Bern – Richterswil

das war also die erste Etappe. Bisschen heiß und dafür auch bisschen viel. Für heute habe ich mir mal wieder nichts so richtiges vorgenommen. Naja, ich will vielleicht bis Luzern, wenn es gut läuft sogar bis Zürich. Das wären dann vielleicht wieder 150km. Und gegen die Hitze habe ich mir vorgenommen, irgendwo auf der Straße eine Kappe zu finden.
Erstmal muss ich aber das Problem lösen, aus der Stadt raus zu kommen. Ich überlege noch kurz, irgendwie mit dem ÖPNV irgendwann irgendwo hin zu fahren (offenbar kriegt man hier in Bern – wie auch schon in Lörrach als Übernachtungsgast für die beiden Tage ein kostenloses Tagesticket für beide Tage). Da ich aber nicht weiß, wie das hier funktioniert, fahre ich einfach mit dem Rad und hangle mich von Kreuzung zu Kreuzung aus der Stadt raus. Sieht sogar ganz schick aus.

Draußen sehe ich dann eine solche „Werbung“. Jeder/m „KampfradlerIn“ ist das klar, und die werden üblicherweise auch nicht umgefahren. Aber wer halt nicht so oft und selbstbewusst Rad fährt, der/die lässt sich gerne von den Autos an den Rand drängen. Deutsche Städte (wie z.B. hier Fellbach) machen da gerne ganz anders lautende „Werbung“.
Es ist übrigens immer noch heiß, aber mich wundert es, dass die günstige Sonnencreme vom Discounter ziemlich gut funktioniert. Sonnenbrand habe ich kaum, nur ein bisschen auf dem Kopf; auch hier würde die bald zu findende Mütze helfen. Was mich allerdings richtig stört, sind diese Mini-Fliegen. Sie kleben ständig irgendwo, gehen aber meist schnell in der Sonnencreme/Schweiß-Pampe auf meiner Haut kaputt. Bis es soweit ist, krabbelt es immer irgendwo, besonders im Gesicht hasse ich das!

Zufällig komme ich noch beim e-Bike Hersteller Flyer vorbei. Dort gibt es sogar ein paar interessante Angebote von Ladegeräten und Bosch-Akkus. Allerdings brauche ich das nicht wirklich und ich will es erst recht nicht mitschleppen.
Diese riesige Skupltur hat bestimmt auch eine Bedeutung, konnte ich auf den ersten Blick aber nicht entschlüsseln.
Dann ist es soweit – ich finde tatsächlich eine Mütze. Das hat sich hier schwieriger herausgestellt, als gedacht. Ich finde hier kaum irgendwas am Straßenrand. Die Schweizer scheinen da offenbar regelmäßig aufzuräumen (oder einfach kaum was zu verlieren).
Dummerweise ist es eine Hooters-Mütze. Dieser Laden ist auf der internationalen Scheiße-Skala für mich in der direkten Verfolgergruppe hinter so Sachen wie der #FCKAFD, Nestlé, Trump oder Monsanto. Also entscheide mich mich dafür, lieber einen Sonnenbrand zu kriegen (falls es denn soweit kommt), als mit dieser Mütze den Eindruck zu erwecken, ein Vollidiot zu sein.

Was deutlich besser hilft: So ein Pack Sorbet so lange an die heiße Birne halten, bis man wieder halbwegs abgekühlt ist. Und dann das leicht aufgetaute Sorbet natürlich noch essen. Mahlzeit!

Zwischendrin auf der Tour war ein See, über den ich eigentlich mit einer Fähre drüber wollte. Die fährt aber nur einmal am Tag und das war schon längst vorbei. Also 20km um den See herumradeln. Inzwischen habe ich schon Luzern abgesagt und bin Richtung Zürich unterwegs. Als ich dann gegen neun Uhr abends in Zürich ankomme, sind alle Hostels und Jugendherbergen belegt. Die Jugendherberge kümmert sich aber um mich und telefoniert mit der Jugendherberge in Richterswill. Dort gäbe es noch Betten, allerdings ist die 25km weg und die machen um 22:00 zu (es ist gerade 21:50). Auch das Problem kriegt man mit der Kreditkarten-Nummer und einem Zahlencode für die Türe in Richterswill geklärt und ich gebe Gas. Die Reststrecke ist flach, immer am Zürichsee entlang und ich habe ein Ziel, auch sind es inzwischen halbwegs angenehme Temperaturen.

So sah die Strecke dann aus (Link zu Strava), fast 180km in guten neun Stunden.

Aber morgen werde ich mir bestimmt mal was vernünftiges ausdenken, was gegen die Hitze hilft! ;~)

#StuttgartParktFair

letztes Jahr im Spätherbst hat die Stadt eine neue Kampagne vorgestellt: „Stuttgart Parkt Fair“. Damit wollte sie auf die Einsicht der FalschparkerInnen hoffen, die sie auf ihr Fehlverhalten hinweist. Eine solche Kampagne wird alle paar Jahre neu durchgeführt, weil man eben feststellt, dass die bisherige überhaupt nichts gebracht hat.

Auch die aktuelle Aktion bringt wieder überhaupt nichts, daher geht der Hashtag #StuttgartParktFair bei twitter ein bisschen rund, meist verbunden mit einem Bild von einem falschparkenden Auto. Diese Autos stehen wie selbstverständlich in jeder noch so störenden Position, die zugehörigen FahrerInnen haben inzwischen gelernt, dass man in Stuttgart offensichtlich nichts befürchten muss. Tagsüber kümmert sich das Ordnungsamt ein bisschen um Falschparker, wenn sie Feierabend haben, müsste es die Polizei machen (was sie aber definitiv nicht macht).

Jetzt hat die Stuttgarter Zeitung diesen Mini-Trend bemerkt und einen Bericht dazu erstellt. Anfangs waren dort einfach ein paar Tweets in dem Bericht eingebunden. Dann hatte wohl jemand kalte Füße bekommen und aus den Tweets wurden Screenshots auf denen die Kennzeichen unkenntlich gemacht wurden. Dieses Ammenmärchen mit den verpixelten Kennzeichen hält sich wacker, wobei es bereits 2007 ein Urteil dazu gibt, das eindeutlig aussagt, dass es überhaupt kein Problem ist, solche Kennzeichen zu veröffentlichen.

Dieser Bericht war mindestens einen Tag lang unter den Top 5 der meistgelesenen Artikel auf der Homepage des Blattes. Vermutlich hat die Zeitung gemerkt, dass sie damit einen Nerv getroffen hat. Die veröffentlichten FalschparkerInnen, inkl. dieses Hashtags, wurden immer mehr, es gibt jetzt sogar ganz neue Twitter-Accounts, die nur solche FalschparkerInnen posten. Vermutlich haben sich auch ein paar dieser ertappten FalschparkerInnen auch bei der Zeitung beschwert.
Die Zeitung versucht nun die „an den Pranger stellenden“ wiederum selbst an den Pranger zu stellen und schreibt einen zweiten, etwas schärferen Artikel. Jetzt werden Zahlen hinzugefügt und Beteiligte kommen zu Wort. Damit ist die Stuttgarter Zeitung jedoch überfordert. Von der Stadt lässt sie sich die bekannte Beschwichtigung erneut erzählen, ohne auch nur ein bisschen kritisch nachzufragen. Die Stadt steht auf dem Standpunkt, dass sie nur in Brandschutzzonen, auf Behindertenparkplätzen und auf e-Ladezonen abschleppen muss. Die deutschlandweite ist anders, aber das stört bei der Stuttgarter Verwaltung niemand. Meist kommt dann das Argument, dass man ja liebend gerne mehr abschleppen würde, aber man habe einfach kein Personal. Auch hier könnte man ja mal nachfragen, was daran hindert, dass genügend geschultes Personal eingestellt wird?
Nebenbei: Ich würde den Job sogar für zwei oder drei Stunden pro Woche ehrenamtlich machen, wenn zumindest ein Teil der „Einnahmen“ dann an ein von mir bestimmtes gemeinnütziges Projekt gespendet wird.
Den vierten Spieler am Tisch, die Polizei, kommt in dem Artikel gar nicht zu Wort. Auch hier gäbe es ein paar Fragen zu stellen, und sich natürlich nicht von dem allgemeinen Marketing-Geschwätz einlullen zu lassen. Immerhin werden in Stuttgart Kinder auf dem Gehweg überfahren (sic!). Ein Grund dafür sind evtl. versperrte Sichtachsen, die Kinder sehen die Autos nicht, die Autos sehen die Kinder nicht. Aber solange der Polizeipräsident Lutz öffentlich aussagt, dass er kein Interesse daran hat, sich um die Einhaltung der StVO zu kümmern, wird das vermutlich weiterhin vorkommen. Das krasseste Beispiel wurde erst vor wenigen Wochen verhandelt: eine Frau fuhr in eine SUV ein Kleinkind auf einem Parkplatz tot und wurde kurz darauf sogar mit dem Smartphone am Ohr erwischt. Ein solches Verhalten zeigen nur Menschen, die von der Polizei und dem Ordnungsamt nichts zu fürchten haben.

Auch die Mär von dem „Parkdruck“ könnte man mal hinterfragen. In den Stuttgarter Innenstadtbezirken ist seit dem Jahr 2000 die absolute Zahl der privaten Autos um etwa 10% zurück gegangen – und das, obwohl die Stadtbezirke im ähnlichen Maßstab gewachsen sind. Diese Zahlen gibt es auf den Seiten der Stadt, müsste man nur recherchieren. Wenn es jeder „interessierte Bürger“ kann, sollte es für MitarbeiterInnen einer Zeitung doch ein Klacks sein. Gäbe es wirklich diesen „Parkdruck“, würden die Leute sich nicht mehr und mehr dieser SUVs anschaffen, sondern – wenn überhaupt Autos – dann die kleinsten, die es gibt. Oder eben Roller, wie man das in jeder italienischen Stadt sehen kann. Wenn es diesen „Parkdruck“ wirklich gäbe, dann wären die Parkhäuser nicht jede Nacht leer, während die Leute direkt davor falsch parken. Es herrscht einfach ein Bewusstsein vor, dass man „sein heiligs Blechle“ immer und überall abstellen darf – und in den meisten Fällen stimmt das ja auch. Das Ordnungsamt und die Polizei dulden das alles.

Aber der Höhepunkt der Berichterstattung ist immer noch nicht erreicht. Die Journalistin hat jetzt beim Datenschutzbeauftragten des Landes BW nachgefragt und dort ist man der Meinung, dass diese Fotos nicht legal veröffentlicht sind (und das obwohl es ein anders lautendes Urteil gibt, siehe oben). Auch hier wieder keine Nachfragen. Dieser Datenschutzbeauftragte ist übrigens auch der Meinung, dass der Name von Anzeigenerstellern zwingend auf dem Brief zu stehen hat, der den Beschuldigten vorgelegt wird. Das setzen andere Bundesländer (wie z.B. Hessen) anders um und stützen sich auf die selbe, europäische Grundlage. Seltsam, diese Datensparsamkeit. Bei Autos fordern, bei Menschen nicht.

Die weiteren Schritte sind jetzt noch in einer fernen Zukunft. Vielleicht schafft es die Zeitung aber ja mal tatsächlich, sich mit dem real existierenden Problem des immer-und-überall-Falschparkens zu beschäftigen und dafür von der Stadt und der Polizei konkrete Lösungen abzuverlangen.

Als Fazit möchte ich Hermann Knoflacher nennen, der ein Buch mit dem Titel „Virus Auto“ geschrieben hat. Dort wird erklärt, dass normale Menschen kaum noch rational denken können, sobald sie im Besitz eines Autos sind. Der Datenschutzbeauftragte scheint so zu denken, die MitarbeiterInnen bei der Stadt, die Polizei. Alle haben dieses irrationale „Verständnis“ für FalschparkerInnen, für angeblich illegal veröffentlichte Kennzeichen und sehen überhaupt kein Problem darin, dass es auf Stuttgarter Straßen über 28.000x im Jahr kracht, mit all den Toten und (Schwer-) Verletzten. Alles wird dem Auto untergeordnet und eine lebenswerte Stadt bleibt in weiter Ferne.

Für mich ein weiteres Beispiel, wieso die Stuttgarter Zeitung, bzw. ihr Pendant die Stuttgarter Nachrichten, absolut kein Abo-Kandidat ist. Neben dem Aufbau von solchen Internet-Prangern fällt sie bei mir regelmäßig dadurch auf, dass sie alle paar Monate wieder die alten Listen „Stuttgarts 10 beste Brunch-Locations“ (und noch mehr in dem Stil) auspackt. Sonst halt viel Fußball und sonstiges, irrelevantes. Eine gut recherchierte Geschichte, wie man es in anderen Zeitungen findet, sucht man hier meist vergebens – aber das scheint offenbar auch nicht der Ansporn dieser Zeitungen zu sein.

Lörrach – Bern

jetzadle, los geht’s! Im Hostel laufe ich im Flur noch an diesem künstlerischen Moin vorbei.

Letzte Nacht habe ich mir auf einem Platz in der Fußgängerzone noch ein bisschen diese BMX Jungs angeschaut. Die Tricks können sie nicht mehr, das ging 2014 zum letzten Mal (wenn ich das richtig verstanden habe). Aber es ist auf jeden Fall noch imponierender gewesen, als wenn ich auf so einem Rad gesessen wäre. Mir fehlt so ein Ding ja noch in meiner Fahrrad-Sammlung….

Mit dem Thema Navigation habe ich mich nicht beschäftigt. Wie denn auch, ich wusste ja nicht mal wohin ich überhaupt will. Ich war aber überrascht über das ausgeschilderte Fahrradnetz in der Schweiz. Dort gibt es dann auch solche Fahrradstraßen, die wirklich nur für Radfahrer sind. Sowas gibt es in Deutschland natürlich nicht, fast jede Fahrradstraße hat das Schild „KFZ frei“ dran.
Die Beschilderung ist auch gut. Nicht so, wie diese grün/weißen Witzschilder, die hier bei uns aufgehängt werden, wenn eine Kommune noch Geld für den Radverkehr übrig hat und keine Idee hat, was sie damit tun soll.
Ich wollte nach Delémont, habe aber – eigentlich nur aufgrund der Hitze – tatsächlich den kürzeren Weg gewählt. Der Unterschied ist ja aber auch ziemilch groß.

Die Aussicht ist nicht allzu überraschend für die Schweiz.

In Delémont frage ich mal bei der Touristen-Information nach, ob es denn einen geschickten Weg nach Biel oder Bern gibt. Er kuckt mich komisch an und fragt mal google. Bern wäre ja noch 90km entfernt, ob ich das ernst meine? Na klar, aber das war doch nicht die Frage. Er gibt mir zwei potentielle Routen nach Biel, die eine hatte ich auf den digitalen Karten auch so grob angedacht, die andere soll aber besser, schöner und ruhiger sein. Er druckt mir das gleich mal aus. Nene, lass sein, das bringt nix, sage ich. Aber dann ist es schon zu spät. Ich habe jetzt ein halbbedrucktes DINA4 Blatt (farbig auch noch) mit einer 50km langen Route bis Biel, die etwa so lang ist, wie mein kleiner Finger. Das bringt natürlich nichts.

Und er hatte recht. Die Strecke ist schön und ruhig. Wenn auch etwas bergig, ich komme auf über 1.000m. Aber selbst dort oben ist es nicht merklich kühler. Was durch den Schatten der Bäume kühlt, macht die Anstrengung, um hier hoch zu radeln, wieder wett.

Und mit einem Tunnel mitten drin. Irgendwo hätte da auch ein kleiner See sein sollen, in den ich tatsächlich reinspringen wollte. Den habe ich aber nicht gefunden.

Weil es in Biel immer noch früh genug war, bin ich einfach die letzten 40km bis Bern noch weiter gefahren.
Am Ende waren es gute 150km bei der Hitze, die ich in fast 10h (inkl. 2h Pausen) hinter mich gebracht habe. Morgen will ich dann vielleicht nach Zürich, wobei ich mir schon mal Hostels davor ausgesucht habe, weil ich morgen ja nicht schon wieder so einen Ritt in der Hitze machen möchte….

bisschen Urlaub

ich bin ja der Typ, der nie so recht weiß, was los ist. Wie oft ich schon literweise getrunken habe, bis ich feststellte, dass ich eigentlich Hunger habe und anders rum genauso.
Mit dem Urlaub ist es ähnlich. Ich war jetzt schon überall und dachte, dass ich eigentlich noch ganz ausgeruht wäre. Aber als der – nur mal so prophylaktisch eingetragene – Urlaub näher kam, merkte ich doch, dass es mir wohl ganz gut tun könnte.
Ich bin allerdings auch der Typ, der keine richtige Lust hat, irgendwas zu planen. Gut, dass ich mir schon lange vorgenommen habe, nicht mehr zu fliegen. Das macht die Auswahl einfacher. Da ich nur wenige Tage habe, dachte ich eben, dass ich mit dem Zug in die Nähe der Schweiz fahre und dann dort etwas rumradle. Auf langweiliges, flaches Norddeutschland mit schlechten Radwegen habe ich keine Lust.

Der erste Versuch, bereits am Samstag aufzubrechen, ist irgendwie gescheitert. Das Wetter war miserable und ich hatte noch einen Termin zum Throbozyten-Spenden (und noch x andere Sachen zu tun). Gepackt sowieso nicht.
Montag Mittag war es dann soweit, ich habe meine Fensterbank-Blumen zum Gießen gegeben, in 20min alles zusammengepackt (hoffentlich an alles gedacht) und bin dann mit dem Zug bis Weil am Rhein gefahren. Von dort am Montag Abend noch eine kleine „Dreiländer-Radtour“ über Schweiz und Frankreich nach Lörrach; dort übernachtet. Schon die zweite Jugendherberge/Hostel hatte ein Bett frei.

Am nächsten Morgen hab ich noch Fahrradkettenöl (vergessen und natürlich nicht vor Abfahrt gepflegt) und neue Bremsklötze besorgt (die hören sich auch ziemlich verbraucht an). Und los geht’s. Wohin? Hm, irgendwie nach Biel? Oder noch weiter nach Bern? Mal sehen, wie es bei der Hitze läuft. An zwei Trinkflaschen habe ich wenigstens gedacht. Und auch ganz mutig (naja, bei der Wettervorhersage eher nicht) gar keine langen Sachen und auch keine Regenklamotten eingepackt.

Bilder gibt es erstmal keine. Mein Telefon ist eigentlich gerade Schrott und nicht im Zustand für eine Reise. Ich habe es gerade noch so hinbekommen, dass ich meine Touren aufzeichnen kann – aber das wars dann auch schon. Ob die Bilder, die ich jetzt sehr selten schieße, was werden oder wie ich drankommen könnte, werde ich wohl ausprobieren, wenn ich wieder zuhause bin und Zeit für sowas finde.

Bon Vojage!

Mannheim – Stuttgart

so eine Mist-Strecke! Aus Mannheim raus dachte ich, dass ich den grün/weißen Radrouten-Schildern folgen könnte. Das war natürlich eine ziemlich schlechte Entscheidung – wie ich es inzwischen ja schon wissen müsste. Und um Mannheim und die anderen Städte hier waren einige Straßen für den Radverkehr gesperrt und keine vernünftigen Umleitungen ausgeschildert. Das ist echt eine Katastrophe! Vor lauter Ärger über die Strecke habe ich gar keine Bilder gemacht, dafür halt hier die Relive-Aufzeichnung, auf der man ganz gut noch die ganzen Weinberge sehen kann, über die ich drüber musste.

Relive ‚Mannheim – Remseck‘


Ich habe es noch halbwegs rechtzeitig geschafft, auf der Abteilungs-Sommerfeier anzukommen und musste dort erstmal drei Liter trinken, um meinen Flüssigkeitshaushalt auszugleichen; meine Trinkflasche war schon recht früh leer und irgendwie gab es einfach keine gute Gelegenheit mehr, sie wieder aufzufüllen. Allerdings hatte ich auch nicht soviel Zeit, auf dem Sommerfest zu bleiben, weil abends noch die Mitglieder-Versammlung im Kulturzentrum Merlin war, auf der ich mich gerne in den Vorstand hätte wählen lassen. Irgendwie wurde die Vorstandswahl aber dann doch abgesagt, bzw. in den Herbst verschoben.

Aber als ich dieses Schild gesehen habe, wusste ich, dass ich wieder zuhause im Fahrrad-unfreundlichen Stuttgart bin: Schiebestrecke. :-/

Relive ‚Remseck – Stuttgart-West‘

Trier – Kaiserslautern/Mannheim

das Wetter sieht zwar nicht berauschend aus, aber wenigstens hat es gehalten. Ich fahre weiter durch die Vulkaneifel (?) und muss hier und da mal wieder über ein Berg fahren. Angefangen habe ich bei knapp 150m, zwischendrin war ich über 700m hoch. Das hat zwar immer eine schicke Aussicht, ist mit dem (wenn auch nicht mehr allzu schwer) bepackten Rad aber doch immer anstrengend.

Gestern bin ich ja auch noch bei Büchel/Alflen vorbei gekommen. Dort stehen die letzten Atomsprengköpfe der Amerikaner auf deutschem Boden und es gibt wohl noch eine aktive Widerstandsbewegung dagegen. Irgendwo in der Nähe soll es ein Camp geben, wird mir von zwei Demostranten erzählt, die mit ihren Rädern neben dem Eingangstor stehen und von ziemlich vielen Polizisten bewacht werden. Es sind zwei Mitglieder der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“, kurz IPPNW. Ich habe noch einen gefalteten Kranich aus Papier bekommen, dann fahre ich auch schon weiter und bedanke mich bei ihnen für ihren Einsatz.

Heute ist dann auch wieder eine seltsame Schilder-Kombination zu finden, ein benutzungspflichter Radweg, kombiniert mit einem Durchfahrt-Verboten-Schild (offiziell: „Verbot für Fahrzeuge aller Art“). Was jetzt? Ich muss auf dem Radweg fahren, darf es aber nicht?

Ich komme in Kaiserslautern an, finde hier aber nichts zum Übernachten. Es gibt keine Jugendherberge, kein Hostel – somit entschließe ich mich, in die S-Bahn zu steigen und bis Mannheim weiter zu fahren. Dass mir jetzt ein Stück auf der Strecke fehlt, ist mir gerade nicht so wichtig – vielleicht fahre ich hier irgendwann anders nochmal hin und fülle das übersprungene Stück auf. Da mache ich mir aber jetzt keine Gedanken drüber, sondern genieße einfach ein bisschen die Rhein-Auen in der untergehenden Sonne direkt vor der Mannheimer Jugendherberge.

Koblenz – Trier

während ich so über die Felder aus Koblenz raus fahre, sehe ich das große Canyon Gebäude und entschließe mich, dort noch kurz vorbei zu fahren. Es stehen gerade mal eine gute Handvoll Fahrräder vor dem Eingang, der KFZ-Parkplatz ist ziemlich voll und eine benachbarte Wiese wurde auch noch für diese Autos aufgeschottert. Dabei ist diese Strecke nicht besonders anspruchsvoll, es waren gute 5km von meinem Hotel und nur 100 Höhenmeter – das mache ich in Stuttgart auch jeden Tag, wobei ich auf Hin- und Rückfahrt über den Berg muss. Die Canyon-MitarbeiterInnen müssten nur auf dem HInweg den Berg rauf, zurück in die Stadt ginge es dann nur noch abwärts.
Naja, ich denke mir noch, dass ich mir mal deren Räder anschaue, aber das ist scheinbar nur das Werk, der Ausstellungsraum ist in der Stadt – und wenn ich das im Hinterkopf gehabt hätte, hätte ich mich dort mal umgeschaut. Schließlich will ich mir ja in naher Zukunft noch ein Carbon-Rennrad besorgen, und diese Canyon-Dinger sind grundsätzlich gar nicht so schlecht (außer dass es halt Massenware von der Stange ist und mir die Lackierungen nicht besonders gefallen). Deswegen bin ich aber dennoch nicht mehr zurück gefahren.

Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als einfach weiter zu fahren. Den Mosel-Radweg habe ich extra nicht genommen. Das wäre vermutlich deutlich länger gewesen, weil der Radweg immer dem Flusslauf folgt – und außerdem habe ich ja noch die katastrophale Radweg-Führung am Rhein im Kopf. Das mache ich nicht mehr mit – da fahre ich lieber auf normalen Straßen und über Berge.
Irgendwo dort habe ich auch mal eine tote Wildsau im Straßengraben liegen sehen. In der nächsten Stadt bin ich dann fast direkt an einer Polizeidienststelle vorbei gekommen und dachte mir: Sag ich denen doch mal darüber Bescheid. Hat sie aber nicht interessiert, sie wären nur zuständig gewesen, wenn der Kadaver auf der Straße gelegen wäre oder den Verkehr sonstwie behindert hätte. Na gut…. Weiterlesen

Köln – Koblenz

wenn man Zeit hat, so wie ich gerade, dann kann man auch mal zur Radkomm fahren. Das ist das „Kölner Forum Radverkehr“, bei dem der „Radentscheid“ für das Bundesland Nordrhein-Westfahlen gestartet wurde: Aufbruch Fahrrad. Sie brauchen dort 66.000 Unterschriften, damit sie gehört werden, das sollte doch schaffbar sein. Falls jemand das hier liest und in NRW wohnt, bitte mitmachen!
Neben „netzwerken“ und einem Workshop mit meinen speziellen Freunden, der Polizei, gab es ganz am Schluss noch eine Kunst-Aktion mit einem 50m langen Radweg, den man überall dort auslegen kann, wo man dringend einen Radweg bräuchte, aber keinen hat; zumindest, wenn man genügen Leute zum tragen hat. Zufällig vorbeikommende RadfahrerInnen waren ziemlich verwirrt, wie sie mit diesem Radweg umgehen sollten, wir konnten jedoch alle überzeugen, ihn zu benutzen.

Am nächsten Tag war dann noch die Sternfahrt in Köln, auf der etwa 7000 Leute mitgefahren sind. Auf meinem Ast, Chorweiler, waren es am Anfang auf nur wieder ca. 50 Leute am Anfang, wie schon in Berlin. Aber es regnete hier nicht und die Polizei war sogar mit Fahrrädern dabei.

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Witten – Köln

in Leer habe ich ja schon so ein ähnliches Schild gesehen, jedoch nur mit einem Pfeil drauf. Hier sind gleich mal zwei Pfeile. Und ich frage mich: Muss ich jetzt hier abbiegen oder erst in zweihundert Metern? Es sieht ja nicht so aus, als ob da vorne etwas käme. Würde ich so ein Phantasie-Schild aufhängen, das nicht in der StVO beschrieben ist, bekäme ich eine Anzeige wegen „gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr“. Dass es von Fachleuten der Stadt aufgehängt wird, zeigt nur wieder die vorherrschende Meinung hier in Deutschland: „Sind ja nur Radfahrer, da braucht man sich doch überhaupt gar keine Mühe geben und man kann sie mit allen möglichen Mitteln drangsalieren.“
Wäre mal interessant, was wohl passiert, wenn ich so eine Anzeige auf „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“ stellte. Dort im Ruhrpott ist es mir – wie schon in Leer – ziemlich egal. Mal sehen, ob ich in Stuttgart dann solche Quatsch-Schilder sehe. Wobei die Staatsanwaltschaft dort sowieso jegliche Anzeigen von Radfahrern aufgrund von „mangelndem öffentlichen Interesse“ fallen lässt….

Ich war auf jeden Fall in der Nähe des bisher einzigen Radschnellweges RS1, der sogar eine eigene Website hat. Wenn ich das richtig verstehe, sind aktuell schon sechs Kilometer fertig, allerdings noch nicht ganz (was auch immer das heißt). Ich habe ja keine Eile, also nehme ich den kleinen Umweg in Kauf und probiere ihn mal aus. In Stuttgart läuft aktuell eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg, und bevor sie dort eine bestimmt schlechte Lösung implementieren, wollte ich doch mal sehen, wie so etwas wo anders in Deutschland aussieht.
Der Anfang ist schon fast vielversprechend, wenn man mal davon absieht, dass es kein Radweg, sondern ein kombinierter Fuß- und Radweg ist. Im weiteren Verlauf wundere ich mich dann über ein geschottertes Stück und hoffe, dass das einfach noch nicht ganz fertig ist. Was mich aber doch am meisten verwirrt: dort sind alle paar Meter Kopfsteinpflaster-Schwellen eingebaut. Keine Ahnung, wer auf diese hirnrissige Idee gekommen ist – gibt es eine einzige Autobahn in Deutschland, auf der Kopfsteinpflaster-Schwellen sind? Natürlich nicht, weil beim KFZ-Verkehr irgendwie niemand auf so einen Schwachsinn kommen würde, beim Radverkehr scheinen bei manchen StraßenplanerInnen durchaus mal die Sicherungen durch zu brennen.

Vielleicht hätte ich aber auch einfach nicht nach Holland fahren sollen – die Erfahrungen auf deren Radwegen werde ich wohl nie mehr vergessen und immer als Maßstab für jeglichen Rad-Infrastruktur herziehen. Ich habe einfach keine Bilder mehr von diesem Schnellweg gemacht, aber bei jeder Schwelle, die mich wieder durchgeschüttelt hat, laut geflucht. Wie kann man so eine Scheiße produzieren?
Und wer jetzt ankommt, dass in Deutschland ja „kein Platz“ sei, dem kann ich sagen, dass in Deutschland 230 Leute / m² leben, in den Niederlanden fast doppelt so viele, nämlich 413 / m².

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Rheine – Witten

von Rheine aus fahre ich noch einen Umweg über Ibbenbüren und besuche Musik Produktiv. Ich habe ja vor, eine „g’scheite“ Musikanlage für mein Fahrrad zu bauen und wollte dort einfach mal mit den Leute quatschen, die Ahnung davon haben (so meine Idee).
Leider habe ich niemanden dort getroffen, der mein Anliegen so richtig verstanden hat. Aber ein kleines Mischpult, das man mit USB betreiben kann, habe ich mir als ersten Schritt schon mal besorgt. Somit kann ich jetzt wenigstens mal ein Mikrofon an meinen bestehenden „Brüllwürfel“ anschließen.
In irgendeiner Stadt auf dem Weg sah ich dann dieses Bänkchen. Eine schicke Idee, ich glaube, davon könnte ich auch mal ein paar basteln und in Stuttgart aufstellen. Mal sehen, mit welcher schwachsinnigen Begründung sie dann von der Stadt wieder entfernt werden.

Dann wieder Radwege. Ich habe doch glatt mal wieder einen dieser Radwege genommen und komme buchstäblich mitten im Wald raus. Als Einheimischer bestimmt kein Problem, ich bin an dieser unbeschilderten T-Kreuzung jetzt ein bisschen aufgeschmissen. Also hole ich meine digitale Karte raus und schaue, wie ich am schnellsten wieder zurück auf die Straße komme. Den Mist mache ich nicht weiter!

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Arnhem – Rheine

wenn mir die Leute hier was erzählen, verstehe ich kein Wort. Aber wenn ich solche Schilder sehe, dann kann ich doch ein bisschen was von dieser Sprache hier verstehen. Ich bin wohl eher der visuelle Typ.
Und was hier der Grund für ein „Achtung-Schild“ ist, ist in Deutschland gerne mal ein ganz normaler, benutzungspflichtiger Radweg.

Auch hier in den Niederlanden gibt es Kraftfahrtstraßen, wie man ganz links über dem Deich sehen kann. Aber das macht mir überhaupt nichts aus, denn ich habe daneben – und in dem Fall sogar durch den Deich geschützt – meinen eigenen Weg.

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Amsterdam – Arnhem

auch das sind die Niederlande: zehnspurige Autobahnen.
Dazu passt dieser (englische) Artikel ganz gut, der ein „Geheimnis“ der Niederländer aufdeckt: Sie fahren kaum Fahrrad! Im Durchschnitt so etwa 1,2km pro Tag, egal in welcher Stadt. Und das, obwohl sie im Schnitt etwa 30km pro Tag zurücklegen, der Rest ist dann eben zu Fuß, im ÖPNV oder dem Auto. Für Deutschland habe ich so eine Zahl nicht gefunden, nach dieser Studie (pdf bei fahrrad.de) scheinen es aber sogar mehr zu sein – zumindest bei den befragten Teilnehmern, wie die sich zusammen setzten weiß ich nicht.

Aber die Städte laden eben dazu ein, Fahrrad zu fahren und für solche kurzen Strecken das Auto stehen zu lassen. Ganz nach der Devise: lieber mit dem Rad in der Nachbarschaft einkaufen, als mit dem Auto in das Shopping-Center am Stadtrand fahren.
Nach den Untersuchungen von Knoflacher ist das „zeitliche Mobilitätsbudget“ von Menschen ziemlich konstant, d.h. mit schnelleren Fahrzeugen fahren wir einfach weiter, aber nicht zeitlich weniger.

In Fahrrad-Straßen wird hier gleich mal am Anfang daran erinnert, dass die Autos hier nur zu Gast sind (ich hoffe, mit meinen fehlenden Sprachkenntnissen dies doch richtig „übersetzt“ zu haben). Und das steht da nicht nur, das wird auch so gelebt. Ich bin z.B. in einer längeren und recht schmalen Straße gefahren, in der drei Schulkinder nebeneinander fuhren und miteinander redeten. Wahrlich nicht schnell – und dahinter ein Auto, das nicht überholen konnte. In Deutschland hätte es schon längst gehupt und vermutlich auch gedrängelt, hier war es überhaupt kein Problem.

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Groningen – Amsterdam

dieses Hostel, das eigentlich nur aus ein paar Containern zusammengezimmert wurde, sagt mir doch etwas mehr zu, als diese ganzen Jugendherbergen, die wir in Deutschland habe; das ist wohl auch so ein eher typisch deutsches Ding, diese relativ großen „Beherbergungsstätten“, die eher den Charme eines Krankenhauses haben, aber halt auf Funktionalität getrimmt sind.
Hier wird mir auf jeden Fall noch etwas vom Afsluitdijk erzählt, den andere Radfahrer wohl ganz gerne nehmen. etwa 30km schnurgerade übers Wasser fahren. Hört sich erst mal nicht so spannend an und ist auch ein kleiner Umweg, aber da der Wind relativ günstig steht, fahre ich da halt auch hin.

Der riesige Unterschied zu niederländischen Radwegen zu dem, was in Deutschland „Fahrrad-Infrastruktur“ genannt wird: Man kann da wirklich drauf fahren! Man muss sich nicht ständig auf die Straße konzentrieren, damit man die Schlaglöcher, Querrillen, Baumwurzeln, Dreck, etc. übersieht und dann auf dem Rad komplett durchgeschüttelt wird. Das ist alles schön eben, sogar Einmündungen sind komplett ohne diese Bordsteine gebaut, die in Deutschland alle paar Meter verbaut werden. (Gibt es eine so starke Bordstein-Lobby in Deutschland? Oder haben einfach alle Verkehrsplaner einen Bordstein-Fetisch? Oder ist es einfach nur wieder so ein KFZ-Gesetz, das es den Radfahrern tagtäglich und an jeder einzelnen Kreuzung so schwer macht?)
Man muss auch nicht darauf achten, wo die wirren Stadtplaner jetzt wieder den Radweg hingelegt haben, wo das blaue Schild jetzt schon wieder steht (mal links, mal rechts von der Straße, mal überhaupt gar nicht mehr an der Straße), wo der grüne oder rote (seit wann gibt es überhaupt diese beiden?) Mini-Radwegweiser gerade zeigt, ob mal wieder ein „Radweg-Schäden“-Schild oder ein „Radfahrer absteigen“-Schild irgendwo steht, etc. Es ist eine große Katastrophe in Deutschland!
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