Archiv der Kategorie: Gedanken

Gehwegparken

was ja schon lange stört, sind Autos, die jegliche öffentliche Flächen in unseren Städten zustellen und dabei natürlich auch auf den Gehwegen parken. Städte sollten Orte sein, an denen Menschen zusammenkommen, wo man sich treffen kann, wo (nicht nur) Kinder spielen können.
Unsere heutigen Städte sind leider nur noch große Parkplätze.
Woher dieser Anspruch kommt, dass man das eigene Auto (oder noch schlimmer, den Firmenwagen) immer direkt vor der Türe parken können muss, ist mir völlig unerklärlich. Es gibt in den Städten jede Menge Parkraum, sei es in Tiefgaragen, Parkhäusern oder großen Parkplätzen – wie im Stuttgarter Fall – zum Beispiel am Wasen-Parkplatz. Dort könnten überall die Autos stehen und sie würden nicht mal besonders stören.
Wir als Gesellschaft nehmen es jedoch hin, dass uns überall, wo wir leben, entweder mehrspurige Schnellstraßen trennen, oder eben überall Autos im Weg rumstehen.

Ganz besonders schlecht dabei ist das Gehweg-Parken. Leider gibt es in der StVO ein Schild (Update dazu ganz unten), das genau sowas sogar erlaubt. Das ist schon immer scheiße, jetzt in Corona-Zeiten, da man das gesellschaftliche Leben – wenn überhaupt – nur mit ordentlich Abstand genießen soll, fällt das besonders auf.

Hier ist ein solches Schild und man sieht, dass vom ursprünglichen Gehweg nur noch wenig übrig ist. Parkplätze sind üblicherweise 2m breit, also war der Gehweg davor mal gemütliche ca. 3,5m. Jetzt stehen da Autos. Und dann noch die Unsitte, dass alles auf den Gehweg kommt. Hier noch das Verkehrsschild und dieser Verteilerkasten. Als Fußgänger:in kann man schauen, wo man bleibt. Ist man noch jung und fit, kann es einem egal sein. Wenn man jedoch einen Rollator braucht oder einen Rollstuhl, wenn jemand entgegen kommt, vielleicht sogar ein Kind auf dem Fahrrad, wird es schon zu normalen Zeiten eng. Der 1,5m-Corona-Abstand ist damit nicht mehr machbar. Und wenn dann, wie hier, noch ein solches Alibi „Vorsicht Kinder“ auf die Straße gemalt wird, fallen normalen Leuten auf die Schnelle zig Möglichkeiten ein, Kinder vor dem Autoverkehr zu schützen, anstatt diese superbreite und abschüssige Straße einfach so durchs Wohngebiet zu betonieren. Wenn ich es noch richtig weiß, ist es die Sonnenbergstraße.
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bei der Thrombozyten-Spende

Thrombozythen-Apokalypse

irgendwann hing hier im Büro ein Zettel aus, auf dem Thrombozyten-Spender:innen gesucht wurden. Ich habe mich mal gemeldet und spende seitdem mehr oder weniger regelmäßig (schon über 40 Mal) im Stuttgarter RBK. Meist werde ich schon über Monate im Voraus mit Terminen versorgt, alle drei Wochen ist eine solche Spende möglich (mit den selben Ausschlusskriterien wie bei Blutspenden).
Letzte Woche, am 16. März, im leichten Aufzug der Corona-Krise, war es schon seltsam, ins eigentlich geschlossene Krankenhaus zu kommen. Vor der Türe ein Sicherheitsmitarbeiter, den ich aber mit dem einfachen Satz „ich komme zur Spende“ überwinden konnte. An der Rezeption kam ich nur vorbei, weil mein Name auf einer Liste stand. Sonst war aber alles wie immer. Bis ich mich verabschiedete. Mein nächster Termin ist nämlich ganz spontan schon nächste Woche! Ich frage, ob das denn so in Ordnung ist und kriege zur Antwort, dass man es bis zu drei mal pro Woche machen könne, wenn es dringend nötig sei. Also gut, Handy gezückt und den neuen Termin aufgeschrieben. Irgendwie empfinde ich es ja als „soziale Selbstverständlichkeit“ (wie hier schon mal geschrieben), dass ich unterstütze, wenn ich schon einer der wenigen Menschen sein soll, die überhaupt diese Thrombozyten spenden können/dürfen. (und dabei weiß ich nicht mal so genau, was das eigentlich ist)

Auf dem Weg zum Krankenhaus ist mir noch eines dieser Solidaritäts-Transparente aufgefallen. Die hängen an verschiedenen Stellen in Stuttgart.

Transparent mit "Respekt für die Helfer"

Transparent mit „Respekt allen Helfern!“

Am Krankenhaus war es dann nochmal deutlich krasser. Schon die Zufahrt zum Krankenhaus war mit Sperrbaken blockiert. Die hielten mich als Radfahrer natürlich nicht auf, der Fahrradparkplatz war ja dahinter. Vor dem Krankenhaus waren nun mehrere Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Und mir wurde schon vor der Türe die Temperatur (35,6°) und die Sauerstoffkonzentration (96%?) gemessen. Dann konnte ich weiter. An der Rezeption kam ich auch nur wieder mit meinem Namen weiter, mir wurde nun jedoch noch zusätzlich ein Mundschutz ausgehändigt.
Dann wieder – abgesehen davon, dass jetzt alle Menschen hier einen Mundschutz tragen – alles wie immer.

bei der Thrombozyten-Spende

bei der Thrombozyten-Spende

Üblicherweise gehe ich vor der Spende zum Frühstück in die Krankenhaus-Kantine. Heute war ich später dran, also wollte ich danach zum Mittagessen. Auch das hat einen mittleren Eklat verursacht, da inzwischen nur noch interne Mitarbeiter:innen in der Kantine erlaubt wären. Die Mitarbeiter:in der Thrombozyten-Abteilung hat das dann aber geklärt, dass ich noch etwas zum Essen bekommen habe, bevor ich wieder mit dem Rad durch die Stadt nach Hause fahren konnte. Dabei habe ich noch an zwei Stellen Bekannte getroffen, die rennradfahrend, bzw. joggend, dem „Hausarrest“ entfliehen wollten.

Ich bin gespannt, ob es beim Termin am nächsten Montag noch eine weitere Steigerung gibt. Bis jetzt fühlt sich das alles schon sehr surreal und komisch an. Irgendwie kam ich mir vor dem Krankenhaus eher vor, wie im Film, und nicht mehr wie im richtigen Leben.

Abenteuer Bahn

Gelobet sei die Bahn!

Da habe ich mir extra einen ordentlichen Puffer eingebaut. Ich will heute nach Hildesheim, das sind etwa 480km von Stuttgart aus. Ich wählte extra die Züge, bei denen ich das Rad mitnehmen kann. Laut Plan fahre ich in aller Frühe um 8:40 in Stuttgart los und sollte dann um 13:56 in Hannover sein. Von dort wollte ich dann sehr gemütglich die 30km bis Hildesheim radeln, mich dort um eine Unterkunft kümmern und dann um 18:00 bei der dortigen Critical Mass teilnehmen. Ich habe extra noch eine kleine Musik-Anlage auf dem / für das Rad mitgenommen.
Knappe 10 Stunden für diese Strecke sollte eigentlich gut machbar sein, dachte ich mir.
Aber den Plan habe ich ohne die Bahn gemacht.

Die erste kurze Strecke bis Bruchsal hat zwar zeitlich funktioniert. Allerdings war mal wieder eine falsche Wagenreihung angekündigt (wo ist jetzt mein Fahrrad-Abteil?) und der Wagen war auch nicht beheizt. Der zweite Zug war auch wieder falsch gereiht und innerhalb kurzer Zeit hat er auch schon eine Verspätung von etwa 30min aufgebaut, hauptsächlich wegen eines medizinischen Notfalls in einem Zug vor uns. Auch in diesem Wagen waren die Steckdosen nur zur Deko und die Reservierungsanzeigen gingen nicht. Man musste also ab und zu mal aufstehen und einen anderen Platz suchen. Und dann in Treysa (das habe ich ja noch nie gehört!) kam dann die „leider noch eine schlechte Nachricht“. Aufgrund einer Oberleitungsstörung können wir nicht weiterfahren, sondern müssen zurück. Aus den 30min werden „nach ersten Schätzungen“ 130min Verspätung, weil man bis Frankfurt-West zurück fährt. Ich überlege, was ich machen kann, da ich mit Rad ja etwas mobil bin – aber leider keine Ahnung habe wo ich bin. Und obwohl wir mitten in einem Ort im Bahnhof stehen, gibt es mal wieder kein Netz, um genauere Details rauszufinden. Ich schätze, dass ich (es ist etwa 13 Uhr) gute 60km vor Kassel bin. Das ist zwar keine unüberwindbare Strecke, allerdings würde es mit der geplanten Verspätung doch noch alles mehr schlecht als recht hinhauen und ich bin ja nicht direkt auf eine solche Fahrt bei dem Wetter vorbereitet. Der Lokführer geht also mal wieder von vorne nach hinten (dem neuen vorne) und als er neue Pläne kriegt, fahren wir also zurück.
In Frankfurt-West (was eigentlich Frankfurt (Main) West sein sollte), dann die Ansage, dass wir nicht zum Hbf fahren, wer dorthin will, um einen schnelleren Zug zu nehmen, der könne hier die S-Bahn nehmen. Einige verlassen den Zug.
Lustigerweise kommen wir kurz darauf „außerplanmäßig“ doch zum zweitem Mal auf der Tour im Frankfurter Hauptbahnhof an.

Hello Frankfurt my old friend

Hello, Frankfurt, my old friend

Und auch hier dann die Ansage: jetzt könne man wieder mal in einen schelleren ICE nach Hamburg umsteigen. Ob er irgendwo dazwischen hält oder ob man dort das Fahrrad mitnehmen kann, wird nicht erwähnt. Ich habe wieder Netz und sehe, dass der Zug geplant in 4min abfahren sollte, aber sehr, sehr voll sein wird. Eine neue Ansage kommt: der würde auf uns warten. Das war wohl das Code-Wort. Auf einmal stehen fast alle auf und nehmen diesen Zug.
Da meine Pläne eh schon alle futsch sind, bleibe ich sitzen und warte was passiert.

Im Bord-Bistro gibt es fast nix mehr. Das Essen ist aus, ich nasche eine Packung Süßigkeiten (das erste, was ich heute esse) und nehme eine Cola-Kalorienbombe. Eine Packung Wasser gibt es noch kostenlos dazu – YEAH.
Auf den Toiletten ist das Desinfektionsmittel aus. Ich vermute, dass das bei der Bahn schon längst nicht mehr aufgefüllt wird. Aber man kann es zur Zeit ja gut in die aktuelle Corona-Hysterie einflechten. Man hört ja immer wieder, dass neben den nutzlosen Atemschutzmasken auch in allen Drogeriemärkten und Apotheken gerade diese Desinfektionmittel ausverkauft sind.
auch hier kein Desinfektionsmittel mehr
Was mir ja immer wieder auffällt, wenn ich mit der Bahn unterwegs bin: es gibt so viele Strecken, die nur sehr schlecht ans mobile Internet angebunden sind. Nicht nur, dass das Verkehrsministerium es nicht schafft, für einen verlässlichen Bahnverkehr zu sorgen, auch seine Aufgabe der „Digitalisierung“ scheint es nicht erledigen zu können. So gelingt die Verkehrswende bestimmt nicht.

Und während ich vor lauter Langeweile eben diesen Text schreibe, kommt die nächste Ansage, dass sich selbst auf diesem neuen Umweg die Verspätungen wieder anhäufen. Den verbliebenen, wenigen Leute, die noch im Zug sind (in dem Wagen sind wir zu viert), bleibt nicht viel übrig, als sarkastisch darüber zu lachen.
Ich bin gespannt, wann ich tatsächlich ankommen werde.

Gelobet sei die Bahn!

P.S. falls mir jemand eine gute Android-App empfehlen kann, mit der man Bilder bearbeiten kann, wäre da auch dankbar!

zerfetztes Merino-Shirt

kleines Unfällchen

eigentlich wollte ich heute Abend ja etwas anderes schreiben. Ich war die letzten Tage in Berlin und München und hätte dazu noch was zu erzählen.
Auf dem Heimweg bin ich allerdings in einer Kurve mitten in der Stadt in eine sehr dreckige Stelle gekommen. Die Baustelle in der Nähe hat die Straße zwar verdreckt aber nicht anständig sauber gemacht. Ich vermute mal, dass das in Stuttgart ständig passiert und man halt auch weiß, dass sich von den öffentlichen Stellen einfach niemand drum kümmert.
Ich bin eben einfach weggerutscht.
Der Kitt’l sieht jetzt so aus.
dreckiger Kittel nach dem Unfall
Und die Hose ähnlich dreckig. Der ganze Dreck lag eben alles auf der Straße und mit dem leichten Regen wurde es zu einer sehr rutschigen Angelegenheit.
dreckige Hose nach dem Unfall
(wer kein Blut sehen kann, sollte hier lieber nicht weiterlesen)
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Berlin-Ausflug

Berlin

Berlin hat schon irgendwas. Dieses Wochende eben das Sechstagerennen, die SixDays.
Ich habe noch rechtzeitig einen Zug gebucht. Gut ist ja, dass diese Flixtrains auch auf der Bahn-Seite angezeigt werden, dass man bloß nicht vergisst, die günstigere Alternative zu buchen. In meinem Fall hatte ich die Hinfahrt für 8,99€ bekommen.
Was nicht so gut ist: Man muss halt schon um 07:04 am Bahnhof sein – was mir als „Team Zweistellig[e Uhrzeiten]“ doch nicht ganz einfach fällt. Da ist es auch egal, dass man danach noch ausgiebige Nickerchen im Zug machen kann.
Berlin-Ausflug
Die Aussicht am fast durchgehenden nebeligen Reisetag war völlig zu vernachlässigen. Hier z.B. die Kohl’schen blühenden Landschaften. Für Januar bestimmt schon/noch sehr grün.
Berlin-Ausflug
Den einen Abend bin ich ein bisschen mit der mit Kamera rumspaziert und habe versucht, ein paar Bilder zu machen. So richtig motiviert war ich aber nicht und als ich dann zufällig auf einen bekannten Musiker aus Stuttgart traf, nahm ich das als gute Ausrede, mich ihm ein bisschen anzuschließen und das Fotografieren sein zu lassen. Danach kam mir das Bosse-Lied 3 Millionen in den Sinn, das ja ein bisschen das Thema „jemanden in Berlin treffen“ aufgreift.
Das einzige halbwegs vernünftige Foto beim Spaziergang ist dieses hier geworden, auf dem der Berliner Fernsehturm langsam im Nebel verschwindet.
Berlin-Ausflug
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Fahrradgaragen

das Thema „Fahrradgaragen“ wird schon seit einiger Zeit in Stuttgart diskutiert. Ich habe mich schon recht früh in das Thema eingearbeitet und daher kenne ich mich daher relativ gut aus. Das merke ich auch daran, dass viele Leute davon noch überhaupt gar nichts wissen oder bei mir Details erfragen.

Daher möchte ich es, nachdem die erste Fahrrad-Garage in Stuttgart nun seit wenigen Tagen steht, hier mal etwas aufarbeiten. Sollte etwas falsch sein oder fehlen, einfach kurz Bescheid geben.

Angefangen hat es, meines Wissens nach, mit diesem Antrag, der im Oktober 2017 zum Doppelhaushalt 2018/2019 der Stadt Stuttgart gestellt wurde, #419/2017:
–> https://www.domino1.stuttgart.de/web/ksd/ksdRedSystem.nsf/0/F34F17E55FB079EAC12581BE0047BBD5
Der Inhalt von Punkt 3b, auf einen Satz zusammenfasst: Die Stadt soll 60 Fahrradgaragen, speziell für hochwertige Pedelecs und Lastenräder in den Wohngebieten für die Bewohner:innen bauen und kriegt dafür 400.000€. Er wurde im entsprechenden Unterausschuss angenommen, wenn auch mit einer nur knappen Mehrheit. Daraufhin ist jedoch nichts passiert, was man als Außenstehender bemerkt haben könnte.

Im Oktober 2018, also etwa ein Jahr nach dem Beschluss, hat der Zweirat Stuttgart diesen Antrag öffentlich gemacht und auch mit Hilfe des Stuttgarter Magazins Lift innerhalb kurzer Zeit mehrere Hundert Interessierte Stuttgarter Einwohner:innen gefunden, die einen solchen sicheren (Lasten-) Radparkplatz haben wollen.
–> https://zweirat-stuttgart.de/2018/10/19/die-stadt-will-fahrrad-garagen-bauen/
Die Interessierten wurden kartiert und es waren schnell viele Stellen, wo die geforderten vier Parteien in unmittelbarer Nähe wohnten. Damit hätte man sofort diesen Auftrag des Gemeinderates umsetzen können.
Die Reaktion der Stadt war jedoch verwirrend. Anstatt sich für die Initiative zu bedanken, wurde sehr schnell vom Stadtsprecher verkündet, dass es „nicht stimme“. Bis heute hat er jedoch noch keine Antwort darauf gegeben, was an der Zweirat-Darstellung falsch sein soll. Dann legte er nach und behauptet, dass „der [Gemeinde-] Rad das nicht beschlossen“ hätte, worauf er sogar von einer Gemeinderätin korrigiert wurde.
–> https://twitter.com/svmatis/status/1054748676411809792
Was der Hintergrund dieser Aussagen des Stadtsprechers ist, ist bis heute nicht bekannt.

In Februar 2019, vermutlich auf Druck des Radentscheid Stuttgart, wurde diese Seite auf der Homepage der Stadt veröffentlicht:
–> https://www.stuttgart.de/item/show/466797/1/3/668707
Auch hier ist wieder zu lesen, dass die Stadt Radgaragen in Wohngebieten erstellen will. Von Lastenrädern ist schon nichts mehr zu lesen. Ein Konzept solle im Sommer vorgestellt werden.
Am 9. Juli 2019 stand das Thema Fahrradgaragen dann auf der Agenda des Radforums PG1. Dieses Radforum ist zwar eine öffentliche Veranstaltung, die jedoch nicht öffentlich beworben wird. Hier wurde ein Bild von einer potentiellen Fahrradgarage gezeigt. Da war klar, dass Lastenräder dort sicherlich nicht rein passen werden. Auch der angedachte Ort unter der Paulinenbrücke ließ die Interessierten verwundert zurück. Das ist definitiv kein Wohngebiet. Ob ich das damals gezeigte Bild veröffentlichen darf, ist mir aktuell nicht klar, es ist aber schon sehr nah an der aktuell aufgestellten Garage.
Letztendlich wurde gesagt, dass dies nun ein Pilot sei (Quelle). Ich kann mich erinnern, dass diese Pilotphase nun erstmal zwei Jahre gehen soll (Quelle), bevor irgend welche weiteren Überlegungen und Planungen durchgeführt werden. Schnell war man auch dabei, eine Entgeltordnung für diese Garagen zu erstellen. Während Autofahrer:innen in Stuttgart lediglich 30,70€ für einen Anwohnerparkausweis zahlen müssen, ist ein solcher Stellplatz in dieser Garage für 90€ im Jahresabo oder für 1€ pro Tag buchbar.

Zu den angesprochenen, angeblich rechtlichen Problemen:
1. gibt es alleine im Stuttgarter Westen etwa 9.500 Parkplätze (Untersuchung dazu). Hiervon nun ganze zehn Parkplätze für solche Fahrradgaragen umzuwidmen, sollte doch absolut kein Problem sein. Erst recht nicht in einer Stadt, die zumindest irgendwie probiert den Eindruck zu vermitteln, eine „echte Fahrradstadt“ (Quelle dazu) sein zu wollen.
2. habe ich in Leipzig gelernt, wie sie Fahrradbügel auf die Straße/Parkplätze bringen konnten. Sie haben die weißen Straßenbegrenzungslinien einfach um diese Fahrradparkplätze gezogen. Somit waren sie nicht mehr Teil der Straße, sondern man konnte damit alles andere anstellen. Es gibt also kreative Lösungen, wenn man etwas umsetzen will. Während anderswo Lösungen suchen, hat man in Stuttgart immer wieder den Eindruck, dass hier mit viel Aufwand immer wieder nur Ausreden gesucht werden.
3. gibt es diverse Städte in Europa und auch in Deutschland, die es schon geschafft (oder soll man schreiben „gewollt“) haben, sichere Fahrradstellplätze für die Anwohner:innen bereitzustellen, siehe hier.

Mein Vorschlag wäre ja, dass diese Fahrradgaragen in die Wohngegenden mitten auf die Straßen gestellt werden. Diese werden aktuell fast immer nur als bequeme und ampelfreie Durchgangsstraßen genutzt. Diese neuen Garagen könnten daraus dann viele Sackgassen machen, mit einem roten Fahrradweg, der trotzdem noch durch führt; sie ständen direkt vor den Häusern der Radbesitzer:innen, würden sogar keine dieser ach-so-wichtigen Parkplätze wegnehmen und eine Art „Superblock-Straßennetz“ erzeugen, mit dem andere Städte schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben (Quelle). Nebenbei wird der Autoverkehr deutlich reduziert und um diese Garagen könnten noch kleine Parks, Bäume oder eben freie öffentliche Räume entstehen, wo Menschen mitten in der Stadt dann leben können und nicht nur toter Platz für fahrende oder parkende Autos bereitgestellt wird. In relativ kurzer Zeit würde die Anzahl der Autos dadurch stark sinken und man gewinnt weiteren, wertvollen Platz für die Stadtbewohner:innen.
Das stelle ich mir unter einer #Fahrradstadt oder einer lebenswerten Stadt vor.

Fazit
Inzwischen sind über zwei Jahre seit dem beschriebenen Antrag vergangen. Es gibt keine einzige Fahrradgarage in Wohngebieten, obwohl es schon 60 sein sollten. Von dem beantragten Geld ist nichts für den eigentlichen Zweck verwendet worden. Es gibt jetzt nur diesen einen Pilotversuch, der über zwei Jahre laufen wird, bis die Stadt über das weitere Vorgehen entscheidet. Lastenräder kann man in dieser Garage überhaupt nicht abstellen.
Es fällt mir schwer, an dieser ganzen Geschichte etwas positives zu sehen. Und ich will gar nicht daran denken, dass es in anderen Bereichen, wo ich mich nicht eingearbeitet habe, ganz ähnlich läuft.

Update: mittlerweile wird das Thema auch in den Stadtteilen diskutiert und kritisch gesehen. Im Stuttgarter Westen sollen in paar Pilotstandorte gesucht werden, allerdings ist dort kaum ein Platz zu finden. Selbst der lokale Bezirksbeirat traut sich nicht an einen einzigen Autostellplatz heran, sondern kommt nur auf die Idee, diese Garagen auf Bürgersteige und öffentliche Plätze zu stellen. So wird das nix!
Hier noch zwei Beiträge aus der Stuttgarter Zeitung, vom 4.2. und vom 21.2.

eigene Seite hacken

ich kam nicht mehr in meine Webseite rein. Das Login-Fenster von WordPress zeigte zwar ein Benutzernamen-Feld, aber das Password-Feld war ausgegraut. Es war also nicht mehr möglich, ein Passwort einzugeben und somit bin ich auch nicht mehr in den Administrationsbereich meiner Webseite gekommen.

Keine Ahnung, ob es ein Bug in der WordPress/Jetpack Konfiguration ist, oder ob es, wie ich im Netz in sehr alten Beiträgen gelesen habe, evtl. ein Hacker-Schutz ist. Angeblich soll es einen Mechanismus geben, der prüft, ob viele Fehlversuche beim Login aufgezeichnet wurden. Wenn das der Fall ist, dann könnte solch ein Verhalten zu beobachten sein, sollte sich aber nach einer gewissen Zeit wieder automatisch zurückstellen. Über Nacht ist nichts passiert, also musste ich weiter im Netz nach einer Lösung suchen.
Ich habe keine richtige Lösung gefunden, und habe stattdessen einfach mal das Jetpack-Plugin deaktiviert. Dazu bin ich mit einem FTP-Programm zu meiner Seite gegangen, dort in das WordPress-Plugins Verzeichnis und habe den Ordner jetpack einfach umbenannt.

Voilá – schon konnte ich mich wieder anmelden!

Wer A sagt, muss auch B machen!

irgendwann im Frühjahr hat ein Manager, der mehrere Ebenen über mir ist, angekündigt, dass er im Dezember nach Indien fliegen wird, auch um dort an einer organisierten Charity-Radtour am 15.12. über 150km teilzunehmen; dadurch sollen Spenden für eine gemeinnützige Organisation gesammelt werden. Da immer von einer „offenen Kommunikationskultur“ gesprochen wird, habe ich angemerkt, dass man nicht nach Indien fliegen muss, um Rad zu fahren, das könne man doch auch ganz gut hier machen.

Update: leider hat mich meine Erinnerung etwas getäuscht und die Tour in Indien war tatsächlich schon am 14.12. – aber sich seit März lediglich um einen Tag zu täuschen, finde ich ohne weitere Notizen nicht so schlecht. ;~)

Er erwiderte darauf, dass es natürlich die Entscheidung jedes einzelnen ist, daran teilzunehmen und dass ich doch einfach selbst eine Fahrrad-Veranstaltung organisieren solle.
Ich finde, dass ich dieses Jahr tatsächlich genügend Fahrrad-Veranstaltungen organisiert habe. Sieben Mal die Kidical Mass, bei der wir jedesmal zwischen 150 und 220 Teilnehmer:innen hatten und dazu noch die Mondfahrt, wo wir über Nacht zur Stuttgarter Sternfahrt geradelt sind.
Was jetzt noch fehlte, war mein „Beweis“, dass man am 15. Dezember tatsächlich in Süddeutschland 150km radeln kann. Also besorgte ich mir ein Fahrrad-Navi, wasserdichte Winterschuhe, richtete mein Rad, das ein Radladen beim Versuch, den Schaltzug zu wechseln (!), kaputt gemacht hat und beobachtete die Wettervorhersage. Es sollte zwar nicht besonders kalt werden, dafür windig und die Regenvorhersage änderte sich stündlich in alle Richtungen.

Also gut, ich habe eine Route geplant, die auch auf Strecken führt, die ich noch nie gefahren bin. Als ich Stuttgart verlasse, sehe ich nicht nur viele Wolken, sondern in der Ferne auch schon die Schwäbische Alb, auf die mich die Tour heute führen wird.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Sobald ich näher komme, sehe ich auch hier und da mal eine Burg auf den Bergen.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Worauf ich bei der Streckenplanung nicht geachtet habe, waren Steigungen. Diese 17% auf der Ochsenwanger Steige haben mich ziemlich überrascht und mich im weiteren Verlauf zu ziemlichen Flüchen veranlasst. Leider gab es oben dann nicht mal eine Möglichkeit, diese imposante Steigung irgendwie fotografisch festzuhalten. Man fährt zwar die ganze Zeit hoch, kann aber nirgends die beeindruckende Aussicht begutachten.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Warum ich die Schwäbische Alb auch gerne als Schneebische Alb bezeichne (z.B. hier)? Weil dort gefühlte zehn Monate im Jahr Schnee liegt. In Stuttgart waren es beim Losfahren noch gut über 10°C und ich habe diesen Winter dort auch noch keinen Schnee gesehen. Hier oben gibt es überall noch (oder schon wieder?) Schnee.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Bei Laichingen fängt es nach etwa 60km dann tatsächlich ein bisschen zum Regnen an und da ich ohne Frühstück und ohne Verpflegung losgefahren bin, entschließe ich mich zu einer kleinen Pause.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Der Regen wird nicht weniger und das Regenradar verheißt auch keine Besserung. Also fahre ich nach dem Kuchen zügig weiter. Ich komme auf solchen Wirtschaftswegen durch tatsächlich schöne Gegenden, die ich auf den großen Straßen, die ich bisher mit dem Rennrad immer fuhr, noch nie zu Gesicht bekommen habe.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Kurz vor Ulm ist dann diese Auffahrt auf eine Brücke über die Bahnlinie. In anderen Städten gibt es für Radfahrer:innen keine Möglichkeiten, Flüsse, große Verkehrsstraßen oder eben Bahnlinien zu queren – oder nur mit großen Umwegen. Hier wird auf wenig Platz einfach eine Rampe gebaut. Es ist so einfach, den Radverkehr ernst zu nehmen und es ihm einfach zu machen, wenn man es doch nur will….
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Dann fahre ich nach Ulm rein. Eine Stadt, die ähnlich viele Baustellen, wie Stuttgart hat. Davon sieht man hier wenig, aber das Ulmer Münster, der höchste Kirchturm der Welt, ist weithin sichtbar.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Inzwischen wird es langsam dunkel. Das Problem am 15. Dezember ist ja, dass es beinahe der kürzeste Tag des Jahres ist. Gepaart mit meinem Problem, früh aufzustehen und loszufahren (es war heute 10:30), setzt eben schon nach wenigen Stunden die Dämmerung ein.
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Nach 110km bin ich bei meinen Eltern angekommen, habe nochmal Kuchen gegessen, mich ein bisschen aufgewärmt und ein paar der nassen Klamotten gewechselt, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Das Regenradar war wieder eindeutig: es wird regnen!
Die letzten 70km sahen für mich dann überwiegend so aus:
Impressionen ein 150km Radtour im Winter
Der Schein der Lampe zeigt mir den Weg. Ich habe überwiegen kleine Landstraßen, es sind kaum Autos unterwegs. Und es regnet und regnet und regnet. Falls mir jemand eine Lösung hat, wie man mit einer Brille beim Regen fahren kann, ohne ziemlich blind zu sein, wäre ich dankbar! Wenigstens ist es noch warm genug, dass ich ohne Handschuhe fahren kann.
In Geislingen, wo ich nach 160km eigentlich in den Zug steigen wollte, rolle ich gerade in den Bahnhof, als der Zug abfahrbereit da steht. Der einzige Ticketautomat ist besetzt und bevor ich dazu komme, mir eine Fahrkarte zu besorgen, fährt der Zug ab. Also entscheide ich mich, den nächsten Zug, eine Stunde später, dann im etwa 20km entfernten Göppingen zu nehmen. Mein bisheriger Schnitt war 22,6km/h, also müsste das funktionieren. Ich verlasse meine Route und fahre nach den Schildern den direkten Weg an der B10 nach Göppingen. Dort komme ich etwa zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges an, kann mir noch eine Fahrkarte kaufen und gemütlich zum Gleis laufen.

Fazit: Ja klar, man kann auch hier mitten im Winter mehr als 150km am Tag radfahren! Hier die Strava– oder Komoot-Aufzeichnung. Es waren am Ende 180km in 7:45, dazu noch etwa 3h Pausen.
Nebebei: Auf Strava gibt es auch diese Festive500-Herausforderung, bei der jährlich tausende Sportler weltweit 500km zwischen Heilig Abend und Silvester radfahren, hier z.B. 2018; ich bin mit meinen 506km letztes Jahr auf dem 16863. Platz (von 98190 Teilnehmer:innen) gelandet.

Und da ich alle meine Touren aufzeichne und auch immer gerne mal neue Strecken fahre, nutze ich VeloViewer. Dort gibt es, neben vielen anderen Dingen, auch eine Karte, auf der man alle eigenen Touren sieht und es wird eben angezeigt, wo ich schon mal gefahren bin. Damit kann man dann Routen planen, die auch in bisher unbekannte Gebiete führen.
Vor meiner Tour sah es dort so aus:
meine VeloViewer-Karte vor der Tour
Und danach dann eben so – die blaue Linie ist die beschriebene Tour. Ja, es ist nicht die direkte Strecke, hier und da mit Umwegen und Zick-Zack. Aber dafür habe ich mir ein paar weitere „Kacheln“ erarbeitet.meine VeloViewer-Karte nach der Tour

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Fahrradstraße

Diesen Beitrag habe ich auf der Seite vom Zweirat Stuttgart geschrieben. Dort wurde jedoch entschieden, dass er dort nicht hinpasst, deswegen veröffentliche ich ihn eben hier:

Die Straßenverkehrsordnung sieht Fahrradstraßen vor. Analog zu einer Autobahn, bzw. Kraftfahrstraße, auf der nur Autos und keine Fahrräder erlaubt sind, verhält es sich auf diesen Fahrradstraßen: KFZ sind verboten!
Solche Fahrradstraßen gibt es selten in Deutschland und oft sind sie in Verbindung mit dem Zusatzschild „KFZ frei“ oder „Anlieger frei“. Jetzt hat die Stadt Stuttgart endlich eine erste Maßnahme aus dem zwei Jahre alten Beschluss des Gemeinderates zur „Lebenswerten Stadt für alle“ (Link) umgesetzt und eine 300m lange Straße zur Fahrradstraße umgewidmet.

Der Schritt ist jedoch nur minimal und daher sehr ernüchternd. Zum einen ist ein 300m kurzes Stück Straße in einem Straßennetz von fast 1500km lächerlich wenig. Abgesehen davon war diese Fahrradstraße davor schon da, nur eben mit einem genannten Zusatzschild „Anlieger frei“. Jetzt sind dort drei Zusatzschilder, nun sind nur noch „Taxis frei“, „Lieferverkehr von 5-11 Uhr frei“ und „Mobilitätseingeschränkte Personen frei“. Also immer noch nicht autofrei, aber ein bisschen mehr.
Dazu kommt noch, dass beide Enden dieser Fahrradstraße nicht besonders gut gelöst sind. An der Seite des Tagblatt-Turms muss man als Radfahrer:in querenden Autos auf dem Weg zum Parkhaus Vorfahrt gewähren, auf der anderen Seite geht es dann über den schlechten Radweg an der Holzstraße über eine Tiefgaragen-Ausfahrt, man quert eine Straße, die heftig von Schleichverkehr genutzt wird, muss dann an einer Litfasssäule über einen gemischten Rad- und Gehweg vorbeifahren, ohne daran vorbei sehen zu können und hat dann, je nach weiterer Fahrtrichtung, mindestens drei Ampeln, die man überqueren muss.

Alleine diese minimale Änderung hat jedoch den SWR auf den Plan gerufen und er hat einen Bericht über diese Fahrradstraße gemacht und in der Sendung „Zur Sache! Baden-Württemberg“ ausgestrahlt. Der Zweirat/Radentscheid wurden eingeladen, um dabei teilzunehmen. Leider sind von den vielen Aussagen, die wir in dem über einstündigen Dreh mit Interview machten, fast keine im ausgestrahlten Beitrag gekommen. Das ZDF war übrigens zeitgleich dort und hat auch gefilmt, allerdings zusammen mit dem Ordnungsamt.
Zum Beitrag: Natürlich machen wir ab und zu mal Fotos von der Stuttgarter Infrastruktur. Damit wollen wir dokumentieren, dass die Lösungen, die die Stadtverwaltung ausgedacht hat, in vielen Fällen einfach nicht funktionieren. Wenn man innerhalb weniger Sekunden mehrere Autos sehen kann, die ordnungswidrig in diese Fahrradstraße einbiegen (wie hier auf facebook), dann ist das ein sehr gutes Indiz dafür, dass diese Maßnahme so einfach nicht funktioniert.

Um einen Verbesserungsvorschlag zu machen, der kaum teurer gewesen wäre, aber deutlich effektiver und dem Anspruch einer lebenwerten Stadt viel gerechter gewesen wäre: man hätte den Durchgangsverkehr entfernen müssen. Die Einfahrt von der Holzstraße aus mit Pollern, Bordsteinen oder großen Blumenkübeln absperren. Somit kann man die Fußgängerzone aus der Marktstraße bis an die Holzstraße erweitern können. Mit roter Farbe auf dem Boden hätte man den Fußgänger:innen verdeutlichen können, dass hier ein Radweg durchführt. Auf dem freigewordenen Platz könnte man weitere Bäume pflanzen, Sitzgelegenheiten aufbauen oder auch z.B. eine große Schaukel aufstellen. All das macht eine Stadt deutlich lebenswerter, als dieser freie Platz, der ständig nur von Falschparkern missbraucht wird.
Im Endeffekt wird es dadurch eine Sackgasse und der KFZ-Verkehr meidet aufgrund des zusätzlichen Aufwandes, um zu wenden und dann erfolglos wieder heraus zu fahren, nach relativ kurzer Zeit vermutlich von ganz alleine diese Straße.

eine bessere Lösung für die Fahrradstraße

eine bessere Lösung für die Fahrradstraße

Wir wünschen uns – und fordern es für die 35249 Menschen, die für den Radentscheid Stuttgart unterschrieben haben – dass effektive Maßnahmen für den Radverkehr in der Stadt umgesetzt werden. Dazu gehört ein durchgängiges und sicheres Radwege-Netz! Jeder Mensch, von 8 bis 80 soll in der Lage sein, sicher und ungefährdet durch die Stadt radeln zu können. Das geht nicht mit ein bisschen Farbe, wie dieses Blau in der Eberhardstraße oder das Rot auf der Theodor-Heuss-Straße. Der OB Kuhn hat noch im Februar davon gesprochen, dass Stuttgart zur „echten Fahrradstadt“ werden soll. Der Gemeinderat hat die Forderungen des Radentscheids übernommen und sich zu noch ein paar weiteren Punkten verpflichtet. Dass jetzt beinahe ein ganzes Jahr lang an dieser Fahrradstraße geplant wurde, bis sie nun final umgesetzt wurde, ist viel zu wenig!
Bei dem Thema, was zum Themenkomplex der Verkehrswende gehört, sind alle Verantwortlichen deutlich mehr gefragt. Vom Gemeinderat müssten mehr konkrete Beschlüsse kommen, von der Verwaltung müssten mehr Vorschläge und Lösungen kommen. Sie haben freie Bahn, sie könnten und müssten sehr viel mehr bei dem Thema einbringen; durch diverse Beschlüsse sind sehr viele Maßnahmen möglich (wie z.B. die Übernahme der Radentscheid-Forderungen, der oben angesprochenen Beschluss zur lebenswerten Stadt oder das bereits zehn Jahre alte Verkehrsentwicklungskonzept). Ganz vorne dran müsste der OB stehen und immer wieder die Richtung vorgeben – leider ist er diesbezüglich völlig ohne Ehrgeiz und Profil.

großes Geschrei: autofrei

in Stuttgart macht gerade die Nachricht die Runde, dass die ganze Innenstadt in naher Zukunft autofrei werden soll.
Das verwundert mich aus verschiedenen Gründen.

1. ist dieser Beschluss bereits über zwei Jahre alt, hier die Meldung von 2017. Warum er nun ausgegraben wird, kann ich nicht so ganz einordnen. Warum der Auftrag aus dem Haushalt 2018/2019 jetzt bis „vor 2030“ verschoben wird, ist mir auch nicht verständlich.
Vielleicht ist das alles schon ein bisschen der vorgezogener Wahlkampf, da im kommenden Jahr hier die Oberbürgermeister-Wahlen sind.
Die Grünen, die den aktuellen OB Kuhn stellen, sind vermutlich froh über diese Meldung, dass ihr „Chef“ endlich mal etwas macht, für das er bereits 2012 gewählt wurde. Und die Konservativen, inkl. des Handelsverbands und der IHK springen da natürlich auch gleich auf, weil sie alleine bei dem Begriff schon den kompletten Untergang der westlichen Welt kommen sehen. Dabei können sie sich überhaupt nicht vorstellen, dass eine autofreie Innenstadt für den Handel sogar Vorteile bringt. Das ist erst in Madrid beobachtet worden, aber auch z.B. im auto-verliebten Nordamerika, wie in Toronto oder Salt Lake City.
Oder, wie beim Spiegel ein Forscher der TU Harburg nach einem Versuch dort zitiert wird:

Es ist kein Projekt dieser Art weltweit bekannt, das gescheitert ist.

2. geht es überhaupt nicht um eine autofreie Innenstadt. In dem Beschluss wird immer wieder genannt, dass selbstverständlich der Lieferverkehr weiterhin fahren darf. Eine zeitliche Einschränkung für diesen Verkehr funktioniert seit Jahrzehnten auf der Königstraße schon nicht: dort darf man eigentlich nur bis 11:00 fahren, tatsächlich ist dort den ganzen Tag über Lieferverkehr.
Außerdem werden die Zufahrten zu den Parkhäusern und Parkplätzen weiterhin zugelassen. Auf der Karte weiter unten habe ich mal alle Parkhäuser von google über die OpenStreetMap Karte gelegt. Überall dorthin werden weiterhin noch Autos fahren dürfen und wie bereits jetzt z.B. an der Marktstraße vor dem bekannten, lokalen Modehändler zu sehen ist, werden Park- und Halteverbote von KFZ-Fahrer:innen sowieso konsequent ignoriert und genauso konsequent auch weder von der Stadt noch von der Polizei effektiv durchgesetzt.
Selbst der Sprecher der Stadt redet lediglich davon, dass es um eine „Reduzierung des Verkehrs“ geht.

3. ist die Innenstadt sowieso schon irgendwie weitgehend (so eine Art) autofrei. Auf der Karte sind alle Fußgängerzonen innerhalb des Cityrings blau eingezeichnet. Dazu habe ich lila die Straßen markiert, auf denen normale Autos jetzt eigentlich schon nicht fahren dürfen (abgesehen von Taxis) oder nicht fahren sollten; und, weil es teilweise ein sog. Shared Space ist, ist dort auch eine Halteverbotszone, die ebenso konsequent ignoriert und nicht durchgesetzt wird.

4. geht es sowieso nur um wenige Meter. Der aktuelle Aufreger, also der Bereich, von dem man gerade als „autofrei“ spricht, sind die ca. 350 Meter auf der grün eingezeichneten Eberhardstraße. Dazu soll, laut der Meldung ganz oben, irgendwann noch die Dorotheenstraße in dieses Konzept integriert werden. Da das aber noch nicht mal ansatzweise mit einem Termin genannt ist, habe ich diese Straße (die schräg über dem Schriftzug Stuttgart-Mitte direkt in ein Parkhaus verläuft) noch nicht eingefärbt.

Es ist also viel Geschrei um den Begriff autofrei – offenbar ohne dass sich jemand mal mit der Thematik befasst hat.
Die einen feiern es, die anderen verteufeln es – letztendlich wird am Ende (fast) nichts passieren.

"autofrei" in Stuttgart

Was in der Stadt Stuttgart unter „autofrei“ verstanden wird.

Update 1: Die Jahreszahl der OB-Wahl in Stuttgart musste ich korrigieren. Meine Erinnerung gaukelte mir 2010 vor, die Wahl war jedoch im Oktober 2012, hier die Details.
Update 2: Just am selben Tag, als ich das niedergeschrieben habe, zeigt uns San Francisco, wie man mit 600Mio$ das Konzept #autofrei auch anders durchsetzen kann, hier der Einstieg dazu bei twitter.

Lauterbach – Darmstadt

nach der Erfahrung von gestern mache ich heute gar keine großen Pläne, sondern fahre einfach mal drauf los. Im Städtchen Lauterbach werden in der Alt-/Innenstadt diese Schirme aufgehängt und beim orangenen „Fahr Rad“-Schirm muss ich dann doch mal anhalten und sie fotografieren.

Weiter geht’s – allerdings scheint der heutige Radweg nicht so komfortabel zu sein, wie gestern noch. Diese Schilderkombination von Radweg-Ende/Radweg-Anfang an jeder noch so kleinen Querstraße zeigt mal wieder überdeutlich, wie die Prioritäten verteilt sind. Selbst bei diesem kleinen Parkplatz für Wanderer, die ja der aktiven Bewegung nicht abgeneigt sind, werden die RadfahrerInnen ausgebremst und müssen sich mit den potentiell rumfahrenden KFZ auseinandersetzen.
Warum macht man in solchen Fällen nicht einfach eine Vorfahrtsregelung für die Radfahrer?

Auch sehr ungerne gesehen: Drängelgitter. Vor allem, wenn man ein Rad dabei hat, bei dem noch Packtaschen dran sind. Man sieht zwar überall, dass sie die Durchfahrt deutlich vergrößert haben und jeweils eines dieser Gitter nach hinten versetzt haben. Aber dennoch ist es eine unnötige Einschränkung von Radfahrenden. Ich könnte sowas ernst nehmen, wenn es auch nur eine einzige Stelle im deutschen Straßenverkehrsnetz gäbe, das so ausgelegt ist, dass Autos auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen müssten und mit bestimmter Beladung eine solche Stelle sogar überhaupt nicht passieren könnten.

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Kassel – Lauterbach

die Zeit in Kassel neigt sich zu Ende. Ich frühstücke noch gemütlich und dann überlege ich mir noch, wie ich wieder nach Hause komme. Mit dem FlixTrain habe ich mein Rad mitgenommen und bei der ADFC-Tour gestern noch eine veraltete Karte der hessischen und deutschen Radwege mitbekommen.
Also entscheide ich mich nach etwas hin und her für den Fulda-Radweg und denke mir, dass das 78km entfernte (Luftlinie) Lauterbach doch ein mögliches Ziel sein könnte. Falls ich zu früh dort bin, fahre ich entweder noch ein paar Umwege oder einfach noch weiter.

Zuerst aber durch die Fulda-Aue aus der Stadt raus.

Und irgendwo auf dem Weg dann diese Pilze gesehen. Das ist ja das schöne am Radfahren – solche Dinge kriegt man mit. Ob man dafür dann auch immer anhält – erst recht mit dem schweren und trägen Tourenrad – ist noch eine andere Frage.

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in Kassel

auf dem „Nationalen Radverkehrskongress“ habe ich noch mit den Leuten vom Radentscheid Kassel gesprochen. Sie haben die Ausstellung „Fahr Rad! Die Rückeroberung der Stadt“ organisiert und in einer Documenta-Halle aufgebaut. Das hörte sich interessant an und ich hatte den Termin jetzt spontan wieder im Kalender gefunden und auch nichts anderes. Jetzt musste ich nur noch ein Zugticket besorgen und dann konnte es schon losgehen. Verwundert war ich darüber, dass man auf der Seite der Bahn sogar die FlixTrain-Züge angezeigt bekommt und diese sogar günstiger sind. Mein Reiserad ist gerade noch fertig geworden, also nehme ich es mit und beschließe, damit dann wieder heim zu fahren. Was der FlixTrain mit der Bahn gemeinsam hat: beide können Verspätung haben. Zwar „nur“ etwa eine halbe Stunde – aber wenn man schon um 06:31 losgefahren ist, ist das doppelt ärgerlich.

Vor der Ausstellung war ich erst noch in einem Workshop, der ein paar „Bottom Up“-Projekte aus Deutschland vorgestellt und diskutiert hat. Dabei waren die Freien Lastenräder, die Nordbahn-Trasse aus Wuppertal und die Parklets aus Stuttgart.
Am Tag drauf standen zwei Radtouren auf dem Plan. Eine vom ADFC, wovor mir schon alle Angst gemacht haben. „Die Andrea ist sauschnell, da kommt man kaum hinterher!“ Sowas beeindruckt mich aber nicht, es gibt tatsächlich wenige Radler, die zum Spaß fahren und denen ich nicht mal im Windschatten hinterher käme. Es war dann auch bei weitem nicht so; für die angekündigte 30km Tour ab 10 Uhr waren wir um 12:30 gerade mal bei 35km. Da stieg ich dann aus und wechselte zur zweiten Tour vom Radentscheid Kassel zu den Unesco-Weltkulturerbe-Wasserspielen „beim Herkules“. Ich musste mir noch ein paar Sprüche anhören, dass die Kasseler ja sehr trainiert seien, weil ihre Stadt so viele Berge hätte. Die Mountainbikes sahen auch so aus, die Leute aber weniger. Also ließ ich mich als „Flachland-Gast“ beschimpfen und dachte mir einfach meinen Teil. Allerdings sagte ich noch, dass sie auf mich keine Rücksicht nehmen bräuchten, ich komme sicherlich hinterher. Ich habe es dann auch nicht geschafft, immer hinten zu bleiben, sondern bin oft wieder ganz vorne gelandet. Naja – auf einem Stück haben dann sogar alle Guides aus Kassel schieben müssen, während ich eigentlich immer noch recht gemütlich hoch gefahren bin. Dort ging es ähnlich wie in Stuttgart etwa 200 Höhenmeter rauf, etwa die Hälfte davon mache ich ja schon zweimal täglich auf meinen Pendelstrecken.

Die Wasserspiele sind dann ein Touri-Magnet. Die meisten BesucherInnen warten ganz oben aufs Wasser und sobald es da ist, laufen sie den Berg weiter runter zur nächsten „Attraktion“. Wir waren erst an der „Teufelsbrücke“. Diese sieht vorher/nachher etwa so aus:
Sehr schön sind dort die Horden von Touristen zu sehen. Denen konnten wir mit den Rädern auf einer etwas parallelen Straße jedoch ganz gut entfliehen.
Der nächste Punkt war dann das Aquädukt. Auch hier wieder ein vorher-Bild ohne Wasser.
Und dann das nachher-Bild mit Wasser. Die meisten sind direkt in der Sekunde, als das Wasser herabstürzte, schon weiter nach unten gezogen. Ganz so, als ob sie richtig Stress hätten….
Am Ende kommt das Wasser dann an einem Schloß in einer großen Fontäne wieder zum Vorschein. Also wieder ein Punkt, den ich auf meiner Liste abhaken kann (obwohl ich nicht mal wusste, dass der da überhaupt drauf stand). Abends suchte ich dann noch schnell was zum Essen in der Stadt und war – so hungrig wie ich eben war – etwas verwirrt über diesen „Ranzenladen“. Es hätte mich nicht verwundert, wenn es dort tatsächlich etwas zum Essen, also für den Ranzen gegeben hätte.