Archiv der Kategorie: Gedanken

zerfetztes Merino-Shirt

kleines Unfällchen

eigentlich wollte ich heute Abend ja etwas anderes schreiben. Ich war die letzten Tage in Berlin und München und hätte dazu noch was zu erzählen.
Auf dem Heimweg bin ich allerdings in einer Kurve mitten in der Stadt in eine sehr dreckige Stelle gekommen. Die Baustelle in der Nähe hat die Straße zwar verdreckt aber nicht anständig sauber gemacht. Ich vermute mal, dass das in Stuttgart ständig passiert und man halt auch weiß, dass sich von den öffentlichen Stellen einfach niemand drum kümmert.
Ich bin eben einfach weggerutscht.
Der Kitt’l sieht jetzt so aus.
dreckiger Kittel nach dem Unfall
Und die Hose ähnlich dreckig. Der ganze Dreck lag eben alles auf der Straße und mit dem leichten Regen wurde es zu einer sehr rutschigen Angelegenheit.
dreckige Hose nach dem Unfall
(wer kein Blut sehen kann, sollte hier lieber nicht weiterlesen)
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Berlin-Ausflug

Berlin

Berlin hat schon irgendwas. Dieses Wochende eben das Sechstagerennen, die SixDays.
Ich habe noch rechtzeitig einen Zug gebucht. Gut ist ja, dass diese Flixtrains auch auf der Bahn-Seite angezeigt werden, dass man bloß nicht vergisst, die günstigere Alternative zu buchen. In meinem Fall hatte ich die Hinfahrt für 8,99€ bekommen.
Was nicht so gut ist: Man muss halt schon um 07:04 am Bahnhof sein – was mir als „Team Zweistellig[e Uhrzeiten]“ doch nicht ganz einfach fällt. Da ist es auch egal, dass man danach noch ausgiebige Nickerchen im Zug machen kann.
Berlin-Ausflug
Die Aussicht am fast durchgehenden nebeligen Reisetag war völlig zu vernachlässigen. Hier z.B. die Kohl’schen blühenden Landschaften. Für Januar bestimmt schon/noch sehr grün.
Berlin-Ausflug
Den einen Abend bin ich ein bisschen mit der mit Kamera rumspaziert und habe versucht, ein paar Bilder zu machen. So richtig motiviert war ich aber nicht und als ich dann zufällig auf einen bekannten Musiker aus Stuttgart traf, nahm ich das als gute Ausrede, mich ihm ein bisschen anzuschließen und das Fotografieren sein zu lassen. Danach kam mir das Bosse-Lied 3 Millionen in den Sinn, das ja ein bisschen das Thema „jemanden in Berlin treffen“ aufgreift.
Das einzige halbwegs vernünftige Foto beim Spaziergang ist dieses hier geworden, auf dem der Berliner Fernsehturm langsam im Nebel verschwindet.
Berlin-Ausflug
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Fahrradgaragen

das Thema „Fahrradgaragen“ wird schon seit einiger Zeit in Stuttgart diskutiert. Ich habe mich schon recht früh in das Thema eingearbeitet und daher kenne ich mich daher relativ gut aus. Das merke ich auch daran, dass viele Leute davon noch überhaupt gar nichts wissen oder bei mir Details erfragen.

Daher möchte ich es, nachdem die erste Fahrrad-Garage in Stuttgart nun seit wenigen Tagen steht, hier mal etwas aufarbeiten. Sollte etwas falsch sein oder fehlen, einfach kurz Bescheid geben.

Angefangen hat es, meines Wissens nach, mit diesem Antrag, der im Oktober 2017 zum Doppelhaushalt 2018/2019 der Stadt Stuttgart gestellt wurde, #419/2017:
–> https://www.domino1.stuttgart.de/web/ksd/ksdRedSystem.nsf/0/F34F17E55FB079EAC12581BE0047BBD5
Der Inhalt von Punkt 3b, auf einen Satz zusammenfasst: Die Stadt soll 60 Fahrradgaragen, speziell für hochwertige Pedelecs und Lastenräder in den Wohngebieten für die Bewohner:innen bauen und kriegt dafür 400.000€. Er wurde im entsprechenden Unterausschuss angenommen, wenn auch mit einer nur knappen Mehrheit. Daraufhin ist jedoch nichts passiert, was man als Außenstehender bemerkt haben könnte.

Im Oktober 2018, also etwa ein Jahr nach dem Beschluss, hat der Zweirat Stuttgart diesen Antrag öffentlich gemacht und auch mit Hilfe des Stuttgarter Magazins Lift innerhalb kurzer Zeit mehrere Hundert Interessierte Stuttgarter Einwohner:innen gefunden, die einen solchen sicheren (Lasten-) Radparkplatz haben wollen.
–> https://zweirat-stuttgart.de/2018/10/19/die-stadt-will-fahrrad-garagen-bauen/
Die Interessierten wurden kartiert und es waren schnell viele Stellen, wo die geforderten vier Parteien in unmittelbarer Nähe wohnten. Damit hätte man sofort diesen Auftrag des Gemeinderates umsetzen können.
Die Reaktion der Stadt war jedoch verwirrend. Anstatt sich für die Initiative zu bedanken, wurde sehr schnell vom Stadtsprecher verkündet, dass es „nicht stimme“. Bis heute hat er jedoch noch keine Antwort darauf gegeben, was an der Zweirat-Darstellung falsch sein soll. Dann legte er nach und behauptet, dass „der [Gemeinde-] Rad das nicht beschlossen“ hätte, worauf er sogar von einer Gemeinderätin korrigiert wurde.
–> https://twitter.com/svmatis/status/1054748676411809792
Was der Hintergrund dieser Aussagen des Stadtsprechers ist, ist bis heute nicht bekannt.

In Februar 2019, vermutlich auf Druck des Radentscheid Stuttgart, wurde diese Seite auf der Homepage der Stadt veröffentlicht:
–> https://www.stuttgart.de/item/show/466797/1/3/668707
Auch hier ist wieder zu lesen, dass die Stadt Radgaragen in Wohngebieten erstellen will. Von Lastenrädern ist schon nichts mehr zu lesen. Ein Konzept solle im Sommer vorgestellt werden.
Am 9. Juli 2019 stand das Thema Fahrradgaragen dann auf der Agenda des Radforums PG1. Dieses Radforum ist zwar eine öffentliche Veranstaltung, die jedoch nicht öffentlich beworben wird. Hier wurde ein Bild von einer potentiellen Fahrradgarage gezeigt. Da war klar, dass Lastenräder dort sicherlich nicht rein passen werden. Auch der angedachte Ort unter der Paulinenbrücke ließ die Interessierten verwundert zurück. Das ist definitiv kein Wohngebiet. Ob ich das damals gezeigte Bild veröffentlichen darf, ist mir aktuell nicht klar, es ist aber schon sehr nah an der aktuell aufgestellten Garage.
Letztendlich wurde gesagt, dass dies nun ein Pilot sei (Quelle). Ich kann mich erinnern, dass diese Pilotphase nun erstmal zwei Jahre gehen soll (Quelle), bevor irgend welche weiteren Überlegungen und Planungen durchgeführt werden. Schnell war man auch dabei, eine Entgeltordnung für diese Garagen zu erstellen. Während Autofahrer:innen in Stuttgart lediglich 30,70€ für einen Anwohnerparkausweis zahlen müssen, ist ein solcher Stellplatz in dieser Garage für 90€ im Jahresabo oder für 1€ pro Tag buchbar.

Zu den angesprochenen, angeblich rechtlichen Problemen:
1. gibt es alleine im Stuttgarter Westen etwa 9.500 Parkplätze (Untersuchung dazu). Hiervon nun ganze zehn Parkplätze für solche Fahrradgaragen umzuwidmen, sollte doch absolut kein Problem sein. Erst recht nicht in einer Stadt, die zumindest irgendwie probiert den Eindruck zu vermitteln, eine „echte Fahrradstadt“ (Quelle dazu) sein zu wollen.
2. habe ich in Leipzig gelernt, wie sie Fahrradbügel auf die Straße/Parkplätze bringen konnten. Sie haben die weißen Straßenbegrenzungslinien einfach um diese Fahrradparkplätze gezogen. Somit waren sie nicht mehr Teil der Straße, sondern man konnte damit alles andere anstellen. Es gibt also kreative Lösungen, wenn man etwas umsetzen will. Während anderswo Lösungen suchen, hat man in Stuttgart immer wieder den Eindruck, dass hier mit viel Aufwand immer wieder nur Ausreden gesucht werden.
3. gibt es diverse Städte in Europa und auch in Deutschland, die es schon geschafft (oder soll man schreiben „gewollt“) haben, sichere Fahrradstellplätze für die Anwohner:innen bereitzustellen, siehe hier.

Mein Vorschlag wäre ja, dass diese Fahrradgaragen in die Wohngegenden mitten auf die Straßen gestellt werden. Diese werden aktuell fast immer nur als bequeme und ampelfreie Durchgangsstraßen genutzt. Diese neuen Garagen könnten daraus dann viele Sackgassen machen, mit einem roten Fahrradweg, der trotzdem noch durch führt; sie ständen direkt vor den Häusern der Radbesitzer:innen, würden sogar keine dieser ach-so-wichtigen Parkplätze wegnehmen und eine Art „Superblock-Straßennetz“ erzeugen, mit dem andere Städte schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben (Quelle). Nebenbei wird der Autoverkehr deutlich reduziert und um diese Garagen könnten noch kleine Parks, Bäume oder eben freie öffentliche Räume entstehen, wo Menschen mitten in der Stadt dann leben können und nicht nur toter Platz für fahrende oder parkende Autos bereitgestellt wird. In relativ kurzer Zeit würde die Anzahl der Autos dadurch stark sinken und man gewinnt weiteren, wertvollen Platz für die Stadtbewohner:innen.
Das stelle ich mir unter einer #Fahrradstadt oder einer lebenswerten Stadt vor.

Fazit
Inzwischen sind über zwei Jahre seit dem beschriebenen Antrag vergangen. Es gibt keine einzige Fahrradgarage in Wohngebieten, obwohl es schon 60 sein sollten. Von dem beantragten Geld ist nichts für den eigentlichen Zweck verwendet worden. Es gibt jetzt nur diesen einen Pilotversuch, der über zwei Jahre laufen wird, bis die Stadt über das weitere Vorgehen entscheidet. Lastenräder kann man in dieser Garage überhaupt nicht abstellen.
Es fällt mir schwer, an dieser ganzen Geschichte etwas positives zu sehen. Und ich will gar nicht daran denken, dass es in anderen Bereichen, wo ich mich nicht eingearbeitet habe, ganz ähnlich läuft.

Update: mittlerweile wird das Thema auch in den Stadtteilen diskutiert und kritisch gesehen. Im Stuttgarter Westen sollen in paar Pilotstandorte gesucht werden, allerdings ist dort kaum ein Platz zu finden. Selbst der lokale Bezirksbeirat traut sich nicht an einen einzigen Autostellplatz heran, sondern kommt nur auf die Idee, diese Garagen auf Bürgersteige und öffentliche Plätze zu stellen. So wird das nix!
Hier noch zwei Beiträge aus der Stuttgarter Zeitung, vom 4.2. und vom 21.2.

eigene Seite hacken

ich kam nicht mehr in meine Webseite rein. Das Login-Fenster von WordPress zeigte zwar ein Benutzernamen-Feld, aber das Password-Feld war ausgegraut. Es war also nicht mehr möglich, ein Passwort einzugeben und somit bin ich auch nicht mehr in den Administrationsbereich meiner Webseite gekommen.

Keine Ahnung, ob es ein Bug in der WordPress/Jetpack Konfiguration ist, oder ob es, wie ich im Netz in sehr alten Beiträgen gelesen habe, evtl. ein Hacker-Schutz ist. Angeblich soll es einen Mechanismus geben, der prüft, ob viele Fehlversuche beim Login aufgezeichnet wurden. Wenn das der Fall ist, dann könnte solch ein Verhalten zu beobachten sein, sollte sich aber nach einer gewissen Zeit wieder automatisch zurückstellen. Über Nacht ist nichts passiert, also musste ich weiter im Netz nach einer Lösung suchen.
Ich habe keine richtige Lösung gefunden, und habe stattdessen einfach mal das Jetpack-Plugin deaktiviert. Dazu bin ich mit einem FTP-Programm zu meiner Seite gegangen, dort in das WordPress-Plugins Verzeichnis und habe den Ordner jetpack einfach umbenannt.

Voilá – schon konnte ich mich wieder anmelden!

Wer A sagt, muss auch B machen!

irgendwann im Frühjahr hat ein Manager, der mehrere Ebenen über mir ist, angekündigt, dass er im Dezember nach Indien fliegen wird, auch um dort an einer organisierten Charity-Radtour am 15.12. über 150km teilzunehmen; dadurch sollen Spenden für eine gemeinnützige Organisation gesammelt werden. Da immer von einer „offenen Kommunikationskultur“ gesprochen wird, habe ich angemerkt, dass man nicht nach Indien fliegen muss, um Rad zu fahren, das könne man doch auch ganz gut hier machen.

Update: leider hat mich meine Erinnerung etwas getäuscht und die Tour in Indien war tatsächlich schon am 14.12. – aber sich seit März lediglich um einen Tag zu täuschen, finde ich ohne weitere Notizen nicht so schlecht. ;~)

Er erwiderte darauf, dass es natürlich die Entscheidung jedes einzelnen ist, daran teilzunehmen und dass ich doch einfach selbst eine Fahrrad-Veranstaltung organisieren solle.
Ich finde, dass ich dieses Jahr tatsächlich genügend Fahrrad-Veranstaltungen organisiert habe. Sieben Mal die Kidical Mass, bei der wir jedesmal zwischen 150 und 220 Teilnehmer:innen hatten und dazu noch die Mondfahrt, wo wir über Nacht zur Stuttgarter Sternfahrt geradelt sind.
Was jetzt noch fehlte, war mein „Beweis“, dass man am 15. Dezember tatsächlich in Süddeutschland 150km radeln kann. Also besorgte ich mir ein Fahrrad-Navi, wasserdichte Winterschuhe, richtete mein Rad, das ein Radladen beim Versuch, den Schaltzug zu wechseln (!), kaputt gemacht hat und beobachtete die Wettervorhersage. Es sollte zwar nicht besonders kalt werden, dafür windig und die Regenvorhersage änderte sich stündlich in alle Richtungen.

Also gut, ich habe eine Route geplant, die auch auf Strecken führt, die ich noch nie gefahren bin. Als ich Stuttgart verlasse, sehe ich nicht nur viele Wolken, sondern in der Ferne auch schon die Schwäbische Alb, auf die mich die Tour heute führen wird.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Sobald ich näher komme, sehe ich auch hier und da mal eine Burg auf den Bergen.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Worauf ich bei der Streckenplanung nicht geachtet habe, waren Steigungen. Diese 17% auf der Ochsenwanger Steige haben mich ziemlich überrascht und mich im weiteren Verlauf zu ziemlichen Flüchen veranlasst. Leider gab es oben dann nicht mal eine Möglichkeit, diese imposante Steigung irgendwie fotografisch festzuhalten. Man fährt zwar die ganze Zeit hoch, kann aber nirgends die beeindruckende Aussicht begutachten.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Warum ich die Schwäbische Alb auch gerne als Schneebische Alb bezeichne (z.B. hier)? Weil dort gefühlte zehn Monate im Jahr Schnee liegt. In Stuttgart waren es beim Losfahren noch gut über 10°C und ich habe diesen Winter dort auch noch keinen Schnee gesehen. Hier oben gibt es überall noch (oder schon wieder?) Schnee.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Bei Laichingen fängt es nach etwa 60km dann tatsächlich ein bisschen zum Regnen an und da ich ohne Frühstück und ohne Verpflegung losgefahren bin, entschließe ich mich zu einer kleinen Pause.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Der Regen wird nicht weniger und das Regenradar verheißt auch keine Besserung. Also fahre ich nach dem Kuchen zügig weiter. Ich komme auf solchen Wirtschaftswegen durch tatsächlich schöne Gegenden, die ich auf den großen Straßen, die ich bisher mit dem Rennrad immer fuhr, noch nie zu Gesicht bekommen habe.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Kurz vor Ulm ist dann diese Auffahrt auf eine Brücke über die Bahnlinie. In anderen Städten gibt es für Radfahrer:innen keine Möglichkeiten, Flüsse, große Verkehrsstraßen oder eben Bahnlinien zu queren – oder nur mit großen Umwegen. Hier wird auf wenig Platz einfach eine Rampe gebaut. Es ist so einfach, den Radverkehr ernst zu nehmen und es ihm einfach zu machen, wenn man es doch nur will….
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Dann fahre ich nach Ulm rein. Eine Stadt, die ähnlich viele Baustellen, wie Stuttgart hat. Davon sieht man hier wenig, aber das Ulmer Münster, der höchste Kirchturm der Welt, ist weithin sichtbar.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Inzwischen wird es langsam dunkel. Das Problem am 15. Dezember ist ja, dass es beinahe der kürzeste Tag des Jahres ist. Gepaart mit meinem Problem, früh aufzustehen und loszufahren (es war heute 10:30), setzt eben schon nach wenigen Stunden die Dämmerung ein.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Nach 110km bin ich bei meinen Eltern angekommen, habe nochmal Kuchen gegessen, mich ein bisschen aufgewärmt und ein paar der nassen Klamotten gewechselt, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Das Regenradar war wieder eindeutig: es wird regnen!
Die letzten 70km sahen für mich dann überwiegend so aus:
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Der Schein der Lampe zeigt mir den Weg. Ich habe überwiegen kleine Landstraßen, es sind kaum Autos unterwegs. Und es regnet und regnet und regnet. Falls mir jemand eine Lösung hat, wie man mit einer Brille beim Regen fahren kann, ohne ziemlich blind zu sein, wäre ich dankbar! Wenigstens ist es noch warm genug, dass ich ohne Handschuhe fahren kann.
In Geislingen, wo ich nach 160km eigentlich in den Zug steigen wollte, rolle ich gerade in den Bahnhof, als der Zug abfahrbereit da steht. Der einzige Ticketautomat ist besetzt und bevor ich dazu komme, mir eine Fahrkarte zu besorgen, fährt der Zug ab. Also entscheide ich mich, den nächsten Zug, eine Stunde später, dann im etwa 20km entfernten Göppingen zu nehmen. Mein bisheriger Schnitt war 22,6km/h, also müsste das funktionieren. Ich verlasse meine Route und fahre nach den Schildern den direkten Weg an der B10 nach Göppingen. Dort komme ich etwa zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges an, kann mir noch eine Fahrkarte kaufen und gemütlich zum Gleis laufen.

Fazit: Ja klar, man kann auch hier mitten im Winter mehr als 150km am Tag radfahren! Hier die Strava– oder Komoot-Aufzeichnung. Es waren am Ende 180km in 7:45, dazu noch etwa 3h Pausen.
Nebebei: Auf Strava gibt es auch diese Festive500-Herausforderung, bei der jährlich tausende Sportler weltweit 500km zwischen Heilig Abend und Silvester radfahren, hier z.B. 2018; ich bin mit meinen 506km letztes Jahr auf dem 16863. Platz (von 98190 Teilnehmer:innen) gelandet.

Und da ich alle meine Touren aufzeichne und auch immer gerne mal neue Strecken fahre, nutze ich VeloViewer. Dort gibt es, neben vielen anderen Dingen, auch eine Karte, auf der man alle eigenen Touren sieht und es wird eben angezeigt, wo ich schon mal gefahren bin. Damit kann man dann Routen planen, die auch in bisher unbekannte Gebiete führen.
Vor meiner Tour sah es dort so aus:
meine VeloViewer-Karte vor der Tour
Und danach dann eben so – die blaue Linie ist die beschriebene Tour. Ja, es ist nicht die direkte Strecke, hier und da mit Umwegen und Zick-Zack. Aber dafür habe ich mir ein paar weitere „Kacheln“ erarbeitet.meine VeloViewer-Karte nach der Tour

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Fahrradstraße

Diesen Beitrag habe ich auf der Seite vom Zweirat Stuttgart geschrieben. Dort wurde jedoch entschieden, dass er dort nicht hinpasst, deswegen veröffentliche ich ihn eben hier:

Die Straßenverkehrsordnung sieht Fahrradstraßen vor. Analog zu einer Autobahn, bzw. Kraftfahrstraße, auf der nur Autos und keine Fahrräder erlaubt sind, verhält es sich auf diesen Fahrradstraßen: KFZ sind verboten!
Solche Fahrradstraßen gibt es selten in Deutschland und oft sind sie in Verbindung mit dem Zusatzschild „KFZ frei“ oder „Anlieger frei“. Jetzt hat die Stadt Stuttgart endlich eine erste Maßnahme aus dem zwei Jahre alten Beschluss des Gemeinderates zur „Lebenswerten Stadt für alle“ (Link) umgesetzt und eine 300m lange Straße zur Fahrradstraße umgewidmet.

Der Schritt ist jedoch nur minimal und daher sehr ernüchternd. Zum einen ist ein 300m kurzes Stück Straße in einem Straßennetz von fast 1500km lächerlich wenig. Abgesehen davon war diese Fahrradstraße davor schon da, nur eben mit einem genannten Zusatzschild „Anlieger frei“. Jetzt sind dort drei Zusatzschilder, nun sind nur noch „Taxis frei“, „Lieferverkehr von 5-11 Uhr frei“ und „Mobilitätseingeschränkte Personen frei“. Also immer noch nicht autofrei, aber ein bisschen mehr.
Dazu kommt noch, dass beide Enden dieser Fahrradstraße nicht besonders gut gelöst sind. An der Seite des Tagblatt-Turms muss man als Radfahrer:in querenden Autos auf dem Weg zum Parkhaus Vorfahrt gewähren, auf der anderen Seite geht es dann über den schlechten Radweg an der Holzstraße über eine Tiefgaragen-Ausfahrt, man quert eine Straße, die heftig von Schleichverkehr genutzt wird, muss dann an einer Litfasssäule über einen gemischten Rad- und Gehweg vorbeifahren, ohne daran vorbei sehen zu können und hat dann, je nach weiterer Fahrtrichtung, mindestens drei Ampeln, die man überqueren muss.

Alleine diese minimale Änderung hat jedoch den SWR auf den Plan gerufen und er hat einen Bericht über diese Fahrradstraße gemacht und in der Sendung „Zur Sache! Baden-Württemberg“ ausgestrahlt. Der Zweirat/Radentscheid wurden eingeladen, um dabei teilzunehmen. Leider sind von den vielen Aussagen, die wir in dem über einstündigen Dreh mit Interview machten, fast keine im ausgestrahlten Beitrag gekommen. Das ZDF war übrigens zeitgleich dort und hat auch gefilmt, allerdings zusammen mit dem Ordnungsamt.
Zum Beitrag: Natürlich machen wir ab und zu mal Fotos von der Stuttgarter Infrastruktur. Damit wollen wir dokumentieren, dass die Lösungen, die die Stadtverwaltung ausgedacht hat, in vielen Fällen einfach nicht funktionieren. Wenn man innerhalb weniger Sekunden mehrere Autos sehen kann, die ordnungswidrig in diese Fahrradstraße einbiegen (wie hier auf facebook), dann ist das ein sehr gutes Indiz dafür, dass diese Maßnahme so einfach nicht funktioniert.

Um einen Verbesserungsvorschlag zu machen, der kaum teurer gewesen wäre, aber deutlich effektiver und dem Anspruch einer lebenwerten Stadt viel gerechter gewesen wäre: man hätte den Durchgangsverkehr entfernen müssen. Die Einfahrt von der Holzstraße aus mit Pollern, Bordsteinen oder großen Blumenkübeln absperren. Somit kann man die Fußgängerzone aus der Marktstraße bis an die Holzstraße erweitern können. Mit roter Farbe auf dem Boden hätte man den Fußgänger:innen verdeutlichen können, dass hier ein Radweg durchführt. Auf dem freigewordenen Platz könnte man weitere Bäume pflanzen, Sitzgelegenheiten aufbauen oder auch z.B. eine große Schaukel aufstellen. All das macht eine Stadt deutlich lebenswerter, als dieser freie Platz, der ständig nur von Falschparkern missbraucht wird.
Im Endeffekt wird es dadurch eine Sackgasse und der KFZ-Verkehr meidet aufgrund des zusätzlichen Aufwandes, um zu wenden und dann erfolglos wieder heraus zu fahren, nach relativ kurzer Zeit vermutlich von ganz alleine diese Straße.

eine bessere Lösung für die Fahrradstraße

eine bessere Lösung für die Fahrradstraße

Wir wünschen uns – und fordern es für die 35249 Menschen, die für den Radentscheid Stuttgart unterschrieben haben – dass effektive Maßnahmen für den Radverkehr in der Stadt umgesetzt werden. Dazu gehört ein durchgängiges und sicheres Radwege-Netz! Jeder Mensch, von 8 bis 80 soll in der Lage sein, sicher und ungefährdet durch die Stadt radeln zu können. Das geht nicht mit ein bisschen Farbe, wie dieses Blau in der Eberhardstraße oder das Rot auf der Theodor-Heuss-Straße. Der OB Kuhn hat noch im Februar davon gesprochen, dass Stuttgart zur „echten Fahrradstadt“ werden soll. Der Gemeinderat hat die Forderungen des Radentscheids übernommen und sich zu noch ein paar weiteren Punkten verpflichtet. Dass jetzt beinahe ein ganzes Jahr lang an dieser Fahrradstraße geplant wurde, bis sie nun final umgesetzt wurde, ist viel zu wenig!
Bei dem Thema, was zum Themenkomplex der Verkehrswende gehört, sind alle Verantwortlichen deutlich mehr gefragt. Vom Gemeinderat müssten mehr konkrete Beschlüsse kommen, von der Verwaltung müssten mehr Vorschläge und Lösungen kommen. Sie haben freie Bahn, sie könnten und müssten sehr viel mehr bei dem Thema einbringen; durch diverse Beschlüsse sind sehr viele Maßnahmen möglich (wie z.B. die Übernahme der Radentscheid-Forderungen, der oben angesprochenen Beschluss zur lebenswerten Stadt oder das bereits zehn Jahre alte Verkehrsentwicklungskonzept). Ganz vorne dran müsste der OB stehen und immer wieder die Richtung vorgeben – leider ist er diesbezüglich völlig ohne Ehrgeiz und Profil.

großes Geschrei: autofrei

in Stuttgart macht gerade die Nachricht die Runde, dass die ganze Innenstadt in naher Zukunft autofrei werden soll.
Das verwundert mich aus verschiedenen Gründen.

1. ist dieser Beschluss bereits über zwei Jahre alt, hier die Meldung von 2017. Warum er nun ausgegraben wird, kann ich nicht so ganz einordnen. Warum der Auftrag aus dem Haushalt 2018/2019 jetzt bis „vor 2030“ verschoben wird, ist mir auch nicht verständlich.
Vielleicht ist das alles schon ein bisschen der vorgezogener Wahlkampf, da im kommenden Jahr hier die Oberbürgermeister-Wahlen sind.
Die Grünen, die den aktuellen OB Kuhn stellen, sind vermutlich froh über diese Meldung, dass ihr „Chef“ endlich mal etwas macht, für das er bereits 2012 gewählt wurde. Und die Konservativen, inkl. des Handelsverbands und der IHK springen da natürlich auch gleich auf, weil sie alleine bei dem Begriff schon den kompletten Untergang der westlichen Welt kommen sehen. Dabei können sie sich überhaupt nicht vorstellen, dass eine autofreie Innenstadt für den Handel sogar Vorteile bringt. Das ist erst in Madrid beobachtet worden, aber auch z.B. im auto-verliebten Nordamerika, wie in Toronto oder Salt Lake City.
Oder, wie beim Spiegel ein Forscher der TU Harburg nach einem Versuch dort zitiert wird:

Es ist kein Projekt dieser Art weltweit bekannt, das gescheitert ist.

2. geht es überhaupt nicht um eine autofreie Innenstadt. In dem Beschluss wird immer wieder genannt, dass selbstverständlich der Lieferverkehr weiterhin fahren darf. Eine zeitliche Einschränkung für diesen Verkehr funktioniert seit Jahrzehnten auf der Königstraße schon nicht: dort darf man eigentlich nur bis 11:00 fahren, tatsächlich ist dort den ganzen Tag über Lieferverkehr.
Außerdem werden die Zufahrten zu den Parkhäusern und Parkplätzen weiterhin zugelassen. Auf der Karte weiter unten habe ich mal alle Parkhäuser von google über die OpenStreetMap Karte gelegt. Überall dorthin werden weiterhin noch Autos fahren dürfen und wie bereits jetzt z.B. an der Marktstraße vor dem bekannten, lokalen Modehändler zu sehen ist, werden Park- und Halteverbote von KFZ-Fahrer:innen sowieso konsequent ignoriert und genauso konsequent auch weder von der Stadt noch von der Polizei effektiv durchgesetzt.
Selbst der Sprecher der Stadt redet lediglich davon, dass es um eine „Reduzierung des Verkehrs“ geht.

3. ist die Innenstadt sowieso schon irgendwie weitgehend (so eine Art) autofrei. Auf der Karte sind alle Fußgängerzonen innerhalb des Cityrings blau eingezeichnet. Dazu habe ich lila die Straßen markiert, auf denen normale Autos jetzt eigentlich schon nicht fahren dürfen (abgesehen von Taxis) oder nicht fahren sollten; und, weil es teilweise ein sog. Shared Space ist, ist dort auch eine Halteverbotszone, die ebenso konsequent ignoriert und nicht durchgesetzt wird.

4. geht es sowieso nur um wenige Meter. Der aktuelle Aufreger, also der Bereich, von dem man gerade als „autofrei“ spricht, sind die ca. 350 Meter auf der grün eingezeichneten Eberhardstraße. Dazu soll, laut der Meldung ganz oben, irgendwann noch die Dorotheenstraße in dieses Konzept integriert werden. Da das aber noch nicht mal ansatzweise mit einem Termin genannt ist, habe ich diese Straße (die schräg über dem Schriftzug Stuttgart-Mitte direkt in ein Parkhaus verläuft) noch nicht eingefärbt.

Es ist also viel Geschrei um den Begriff autofrei – offenbar ohne dass sich jemand mal mit der Thematik befasst hat.
Die einen feiern es, die anderen verteufeln es – letztendlich wird am Ende (fast) nichts passieren.

"autofrei" in Stuttgart

Was in der Stadt Stuttgart unter „autofrei“ verstanden wird.

Update 1: Die Jahreszahl der OB-Wahl in Stuttgart musste ich korrigieren. Meine Erinnerung gaukelte mir 2010 vor, die Wahl war jedoch im Oktober 2012, hier die Details.
Update 2: Just am selben Tag, als ich das niedergeschrieben habe, zeigt uns San Francisco, wie man mit 600Mio$ das Konzept #autofrei auch anders durchsetzen kann, hier der Einstieg dazu bei twitter.

Lauterbach – Darmstadt

nach der Erfahrung von gestern mache ich heute gar keine großen Pläne, sondern fahre einfach mal drauf los. Im Städtchen Lauterbach werden in der Alt-/Innenstadt diese Schirme aufgehängt und beim orangenen „Fahr Rad“-Schirm muss ich dann doch mal anhalten und sie fotografieren.

Weiter geht’s – allerdings scheint der heutige Radweg nicht so komfortabel zu sein, wie gestern noch. Diese Schilderkombination von Radweg-Ende/Radweg-Anfang an jeder noch so kleinen Querstraße zeigt mal wieder überdeutlich, wie die Prioritäten verteilt sind. Selbst bei diesem kleinen Parkplatz für Wanderer, die ja der aktiven Bewegung nicht abgeneigt sind, werden die RadfahrerInnen ausgebremst und müssen sich mit den potentiell rumfahrenden KFZ auseinandersetzen.
Warum macht man in solchen Fällen nicht einfach eine Vorfahrtsregelung für die Radfahrer?

Auch sehr ungerne gesehen: Drängelgitter. Vor allem, wenn man ein Rad dabei hat, bei dem noch Packtaschen dran sind. Man sieht zwar überall, dass sie die Durchfahrt deutlich vergrößert haben und jeweils eines dieser Gitter nach hinten versetzt haben. Aber dennoch ist es eine unnötige Einschränkung von Radfahrenden. Ich könnte sowas ernst nehmen, wenn es auch nur eine einzige Stelle im deutschen Straßenverkehrsnetz gäbe, das so ausgelegt ist, dass Autos auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen müssten und mit bestimmter Beladung eine solche Stelle sogar überhaupt nicht passieren könnten.

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Kassel – Lauterbach

die Zeit in Kassel neigt sich zu Ende. Ich frühstücke noch gemütlich und dann überlege ich mir noch, wie ich wieder nach Hause komme. Mit dem FlixTrain habe ich mein Rad mitgenommen und bei der ADFC-Tour gestern noch eine veraltete Karte der hessischen und deutschen Radwege mitbekommen.
Also entscheide ich mich nach etwas hin und her für den Fulda-Radweg und denke mir, dass das 78km entfernte (Luftlinie) Lauterbach doch ein mögliches Ziel sein könnte. Falls ich zu früh dort bin, fahre ich entweder noch ein paar Umwege oder einfach noch weiter.

Zuerst aber durch die Fulda-Aue aus der Stadt raus.

Und irgendwo auf dem Weg dann diese Pilze gesehen. Das ist ja das schöne am Radfahren – solche Dinge kriegt man mit. Ob man dafür dann auch immer anhält – erst recht mit dem schweren und trägen Tourenrad – ist noch eine andere Frage.

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in Kassel

auf dem „Nationalen Radverkehrskongress“ habe ich noch mit den Leuten vom Radentscheid Kassel gesprochen. Sie haben die Ausstellung „Fahr Rad! Die Rückeroberung der Stadt“ organisiert und in einer Documenta-Halle aufgebaut. Das hörte sich interessant an und ich hatte den Termin jetzt spontan wieder im Kalender gefunden und auch nichts anderes. Jetzt musste ich nur noch ein Zugticket besorgen und dann konnte es schon losgehen. Verwundert war ich darüber, dass man auf der Seite der Bahn sogar die FlixTrain-Züge angezeigt bekommt und diese sogar günstiger sind. Mein Reiserad ist gerade noch fertig geworden, also nehme ich es mit und beschließe, damit dann wieder heim zu fahren. Was der FlixTrain mit der Bahn gemeinsam hat: beide können Verspätung haben. Zwar „nur“ etwa eine halbe Stunde – aber wenn man schon um 06:31 losgefahren ist, ist das doppelt ärgerlich.

Vor der Ausstellung war ich erst noch in einem Workshop, der ein paar „Bottom Up“-Projekte aus Deutschland vorgestellt und diskutiert hat. Dabei waren die Freien Lastenräder, die Nordbahn-Trasse aus Wuppertal und die Parklets aus Stuttgart.
Am Tag drauf standen zwei Radtouren auf dem Plan. Eine vom ADFC, wovor mir schon alle Angst gemacht haben. „Die Andrea ist sauschnell, da kommt man kaum hinterher!“ Sowas beeindruckt mich aber nicht, es gibt tatsächlich wenige Radler, die zum Spaß fahren und denen ich nicht mal im Windschatten hinterher käme. Es war dann auch bei weitem nicht so; für die angekündigte 30km Tour ab 10 Uhr waren wir um 12:30 gerade mal bei 35km. Da stieg ich dann aus und wechselte zur zweiten Tour vom Radentscheid Kassel zu den Unesco-Weltkulturerbe-Wasserspielen „beim Herkules“. Ich musste mir noch ein paar Sprüche anhören, dass die Kasseler ja sehr trainiert seien, weil ihre Stadt so viele Berge hätte. Die Mountainbikes sahen auch so aus, die Leute aber weniger. Also ließ ich mich als „Flachland-Gast“ beschimpfen und dachte mir einfach meinen Teil. Allerdings sagte ich noch, dass sie auf mich keine Rücksicht nehmen bräuchten, ich komme sicherlich hinterher. Ich habe es dann auch nicht geschafft, immer hinten zu bleiben, sondern bin oft wieder ganz vorne gelandet. Naja – auf einem Stück haben dann sogar alle Guides aus Kassel schieben müssen, während ich eigentlich immer noch recht gemütlich hoch gefahren bin. Dort ging es ähnlich wie in Stuttgart etwa 200 Höhenmeter rauf, etwa die Hälfte davon mache ich ja schon zweimal täglich auf meinen Pendelstrecken.

Die Wasserspiele sind dann ein Touri-Magnet. Die meisten BesucherInnen warten ganz oben aufs Wasser und sobald es da ist, laufen sie den Berg weiter runter zur nächsten „Attraktion“. Wir waren erst an der „Teufelsbrücke“. Diese sieht vorher/nachher etwa so aus:
Sehr schön sind dort die Horden von Touristen zu sehen. Denen konnten wir mit den Rädern auf einer etwas parallelen Straße jedoch ganz gut entfliehen.
Der nächste Punkt war dann das Aquädukt. Auch hier wieder ein vorher-Bild ohne Wasser.
Und dann das nachher-Bild mit Wasser. Die meisten sind direkt in der Sekunde, als das Wasser herabstürzte, schon weiter nach unten gezogen. Ganz so, als ob sie richtig Stress hätten….
Am Ende kommt das Wasser dann an einem Schloß in einer großen Fontäne wieder zum Vorschein. Also wieder ein Punkt, den ich auf meiner Liste abhaken kann (obwohl ich nicht mal wusste, dass der da überhaupt drauf stand). Abends suchte ich dann noch schnell was zum Essen in der Stadt und war – so hungrig wie ich eben war – etwas verwirrt über diesen „Ranzenladen“. Es hätte mich nicht verwundert, wenn es dort tatsächlich etwas zum Essen, also für den Ranzen gegeben hätte.

#StuttgartParktFair

letztes Jahr im Spätherbst hat die Stadt eine neue Kampagne vorgestellt: „Stuttgart Parkt Fair“. Damit wollte sie auf die Einsicht der FalschparkerInnen hoffen, die sie auf ihr Fehlverhalten hinweist. Eine solche Kampagne wird alle paar Jahre neu durchgeführt, weil man eben feststellt, dass die bisherige überhaupt nichts gebracht hat.

Auch die aktuelle Aktion bringt wieder überhaupt nichts, daher geht der Hashtag #StuttgartParktFair bei twitter ein bisschen rund, meist verbunden mit einem Bild von einem falschparkenden Auto. Diese Autos stehen wie selbstverständlich in jeder noch so störenden Position, die zugehörigen FahrerInnen haben inzwischen gelernt, dass man in Stuttgart offensichtlich nichts befürchten muss. Tagsüber kümmert sich das Ordnungsamt ein bisschen um Falschparker, wenn sie Feierabend haben, müsste es die Polizei machen (was sie aber definitiv nicht macht).

Jetzt hat die Stuttgarter Zeitung diesen Mini-Trend bemerkt und einen Bericht dazu erstellt. Anfangs waren dort einfach ein paar Tweets in dem Bericht eingebunden. Dann hatte wohl jemand kalte Füße bekommen und aus den Tweets wurden Screenshots auf denen die Kennzeichen unkenntlich gemacht wurden. Dieses Ammenmärchen mit den verpixelten Kennzeichen hält sich wacker, wobei es bereits 2007 ein Urteil dazu gibt, das eindeutlig aussagt, dass es überhaupt kein Problem ist, solche Kennzeichen zu veröffentlichen.

Dieser Bericht war mindestens einen Tag lang unter den Top 5 der meistgelesenen Artikel auf der Homepage des Blattes. Vermutlich hat die Zeitung gemerkt, dass sie damit einen Nerv getroffen hat. Die veröffentlichten FalschparkerInnen, inkl. dieses Hashtags, wurden immer mehr, es gibt jetzt sogar ganz neue Twitter-Accounts, die nur solche FalschparkerInnen posten. Vermutlich haben sich auch ein paar dieser ertappten FalschparkerInnen auch bei der Zeitung beschwert.
Die Zeitung versucht nun die „an den Pranger stellenden“ wiederum selbst an den Pranger zu stellen und schreibt einen zweiten, etwas schärferen Artikel. Jetzt werden Zahlen hinzugefügt und Beteiligte kommen zu Wort. Damit ist die Stuttgarter Zeitung jedoch überfordert. Von der Stadt lässt sie sich die bekannte Beschwichtigung erneut erzählen, ohne auch nur ein bisschen kritisch nachzufragen. Die Stadt steht auf dem Standpunkt, dass sie nur in Brandschutzzonen, auf Behindertenparkplätzen und auf e-Ladezonen abschleppen muss. Die deutschlandweite ist anders, aber das stört bei der Stuttgarter Verwaltung niemand. Meist kommt dann das Argument, dass man ja liebend gerne mehr abschleppen würde, aber man habe einfach kein Personal. Auch hier könnte man ja mal nachfragen, was daran hindert, dass genügend geschultes Personal eingestellt wird?
Nebenbei: Ich würde den Job sogar für zwei oder drei Stunden pro Woche ehrenamtlich machen, wenn zumindest ein Teil der „Einnahmen“ dann an ein von mir bestimmtes gemeinnütziges Projekt gespendet wird.
Den vierten Spieler am Tisch, die Polizei, kommt in dem Artikel gar nicht zu Wort. Auch hier gäbe es ein paar Fragen zu stellen, und sich natürlich nicht von dem allgemeinen Marketing-Geschwätz einlullen zu lassen. Immerhin werden in Stuttgart Kinder auf dem Gehweg überfahren (sic!). Ein Grund dafür sind evtl. versperrte Sichtachsen, die Kinder sehen die Autos nicht, die Autos sehen die Kinder nicht. Aber solange der Polizeipräsident Lutz öffentlich aussagt, dass er kein Interesse daran hat, sich um die Einhaltung der StVO zu kümmern, wird das vermutlich weiterhin vorkommen. Das krasseste Beispiel wurde erst vor wenigen Wochen verhandelt: eine Frau fuhr in eine SUV ein Kleinkind auf einem Parkplatz tot und wurde kurz darauf sogar mit dem Smartphone am Ohr erwischt. Ein solches Verhalten zeigen nur Menschen, die von der Polizei und dem Ordnungsamt nichts zu fürchten haben.

Auch die Mär von dem „Parkdruck“ könnte man mal hinterfragen. In den Stuttgarter Innenstadtbezirken ist seit dem Jahr 2000 die absolute Zahl der privaten Autos um etwa 10% zurück gegangen – und das, obwohl die Stadtbezirke im ähnlichen Maßstab gewachsen sind. Diese Zahlen gibt es auf den Seiten der Stadt, müsste man nur recherchieren. Wenn es jeder „interessierte Bürger“ kann, sollte es für MitarbeiterInnen einer Zeitung doch ein Klacks sein. Gäbe es wirklich diesen „Parkdruck“, würden die Leute sich nicht mehr und mehr dieser SUVs anschaffen, sondern – wenn überhaupt Autos – dann die kleinsten, die es gibt. Oder eben Roller, wie man das in jeder italienischen Stadt sehen kann. Wenn es diesen „Parkdruck“ wirklich gäbe, dann wären die Parkhäuser nicht jede Nacht leer, während die Leute direkt davor falsch parken. Es herrscht einfach ein Bewusstsein vor, dass man „sein heiligs Blechle“ immer und überall abstellen darf – und in den meisten Fällen stimmt das ja auch. Das Ordnungsamt und die Polizei dulden das alles.

Aber der Höhepunkt der Berichterstattung ist immer noch nicht erreicht. Die Journalistin hat jetzt beim Datenschutzbeauftragten des Landes BW nachgefragt und dort ist man der Meinung, dass diese Fotos nicht legal veröffentlicht sind (und das obwohl es ein anders lautendes Urteil gibt, siehe oben). Auch hier wieder keine Nachfragen. Dieser Datenschutzbeauftragte ist übrigens auch der Meinung, dass der Name von Anzeigenerstellern zwingend auf dem Brief zu stehen hat, der den Beschuldigten vorgelegt wird. Das setzen andere Bundesländer (wie z.B. Hessen) anders um und stützen sich auf die selbe, europäische Grundlage. Seltsam, diese Datensparsamkeit. Bei Autos fordern, bei Menschen nicht.

Die weiteren Schritte sind jetzt noch in einer fernen Zukunft. Vielleicht schafft es die Zeitung aber ja mal tatsächlich, sich mit dem real existierenden Problem des immer-und-überall-Falschparkens zu beschäftigen und dafür von der Stadt und der Polizei konkrete Lösungen abzuverlangen.

Als Fazit möchte ich Hermann Knoflacher nennen, der ein Buch mit dem Titel „Virus Auto“ geschrieben hat. Dort wird erklärt, dass normale Menschen kaum noch rational denken können, sobald sie im Besitz eines Autos sind. Der Datenschutzbeauftragte scheint so zu denken, die MitarbeiterInnen bei der Stadt, die Polizei. Alle haben dieses irrationale „Verständnis“ für FalschparkerInnen, für angeblich illegal veröffentlichte Kennzeichen und sehen überhaupt kein Problem darin, dass es auf Stuttgarter Straßen über 28.000x im Jahr kracht, mit all den Toten und (Schwer-) Verletzten. Alles wird dem Auto untergeordnet und eine lebenswerte Stadt bleibt in weiter Ferne.

Für mich ein weiteres Beispiel, wieso die Stuttgarter Zeitung, bzw. ihr Pendant die Stuttgarter Nachrichten, absolut kein Abo-Kandidat ist. Neben dem Aufbau von solchen Internet-Prangern fällt sie bei mir regelmäßig dadurch auf, dass sie alle paar Monate wieder die alten Listen „Stuttgarts 10 beste Brunch-Locations“ (und noch mehr in dem Stil) auspackt. Sonst halt viel Fußball und sonstiges, irrelevantes. Eine gut recherchierte Geschichte, wie man es in anderen Zeitungen findet, sucht man hier meist vergebens – aber das scheint offenbar auch nicht der Ansporn dieser Zeitungen zu sein.

Mondfahrt

Jedes Jahr im Juni schaut ein Großteil der Fahrrad-Welt neidisch nach Berlin. Zehntausende, wenn nicht sogar über 100.000 Radfahrende versammeln sich dort zur Sternfahrt und demonstrieren für fahrradfreundlichere und lebenswertere Städte. Ein kleines Detail dabei ist uns letztes Jahr aufgefallen: Es gibt dort einen internationalen Zubringer aus Polen, der über Nacht bis nach Berlin fährt. „Das können wir auch!“ sagten wir damals spontan.
Dann gingen allerdings einige Monate ins Land und niemand dachte mehr an die Sternfahrten, weder im fernen Berlin, noch hier in Stuttgart. Im April ist es uns wieder eingefallen und wir überlegten konkret, ob wir das denn wirklich auch können und wie wir es umsetzen wollten. Ein mögliches Ziel ist schnell ausgemacht: Straßburg. Das ist recht weit weg und ebenfalls ein internationaler Startpunkt, der dank offener Grenzen gut zu erreichen ist. Außerdem ist es eine Partnerstadt von Stuttgart. Nach einer groben Schätzung der Strecke haben wir geplant, um Mitternacht am Münsterplatz in Straßburg los zu fahren, damit wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 20km/h noch pünktlich um 09:30 zu unserem Einstieg in Weil der Stadt ankommen werden. Damit war vorerst eigentlich schon alles geklärt und wir starteten ein bisschen Werbung im Social Media und beim ADFC Landesverband für unsere Tour. Wir waren trotzdem immer noch skeptisch, ob das alles einfach so funktioniert. Niemand von uns ist bisher über Nacht gefahren und wir wussten nicht, ob andere diese Schnapsidee auch gut finden und mitmachen wollten.
Kurz vorher war die Wettervorhersage nicht besonders gut. Es wird auf jeden Fall regnen, die ersten Zusagen sagten wieder ab. Und dann kam die Frage auf: Wie kommen wir eigentlich nach Straßburg? Bevor noch jemand etwas anderes sagen konnte, hieß es sofort, dass wir doch auch mit dem Rad dort hinfahren könnten und wir uns am Samstag vor der Sternfahrt um 13:00 am kleinen Pavillon auf dem Stuttgarter Schloßplatz treffen. Einer hatte die Route der Etappenfahrt des RTC Stuttgart auf seinem Navi und wir wählten deren Rückfahrt für unsere Hinfahrt. Bei bestem Wetter ging es zu dritt los. Wir fuhren gemütlich in Richtung Schwarzwald bis wir in den Regen kamen. Ein Schauer auf einer Abfahrt ins Nagoldtal durchnässte uns ziemlich, es war keine Möglichkeit sich unterzustellen. Weiter ging es dann in Regenklamotten, die Motivation war trotzdem nicht gebrochen.
Impressionen der Mondfahrt
Beeindruckend war, trotz des schlechten Wetters, die Fahrt durch den wolkenverhangenen oder nebeligen Schwarzwald. Diese Stimmung war nicht so richtig mit einer Kamera einzufangen, erst recht nicht mit so einer schlechten Smartphone-Knipse. Außerdem konnte man ja auch nicht ständig anhalten, um Fotos zu machen. Wir hatten ja eine recht knappe Zeitplanung einzuhalten.
Impressionen der Mondfahrt
Wir fuhren einfach immer weiter und weiter, machten viele Päuschen zwischendurch bis wir gegen 23:00 in Kehl ankamen. Die beleuchtete Europabrücke zeigte uns die damalige Grenze und wir rollten mit leichter Gänsehaut drüber.
Die erste Etappe (Daten auf Strava) war geschafft! Impressionen der Mondfahrt
Jetzt müssen wir nur wieder zurück. Wir ziehen uns nochmal etwas Trockenes an und finden zum Glück noch ein Restaurant, in dem wir nachts um elf Uhr noch etwas essen und unsere Trinkflaschen auffüllen können. Dann machen wir uns auf den Weg zum Münsterplatz. Dort erwarten wir noch drei weitere Mitfahrer, die mit dem Zug nach Straßburg gereist sind. Ein Gruppenfoto gibt es auf twitter.Impressionen der Mondfahrt Der Rückweg führt uns über die EuroVelo15 im Rheintal entlang nach Karlsruhe. Es geht über meist ruhige Straßen, teilweise auch über asphaltierte Nebenwege ohne Autoverkehr mitten im Wald. Sechs Fahrräder rollen lautlos durch die Nacht, unsere Lampen weisen uns den Weg. Man sieht nie weiter als ein paar Meter, die Summe der Scheinwerfer macht jedoch mehr Licht, als ich es anfangs noch befürchtet hatte. Man hört allerlei Geräusche, die ein Stadtkind sonst nicht mehr kennt. Unsere Geschwindigkeit passt offenbar ganz gut für alle Mitfahrer, niemand wird abgehängt, niemand prescht ständig alleine voraus.
Überraschend pünktlich und trocken kommen wir gegen 05:30 am Bahnhof in Karlsruhe an, dort es gibt Kaffee und eine Kleinigkeit zum Essen. Außerdem wartet hier noch ein weiterer Mitfahrer auf uns. Zu siebt geht es nach der Pause weiter. Nur wenige Kilometer später müssen wir wieder anhalten und uns umziehen, weil wir in einen starken Schauer kommen.
Dann fuhren wir durch Pforzheim und von dort ins Würmtal bis zu dem offiziellen Start der Sternfahrt. Auch diese Etappe ist auf Strava aufgezeichnet.
Um 09:44 wurden wir dort etwas verspätet trotzdem mit Applaus begrüßt. Nach 160km von Straßburg, bzw 350km vom Start vor knapp 20h waren wir zwar erschöpft aber stolz, das geschafft zu haben. Wir fahren die letzten 40km gemütlich mit der Menge von tausenden Radfahrer:innen zurück nach Stuttgart und schmieden dabei schon die ersten Pläne, was wir im nächsten Jahr wohl machen könnten.

ein paar Gedanken zum digitalen Datenschutz

in den letzten Tagen war ja offenbar mal wieder kurz das Thema „Datenschutz“ in den Medien; vor allem im Zusammenhang mit facebook. Es soll dort einen Datenklau der Firma Cambridge Analytics gegeben haben. Mal ganz abgesehen vom komplett falschen Begriff hat es überhaupt keinen Diebstahl gegeben. Soweit das bisher bekannt ist, wurden alle Daten im Sinne der facebook-AGBs verwendet. Ein interessantes Interview dazu kann man hier lesen.
Im Kinofilm-Kontext spricht man hierbei von Piraterie, auch wenn für Piraterie der Begriff Diebstahl (oder besser Raub) auch ganz gut passt. Für solche recht neuen Vorfälle im Digitalen haben wir in unserer Sprache einfach noch keine perfekten Beschreibungen, wobei „Missbrauch“ wohl schon in die richtige Richtung geht.
Und wenn man sich nun im Internet so ein bisschen umschaut, sieht man überwiegend Kommentare in der Art „selber schuld, man muss sich bei facebook ja nicht anmelden!“. Das ist leider grottenfalsch! Es stimmt zwar, dass man sich bei facebook (oder jedem anderen Dienst) nicht anmelden muss, aber zu glauben, dass dadurch keine Daten über die eigene Person gesammelt werden, ist nicht nur äußerst naiv sondern eben auch falsch. Das liegt vermutlich einfach an der ziemlich schlechten (Aus-) Bildung der „normalen Bevölkerung“, was Internet- und Computer-Themen angeht oder einer Wunschvorstellung.
Zum aktuellen Stand sammelt so quasi jede Internet-Seite jede Menge Informationen über die Besucher. Ich habe darüber schon mal kurz letztes Jahr geschrieben, als (mir) bekannt wurde, dass selbst auf so einer angeblich „seriösen Seite“ wie der der Süddeutschen Zeitung mehr als 40 der sogenannten „Tracker“ aufgerufen werden. Jeder einzelne dieser Aufrufe ist dazu da, Daten zu sammeln. Es gibt verschiedene Seiten im Internet, die zeigen, welche Infos so alle selbst ohne irgendwelche IT-Tricks (oder gar Programmierungen) gesammelt werden können (z.B. dieser „Browser Mirror„). Neben der IP (mit der man übrigens schon ziemlich genau den Standort bestimmen kann, auch ganz ohne GPS-Ortung!) noch so andere Infos wie den verwendeten Browser, dessen Version, das Betriebssystem, dessen Version, wie groß der Bildschirm ist (zumindest die aktuelle Auflösung), die Größe des Browser-Fensters, die aktuelle Zeitzone und „woher“ ich gerade gebrowsed bin. All diese Infos sind frei verfügbar und wenn diese nun auf allen (oder zumindest vielen) Seiten gesammelt werden, die ich so besuche, werde ich auf einmal ganz schön gläsern.
Wenn jetzt nun noch diese „Social Media Like Buttons“ (oder Share/Teilen-Knöpfe) dazu kommen, gehen diese Daten auch noch an diese Social Media Firmen.
Dann gibt es noch jede Menge andere Dienste, die „frei“ im Internet zur Verfügung gestellt werden, ein Beispiel davon sind diese google-Schriftarten. Feiner Zug von google, einfach ein paar tolle Schriftarten „kostenlos“ zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug wissen sie aber natürlich auch, wo und wie diese verwendet werden. Zusätzlich bieten sie noch tolle Statistik-Tools an, die für manche Webseiten-Betreiber interessant sind, aber an google natürlich noch sehr viel mehr wertvolle Daten liefern.
Und mit all diesen Methoden (dabei sind das nur die offensichtlichen) werden Daten über jede/n einzelne/n Internet-NutzerIn gesammelt, noch bevor man sich einmal irgendwo eingeloggt hat oder etwas in eine Suchmaschine getippt hat. Mit den Nutzen des Internets geht es dann weiter. Ihr kennt bestimmt diese Captchas, diese Bilderrätsel im Stile von „Auf welchen Kacheln sind Verkehrsschilder zu sehen?“. Das ist – vermutlich – auch ein google-Dienst und wie jeder Umsonst-Dienst, oder besser gesagt: Kosten-freie Dienst, muss das natürlich anders bezahlt werden: mit unseren Daten. Neben den üblichen Daten, die dabei gesammelt werden, trainieren wir damit ganz nebenbei auch die Maschinen/Algorithmen von google beim Thema Bilderkennung.

Falls ich jetzt nur einen einzigen Browser nutze, können z.B. die angesprochenen Social Media-Elemente auf jeglicher Webseite sehr genau mit meinem zugehörigen Social Media Profil in Zusammenhang gebracht werden.
Ich probiere aus, diverse Browser für diverse Zwecke zu nutzen. Dadurch sind die grundlegenden Daten wie Betriebssystem oder Bildschirm immer noch gleich, aber es kommt zumindest eine gewisse Unschärfe dazu und die Wahrscheinlichkeit ist eben keine 100% mehr, sondern deutlich geringer.
Sobald ich wieder aus dem Urlaub zurück bin, werde ich jedoch mit entsprechenden Plugins solche Tracker noch rigoroser blocken lassen, als ich es jetzt schon mache (z.B. durch Adblocker).
Außerdem leere ich regelmäßig meine Cookies und den Browser-Verlauf. Dadurch geht zwar etwas Komfort verloren, aber ich finde, für etwas mehr Datenschutz, bzw. niedrigere Wahrscheinlichkeitswerte für die Berechnungen von google, facebook, twitter, etc. ist es mir das wert.

Dazu kommen noch alle weiteren Daten, die ich irgendwann mal preisgebe, z.B. dadurch, dass ich mich irgendwo angemeldet habe, bei einem Gewinnspiel mitgemacht habe, mal eine Internet-Suche durchgeführt habe, etc. Alleine google weiß anhand der eingegebenen Daten ziemlich genau, wo eine Grippewelle anrollt (Beispiel) und einiges mehr. Wer jetzt sagt: „Na und – mir doch egal!“ den will ich sehen, wenn die Apotheken anhand solcher gekauften Informationen passend die Preise von Grippemitteln „anpassen“ (i.e. drastisch erhöhen). Dass diverse Internet-Händler verschiedene Preise für das gleiche Produkt anbieten, je nachdem mit welchem Gerät man die Seite aufruft (kleine Daumenregel: bei Apple wirds teurer, weil die Leute Geld haben) ist ja schon länger bekannt.
Und dieses „Feature“ bei google hat mich letztens auch etwas überrascht: google weiß ziemlich genau, wie viele Leute an welchen Tagen zu welchen Zeiten in Geschäften sind.

Es ist natürlich technisch eine Kleinigkeit, denn das eigene Smartphone weiß immer, wo es sich gerade befindet (ich wiederhole mich: auch ohne aktiviertem GPS!) und mit android als quasi-Standard bei Smartphone-Betriebssystemen können sie recht gut solche Voraussagen treffen. Wenn ich einen google-Account habe und mich damit auf meinem Smartphone angemeldet habe, sind diese Daten auch nicht mehr anonym, sondern es gibt eine fast 100% Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um „mich“ handelt.

Dabei sind die schlauen Leute bei den IT-Firmen natürlich immer einen Schritt voraus. Sie denken sich jede Menge Sachen aus, wie man die Benutzer durchleuchten kann und die somit gewonnenen Daten mit möglichst viel Gewinn verwerten kann. Ein Beispiel davon waren z.B. mal diese Flash-Cookies, die doch recht lange unbemerkt Daten sammeln konnten, bis es Gegenmittel dagegen gab (die jetzt vermutlich immer noch von den allermeisten Menschen nicht eingesetzt werden).

Und diese kurze Abhandlung an der Oberfläche behandelte jetzt hauptsächlich die Desktop-Welt. Und mir ist bewusst, dass ich damit bestimmt einige Leser abgehängt habe.
Im mobilen Bereich sieht das nochmal anders aus. So ein Smartphone ist nichts anderes als eine große Wanze, die ich freiwillig mit mir trage. Über 80% davon haben ein android-Betriebssystem, das auch wieder von google bereit gestellt wird. Was darin genau passiert, weiß vermutlich niemand so genau. Letztendlich sind es ca. 1,5 Milliarden (!) Geräte mit diversen Sensoren, Kameras und Mikrofonen (wer weiß schon, wann die etwas aufnehmen). Durch die aufgespielten Programme (Apps) kann vermutlich niemand mehr gewährleisten, was da wirklich passiert. Wem ist es nicht schon mal passiert, dass er/sie über ein Thema gesprochen hat und dann „zufällig“ eine Werbung zu just diesem Thema irgendwo aufgetaucht ist? Ja, das geht jetzt in Richtung Spekulation und könnte tatsächlich wirklich Zufall sein; wenn ich über ein Thema spreche, habe ich ja vermutlich schon ein gewisses Interesse daran und schon mal Daten in eine Suchmaschine dazu eingegeben.

Beim Thema „mobil“ wird es noch viel komplizierter. Mein Ansatz dabei ist: ein google-freies Betriebssystem nutzen (Alternative: ohne Apple/Microsoft/etc. falls es das gibt) und soweit wie möglich auf Open Source Apps setzen, dazu gibt es einen eigenen App-Store. Diese könnten von „mir“ überprüft werden, was sie tun (wenn ich es verstände und die Zeit dazu hätte) oder ich vertraue einfach darauf, dass „die Internet-Community“ hier als Korrektiv agiert. Dass (große) Firmen mit ihren geschlossenen, proprietären Produkten etwas gutes für mich wollen, ist nach all den bisherigen Erfahrungen doch ziemlich ausgeschlossen.

P.S. ja, das hat alles ziemlich wenig mit meinem aktuellen Urlaub zu tun, aber ich dachte mir, dass ich mich dazu einfach mal äußern muss. Mein Plan ist es auch, einen kleinen Workshop über das Thema „Internet-Sicherheit und Datenschutz“ in Stuttgart anzubieten, wenn ich wieder zuhause bin; ein großes Thema dabei werden auch „Passwörter“ sein.

P.P.S. wer noch tiefer in diese Materie einsteigen will und auch ein paar Links haben will, die zeigen, welche Daten facebook, Windows, google, etc über „mich“ gespeichert hat (inkl. der Unterfirmen, wie z.B. youtube), der sollte sich mal diesen Twitter-Thread anschauen.