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Halifax Pop Explosion #HPX25

als selbsterklärter Experte für kanadische Musik, der ich durch die Besuche bei der Canadian Music Week in Toronto, dem Pop Montréal Festival und dem NXNE Festival ebenfalls in Toronto mit Sicherheit geworden sein muss, hat mich das Werbeplakat für das 25. Halifax Pop Explosion Festival natürlich sofort angesprochen.

Der Name kommt daher, dass vor genau 100 Jahren hier im Hafen von Halifax die bis dato größte Explosion durch die Menschheit ausgelöst wurde, als ein Munitionsschiff explodierte.
Mehr zufällig bekomme ich Wind von einem Rabatt-Code, der eigentlich nur für die lokalen Studenten ist: 50% günstigere Tickets. Statt $109 für den viertägigen Festival-Pass muss ich letztendlich nur knappe $70 zahlen. Ein Tagesticket alleine würde schon $60 kosten.
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Demo: Forest Funeral

hier beim Deanery Project, wo ich seit ein paar Tagen wohne, kümmert man sich natürlich auch sehr um die Umwelt. Eine Sache, die hier bei vielen Leuten sehr viel wichtiger als bei uns in Deutschland genommen wird, sind die Wälder. Dabei geht es nicht um solche „Plantagen“ mit hohem Nutz-Charakter, wie es bei uns oft der Fall ist, sondern um jahrhundertelang gewachsene, wilde Wälder. Ich bin auf meiner Tour an vielen davon vorbei gefahren und habe auf einigen Zeltplätzen in deren Nähe übernachtet.

Hier gibt es scheinbar Bestrebungen von größeren Konzernen, diese Wälder mit solchen riesigen Maschinen systematisch und komplett abzuholzen und oftmals einfach zu Pellets oder sonstigem Brennmaterial für die Industrie zu verwerten. Das ganze wird als „Clear Cutting“ bezeichnet und soll laut der Abholzer ohne langfristigen Schaden alle 10-15 Jahre gemacht werden können. Dass ein komplett gerodetes Waldstück nach 10-15 Jahren niemals eine ähnliche Qualität wie ein jahrhundertelang gewachsener Wald haben kann, sollte jeder/m klar sein, der auch nur ein bisschen denken kann. Von der Politik wird es aber dennoch so akzeptiert. Wieso verhält sich „die Politik“ nur auf der ganzen Welt so komplett gegen die Wünsche und Anforderungen der Bevölkerung, die sie mal gewählt hat?

Hier in Nova Scotia hat daher ein Bündnis zu einer Demonstration gegen dieses „Clear Cutting“ aufgerufen und aufmerksamkeitswirksam einen Trauermarsch für einen kürzlich gerodeten Wald in der Nähe organisiert. Trotz der recht unpassenden Uhrzeit um 13:00 an einem Donnerstag waren zu Beginn der Demo über 500 Leute anwesend und im Laufe des Zuges haben sich noch ein paar Hundert dazugesellt.

Geendet hat der Zug vor dem lokalen Regierungsgebäude, wo – nicht nur für meinen Geschmack – viel zu viele Redebeiträge eingeplant waren. Das ganze Prozedere dort hat nochmal fast zwei weitere Stunden gedauert. Ich habe davon mitgenommen, dass es bereits in den 60er Jahren genau solche Demos gab und hier – ähnlich wie beim Stuttgarter „Prestigeprojekt“ – von Seiten der Industrie und Politik ebenso mit Lug und Trug gearbeitet wird und alle diese Lügen von der „Gegenseite“ als genau das auch immer wieder aufgedeckt werden.
Von den Politikern, die direkt hinter dieser Mauer saßen (oder sitzen sollten), hat sich natürlich niemand blicken lassen.

Beim Einkaufen am nächsten Tag habe ich dann gesehen, dass diese Demo sogar auf der Titelseite der lokalen Zeitung war.

P.S. ein gutes (bzw. schlechtes, in dem Fall) Beispiel ist Island, das sehr gut zeigt, was passiert, wenn man zu viele Bäume fällt und sich nicht darum kümmert, einen vernünftigen Waldbestand zu erhalten. Dazu ein Artikel in der NYTimes.

Sheet Harbour – The Deanery Project

auf geht’s, die vorletzten Kilometer wollen auch noch geradelt werden. Heute ist wieder starker Gegenwind und ich habe echt wenig Lust.
In der Küche rede ich noch ein bisschen mit dem B&B Gastgeber, er stellt sich auch wieder als Verschwörungstheoretiker heraus. Diesmal halte ich jedoch dagegen und frage nach, getreu der „5W-Methode“, von der zwar im Büro jede/r redet, sie aber nie anwendet. Es ist ganz einfach: jede Aussage 5x hinterfragen, das „W“ steht hier für ein Fragewort. Man verhält sich also wie ein Kind und fragt die ganze Zeit „warum? warum? warum?“
Mir wird dann schnell klar, dass das alles Mist ist, was diese Typen erzählen, sie selbst meinen jedoch, dass sie einen unglaublichen Geheimnis auf der Spur sind und es ein Zeichen für ihre „Überlegenheit“ ist, wenn man diese Fragen nicht beantworten kann. Schlimm, so ein Leben!

Naja, wie bei anderen Themen (z.B. Radfahrer gegen Autofahrer, Vegetarier gegen Carnivoren, Gläubige gegen Aufgeklärte, Politisch doktrinierte gegen Vernünftige, etc.) bringen alle Diskussionen ja auch nichts – weder überzeuge ich die Gegenseite, noch überzeugt die Gegenseite mich. Und wenn man einmal in so einer „Blase“ gefangen ist, ist es einfach unglaublich schwer, da wieder heraus zu kommen.

Gegen 13:00 entscheide ich mich dazu, dass es langsam spät und warm genug ist, dass ich losfahren kann. Mein Ziel heute ist „The Deanery Project“. Das soll eine gemeinnützige Radwerkstatt sein, die von Freiwilligen organisiert und durchgeführt wird, die auch einen Campingplatz für Radfahrer anbieten soll. Und das alles ca. 50km von hier. Ja, jetzt gegen Ende lasse ich es richtig krachen!

Auf dem Weg dorthin komme ich an diesem Haus vorbei und das ist tatsächlich mein erstes Foto für heute.

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Antigonish – Sheet Harbour

und los geht’s – ich bin fast fertig mit meiner Tour. Vielleicht noch drei Tage und dann werde ich zurück in Halifax sein, das Rad verkaufen und dann mal sehen, was passiert.
Zuvor steht aber noch die heutige Etappe an. Ich kann mir aussuchen, ob ich gute 60km fahre oder 140km, dazwischen kann ich nicht viele Übernachtungsmöglichkeiten online finden. Mal sehen, wann ich in Sherbrooke sein werde (das ist nach ca. 60km), wie ich mich dort fühle und wie der Wind steht….

Zu sehen gibt es nichts neues. Herbstliche Wälder und hier und da mal ein Fluss oder See.

In Sherbrooke sind in und um diese Garage ein paar junge Kätzchen, die aber viel zu scheu sind, als dass ich mal kurz mit ihnen spielen könnte.

Bisher hatte ich leichten Rückenwind und es ist jetzt gerade mal halb zwei. Ich kaufe noch kurz ein paar Bananen und entscheide mich dazu, weiter zu radeln. Die 80km werde ich wohl nicht mehr schaffen, aber ich hoffe einfach, dass ich trotzdem noch eine überdachte Übernachtungsmöglichkeit finden werde.
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Whycocomagh – Antigonish

es scheint gerade eine Kältewelle eingebrochen zu sein. Für heute ist eine Höchsttemperatur von 10°C angesagt. Ich habe eigentlich nur kurze Radklamotten dabei und bis Halifax sind es immer noch ein paar Tage. Ich will aus dem Hostel gar nicht raus in die Kälte, irgendwann ziehe ich dann halt doch das meiste an, inkl. der Regenklamotten und will losfahren. Dann regnet es nochmal kurz. Also warte ich halt noch ein bisschen länger und komme mit einem anderen ins Quatschen. Er bietet mir an, dass er mein Rad dann verkaufen könnte, falls ich es nicht oder nur zu einem sehr geringen Preis los bekomme. Ich solle es dann einfach zu ihm schicken und er wird sich dann im Frühjahr darum kümmern.

Also wird es heute noch anstrengender – neben den Hügeln und dem Wind kommt die Kälte hinzu. Und die fehlende Lust. Auf der kurzen „Brücke“ auf die Insel stürmt es ziemlich. Ich wollte zwar die Gischt fotografieren, die hier von rechts nach links über die Straße flog, aber mit dem Smartphone geht das halt schlecht und ich wollte nicht länger dort stehen und auf solche ein Bild warten.

Danach weiter mit Hügeln und dem Trans-Canada-Highway. Ob ich dort fahren durfte, weiß ich nicht, weil es irgendwie ein „zugangsbeschränkter Highway“ sein soll. Ich bin aber trotzdem dort gefahren.

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North Sydney – Whycocomagh

am Frühstückstisch hier in dem Bed&Breakfast sitzt noch eine Autorin, die gerade für ein neues Buch recherchiert. Dabei erzählt sie, dass sie gestern an einem Friedhof vorbeigekommen ist, der direkt am Meer liegt, wo die Erosion jedes Jahr ein halben Meter Friedhof wegnimmt. Dabei kommen dann auch ständig die Überreste der begrabenen Menschen zu Tage.

Und es sind noch drei Texaner am Tisch, die in „der“ Filmstadt in den USA wohnen (hab aber schon wieder vergessen, wo das war). Dort wird quasi durchgängig gedreht und sie sind scheinbar ständig als Statisten dabei. Wenn alle Texaner so weltoffen wären, wie diese drei, wären die USA wahrscheinlich sogar ein besserer Ort; nicht wegen des Filmens, sondern wegen des Reisens.

Mein Rad steht derweil draußen auf der Veranda und wartet darauf, dass es heute repariert wird.

Davor fahre ich aber nochmal kurz zurück zur Fähre, die mich – wenn es noch 10° wärmer wäre – nach Neufundland gebracht hätte.

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Ingonish Beach – North Sydney

es hat nachts wieder geregnet, zwar nicht viel und mein Zelt hat dicht gehalten. So richtig hört es auch nicht mehr auf, ich warte immer mal wieder ein bisschen, aber es regnet und regnet und regnet. Ich packe das Zelt ein, natürlich ganz nass und treffe dann auf dem Zeltplatz noch zwei Mädels aus Berlin, die offenbar eine Autopanne haben. Beim Auto geht gar nix mehr, die eine meint, dass sie das schon mal hatte; bei diesen Ford-Modellen soll es wohl üblich sein, dass die Elektrik bei zu viel Wasser streikt. Sie warten schon seit drei Stunden auf den Abschleppwagen. Ich bin ganz froh über mein Fahrrad und fahre langsam los.

Das aktuelle Wetterradar für ganz Kanada (zumindest dort wo die Stationen stehen), zeigt eigentlich nur in meiner Gegend Regen an. So ein Mist.

Das sieht dann in etwa so aus – mal wieder so, wie ich es schon mal hatte. Den ganzen Tag in so einer Art Wolken/Nebel/Niesel/Regen.

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