Archiv für den Monat: Juni 2017

(keine) Critical Mass

viel hatte ich mir ja nicht vorgenommen, aber Fahrrad fahren wollte ich schon. Und das gerne bei jeder sich bietenden gemeinsamen Ausfahrt / Critical Mass. Hier in Vancouver soll sie angeblich jeden letzten Freitag im Monat fahren – also heute. Etwas skeptisch war ich schon, da hier niemand was genaues weiß, die Homepage ziemlich veraltet ist und in der zugehörigen facebook-Gruppe auch kaum was los ist. In einem Fahrrad-Geschäft wurde mir gesagt, dass es ja keinen Grund mehr dafür gäbe, es gibt ja inzwischen ein recht gutes Netz an Radwegen in der Stadt: „We won!“

Vormittags hatte ich noch so ein Leihrad. Die sind ähnlich zu denen in Toronto, aber etwas (wenn auch nur wenig) technisch ausgereifter. Statt drei Gängen, die im flachen Toronto ausreichen, gibt’s hier sieben und da sie einen Nabendynamo haben, gibt es auch eine Art „Bordcomputer“, der die verstrichene Zeit (30min sind je nach Tarif frei) und gefahrenen Kilometer anzeigt. Man kann diese Räder aber nicht einfach so ausleihen, sondern muss sich erstmal per Internet registrieren. Leider gibt es nur einen Tages- oder Monatspass (und mehr). Beides etwas unpassend für mich und 10$ (ca 7€) für einen Tagespass sind doch etwas happig (v.a. Im Vergleich mit der Call-a-bike Jahresgebühr von 3€?)

Und natürlich sind die schneebedeckten Rockies auch heute noch da.

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in Vancouver

angekommen – so weit westlich war ich noch nie. Alles andere, was noch weiter im Westen liegt, habe ich über den Osten erreicht. Ich überlege auch, wann ich das letzte mal in einer „fremden“ Stadt war?
Ich habe hier drei Sachen vor: ein Fahrrad besorgen, eine SIM-Karte kaufen und dann noch ein bisschen diese Stadt, inkl. der Fahrrad-Szene kennenzulernen.
Dann geht es also los: Fahrrad-Geschäfte suchen und möglichst viele abklappern. Eine genaue Vorstellung, was für ein Rad ich haben will, habe ich natürlich nicht. Ich schaue halt mal, was es so gibt. Die typischen Reise-Räder sind dennoch nicht ganz mein Stil, alles etwas robuster und einfacher gehalten, damit es im Ernst-/Unfall auch noch weiter funktioniert und mit möglichst allen Ersatzteile zu reparieren ist. Das ist nicht so ganz meine Vorstellung, da ich ja nicht durch die Sahara oder den Südpol fahre. Innerhalb einer Tagesreise komme ich immer an Zivilisation (stelle ich mir so vor),  und zur Not kann ich immer noch ein Auto/Truck stoppen und nach einer Mitfahrt fragen.
Der eine Laden war mir gleich sympathisch, der offen und ehrlich zugab, dass er kein passendes Rad hat und mich zu „Profis“ einen Block weiter geschickt hat. Der Laden gegenüber hat mir das Reiserad seiner Marke als gut für meine Zwecke angepriesen (musste wohl weg, da es noch ein Vorjahres-Modell war).

Vancouver macht auf jeden Fall mal einen positiven ersten Eindruck. Klar, Hochhäuser stehen hier auch rum, schließlich bin ich ja fast in den USA. Aber viel grün, viele Radwege. Und eine Kessellage, wie sie mir ja schon bekannt ist. Allerdings ist das da im Hintergrund nicht die Schwäbische Alb, sondern die Ausläufer der Rocky Mountains. Und da muss ich bald irgendwie drüber.

Auf der anderen Seite ist der Ozean und die US-Grenze; daher soll es hier ähnliche Miet-Probleme wie in Stuttgart geben. Weiterlesen

Transfertag

yeah – heute mal ohne Wecker aufstehen. Endlich Urlaub! Wieder alles zusammenpacken, frühstücken und dann zur Metro-Station. Dort zahle ich die 3,25$ mit 26 Münzen, dabei auch einige US-Cent, die ich noch von zuhause mitgebracht habe. Das Geld wird einfach in eine kleine, durchsichtige Box geschmissen und der TTC-Mitarbeiter (so heißt der Verkehrsverbund hier) hat mir das einfach mal geglaubt. Knapp eine Stunde später bin ich dann am Flughafen,  checke ein und gebe meine 7kg Gepäck auf. Beim Warten aufs Boarding kommt die Ansage, dass der Flieger heute sehr voll sein wird – und das, obwohl alleine Air Canada täglich etwa zehnmal von Toronto nach Vancouver fliegt. Wer also sein Handgepäck nachträglich einchecken will, wäre sehr willkommen. Ich packe meine Jacke, Kopfhörer und Reisepass aus und biete meine zweite Radtasche ebenfalls zum Einchecken an. Ich werde aber bisschen ausgelacht: „this little guy fits everywhere“. Nagut, dann halt nicht. Inzwischen regnet es draußen.

Kurz nach dem Start sind die Wolken weg und ich kriege einen guten Einblick davon, was mich die nächsten Wochen da unten erwarten wird. Beim Flug über die schneebedeckten Rockies kriege ich aber doch ein etwas komisches Gefühl. Und das geht fast eine Stunde so, also ein paar hundert Kilometer Luftlinie. Hm….

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bei facebook

beim Frühstück: Regen – und ich denke mir: Gut, dass ich noch nicht mit dem Rad unterwegs bin.

Ist aber nur ein kurzer Schauer, als ich fertig bin und das Internet leer gelesen habe, ist es wieder vorbei. Ich mache mich auf in einen Park auf der anderen Seite der Stadt um bei einer Radtour auf diesen Leihrädern teilzunehmen. Ist aber niemand da, vermutlich hätte ich mich doch vorher anmelden sollen.
Nagut, dann auf zu facebook. Die sind tatsächlich in Toronto vor Ort und auch vor nicht allzu langer Zeit mal umgezogen. Da so ein Büro dieser IT-Giganten immer Aufmerksamkeit auf sich zieht, wurde darüber auch in der Presse berichtet – somit wusste ich auch, wo ich hin musste; im MaRS-Gebäude also in den 12. Stock. Mit mir im Aufzug einer mit einem blauen facebook T-Shirt. Ihm erzähle ich von meinem Anliegen, er meint aber nur, dass hier nur „Sales Team“ sei und mir bestimmt niemand helfen kann. Weiterlesen

großer Umzug

heute ist der große Umzug, allerdings erst Nachmittags um zwei. Bis dahin habe ich noch Zeit und schaue erstmal aus dem Fenster. Toronto sieht etwa so aus, das ist eigentlich alles noch „Downtown“, also mitten in der Stadt. Ziemlich viel grün und man kann an der Kreuzung auch diese neuen Radwege sehen. Von einer Feinstaub-Belastung in Toronto habe ich noch nie etwas gehört.

Ich schaue nochmal bei der „Making Peace“ Ausstellung vorbei, weil dort heute sogar eine Führung vom Künstler selbst ist (um 10:30 – also schon wieder den Wecker stellen). Er will von mir gleich noch wissen, ob ich nicht irgendwelche Kontakte in Deutschland habe, denen er seine Ausstellung vorstellen könnte. Hab ich nicht, ihm aber gesagt, dass 2019 ein relativ wichtiges Datum bzgl. „Frieden“ bei uns ist. Ein Bild in seiner Ausstellung ist auch zum Thema „Mauerfall“. Wenn ihr also 2019 irgendwo in Deutschland etwas von einer Ausstellung „Making Peace“ (oder halt mit deutschem Titel) von Ashley Woods seht, könnt ihr das vielleicht mir verdanken.
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Raddemo: Bells on Danforth

beim planlosen durch-die-Stadt-Streifen bin ich an einem solchen Plakat vorbei gekommen, es wird zu einer „Pedal powered Parade to celebrate cycling“ aufgerufen. Das hört sich für mich nach Critical Mass an und daher schreibe ich mir das gleich mal in den Kalender. Auf wenn es bedeutet, dass ich wieder einen Wecker stellen sollte.

Als ich mit dem Leihrad dort ankomme, sind schon einige Leute dort versammelt, es ist sogar eine stationäre Lautsprecher-Anlage aufgebaut. Bis es wirklich losgeht dauert es noch eine halbe Stunde und ich befürchte schlimme Reden.

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Pride

beim Buchen eines Bettes in Toronto habe ich mich noch etwas gewundert, wieso alle Hostels mehr oder weniger komplett ausgebucht sind. Ich muss jetzt auf jeden Fall jeden Tag von Hostel zu Hostel umziehen – normalerweise würde ich sowas ja eher nicht machen, aber hej, was solls. Um das erste Hostel war es nicht besonders schade, es war nur eine normale fünf Zimmer Wohnung mit 30 Schlafplätzen. Die Wohnungssituation in Toronto soll wohl recht angespannt sein, aber findige „Geschäftsleute“ schaffen es immer noch, mit solchen Ideen mehrere hundert Dollar pro Nacht zu verdienen. Mit den Leihrädern hier in Toronto (15$ für 3 Tage, danach ist jede 30min Fahrt frei) kommt man ganz gut rum, Downtown und an jeder Metro-Station gibt es solche Räder. Nur mit meinem Gepäck kommen sie nicht so recht klar.

In einem Park dann ein solches Schild. Wenn Stuttgart mitkriegt, dass man damit durchkommt, werden sie bestimmt Radfahren in der ganzen Stadt verbieten.

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nächste Etappe

trotz Urlaub musste ich schon wieder den Wecker stellen. Abflug aus Reykjavík ist heute um 10:30, die Fahrt zum Flughafen wird etwa 1h dauern. Also sollte ich den 07:30 Transfer-Bus nehmen und trotz leichter Zeitverschiebung kann ich mich bestimmt nicht darauf verlassen, rechtzeitig aufzustehen. Das kalte Wetter hält mich nicht unbedingt hier, außerdem will ich ja nach Kanada und dort Radfahren!
Den Korb mit den übrig gelassenen Lebensmitteln habe ich schon leer gegessen. Es ist ist Hostels üblich, dass dort alle möglichen weiterverwendbaren Reste (Lebensmittel, übrige Shampoos, Klamotten, die nicht mehr in den Rucksack passen, etc) anderen zur Verfügung gestellt werden. Bei diesem Zeug habe ich aber nicht zugegriffen – keine Ahnung, was das ist. Da ich keinen Lust darauf habe, Pferde- oder Hundefutter zu essen, lasse ich das unangetastet liegen.

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Schwimmbäder

das Traumwetter für ausgedehnte Spaziergänger ist es immer noch nicht, eher so wie gestern: einstellige Temperaturen und Nieselregen. Was man für Island immer wieder empfohlen bekommt, ist der Besuch eines Schwimmbades (die hier natürlich auch alle Pools mit heißem Wasser haben). Laut Stadtplan ist direkt neben meinem Hostel solch eines. Aber die Schilder sprechen eine deutliche Sprache und die Türen gehen auch wirklich nicht auf; außer für ein paar Bauarbeiter, die da ein und aus gehen.

Ich habe daher mal einen Wecker gestellt und sitze schon kurz nach neun im Bus zu einem anderen Bad. Die ganzen Namen in Island sagen mir ja überhaupt nix und ich kann sie mir auch nicht merken. Aber als der Bus sich dem Bad nähert, wird mir klar, dass ich beim letzten Besuch schon dort war. Naja – was solls. Schwimmbad ist schließlich Schwimmbad und ich habe vor, heute Abend noch in ein anderes zu gehen. Im Bad sind Fotos natürlich verboten, allerdings hätte ich auch nicht gewusst, was ich dort fotografieren sollte. In den zwei Stunden, die ich dort war, habe ich es kaum aus den heißen Pools raus geschafft (bis zu 44°C). Aber fürs gute Gewissen habe ich dann doch noch 10x50m-Bahnen Kraul und zwei Bahnen Brust hinter mich gebracht. Im 5°C Pool war ich auch für ca 0,3 Millisekunden. Weiterlesen

Museumstag

der Wetterbericht hat es ja schon vorausgesagt, der Sommer hier in Reykjavik ist wohl erstmal vorbei. Keine Sonne mehr, unter 10°C und die ganze Zeit leichter Nieselregen. Ich besorge mir eine sog. „CityCard“, mit der ich einige Museen und den Nahverkehr nutzen kann. Kosten: ca. 45€ für zwei Tage.
Für andere Städte vielleicht teuer, in Island kommt mir das relativ günstig vor. Gesehen habe ich ein Plakat für Mittagsjazz im Nationalmuseum, sowas kenne ich ja schon von den Lunch-Konzerten in Stuttgart. Allerdings ist der Rahmen in diesem Kunstwerk schon noch etwas anders.

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Reykjavik per Rad

morgens erstmal den Wetterbericht gecheckt und festgestellt, dass es heute relativ gut werden soll; die nächsten beiden Tage ist dann eher „drinnen-blieben-Wetter“ angesagt. Also denke ich darüber nach, mir heute ein Rennrad auszuleihen und die Stadt auf dem Rad zu erfahren. Es gibt wohl ein Hotel, nicht allzu weit entfernt, die laut ihrer Homepage tatsächlich Rennräder verleihen, also laufe ich da mal hin. Der Weg (mitten in der Stadt) erinnert mich ein bisschen an die sehr fehlgeleitete Tour durch Norwegen.

Im Hotel angekommen, wird mir erzählt, dass die Rennräder erst im Juli verliehen werden und mir wird geraten, die WOW-Leihräder zu nehmen. Also probiere ich über das Hotel-WLAN mich bei diesem System anzumelden. Das geht aber nicht, und nicht so spontan. Für eine Monatsmitgliedschaft (die für mich die sinnvollste Alternative scheint), braucht man sowohl eine isländische Telefonnummer als auch eine solche Adresse. Dort werden dann irgendwelche Unterlagen hingeschickt. Als ich meine Erfahrungen an der Rezeption weitergebe, meint er, dass in einem „Partner-Hotel“ wohl doch schon Fahrräder wären und er dort eines holen könnte. Im weiteren Gespräch verquatscht er sich, so dass er mir eigentlich sein eigenes Fahrrad verleihen will. Ist mir egal, ich will ja nur fahren.
Als er wiederkommt, ist es kein Rennrad, sondern nur ein Mountainbike. Naja – auch egal. Nach dem ganzen Theater mache ich jetzt einfach gute Miene und fahre halt damit rum. Weiterlesen

Flug

ich bin ja durchaus schon das  ein oder andere Mal geflogen, aber dennoch hat das ganze Prozedere noch seine Faszination. Nicht nur das ganze Checkin, Boarding und die ganze Warterei dazwischen, auch die technischen Aspekte daran. Selten bekommt man sonst solche Beschleunigungen mit. Ganz zu schweigen von der Aussicht, die man sonst nicht hat und mich immer wieder in den Bann zieht.

Beim Logo der Ukrainian Airline (da im Hintergrund) musste  ich an einen kaputten Kondor (also von der Lufthansa) denken. Ob das wohl Absicht ist? ;~)

Bei der Einreise in Island (der Flug hatte fast eine Stunde Verspätung) lief mir ein Sicherheits- Beamte hinterher und als er mich eingeholt hatte, musste ich ein paar Fragen beantworten. Als ich ihm offenbar versichern konnte, dass ich nur vier Tage hier  bleibe, durfte ich dann auch „rein“. Bei der Ankunft dann die schon bekannte, karge Landschaft. Da habe ich nach einer Weile doch das freie WLAN im Transfer-Bus genutzt.

Abflug!

Die letzten Tage waren zum Teil etwas turbulent. Alles nötige für den ersten Teil der Reise zusammenpacken, dann noch die privaten Sachen in Kisten packen und im Keller verräumen. Dabei hatte ich überhaupt kein System, das Auspacken wird ein großes Chaos werden. Ich habe jedoch vor, mich sowieso von vielem davon zu trennen. Man hat doch eh viel zu viel. Eine Langzeit-Krankenversicherung (und andere Kleinigkeiten) musste ich noch so nebenbei organisieren und ein Treffen mit einer Journalistin, die eventuell einen Bericht o.ä. über meine Reise machen will, hatte ich auch noch ausgemacht. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Dann gab es noch ein paar persönliche Verabschiedungen, die sich recht unterschiedlich gestalteten. Die meisten wünschten mir eine gute Reise, andere brachen in Tränen aus. Der letzte Überraschungs-Abschied war dann noch am Gleis. 

Jetzt sitze ich am Flughafen und warte darauf, dass es endlich los geht. Es war jetzt wirklich genug Vorbereitung und Organisation für mich (obwohl ich vermutlich viel weniger gemacht habe, als die meisten anderen).

Ich bin sicher, dass ich heute Nacht in Reykjavik ziemlich gut schlafen werde….