Archiv der Kategorie: Fahrradstadt

StVO Kenntnis

aus Berlin zurück habe ich mir ein Call-a-Bike an der Stuttgarter Hauptbahnhof-Ruine geschnappt und mich damit auf den 2km langen Heimweg gemacht. Dabei führt mich meine Route über eine dreispurige Bundesstraße, wo ich zum Teil auf der mittleren Spur fahren muss (die rechte ist eine Abbiege-Spur). Ich merke schon, dass ein Auto hinter mir fährt, ich habe aber keine Eile und lasse sowieso gerade noch einen Arm lässig zur Seite hängen. Ca. 200m später taucht auf dieser Bundesstraße auf einmal ein benutzungspflichtiger Radweg am rechten Rand auf, der dazu noch genau in der sog. „Dooring Zone“ liegt; direkt neben parkenden Autos, also dort, wo es am aller-gefährlichsten zum Radfahren ist, weil kein Autofahrer jemals mit einem Schulterblick überprüft, ob nicht ein Radfahrer von hinten kommt. Trotzdem fahre ich sofort auf diesen Weg und dann geht bei dem Auto hinter mir plötzlich das Blaulicht an, es fährt neben mich und das Fenster wird geöffnet.
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mit Banner auf der Critical Mass

nachdem ich jetzt eine Möglichkeit habe, mit einem Fahrrad-Anhänger Werbung zu fahren, wollte ich das bei der Critical Mass gleich mal ausprobieren. Bei Flyeralarm kriegt man recht günstig solche Banner in jedem beliebigen Maß und einen tollen Spruch habe ich ja sowieso auf Lager: Niemand muss Auto fahren!
Also setzte ich mich Sonntag Nacht noch hin und habe mal ein bisschen rumgespielt; mit diesem Ergebnis war ich recht zufrieden (erst viel später kam mir, dass ich ja „mein X“ im gleichen Farbdesign dort noch draufmachen hätte können):
Niemand muss Auto fahren Banner
Die Lieferzeit wird mit 4-5 Werktagen angegeben, müsste also noch bis zur Critical Mass funktionieren. Also habe ich die Bestellung abgeschickt und die Daumen gedrückt.
Und tatsächlich konnte ich etwa 1h vor der Critical Mass dies Banner abholen und noch auf den „Streitwagen“ montieren. Das sieht dann so aus, die Zugmaschine ist auf dem Bild jetzt noch nicht drauf, aber dass da an der Deichsel noch ein Rad davor gespannt wird, sollte klar sein. Für andere Demo-Arten kann man diesen Anhänger jedoch auch problemlos als Fussgänger ziehen und auf das ziehende Rad verzichten. Falls jemand dieses Gestell/Gerüst/Geländer mit Hänger mal braucht, oder diese Banner irgendwo öffentlichkeitswirksam aufhängen will, einfach kurz bei mir melden, da finden wir bestimmt eine Lösung! 🙂

Niemand muss Auto fahren Banner auf dem Streitwagen

„Niemand muss Auto fahren“-Banner auf dem Streitwagen

Bei der Critical Mass in Stuttgart sollen dieses Mal fast 1000 Leute dabei gewesen sein. Von diversen Zählern habe ich so Zahlen wie 973 oder 980 gehört. Wow – das ist mal eine Hausnummer! Dass sich in der Gesellschaft gerade etwas tut (wenn auch noch recht langsam und eher im Verborgenen) habe ich mir im Winter schon öfters gedacht, wenn ich auf meiner Pendelstrecke trotz Schnee und knackigen Minustemperaturen immer noch viele Radfahrer gesehen habe.
Und seit ein paar Wochen sehe ich eigentlich jeden Tag Lastenräder durch Stuttgart fahren. Das war „früher“ noch etwas sehr besonderes und sicherlich nichts „tägliches“.

Berta gefahren

nachdem ich mein eigenes Rad über Nacht ordentlich abgeschlossen am Büro-Parkplatz stehen lassen muss, brauche ich eine andere Möglichkeit, nach Hause zu kommen. Also flugs zum Hobbyhimmel und dort das restaurierte Oldtimer-Lastenrad „Berta“ schnappen. Dort ist gerade sowieso kein Platz mehr und in naher Zukunft sollte es vermutlich eher in der Innenstadt stehen und nicht dort „draußen“ in Feuerbach.
Allerdings habe ich nicht gedacht, dass es so ungewohnt ist, mit diesem Rad zu fahren. Dass es keinen Motor hat und somit etwas anstrengend zu fahren sein wird, war mir schon klar. Negativ überrascht war ich jedoch von der (Knick-) Lenkung. Mit dem Rad kann man eigentlich nicht geradeaus fahren, kleinste Bewegungen irgendwo im Körper resultieren sofort in einer kleinen Lenkbewegung, bei schnelleren Geschwindigkeiten zu entsprechend größeren Lenkbewegungen, die sich dazu noch aufschaukeln können. Und wenn man bremst, zieht das Rad dann auch in eine Richtung. Ansonsten ist diese dreirädrige Konstruktion ohne Neigetechnik natürlich sehr gewöhnungsbedürftig. Vom normalen Radfahren kennt man es, dass man sich in Kurven ganz automatisch „reinlegt“, auch wenn man es nicht merkt. Dieses Dreirad neigt sich dagegen keinen Millimeter. Das gibt einem ein sehr seltsames Gefühl, man meint bei jeder kleinen Kurve, dass da irgendwas nicht stimmt….
Nach 10km habe ich mich zwar langsam daran gewöhnt, mein Lieblingsrad wird das aber bestimmt nicht. Dann lieber ein Rad mit Neigetechnik (wie z.B. von Heisenberg oder Butcher&Bicycles). Da muss man sich zwar auch dran gewöhnen, weil es sich genau gegenteilig anfühlt (so als ob man in die Kurve „reinfällt“), das ging bei mir aber viel schneller und ist auch viel alltagstauglicher.

Berta, der Lastenrad-Oldtimer

Berta, der Lastenrad-Oldtimer

Streitwagen geschweißt!

eigentlich sollte ich wissen, wie das mit dem Schweißen geht, vor allem als Maschinenbau-Ingenieur, der sogar ein Praxissemester zum Großteil mit schweißen verbracht hat. Seitdem habe ich aber nicht mal mehr ein Schweißgerät gesehen, ganz abgesehen davon, dass ich damals bei Caterpillar auch nur Schweißroboter programmiert habe. Was die dann – außer Funken und Hitze – alles gemacht haben, kann ich gar nicht mehr sagen. Für eines meiner angedachten Projekte müsste ich bald mal auf jeden Fall etwas mehr schweißen. Im Hobbyhimmel, der offenen Werkstatt hier in Stuttgart, gibt es nicht nur die Schweißgeräte, sondern auch Schweißkurse. Also habe ich mich dafür angemeldet und dann auch tatsächlich mal mitgemacht.

Mein „richtiges“ Projekt ist noch nicht ganz fertig konstruiert (das sollte ich eigentlich auch können); aber ich hatte da noch etwas anderes im Hinterkopf. Bei der Initiative freie Lastenräder für Stuttgart gibt es drei größere Fahrrad-Anhänger, auf die man jedoch nicht viel aufladen kann, weil sie einfach nur flach sind. Daher war meine Idee, dort mal ein Gestell/Gerüst/Geländer drauf zu machen, damit man wenigstens mal Banner aufspannen oder Leute draufstellen kann. Außerdem sollte dieses Gerüst in der Lagerung natürlich auch keinen Platz verschwenden. Ich habe mich daher für eine solche „halbe Kiste“ entscheiden. Die Vierkant-Profile habe ich beim lokalen Schrotthändler geholt (natürlich mit Lastenrad und diesem Anhänger) und dann im Hobbyhimmel mal zusammengeschweißt. Sieht für Profis vielleicht nicht supergeil aus, aber ich denke, dass es hält – und das zählt erstmal!

Jetzt noch Bilder.
So sah mein Transport aus (das im Hintergrund ist die Daimler Motorenentwicklung in Untertürkheim). Die bereits zugesägten Profile kann man im Anhänger unter der Decke fast gar nicht erkennen.Transport von Vierkantprofilen per Lastenrad
Und so sieht das Ergebnis aus, ich nenne es in Zukunft vermutlich einfach nur „Streitwagen“. ;~)
geschweißtes Gestell/Gerüst/Geländer

Demo für saubere Luft

ein Bündnis aus verschienenden Initiativen hat für den 30. März in Stuttgart zu einer großen Fußgänger- und Radler-„Demo für saubere Atemluft“ aufgerufen. Klar, dass ich da auch dabei bin. Und einfach nur mit einem Rad zu fahren ist mir ja zu langweilig, daher habe ich mal die halbfertige Konstruktion von der Stuttgarter Lastenrad-Initiative mitgenommen. So eine Kiste zieht durchaus einige Aufmerksamkeit auf sich, jede/r die/der vorbeigefahren ist, musste unbedingt mal reinschauen (und war etwas enttäuscht, dass nix drin war). Meine Musikananlage habe ich in der Früh auch vergessen, als ich das Haus verlassen habe. An 1000 Sachen zu denken ist ja eher nicht so mein Ding….

Das sah im Stand dann aber trotzdem noch in etwa so aus:

Und beim Fahren so; natürlich mit Feinstaub-Maske, schließlich fahren wir ja am Neckartor vorbei, der Messstelle in Deutschland mit der konstant dreckigsten Luft. Und Feinstaub-Alarm war auch, trotzdem wird ein Verkehrschaos befürchtet (zur Erinnerung: bei Feinstaub-Alarm wird an die Vernunft der Autofahrer appeliert, das Auto freiwillig stehen zu lassen. Was bisher jedoch noch nie merklich gemacht wurde.)

Bevor es losging bin ich am Start noch einer Moderatorin von Radio Energy (NRJ) über den Weg gelaufen, der ich ein Telefon-Interview geben sollte. Ich habe es zwar versucht, an jemand anderen abzudrücken, aber auf die Schnelle niemand gefunden. Falls mich also zufällig jemand gehört haben sollte, wäre ich interessiert daran, wie mein Gestammel denn rüberkam?
Ob mein T-Shirt („Niemand muss Auto fahren“, hinten drauf) oder das Gespann noch in anderen Nachrichten zu sehen war, kann ich nicht sagen. Ich habe es nicht so genau verfolgt, aber zumindest noch keine Rückmeldung bekommen, dass mich jemand gesehen hätte….

Radverkehrs-Förderung

die Überschrift ist natürlich etwas provokant. „Der Stuttgarter“ weiß, dass es hier de facto keine Radverkehrs-Förderung gibt, obwohl die Stadt Stuttgart diese Mär bei jeder sich bietenden Gelegenheit erzählt. Diese steile These will ich mit diesem Beispiel belegen:
Letzten Sommer/Herbst stand eine große Renovierung der Straße „Am Kräherwald“ an. Die Straße wurde neu asphaltiert und dabei der schon vorhandene Gehweg verbreitert; dabei wurden an allen kreuzenden Straßen und bei Bushaltestellen Fahrräder und zugehörige Pfeile darauf gemalt. Die beiden Spuren der Straße sind zu großen Teilen mit einer durchgezogenen Linie getrennt, im weiteren Verlauf kommen auch noch ein paar Fußgänger-Inseln.
Und der absolute Coup der Stadt: Dies ist nun ein Fußweg! Zwar für Fahrräder frei, jedoch bedeutet diese Beschilderung, dass ich als Radfahrer nur Schrittgeschwindigkeit(!) fahren darf.

neu gebauter Gehweg mit aufgemaltem Fahrrad

neu gebauter Gehweg mit aufgemaltem Fahrrad

Im weiteren Verlauf des Weges war noch eine Baustelle, also habe ich anfangs noch gedacht, dass dieses Fußgänger-Schild nur temporär aufgestellt ist bis die Baustelle fertig ist. Pustekuchen – die Baustelle ist weg, diese Beschilderung bleibt da. Kurz darauf habe ich im Stuttgarter ADFC-Mitgliedermagazin gelesen, dass die Stadt das von Anfang an so geplant hat (s.u).

Liebe Stadt Stuttgart: Verpflichtet denjenigen, der/die dies geplant hat, alle seine/ihre Vorgesetzten und alle Ausführenden, dort mal einen Monat täglich zu pendeln, gerne auch in der aktuellen Dunkelheit. Entweder in Schrittgeschwindigkeit auf dem Fußweg oder im aggressiven (Feierabend-) Autoverkehr, der natürlich trotz durchgezogener Linie sehr knapp überholt; es ist eine der wenigen Straßen, wo der Autoverkehr fast ungestört von Ampeln und noch 50km/h schnell fahren darf. Genau von diesen „freie Fahrt für freie Bürger“-Autofahrern wird man auch noch ständig angehupt, weil sie von dieser bescheuerten Fahrrad-Regelung natürlich nicht ausgehen, überall die Fahrräder auf dem breiten Gehweg sehen und die falsche Annahme treffen, dass es ein Radweg sei. Da kommt irgendein Instinkt zu Tage und der Radfahrende wird als zu bekämpfender Feind behandelt oder er/sie nur wieder – ebenfalls recht negativ – als „KampfradlerIn“ angesehen.
Und wenn diese Personen das körperlich und geistig überlebt haben, bitte wieder alle zurück ans Reißbrett und alles nochmal von vorne!
Dass die Polizei Stuttgart („Dein Freund und Helfer“) dort mal Abstands-Kontrollen durchführt, das Anhupen direkt vor Ort als Nötigung ahndet oder wenigstens zumindest Informationskampagnen startet ist nach meiner bisherigen Erfahrung hier natürlich nicht zu erwarten.

Auszug aus der ADFC-Mitglieder-Zeitschrift

Auszug aus der ADFC-Mitglieder-Zeitschrift

alles sehr Auto-zentrisch hier

ich habe öfters den Eindruck, dass sich in Stuttgart mehr oder weniger alles ums Auto dreht. Das fängt an bei sogenanntem rotzfrechen Parken, das von der Stadt geduldet wird. Die typische Einstellung der Falschparker ist, dass sie ihr Auto ja irgendwo abstellen „müssen“ und daher einfach den öffentlichen Raum nehmen. Der Polizei ist das sowieso egal, die schiebt die Kontrolle des „ruhenden Verkehrs“ aufs Ordnungsamt, kümmert sich selbst aber auch nicht um Einbahnstraßen, Fahrradstraßen, korrektes Überholen, etc. Sie kontrollieren Radfahrer am hellichten Tag auf eine Beleuchtungsanlage und „informieren“ über Fahrradhelme.
Dazu kommt eine doch recht schlechte Rad-Infrastruktur (Hauptradrouten werden ständig für Baustellen gesperrt, weder geräumt noch von Laub befreit, Radwege sind in der Stadt nicht viel mehr als ein Flickenteppich und verlaufen gerne mal genau in der Dooring-Zone, etc).
Dazu kommt der ÖPNV der zu Stoßzeiten schon recht überlastet ist und bei „besonderen“ Veranstaltungen (wie z.B. einem Spiel der Kickers) auch brechend überfüllt ist; dazu die Störanfälligkeit (vor allem bei der S-Bahn) und die total überhöhten Preise. Trotzdem habe ich gestern – vermutlich sind aufgrund des zu erwartenden Staus doch ein paar Leute mehr mit den Öffentlichen zum Weihnachts-Einkauf gefahren – diese langen Schlangen an den ÖPNV-Verkaufsautomaten gesehen. Hier im Bild sind tatsächlich sechs Automaten und trotzdem überall diese Schlangen.
Da fiel mir sofort diese BW-Werbung ein: „Wir können gar nichts, nicht mal Tickets verkaufen.“

ewig lange Schlangen beim Stuttgarter ÖPNV Ticket-Verkauf

ewig lange Schlangen beim Stuttgarter ÖPNV Ticket-Verkauf

Solche Schlangen sieht man sonst nur zu Semesterbeginn, wenn tausende Studenten innerhalb weniger Tage wieder zu einer der drei Stationen laufen müssen um dort ihr Ticket abzuholen.

Ich werde mal versuchen, in Zukunft all diese Themen in dem neuen twitter „nur Autos in STGT“ zu veröffentlichen und habe mir dafür sogar so ein tolles Logo/Symbol für ausgedacht….

kleiner Ausflug

ich habe frei, es ist Feinstaubalarm und seit Montag ist bei Feinstaubalarm die Benutzung des ÖPNV für alle Bosch-Mitarbeiter umsonst. Also schnappe ich mein Rad und fahre mit der S-Bahn raus aus der großen Stadt. Das Ziel ist Fotobags König, um mich über Foto-Fahrrad-Taschen zu informieren.
Auf dem Rückweg sehe ich kurz vor Böblingen diese Beschilderung: „Radfahren verboten“. Drunter, nicht nur auf dem Bild recht schlecht zu lesen „Fußgänger und Radfahrer Richtung Böblingen-Sindelfingen bitte Parallelweg benutzen“. Natürlich liegt dieser Parallelweg voller Laub (#wedontkehr) und dieser Masten steht auch auf dem Weg. Dabei wäre es so einfach, wenn die Radfahrer ganz normal auf dieser sehr breiten Straße weiterfahren könnten.

Fahrräder verboten

Fahrräder verboten

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„nicht unkritisch“

am Nikolaus-Tag sind in Stuttgart ein paar Leute (so etwa 200) in Nikolaus-Kostümen auf dem Fahrrad durch die Stadt gefahren. Gerade hier in Stuttgart, wo die Polizei mit allen Mitteln versucht, den Radfahrern das Leben so schwer wie möglich zu machen und z.B. die Critical Mass zur regelmäßigen Anmeldung zwingt, ist das natürlich ein besonderer Frevel gegen die Staatsmacht.
Ich wiederhole: die in dem Fall meist jungen Menschen sind einfach mit dem Rad durch die Stadt gefahren. Sie haben nichts beschädigt oder sich sonstwie illegal verhalten („keine Zwischenfälle“ – na klar, es waren ja auch nur ein paar Radfahrer!).
Sie sind einfach nur Fahrrad gefahren. 200 Leute in einer Stadt mit etwa 600.000 Einwohnern, einer Metropol-Region mit etwa drei Millionen Einwohnern. Viele andere Städte wären froh um eine solche lebendige Rad-Szene, würden eine solche unterstützen und in Zusammenarbeit die städtische Infrastruktur verbessern.
Die Stuttgarter Polizei wird in einem Zeitungsbericht über diese Aktion damit zitiert, dass sie diese Aktion „nicht unkritisch“ findet, die Stuttgarter Zeitung schreibt die völlig unpassende Floskel dazu, dass die Radfahrer „die Stadt unsicher gemacht“ hätten.

Ja, auch das ist leider die Autostadt Stuttgart: Es wird „kritisch“ gesehen, wenn man Rad fährt und gleich davon ausgegangen, dass man damit jemanden oder etwas „unsicher“ macht. Und das mitten in einer weiteren Feinstaub-Warnung, deren Ende noch nicht in Sicht ist.

Smog

heute Vormittag sah der Himmel über Stuttgart so aus, wie man es sonst nur aus asiatischen Städten her kennt. Es ist Inversionswetterlage und nicht nur deshalb auch Feinstaub-Alarm. Die Werte für PM10 sind natürlich wieder weit über den erlaubten Werten. Es ist auch bekannt, dass in London früher bei Inversionswetterlagen im Winter die Sterberate stark anstieg.
Juristisch hat man sich irgendwann mal darauf geeinigt, dass 50µg/m³ die Grenze ist, die an nicht mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Die WHO hat jedoch 2005 bereits eine Grenze von 20µg/m³ empfohlen; solche Werte sind in Stuttgart absolut selten. Alle anderen Werte, wie PM2,5, PM1 (oder noch kleiner) oder NOx werden aktuell noch gar nicht richtig erfasst. Mit diesem Wissen müsste man diese (wie viele andere) Städte eigentlich verlassen. Denn dass in Stuttgart mal ein Umdenken stattfindet oder irgendwelche effektiven Maßnahmen gegen diesen Feinstaub unternommen werden, ist leider sehr unwahrscheinlich. Der letzte Coup der Stadt Stuttgart war die Veröffentlichung einer „Spotify Playlist“ für Fahrgemeinschaften. Das sollte vielleicht ein bisschen Humor in die Diskussion bringen, zeigt letztendlich aber auch, wie hilf- und mutlos die Stadt gegenüber diesem Thema ist.

ist es wirklich Smog oder nur Hochnebel? Oder beides?

ist es wirklich Smog oder nur Hochnebel? Oder beides?

Critical Mass, Dezember

natürlich kann man auch im Dezember Rad fahren! Man muss nur genügend anziehen – und selbst das war (noch) nicht mal nötig, ich hatte für die knapp zweistündige Radfahrt durch die Stadt nicht mal Handschuhe an. Am Tag davor hatte ich noch diesen Hänger aus Feuerbach abgeholt und ihn im Feierabend-Verkehr auf der kompletten rechten Spur der B27 gezogen. Ganz schön nervig, wenn man in dem Auto-Stau steht und nicht zwischen den Autos nach vorne fahren kann. Manche Menschen machen das sogar jeden Tag freiwillig – unverständlich!

Diese Hänger sind selber zusammengebaut; die Vorlage kommt von CarlaCargo und wurde für jede/n zum freien Nachbauen ins Internet gestellt. Von diesem Workshop habe ich leider im Voraus nichts mitbekommen, als es dann soweit war, konnte ich es nur schlecht einrichten. Ein paar Stunden habe ich dennoch mitgemacht.

unterwegs mit Lastenrad und Anhänger

unterwegs mit Lastenrad und Anhänger

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„Lightpath“ und „Snake“

beim „Rumsurfen“ im Internet habe ich zufällig mitbekommen, dass der „Lightpath“ in Auckland, Neuseeland, morgen seinen einjährigen Geburtstag feiert. Es ist ein pinker (!) Radweg, der offensichtlich ein wichtiges Bindeglied verschiedener Radverbindungen in dieser Stadt ist. Außerdem kann man darüber problemlos große Autoschneisen überqueren, ohne lange an Ampeln zu stehen oder durch den Autoverkehr gefährdet zu werden. Hier in Stuttgart hätte ich sofort auch ein paar Kreuzungen, an denen so etwas angebracht wäre.

Neben diesem Lightpath gibt es noch die etwas ältere „Snake“ in Kopenhagen, zwar nicht pink, sondern „nur“ in rot, aber das selbe Prinzip: eine Verbindung, nur für Fahrradfahrer, die dadurch sicher und schnell ans Ziel kommen können.

Beim weiteren Rumklicken habe ich auch eine Seite gefunden, die ein paar Bilder zum Platzverbrauch von ÖPNV und MIV (motorisierter Individual-Verkehr) veröffentlicht hat. Wenn ich das richtig verstehe, kommen die Bilder aus einem Video der MIV-Lobby, die, in ihrer kurzsichtigen Verbohrtheit – natürlich – mehr und mehr Straßen haben will. Wenn man allerdings den Platzverbrauch des Autoverkehrs im Gegensatz zu den Bussen oder Zügen setzt, sieht man erschreckend schnell, dass dieser Autoverkehr unglaublich viel Platz braucht, den man in unseren Städten aber so viel besser nutzen muss.

Parken: geduldet und #rotzfrech

auf Twitter gibt es eine kleine Diskussion zwischen der Stadt Stuttgart und einigen Bewohnern. Der Auslöser war die Behauptung des (eines?) Pressesprechers, dass illegal parkende Autos nicht geduldet werden. Jede/r die/der in Stuttgart wohnt, weiß, dass es leider anders ist. In Stuttgart wird überall geparkt, auf Rad- und Gehwegen, in Brandschutzzonen, auf Fußgänger-Übergängen, natürlich auch im Park- und Halteverbot. Die Stadt ist machtlos dagegen und bezeichnet das evtl. hilfreiche Abschleppen als „Ultima Ratio“, was nur in seltenen Fällen von „rotzfrechem“ (sic!) Fehlverhalten durchgeführt wird – als ob es zwischen einer Duldung und dem Abschleppen keine weiteren Maßnahmen gäbe. Abgeschleppt wird vom Ordnungsamt etwa 1300x pro Jahr (Quelle).
Seitdem findet man auf twitter immer wieder mal Bilder von Autos, die #rotzfrech parken.

Und just heute habe ich es wieder selbst erlebt, wie in Stuttgart Falschparker geduldet werden. Auf diesem Panorama-Bild sieht man links eine Polizeistreife, die mit irgendetwas gerade nicht besonders beschäftigt ist, rechts ein Auto im absoluten Halteverbot, das zusätzlich noch als Brandschutzzone ausgeschrieben ist; gegenüber ist nämlich die Feuerwehr-Ausfahrt.

geduldeter Falschparker, ganz normal in Stuttgart

geduldeter Falschparker, ganz normal in Stuttgart

Mein Vorschlag zur Lösung dieses Problems ist, die Strafen für solche Vergehen drastisch anzuheben. Dazu gibt es auch eine Petition in diesem Internet. Im Gegensatz zu anderen Zwangsabgaben (wie z.B. der Rundfunkgebühr), die man einfach so zahlen muss, ist so ein Verkehrsverstoß eine bewusste Entscheidung – und werden bei sog. Strafen, die gerade mal bei 5€ anfangen, vermutlich gerne in Kauf genommen.
Ich würde solche Strafen auch nicht vom Einkommen abhängig machen, wie es ab und zu mal diskutiert wird. Eine Gerechtigkeit würde ich das System dennoch einbauen – und zwar nach dem Listenpreis des falsch parkenden Autos. Diese Daten werden bei Firmenwagen sowieso schon irgendwie erhoben; technisch ist es überhaupt kein Problem, diesen Listenpreis des Autos z.B. beim ersten Anmelden in die Datenbank neben den anderen Daten, wie dem Namen, etc., mit aufzunehmen und die Berechnung der Strafe dann davon abhängig zu machen. Dann würde es für einen 120.000€ Mercedes eben 20x mehr kosten, wenn er irgendwo falsch parkt, als für einen 6.000€ Dacia. Hört sich für mich fair an.