von Anfang an nicht genug gemacht, um das Minimalziel zu erreichen. Und als man festgestellt hat, dass man selbst das Minimalziel nicht erreichen wird, hat man keinerlei Änderung der offensichtlich falschen Strategie beschlossen. Für mich ist und bleibt das ein Boykott des Gemeinderatsbeschlusses 590/2010, einem demokratisch beschlossenen Grundsatzziel für die Stadt Stuttgart von ihren gewählten Vertretern.

Vielen Dank an alle, die mich über obigen Tweet informiert und die sich in die Diskussion auf twitter eingeschaltet haben. Ich hoffe, ich konnte damit erklären, dass ich nicht „im Krieg“ bin, sondern einfach nur einer von sehr vielen Stuttgarter:innen, die sich eine lebenswertere Stadt wünschen – wenn auch mit etwas mehr Engagement als andere.

Berlin-Ausflug

Berlin

Berlin hat schon irgendwas. Dieses Wochende eben das Sechstagerennen, die SixDays.
Ich habe noch rechtzeitig einen Zug gebucht. Gut ist ja, dass diese Flixtrains auch auf der Bahn-Seite angezeigt werden, dass man bloß nicht vergisst, die günstigere Alternative zu buchen. In meinem Fall hatte ich die Hinfahrt für 8,99€ bekommen.
Was nicht so gut ist: Man muss halt schon um 07:04 am Bahnhof sein – was mir als „Team Zweistellig[e Uhrzeiten]“ doch nicht ganz einfach fällt. Da ist es auch egal, dass man danach noch ausgiebige Nickerchen im Zug machen kann.
Berlin-Ausflug
Die Aussicht am fast durchgehenden nebeligen Reisetag war völlig zu vernachlässigen. Hier z.B. die Kohl’schen blühenden Landschaften. Für Januar bestimmt schon/noch sehr grün.
Berlin-Ausflug
Den einen Abend bin ich ein bisschen mit der mit Kamera rumspaziert und habe versucht, ein paar Bilder zu machen. So richtig motiviert war ich aber nicht und als ich dann zufällig auf einen bekannten Musiker aus Stuttgart traf, nahm ich das als gute Ausrede, mich ihm ein bisschen anzuschließen und das Fotografieren sein zu lassen. Danach kam mir das Bosse-Lied 3 Millionen in den Sinn, das ja ein bisschen das Thema „jemanden in Berlin treffen“ aufgreift.
Das einzige halbwegs vernünftige Foto beim Spaziergang ist dieses hier geworden, auf dem der Berliner Fernsehturm langsam im Nebel verschwindet.
Berlin-Ausflug
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viele Fronten!

wenn man sich fast täglich dafür einsetzt, dass die eigene Stadt fahrradfreundlicher und somit auch lebenswerter wird, stößt man auf Widerstände aller Art.
Zum einen ist da die Politik, die freiwillig nichts ändern will und die man sprichwörtlich zum Jagen tragen muss. Wie oft haben wir bei den Unterschriften-Sammlungen zum Radentscheid die Frage gehört, wieso eine solche Initiative in einer grün regierten Stadt und einem grün regierten Land überhaupt nötig ist (und auch bis heute leider keine Antwort darauf gefunden).
Dann ist da die Verwaltung, die immer wieder Beschlüsse der Politik bestenfalls ignoriert oder gar aktiv boykottiert. Man könnte dabei z.B. das Verkehrsentwicklungskonzept 2030 (VEK2030) nennen, das bereits 2009 erstellt wurde und in dem auf weit über 100 Seiten viele gute Sachen stehen. Aber die Stadt sieht heute eigentlich noch genauso aus, wie vor diesem Beschluss. Es gibt auch einen Beschluss zu „Stuttgart laufd nai“, also zur autofreien Innenstadt von Juli 2017 (mehr). Aber auch hier passierte in den letzten zweieinhalb Jahren eigentlich nix; lediglich auf einer 350m langen Straße wurden die „KFZ frei“ Schilder mit „Lieferverkehr frei“, „Taxi frei“ und „Rollstuhlfahrer frei“ Schilder ausgetauscht. Dass der Gemeinderatsbeschluss vom Februar 2019 zur Übernahme der Ziele des Radentscheids bisher noch überhaupt nicht in der Verwaltung angekommen ist, muss ich wohl nicht erwähnen.

Heute soll es aber um die lokale Presse gehen. Leider gibt es in Stuttgart nur eine einzige Zeitung mit einer größeren Auflage. Diese kommt in zwei Aufmachungen daher, die allerdings üblicherweise den identischen Inhalt bei lediglich anders gestalteten Titelseiten hat. Die eher in gelb gehaltene Stuttgarter Zeitung und die eher blaue Stuttgarer Nachrichten. Ich spreche eigentlich nur von der Stuttgarter Zeitung, weil die Nachrichten aufgrund ihrer großen VfB-/Fussball-Prioritäten von mir noch viel mehr ignoriert wird.
Beide haben jedoch z.B. im letzten Jahr den Hashtag #Stuttgartparktfair aufgegriffen und es als verwerflich dargestellt, indem sie es als „Internet-Pranger“ beschrieben, dass auf Twitter von wenigen kleinen Accounts unter diesem Schlagwort falsch parkende Autos mit erkennbarem Kennzeichen veröffentlicht werden. In ihrem vorauseilenden Gehorsam, um diese Falschparker:innen so gut als möglich zu schützen und den Status der Autostadt zu zementieren, haben sie dann mit ihrer enormen Reichweite ein paar Screenshots dieser twitter-Benutzer veröffentlicht. Die Namen und Profilbilder der Twitter-Benutzer sind in der Galerie des Artikels sichtbar, die Kennzeichen der Falschparker wurden unkenntlich gemacht.
Das ist vermutlich eher ein „Internet-Pranger“: die Stuttgarter Zeitung hat auf twitter über 120.000 Follower, die von ihr an den Pranger gestellten Benutzer haben gerade mal 70-110.

Ein anderes Beispiel, das ganz gut die Denkweise der Stuttgarter Zeitung und ihrer Recherche-Fähigkeiten darstellt ist der Bericht über die längst fälligen Änderungen an der Fahrradstraße. Anstatt irgend etwas Positives an der (wie bereits oben genannten und längst überfälligen) Umsetzung des mehrheitlich gefassten Gemeinderatsbeschlusses zu erwähnen oder eben auf prozessliche Verzögerungen einzugehen, kann die Stuttgarter Zeitung nichts anderes denken als: „Autos unerwünscht an der Eberhardstraße“ – wie gesagt, es handelte sich bisher schon um eine Fahrradstraße! Dass schon der erste Satz im zweiten Absatz keinen Sinn mehr macht, ist schon fast nebensächlich („Susanne Scherz, Leiterin der Abteilung Straßenverkehr beim Amt für öffentliche Ordnung nach, macht klar, dass Kuhns Bekannte nun umdenken müssen.“). Was aber meiner Meinung nach schon etwas peinlich ist: dass der Name des „Tiefbauers“ Hutt mehrmals falsch als Huth geschrieben ist.

Und am Montag, 20. Januar, kam mal wieder so ein Artikel, in dem die Stuttgarter Zeitung ihre Meinung über Radfahrer:innen kundtun musste. Am 7. Januar war es morgens offensichtlich sehr glatt. Das habe ich auf meinen privaten Social Media Kanälen mitbekommen. Bis ich allerdings morgens mal aufstehe und ins Büro radle, ist das Thema Glatteis normalerweise immer wieder erledigt. Die Stuttgarter Zeitung erwäht anfangs, dass es viele Meldungen über bei Glatteis gestürzte Radler:innen gegeben hat und dass nur durch gegenseitige Warnungen der Radfahrer:innen untereinander und durch angepasste Geschwindigkeit nicht mehr passiert ist.
Eine kurze Erklärung für alle Autofahrer:innen unter meinen Lesern: angepasste Geschwindigkeit ist das Reduzieren der Geschwindigkeit, damit man das Fahrzeug bei jeder Situation noch unter Kontrolle hat.
Den Artikel haben sie dann damit geschlossen, den Radfahrer:innen grundsätzlich mal Lügen zu unterstellen:
"Die Wahrheit" darf nicht fehlen
Wie gesagt, ich war nicht betroffen. Aber mir sind verschiedene Dinge klar:
1. ich brauche keinen Radunfall bei der Polizei melden. Nach den bisherigen Erfahrungen nimmt sie das gar nicht oder nur sehr widerwillig auf. Einen Alleinunfall zu melden bringt mir auch überhaupt nichts.
2. aufgrund niedriger Geschwindigkeit und zu erwartenden Rutschpartien passierte bei den Glatteis-Unfällen normal nichts schwerwiegendes, vielleicht ein paar Schürfwunden und blaue Flecken. Dafür stundenlang in eines der chronisch überfüllten Krankenhäuser zu gehen, wird niemand machen (außerdem gibt es noch mehr in Stuttgart, als die beiden genannten.)
Dennoch sind diese üblichen, geringen Verletzungen keine Ausrede, die Rad-Infrastruktur nicht in Schuss zu halten!
3. bei der Wettersituation, wie am 7. Januar, als einfach überall Glatteis war und auch die Autos jede Menge Unfälle erzeugten, wird kein:e Radfahrer:in bei Minusgraden auf der Straße liegen bleiben um auf einen Rettungswagen zu warten. Solange es irgendwie geht, wird man sich wieder aufs Rad setzen und die Fahrt beenden.
Auch hier: das ist kein Grund, dass die Radinfrastruktur nachrangig behandelt wird!

Zum Glück gibt es noch die Kontext Wochenzeitung, die uns ab und an etwas Rückenwind bei unserem Engagement für eine lebenswerte Stadt gibt. Und vielleicht erreicht der oder die neue Oberbürgermeister:in nächstes Jahr in der Verwaltung mehr, als der sehr blass gebliebene Kuhn. Und die Politik hat auch probiert, einen ambitionierten Doppelhaushalt aufzustellen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie auch hinterher ist, dass alles nun auch so umgesetzt wird und nicht mit der Abstimmung die Verantwortung dafür wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hat.

Fahrradgaragen

das Thema „Fahrradgaragen“ wird schon seit einiger Zeit in Stuttgart diskutiert. Ich habe mich schon recht früh in das Thema eingearbeitet und daher kenne ich mich daher relativ gut aus. Das merke ich auch daran, dass viele Leute davon noch überhaupt gar nichts wissen oder bei mir Details erfragen.

Daher möchte ich es, nachdem die erste Fahrrad-Garage in Stuttgart nun seit wenigen Tagen steht, hier mal etwas aufarbeiten. Sollte etwas falsch sein oder fehlen, einfach kurz Bescheid geben.

Angefangen hat es, meines Wissens nach, mit diesem Antrag, der im Oktober 2017 zum Doppelhaushalt 2018/2019 der Stadt Stuttgart gestellt wurde, #419/2017:
–> https://www.domino1.stuttgart.de/web/ksd/ksdRedSystem.nsf/0/F34F17E55FB079EAC12581BE0047BBD5
Der Inhalt von Punkt 3b, auf einen Satz zusammenfasst: Die Stadt soll 60 Fahrradgaragen, speziell für hochwertige Pedelecs und Lastenräder in den Wohngebieten für die Bewohner:innen bauen und kriegt dafür 400.000€. Er wurde im entsprechenden Unterausschuss angenommen, wenn auch mit einer nur knappen Mehrheit. Daraufhin ist jedoch nichts passiert, was man als Außenstehender bemerkt haben könnte.

Im Oktober 2018, also etwa ein Jahr nach dem Beschluss, hat der Zweirat Stuttgart diesen Antrag öffentlich gemacht und auch mit Hilfe des Stuttgarter Magazins Lift innerhalb kurzer Zeit mehrere Hundert Interessierte Stuttgarter Einwohner:innen gefunden, die einen solchen sicheren (Lasten-) Radparkplatz haben wollen.
–> https://zweirat-stuttgart.de/2018/10/19/die-stadt-will-fahrrad-garagen-bauen/
Die Interessierten wurden kartiert und es waren schnell viele Stellen, wo die geforderten vier Parteien in unmittelbarer Nähe wohnten. Damit hätte man sofort diesen Auftrag des Gemeinderates umsetzen können.
Die Reaktion der Stadt war jedoch verwirrend. Anstatt sich für die Initiative zu bedanken, wurde sehr schnell vom Stadtsprecher verkündet, dass es „nicht stimme“. Bis heute hat er jedoch noch keine Antwort darauf gegeben, was an der Zweirat-Darstellung falsch sein soll. Dann legte er nach und behauptet, dass „der [Gemeinde-] Rad das nicht beschlossen“ hätte, worauf er sogar von einer Gemeinderätin korrigiert wurde.
–> https://twitter.com/svmatis/status/1054748676411809792
Was der Hintergrund dieser Aussagen des Stadtsprechers ist, ist bis heute nicht bekannt.

In Februar 2019, vermutlich auf Druck des Radentscheid Stuttgart, wurde diese Seite auf der Homepage der Stadt veröffentlicht:
–> https://www.stuttgart.de/item/show/466797/1/3/668707
Auch hier ist wieder zu lesen, dass die Stadt Radgaragen in Wohngebieten erstellen will. Von Lastenrädern ist schon nichts mehr zu lesen. Ein Konzept solle im Sommer vorgestellt werden.
Am 9. Juli 2019 stand das Thema Fahrradgaragen dann auf der Agenda des Radforums PG1. Dieses Radforum ist zwar eine öffentliche Veranstaltung, die jedoch nicht öffentlich beworben wird. Hier wurde ein Bild von einer potentiellen Fahrradgarage gezeigt. Da war klar, dass Lastenräder dort sicherlich nicht rein passen werden. Auch der angedachte Ort unter der Paulinenbrücke ließ die Interessierten verwundert zurück. Das ist definitiv kein Wohngebiet. Ob ich das damals gezeigte Bild veröffentlichen darf, ist mir aktuell nicht klar, es ist aber schon sehr nah an der aktuell aufgestellten Garage.
Letztendlich wurde gesagt, dass dies nun ein Pilot sei (Quelle). Ich kann mich erinnern, dass diese Pilotphase nun erstmal zwei Jahre gehen soll (Quelle), bevor irgend welche weiteren Überlegungen und Planungen durchgeführt werden. Schnell war man auch dabei, eine Entgeltordnung für diese Garagen zu erstellen. Während Autofahrer:innen in Stuttgart lediglich 30,70€ für einen Anwohnerparkausweis zahlen müssen, ist ein solcher Stellplatz in dieser Garage für 90€ im Jahresabo oder für 1€ pro Tag buchbar.

Zu den angesprochenen, angeblich rechtlichen Problemen:
1. gibt es alleine im Stuttgarter Westen etwa 9.500 Parkplätze (Untersuchung dazu). Hiervon nun ganze zehn Parkplätze für solche Fahrradgaragen umzuwidmen, sollte doch absolut kein Problem sein. Erst recht nicht in einer Stadt, die zumindest irgendwie probiert den Eindruck zu vermitteln, eine „echte Fahrradstadt“ (Quelle dazu) sein zu wollen.
2. habe ich in Leipzig gelernt, wie sie Fahrradbügel auf die Straße/Parkplätze bringen konnten. Sie haben die weißen Straßenbegrenzungslinien einfach um diese Fahrradparkplätze gezogen. Somit waren sie nicht mehr Teil der Straße, sondern man konnte damit alles andere anstellen. Es gibt also kreative Lösungen, wenn man etwas umsetzen will. Während anderswo Lösungen suchen, hat man in Stuttgart immer wieder den Eindruck, dass hier mit viel Aufwand immer wieder nur Ausreden gesucht werden.
3. gibt es diverse Städte in Europa und auch in Deutschland, die es schon geschafft (oder soll man schreiben „gewollt“) haben, sichere Fahrradstellplätze für die Anwohner:innen bereitzustellen, siehe hier.

Mein Vorschlag wäre ja, dass diese Fahrradgaragen in die Wohngegenden mitten auf die Straßen gestellt werden. Diese werden aktuell fast immer nur als bequeme und ampelfreie Durchgangsstraßen genutzt. Diese neuen Garagen könnten daraus dann viele Sackgassen machen, mit einem roten Fahrradweg, der trotzdem noch durch führt; sie ständen direkt vor den Häusern der Radbesitzer:innen, würden sogar keine dieser ach-so-wichtigen Parkplätze wegnehmen und eine Art „Superblock-Straßennetz“ erzeugen, mit dem andere Städte schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben (Quelle). Nebenbei wird der Autoverkehr deutlich reduziert und um diese Garagen könnten noch kleine Parks, Bäume oder eben freie öffentliche Räume entstehen, wo Menschen mitten in der Stadt dann leben können und nicht nur toter Platz für fahrende oder parkende Autos bereitgestellt wird. In relativ kurzer Zeit würde die Anzahl der Autos dadurch stark sinken und man gewinnt weiteren, wertvollen Platz für die Stadtbewohner:innen.
Das stelle ich mir unter einer #Fahrradstadt oder einer lebenswerten Stadt vor.

Fazit
Inzwischen sind über zwei Jahre seit dem beschriebenen Antrag vergangen. Es gibt keine einzige Fahrradgarage in Wohngebieten, obwohl es schon 60 sein sollten. Von dem beantragten Geld ist nichts für den eigentlichen Zweck verwendet worden. Es gibt jetzt nur diesen einen Pilotversuch, der über zwei Jahre laufen wird, bis die Stadt über das weitere Vorgehen entscheidet. Lastenräder kann man in dieser Garage überhaupt nicht abstellen.
Es fällt mir schwer, an dieser ganzen Geschichte etwas positives zu sehen. Und ich will gar nicht daran denken, dass es in anderen Bereichen, wo ich mich nicht eingearbeitet habe, ganz ähnlich läuft.

Impressionen meiner #Festive500 Radtouren

Festive 500

unter den Radfahrer:innen auf der Nordhalbkugel gibt es seit 2010 eine etwas besondere Veranstaltung. Auf Strava, das ich gerne als das „facebook für Sportler“ bezeichne, hat die Radbekleidungsfirma Rapha eine Herausforderung mit dem Namen #Festive500 ausgerufen: man soll zwischen Heilig Abend und Silvester mindestens 500km Rad fahren.
Im Jahr 2013 war ich auf meinem allerersten ersten Radurlaub in Australien und bin in diesem Zeitraum von der Grenze zwischen NSW und Victoria bis hinter Melbourne gefahren (also dort, wo jetzt auch diese verheerenden Feuer brennen). Ich nahm diese digitale Auszeichnung für die eher nebenbei gefahrenen 590km also einfach so mit.

Zurück in Deutschland konnte ich mir damals immer noch nicht vorstellen, dass man hier im Winter eine solche Strecke zurücklegen könne.

2017 war ich wieder im (langen) Urlaub und fuhr in der Zeit zum großen Teil auf der Tour Aotearoa vom nördlichsten Punkt Neuseelands, Cape Reinga, bis in die Gegend von Auckland. Das waren 680km, die ich bei bestem Radfahrwetter in toller Landschaft machte und damit kam ich auf den 1.384. Platz von 82.700 Teilnehmern.

Im kommenden Winter 2018 war ich nicht im Urlaub, habe aber einfach mal probiert, an dieser Herausforderung trotzdem mitzumachen. Als ich sah, dass andere Bekannte auch dabei waren, war mein Ehrgeiz gepackt und ich wollte es schaffen. Mir gingen dabei zwei Fahrräder kaputt, aber es waren ja noch andere verfügbar und am Ende hatte ich gerade so eben 506 recht hart erradelte Kilometer zusammen.

Inzwischen also schon fast eine Tradition, habe ich es im ziemlich warmen Winter 2019 wieder in Angriff genommen. Dabei war ich auch bei typischem Nebel in der Ulmer Gegend.
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Und bin auch sonst mal in der Nähe der Schwäbischen Alb gewesen. Wo genau das hier war, müsste ich mal in den GPS-Daten nachschauen. Aber diese Aussicht hat doch was.
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Dies ist – wenn ich es richtig erinnere – noch im Stuttgarter Speckgürtel, irgendwo nordöstlich mit Blick in Richtung Stuttgart.
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Da ich ja nicht der Typ bin, der gerne zu einstelligen Uhrzeiten aufsteht, sind meine Touren eben etwas später am Tag gestartet. Verbunden mit den kurzen Tagen, bin ich oft in Dunkelheit gefahren. Einen solchen Sonnenuntergang mit Blick auf Stuttgart, dem Fernsehturm und der Mondsichel habe ich aber nur einmal gehabt. Es war natürlich auch nicht geplant, sondern einfach nur Glück, dass ich genau zu der Zeit an genau diesem Ort war. Ich habe mich nur ein bisschen geärgert, dass ich keine vernünftige Kamera dabei gehabt hatte.
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Dann habe ich es auch endlich mal geschafft, zum ersten Mal auf dem neuen, in BW einzigem, Radschnellweg zwischen Stuttgart und Böblingen zu fahren. Man muss dazu erst auf den zweithöchsten Punkt Stuttgarts fahren, die sog. Rohrer Höhe. Aus der Innenstadt, die auf ca. 250m NN liegt, sind das dann schon gute 250 Höhenmeter, bis man dort bei ca. 520m ist. Ob das die weltbeste Wahl für die Strecke war, könnte man ja nochmal diskutieren.
Am Hinweg ist es schon spätnachmittags gewesen, der Rückweg war dann im Dunkeln. Dabei habe ich auch gemerkt, wie die Beleuchtung dort funktioniert. Als ich einbog, war der Radschnellweg im Dunkeln, durch Bewegungsmelder wurde ich erkannt und es waren dann immer drei Laternen vor mir an. Wenn ich eine passierte, egal mit welcher Geschwindigkeit, ging die dritte vor mir wieder an. Hinter mir gingen die Lampen aber nicht mehr so schnell aus.
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Auf der anderen Seite von Böblingen wird der Radschnellweg offensichtlich schon mal weiter gebaut. Dort herrscht vermutlich auch noch die Denke vor, dass im Winter ja sowieso niemand Fahrrad fährt, deswegen wurde hier auch weder eine Umleitung noch – Gott bewahre – ein Tempolimit oder gar eine Radspur auf der großen Straße daneben eingerichtet.
Impressionen meiner #Festive500 RadtourenÄhnliches auch im Stuttgarter Stadtgebiet. Auch hier wird scheinbar am Waldweg zwischen Feuerbach und Botnang irgendwas gebaut. Niemand weiß es so recht, weil es im Baustellenkalender der Stadt nicht drin steht. Von Feuerbach kommend habe ich keine Umleitung gesehen, in Botnang stand ein Schild, das die Radfahrer:innen und Fußgänger:innen auf einen anderen, nicht asphaltierten Waldweg geleitet hat.
Ich bin natürlich auf der Straße gefahren.
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Auf anderen Strecken hatte ich aber mehr oder weniger absichtlich auch Wald- und Feldwege dabei. Dass einige dieser Nebenstrecken durch die Landwirtschaft nur noch schwierig zu befahren waren, hätte ich im Dezember auch nicht gedacht.  Mein Rad sah daher auf jeden Fall ziemlich dreckig aus (bzw. es sieht immer noch so aus).
Impressionen meiner #Festive500 Radtouren
Am 31.12. habe ich mit der letzten, nur noch 37km kurzen Tour, mit der Festive 500 Herausforderung bei 505km abgeschlossen. Ich bin damit auf den 21.126. Platz von fast 120.000 Teilnehmer:innen gekommen.

Überraschend ist der Dezember dann mein Monat mit den drittmeisten Kilometern dieses Jahr geworden. Neben diesen 500km hatte ich ja noch diese andere 180km-Tour und ein paar andere, nicht ganz so lange Touren gemacht.
meine Fahrrad-Statistik
Dieses Rumfahren bei dem Wetter hat eine gewissen Faszination für mich. Es ist schwierig zu beschreiben. Es ist zwar schon recht kühl, aber nicht so kalt, dass es micht stört. Mein Körper produziert meist genug Wärme, Hände und Füße kriege ich inzwischen halbwegs warm gehalten. An den Anstiegen komme ich ins Schwitzen, auf der Ebene und bergab probiere ich immer etwas langsamer zu fahren, um eben nicht stark zu schwitzen. Solange ich in Bewegung bin, ist es fast schon gemütlich.
Und diese Nachtfahrten in unbekannten Gebieten haben noch einen ganz speziellen Reiz. Es geht meist über irgendwelche Feld- und Nebenwege, in denen ich nichts sehe, keine Bäume oder Gräben neben der Straße, keine Kurven vor mir. Nur ab und an das Piepsen des Navigationsgerätes, wenn es die nächste Abbiegung ankündigt und das Display kurz anschaltet. Dann schaue ich da kurz drauf und probiere mir schnell die Karte zu merken und hoffe, dass ich die kommende Kurve richtig kriege. Auch das ist sehr schwierig zu beschreiben – und vor ein paar Jahren hätte ich die Leute, die mir so etwas erzählten noch komisch angeschaut und sie vermutlich gefragt, ob sie das ernst meinen. Ohne ein Navigationsgerät wäre das vermutlich auch gar nicht möglich gewesen. Da hätte man halt nur sehr gut bekannte Strecken fahren können oder eben nur auf Straßen, mit einem deutlich erhöhten Unfallrisiko.
In Münster gibt es sogar eine Gruppe, die im Winter wöchentlich im Dunkelfieber ist.

Auf jeden Fall habe ich im Dezember diese Art Blume mit meinen GPS-Aufzeichnungen gezeichnet.
meine Dezember-Blume

Und je nachdem, wie das Wetter nächstes Jahr in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester wird, überlege ich mir gerade, ob ich diese 500km-Strecke nicht auch in einer einzigen Tour fahren könnte. Vielleicht von Stuttgart bis nach Amsterdam….